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Streit um Platanen an der Mainlände: Gemeinde hält an Planung fest

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Der Hauptausschuss der Gemeinde Veitshöchheim hat in seiner Sitzung am Dienstag (27. Januar) an der geplanten Umgestaltung der Neuen Lände festgehalten. Mit 7:2 Stimmen erteilte das Gremium „höchst vorsorglich“ das gemeindliche Einvernehmen zur Fällung von zehn Platanen im Bereich des Dreschplatzes. Damit bestätigte der Ausschuss die bisherigen Beschlüsse zur Umsetzung des sogenannten Mainbalkons vor den Mainfrankensälen – trotz anhaltender Kritik der Grünen-Fraktion im Gemeinderat und des Bund Naturschutz (BN).

Rückblick: Gemeinderat lehnte Antrag der Grünen bereits im Januar ab

Bereits am 13. Januar hatte der Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit Änderungen an der bestehenden Planung abgelehnt. Ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, der sowohl eine alternative Führung des Geh- und Radwegs zwischen Stegrampe und Tiergartenstraße als auch den Erhalt von sechs Platanen am Dreschplatz vorsah, fand keine Mehrheit. Zustimmung kam ausschließlich aus den Reihen der Grünen.

Bürgermeister Jürgen Götz verwies in der Debatte darauf, dass eine Radwegführung im Straßenraum erneute Eingriffe in die Wurzelbereiche der Platanenallee erfordern und zudem Sicherheitsprobleme durch wartende Busfahrgäste verursachen würde. Die geplante Trasse zwischen Platanenallee und Mainufer liege außerhalb der Kronentraufen, sei mit den Fachbehörden abgestimmt und wasserrechtlich genehmigt.

Auch beim Mainbalkon folgte der Gemeinderat der Argumentation der Verwaltung. Götz betonte, dass der Wegfall der Platanen am Dreschplatz integraler Bestandteil des Siegerentwurfs des städtebaulichen Wettbewerbs von 2018 sei und seit Jahren transparent bekannt war. Eine Umplanung würde den Kern des Entwurfs infrage stellen, zu erheblichen Mehrkosten führen und den Zeitplan gefährden.

Bund Naturschutz kritisiert Beschlüsse scharf

Nach dem Gemeinderatsbeschluss meldete sich der Bund Naturschutz mit deutlicher Kritik zu Wort. In einer am 22. Januar auf Mainpost-Online veröffentlichten Pressemitteilung fordert der BN insbesondere den Erhalt der sechs großen Platanen am Dreschplatz. Diese seien prägend für das Ortsbild, wichtige Schattenspender und Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Die geplante offene Fläche berge die Gefahr einer starken sommerlichen Aufheizung.

BN-Mitglied Armin Genser kritisierte zudem in einem Kommentar, dass der Gemeinderat im Wettbewerbsverfahren nicht auf eine Anpassung des Entwurfs zum Erhalt der Bäume gedrängt habe. Der BN verweist außerdem auf den seit 1986 geltenden Bebauungsplan, der den Erhalt der Platanen am Dreschplatz ausdrücklich festsetzt.

Verwaltung sieht Genehmigungslage als eindeutig

Bürgermeister Götz hielt den Einwänden im Hauptausschuss entgegen, dass alle zuständigen Fachstellen, darunter auch die Untere Naturschutzbehörde, beteiligt worden seien. Nach Abwägung der widerstreitenden Interessen überwiege – wie bereits bei der planfestgestellten Fällung von neun Platanen für die Rampe des neuen Mainstegs – das öffentliche Interesse an der Umsetzung der beschlossenen Planung.

 

Götz verwies darauf, dass die Neugestaltung der Neuen Lände auf einem städtebaulichen Wettbewerb aus dem Jahr 2018 beruhe. Der Mainbalkon (im Bild) sei ein zentrales Element des Siegerentwurfs und erfordere die Entfernung von insgesamt zehn Platanen. „Die Planung ist seit Jahren bekannt, beschlossen und genehmigt“, betonte Götz.

Die Maßnahme sei zwar wie ausgeführt, bestandskräftig genehmigt, so der Bürgermeister; rein vorsorglich habe man aber nun eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans auf die Tagesordnung der Hauptausschusssitzung gesetzt.

Interesse an Umgestaltung überwiegt Erhalt der Baumreihe

Bei Abwägung der widerstreitenden Interessen – weitgehend vollständiger Erhalt der Baumreihe - gegen die Umgestaltung der „Neuen Lände“, so Bürgermeister Jürgen Götz, überwiege das Interesse am Ausbau und Verbesserung des Platzes. Würde der Entfernung der Bäume nicht zugestimmt werden, müsste die gesamte Planung der „Neuen Lände“ neu überdacht werden.

