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LBV ordnet geplante Fällung von Platanen am Höchheimer Steg ein

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

 Nicht heimische Platanen betroffen

 

Im Zuge der kontrovers geführten Diskussion um die geplante Fällung von zehn Platanen im Rahmen der Neugestaltung der urbanen Lände am Höchheimer Steg hat sich nun auch der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV) geäußert. Auf Bitte von Bürgermeister Jürgen Götz gab Dipl.-Ing. (FH) Umweltsicherung Marc Sitkewitz, Bezirksgeschäftsstellenleiter des LBV Unterfranken, eine fachliche Einschätzung ab.
Nach Angaben Sitkewitz’ handelt es sich bei den betroffenen Bäumen um Platanen-Hybride aus morgenländischer und abendländischer Platane, die nicht zu den gebietsheimischen Baumarten zählen. Entsprechend sei ihre ökologische Wertigkeit deutlich geringer als die heimischer Arten.

Keine artenschutzrechtlichen Bedenken
Aus artenschutzrechtlicher Sicht bestehe – abgesehen von der Einhaltung der Rodung außerhalb der Brutzeit – kein weiterer Handlungsbedarf. An den Bäumen seien keine Höhlenstrukturen festgestellt worden, die als Lebensraum für besonders geschützte Arten relevant wären.

Unterschiedliche Bewertungen innerhalb der Umweltverbände
Sitkewitz weist darauf hin, dass die Bewertung von Platanen auch innerhalb der Umweltverbände unterschiedlich ausfällt. So verweist er auf eine Veröffentlichung des BUND-Regionalverbands Stuttgart, in der Platanen kritisch beurteilt und teilweise ausdrücklich abgelehnt werden. Der dort zitierte Forstmann Dr. Hans Halla, langjähriger Leiter des Hofkammerforstamts Bietigheim, hatte bereits vor Jahren auf die aus seiner Sicht geringe ökologische Bedeutung der Platane hingewiesen.

Ökologische Risiken und Urbanität
Halla führte unter anderem an, dass auf heimischen Baumarten wie der Eiche mehrere hundert Insektenarten leben, während auf der fremdländischen Platane lediglich eine einzige Art nachgewiesen sei. Zudem warnte er vor einer zunehmenden Vereinheitlichung von Ortsbildern durch den großflächigen Einsatz nicht heimischer Baumarten sowie vor der Ausbreitung des sogenannten Bunten Platanenkrebses, einer aus Amerika eingeschleppten Pilzerkrankung.

Fazit des LBV
Platanen könnten aus ökologischer Sicht allenfalls punktuell und an sogenannten Zwangsstandorten sinnvoll sein, nicht jedoch als flächige oder dominante Bepflanzung im urbanen Raum, so die zusammenfassende Einschätzung von Sitkewitz.

