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25 Jahre Gadheimer Stammtisch – Ein Vierteljahrhundert gelebte Dorfgemeinschaft im Markushof

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Was heute selbstverständlich wirkt, begann vor 25 Jahren mit einer spontanen Idee an einem Abend im Markushof: Bei einer Feier im Herbst 2000 saßen Gadheimer mit Bürgermeister, Pfarrer und Vertretern des Berufsbildungswerks Caritas-Don Bosco (BBW) zusammen – wie so oft, wenn im Weiler ein Bauabschnitt abgeschlossen oder ein kleines Fest gefeiert worden war. Aus dieser Runde heraus entstand die Idee, einen regelmäßigen Stammtisch ins Leben zu rufen. „Man könnte ja einen Stammtisch draus machen“, habe damals jemand gesagt, erinnert sich Ortssprecher Walter Dieck. Der damalige BBW-Direktor Norbert Klemm war sofort begeistert und versprach, die Idee umzusetzen. In der Holzwerkstatt des Berufsbildungswerks entstand mit einer neuen Fräsmaschine der große Holztisch, der bis heute Mittelpunkt der monatlichen Treffen ist. Im März 2001 wurde der Gadheimer Stammtisch offiziell eingeweiht.

Seitdem trifft sich die Dorfgemeinschaft – außer im August und in wenigen Corona-Monaten – verlässlich einmal im Monat im Ausbildungshotel des Markushofs. Was zunächst als reiner Männerstammtisch begann, öffnete sich schnell auch für Frauen und entwickelte sich später zu einem generationenübergreifenden Treffpunkt. Heute ist der Stammtisch eine feste Größe im sozialen Leben der 80 Einwohner des kleinen Ortsteils, ein Ort des Austauschs über Landwirtschaft, Dorfbelange, Gemeindepolitik und Entwicklungen im Markushof ebenso wie über Feste, Traditionen und alltägliche Geschichten.

Ein Ort der Kommunikation – und ein Gewinn für den Weiler

Die besondere Bedeutung des Stammtisches erschließt sich aus der Lage Gadheims: Der kleine Weiler verfügte lange über keinen eigenen Raum für regelmäßige Treffen. Erst mit dem Übungshotel des Markushofs, das Ende 1999 von Don Bosco in Betrieb genommen wurde, bot sich die Möglichkeit, einen kommunikativen Mittelpunkt zu schaffen. Die Öffnung der Gaststätte für Gadheim war – wie Altbürgermeister Rainer Kinzkofer betont – ein „Segen für den Ortsteil“. Seitdem nutzen die Bewohner den Markushof auch für Feste und Feiern.

Kinzkofer, der seit Beginn dabei ist, erinnerte beim Jubiläum am 13. November 2025 an die Anfangsjahre: Rund 20 Männer hätten damals am Tisch gesessen, von denen inzwischen viele verstorben seien. Umso wichtiger sei der Generationenwechsel der vergangenen Jahre. „Es ist die einzige Möglichkeit im Weiler, sich regelmäßig zu treffen. Und es kommt gut an – heute mehr denn je“, sagte er.

Don Bosco als verlässlicher Partner

Eine tragende Rolle spielte von Anfang an das Berufsbildungswerk Don Bosco als Betreiber des Markushofs. Die jeweiligen Leiter – früher Norbert Klemm, seit 2009 Andreas Halbig – nahmen häufig am Stammtisch teil. „Es hat sich bewährt, Schulter an Schulter durch die Zeit zu gehen“, sagte Halbig beim Jubiläum. Zugleich erläuterte er die Bedeutung des Standorts Gadheim für Don Bosco: Das Berufsbildungswerk Würzburg ist eine Einrichtung der beruflichen Rehabilitation und unterstützt junge Menschen mit psychischer Beeinträchtigung, Autismus-Spektrum-Störung oder besonderem Förderbedarf im Bereich Lernen auf dem Weg in den Beruf. Ziel ist deren nachhaltige Integration in Arbeitswelt und Gesellschaft.

In Gadheim werden derzeit rund 120 Teilnehmende ausgebildet, 60 von ihnen leben im Internat. Dass im Ort 80 Gadheimer 60 jungen Menschen im Internat gegenüberstehen, sei laut Halbig „überhaupt kein Thema“ – im Dorfleben gebe es „Nullprobleme“. Im Gegenteil: Das Miteinander funktioniere hervorragend, geprägt von gegenseitigem Respekt und Selbstverständlichkeit.

Der Standort am St. Markushof besteht aus dem Ausbildungshotel und der Pädagogischen Akademie. Hinzu kommen eine Ausbildungsbäckerei, eine Ausbildungsgärtnerei sowie die Garten- und Hochbauausbildung – alles Bestandteile des Berufsbildungswerks und ein wichtiger Teil des Bildungsangebots in Gadheim.

Zugleich kündigte Halbig Veränderungen an: Außenstellenleiter Hans Koppenhagen geht zum Jahresende in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Benedikt Wohlfahrt, Landmaschinenmechanikermeister, langjähriger Ausbilder in der Drehtechnik und zugleich Winzer aus Heidingsfeld. Er möchte seinen Einstand am 15. Januar mit einer Weinprobe geben und dabei vier Weine aus seinem eigenen Betrieb vorstellen.

Bürgermeister Götz: „Ein Stück gelebte Demokratie“

Bürgermeister Jürgen Götz, der seit seinem Amtsantritt vor elfeinhalb Jahren am Stammtisch teilnimmt, würdigte das Jubiläum als „einzigartig in seiner Kontinuität“. Besonders hob er hervor, dass inzwischen wieder vor jedem Stammtisch ein Gottesdienst in der Markuskapelle gefeiert wird – ein Zeichen für ein lebendiges spirituelles Leben im Ortsteil. Schmunzelnd erwähnte er, dass die Gadheimer für ihn als Bürgermeister eine besondere Herausforderung seien: „Man braucht immer einen Zettel, denn Anregungen gibt es hier viele – und sie kosten meistens nichts.“

Als Geschenk überreichte Götz ein Poster des Künstlers Harald Schmauser mit persönlicher Widmung – ein Dankeschön an eine Dorfgemeinschaft, die ihren Treffpunkt seit 25 Jahren mit Leben füllt.

Ein Vierteljahrhundert – und kein Ende in Sicht

Wenn am Holztisch im Markushof Monat für Monat Bewohner, Bürgermeister, Pfarrer und Vertreter von Don Bosco zusammenkommen, zeigt sich: Der Gadheimer Stammtisch ist weit mehr als eine gesellige Runde. Er ist ein Ort, an dem ein Dorf seine Identität pflegt, Traditionen weitergibt und Gemeinschaft lebt. Nach 25 Jahren ist klar: Diese besondere Form des Miteinanders hat Zukunft – und wird Gadheim auch weiterhin prägen.

Foto Dieter Gürz

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