Dies würde die vergangenen Beschlüsse des Gemeinderates (seit 2018!) widersprechen und eine erhebliche Kostenmehrung verursachen. Götz: "Wir haben ja am 13. Januar, was die Mehrkosten einer Planungänderung betrifft, keine Zahlen nennen können. Wir haben aber in der Zwischenzeit dies tiefer beleuchten können. Stand heute beziffern wir die Umplanungskosten auf 500.000 Euro, weil wir ja ein Planungsversprechen gegeben haben, so auch für einen Fachplaner für die Bohrpfahlwand für den Mainbalkon und so weiter. Dies ohne Kenntnis, wie sich eine Umplanung auf die Städtebauförderung von 60 Prozent der beihilfefähigen Kosten auswirken wird. Es müsste ein neuer Förderantrag müsste eingereicht werden. Hier bestehe die Möglichkeit, dass die Förderhöhe geringer ausfällt oder eine Förderung für eine neue Planung nicht gewährt wird.

Ausgleich durch umfangreiche Neupflanzungen

Nach Angaben des Bürgermeisters soll die Umgestaltung die Aufenthaltsqualität erhöhen und das Mikroklima verbessern. Zwar würden zehn Bäume entfernt, gleichzeitig sei jedoch eine deutliche Ausweitung der Grünflächen vorgesehen: Statt bislang rund 900 Quadratmetern sollen künftig etwa 2.020 Quadratmeter begrünt werden.

Als Ausgleich sind rund 30 Neupflanzungen unterschiedlicher Baumarten in intensiven Staudenpflanzungen geplant, darunter Eschen, Platanen, Ulmen und Traubenkirschen. Die Bäume sollen bereits bei der Pflanzung eine Höhe von sieben bis neun Metern sowie einen Stammumfang von bis zu 45 Zentimetern aufweisen. Ziel sei es, die bestehende Platanen-Monokultur aufzubrechen und langfristig eine vielfältigere und klimaresilientere Vegetation zu schaffen.

Baumart Höhe bis Kronenbreite bis Alter bis Jahreszuwachs ca.
2 We-Eschen 18 m 6 m 100 Jahre 60 cm
4 Purpur-Eschen 25 m 15 m 100  Jahre 60 cm
2 Platanen 30 m 25 m 150 Jahre 50 cm
7 Traubenkirschen 8 m 4 m 70 Jahre 40 cm
15 Ulmen 18 m 12 m 100 Jahre 50 cm
Radwegführung abgestimmt mit Fachbehörden

Auch die Kritik des BN an der Verlegung des Radwegs wies Götz zurück. Die neue Führung diene dem Schutz der straßenseitigen Platanen, deren oberflächennahes Wurzelwerk größere Abstände zu Baumaßnahmen erfordere. Ein vollständiger Erhalt der Ufervegetation sei geprüft, letztlich jedoch verworfen worden. Die geplante Trasse sei mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt und im Rahmen eines Wasserrechtsverfahrens genehmigt. Während der Bauphase seien zusätzliche Wurzelschutzmaßnahmen vorgesehen.

Beschluss bestätigt Linie der Gemeinde

Nach Abwägung aller Belange erteilte der Hauptausschuss schließlich das gemeindliche Einvernehmen zur Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans „Tiergärten“ für die Entfernung der zehn Bäume sowie zur Errichtung des Radwegs anstelle einer bislang festgesetzten, jedoch nie realisierten Spielanlage. Die Befreiungen seien nach § 31 BauGB zulässig, da die Grundzüge der Planung nicht berührt würden.

Mit dem Beschluss bekräftigt die Gemeinde ihre Linie: Die Umgestaltung der Neuen Lände soll wie geplant umgesetzt werden – trotz anhaltender Kritik aus der Grünen-Fraktion und vom Bund Naturschutz.

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A
Das Kettensägenmassaker wird stattfinden. Der Versuch die sechs Platanen am Main zu retten ist gescheitert. Kreativ hat man den Bebauungsplan, der den Erhalt der Platanen vorgibt, in einer weiteren Sitzung mit einer Freistellung umgangen und "nachgeschärft". Wortreich mußte die erfreuliche Aufwertung des Dreschplatzes als Begründung für die unsinnige Beseitigung der gesunden, etwa 40 jährigen Bäume, herhalten. Die genannte Summe von 500 Td. € für eine Umplanung kann man glauben, oder auch nicht. Der eigentliche Skandal ist, dass der Gemeinderat das völlig unsinnige Entfernen der Bäume bei der Vorstellung des Siegerentwurfs hingenommen hat. "Freie Sicht für freie Bürger". Es entsteht ein "breites Steinband als exponierter, atmosphärischer Aufenthaltsort am Wasser. Ein Befreiungsschlag, der die Blicke zum Fluss, mainabwärts und auf das neue Brückenbauwerk freigebe", so der Planer. <br /> Blumige Worte für einen Baumfrefel. So geht man in der heutigen Zeit mit Natur um. Der nächste städteplanerische Fehlgriff nach den Sandäckern.
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