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A
Es ist offensichtlich. Auf Grund des Widerstandes und der Kritik an der geplanten Fällung versucht man jetzt dem Abräumen der Platanen "einen Sinn" zu geben. Spätestens wenn die Bäume weg sind, werden viele Bürger mit Unverständnis reagieren.<br /> <br /> Über die fachliche Einschätzung von Herrn Dipl.-Ing. (FH) Umweltsicherung Marc Sitkewitz, Bezirksgeschäftsstellenleiter des LBV Unterfranken, kann ich mich nur wundern. Ich kann nicht einschätzen, in wie weit er eine besondere Kompetenz hat, Bäume auf ihre Wertigkeit zu beurteilen. Ich habe keine fachliche Kompetenz, totzdem möchte ich der Einschätzung in vielen Punkten widersprechen.<br /> <br /> - Sitkewitz: "Bei den Platanen-Hybriden aus morgenländischer und abendländischer Platane handelt es sich um keine gebietsheimische Baumart."<br /> Ja, die morgenländische Platane stammt aus <br /> dem nahen Osten und Südeuropa. Die abendländische aus Nordamerika.<br /> Hybriden entstehen durch die Kreuzung beider Arten und kombinieren oft die besten Eigenschaften beider. Sie sind in der Regel hitze- und krankheitsresistenter und eignen sich sehr gut für städtische Umgebungen.<br /> Aber, viele Bäume die heute, gerade wegen des Klimawandels gepflanzt werden, sind nicht "gebietsheimisch".<br /> So sind die, für die Neupflanzung am Dreschplatz vorgesehene Purpureschen, ursprünglich aus Australien. Die eingeplanten Weißeschen stammen ursprünglich aus Nordamerika. Bei den eingeplanten Rebella Ulmen handelt es sich um eine amerikanisch-asiatisch-europäische Hybridzüchtung.<br /> Besonders interessant ist, dass unter den Neupflanzungen eben auch wieder Platanen vorgesehen sind.<br /> <br /> Sitkewitz: "Entsprechend sei ihre ökologische Wertigkeit deutlich geringer als die heimischer Arten."<br /> Die ökologische und ökonomische Wertigkeit eines Baumes ergibt sich nicht allein daraus, ob er einer heimischen Art angehört. Sie ergibt sich zum großen Teil auch aus dem Alter des Baumes. Ältere Bäume bieten Lebensraum für zahlreiche und teilweise auch gefährdeter Tierarten: Vögel, Insekten und andere Tiere. <br /> Der Wert ergibt sich außerdem durch seine Fähigkeit zur Kohlenstoffbindung, die Verbesserung der Luftqualität und das Bereitstellen von Schatten. Schätzungen zeigen, dass ein solch großer Baum einen Wert von 15.000 bis 50.000 Euro haben könnte. <br /> <br /> Sitkewitz weist darauf hin, "dass die Bewertung von Platanen auch innerhalb der Umweltverbände unterschiedlich ausfällt und teilweise abgelehnt wird, da z.B. auf einer Eiche mehrere hundert Insektenarten leben".<br /> Das mag ja durchaus sein, es werden aber statt der Platanen keine Eichen gepflanzt. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.<br /> <br /> Sitkewitz zitiert: "Zudem warnte er vor einer zunehmenden Vereinheitlichung von Ortsbildern durch den großflächigen Einsatz nicht heimischer Baumarten".<br /> Die sechs Platanen, vereinheitlichen nicht das Ortsbild, sie prägen seit etwa 40 Jahren das Ortsbild.<br /> Die angeführte Pilzerkankung ist in der Regel für unsere Platanen kein Problem. Die Erkrankung tritt vor allem in Frankreich auf. Immerhin sind die Platanen mit ihren etwa 40 Jahren aus den "Kinderkrankheiten" heraus. <br /> Es bleibt abzuwarten, wie sich die neu gepflanzten Bäume entwickeln. Man sehe sich nur diverse Neupflanzungen an (Sandäcker, Jahresbaumweg).<br /> Die neu gepflanzten Bäume können ebenso von Krankheit befallen werden (Eschentriebsterben, Rostpilz, Ulmen-krankheit).<br /> <br /> Sitkewitz: "...Platanen sind als flächige oder dominante Bepflanzung im urbanen Raum nicht sinnvoll".<br /> Es handelt sich bei den sechs Platanen nicht um eine flächige Bepflanzung.<br /> <br /> Meiner Meinung nach gelingt es Herrn Sitkewitz mit seinen Ausführungen nicht im geringsten die Platanen "schlecht zu reden". <br /> Dass der Dreschplatz durch die geplante Umgestaltung eine Aufwertung erfährt stellt niemand in Frage. Es ist aber unverständlich, dass man gesunde Bäume nicht in die Planung einbezogen hat. <br /> Zu den Heckenstrukturen am Main, die gerade für Vögel wichtig sind, wird vom LBV keine Aussage gemacht.
Antworten
M
Sehr geehrter Herr Genser,<br /> <br /> grundsätzlich geht es mir nicht darum, die Platanen schlecht zu reden, sondern rein um eine richtige naturschutzfachliche und -rechtliche Einordnung, um die ich gebeten worden bin (nur Platanen). Nicht jede Maßnahme taugt zum Skandal, auch in Wahlkampfzeiten. Die kleinklimatischen Effekte, Prägung des Landschaftsbildes, Schattenspender etc. sind für die rein naturschutzfachliche Debatte nicht maßgeblich. Diese Abwägung obliegt dem Gemeinderat, hier sind wir als LBV nicht beteiligt. <br /> <br /> Natürlich können auch nicht heimische Baumarten eine wichtige ökologische Funktion übernehmen. Im Rahmen der Studie der LWG hat Dr. Susanne Böll dargelegt, dass für die hier untersuchten Baumarten hinsichtlich der Biodiversität im Kronenraum keine großen Unterschiede zwischen heimischen und südosteuropäischen Baumarten bestehen vgl. „,Hinsichtlich der Abundanzen in den einzelnen Taxa stachen 2021 die heimische Stadtulme und Esche sowie die asiatische Purpur-Erle, 2022 der heimische Spitz-Ahorn, der südeuropäische Italienische Ahorn, die Amerikanische Linde und die asiatische Resista-Ulme hervor.“ Platanen wurden hier nicht untersucht. Entscheidend ist der Biodiversitätsindex, ich verweise auf eine der wichtigsten aktuellen Studien diesbezüglich; Biodiversitätsindex 2021 für Stadtbäume im Klimawandel der Stadt Zürich unter Leitung von Frau Dr, Sandra Gloor unter Mitwirkung europaweit anerkannten Experten wie z.B. Prof. Dr. Christoph Scheidegger, sowie der schweizerischen Vogelwarte, die im Forschungssektor eine europaweite Führungsrolle einnehmen. Ob ich die fachliche Kompetenz habe oder nicht ist daher vollkommen unwesentlich und nicht Gegenstand weiterer Diskussionen. Platanen weisen hier nun mal von allen Baumarten den geringsten Biodiversitäts-index von 1,3 auf.<br /> <br /> https://www.swild.ch/sites/default/files/publications/BE_StadtbaumBiodivIndex_SWILD_GSZ_20211209def.pdf<br /> <br /> Natürlich ergibt sich die ökologische Wertigkeit auch aus dem Alter der Bäume, da erst ab einem gewissen Alter relevante Baumhöhlen, Mulmhöhlen vorhanden sind, die hinsichtlich der Einordnung als potenzielle Lebensstätte gemäß § 44 BNatSchG von Relevanz sind. Ca. 40-jährige Platanen liegen hier weit unter dem relevanten Zeitfenster, diese Strukturen sind nun mal noch nicht vorhanden, daher gibt es hier auch keine höhlenbrütenden Vogelarten oder Fledermausarten. <br /> <br /> Beste Grüße<br /> Marc Sitkewitz<br /> LBV-Bezirksgeschäftsstellenleiter Unterfranken