NaturFreunde Veitshöchheim-Würzburg verlieren ein Urgestein ihrer Vereinsgeschichte: Helmut Försch mit 98 Jahren gestorben
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Mit Helmut Försch ist eine prägende Persönlichkeit der NaturFreunde Veitshöchheim-Würzburg im Alter von 98 Jahren gestorben. Über Jahrzehnte gestaltete er das Vereinsleben und den Ausbau des NaturFreundehauses am Edelmannswald maßgeblich mit. Zugleich engagierte er sich unermüdlich für Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Noch mit 95 Jahren beeindruckte er beim 110-jährigen Vereinsjubiläum als Zeitzeuge (Foto Dieter Gürz)
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Der am 4. Juli 1928 in Würzburg-Grombühl geborene Försch verbrachte schon als Junge nahezu jedes Wochenende im NaturFreundehaus am Edelmannswald, da bereits seine Eltern dem Verein angehörten.
Er erlebte das Verbot der NaturFreunde durch die Nationalsozialisten 1933 und später die schwierigen Nachkriegsjahre. Nach der Zerstörung seines Elternhauses fand seine Familie gemeinsam mit zahlreichen weiteren Ausgebombten in der Hütte Zuflucht. Bis Oktober 1948 blieb sie ihr Zuhause.
Die damalige Solidarität der Bewohner prägte ihn nachhaltig. Rückblickend sprach er von einer „Gemeinschaft, aus der Tradition der Arbeiterbewegung und der Not geboren“, die sich bewährt habe.
1947 gründete Försch die Naturfreundejugend in Würzburg. Später übernahm er zahlreiche Vereinsämter als Schriftführer, Hüttenwart und Kulturwart sowie 1983 und von 1992 bis 2004 als zweiter Vorsitzender.
Besondere Verdienste erwarb er sich beim Ausbau des NaturFreundehauses. Ob Stromversorgung, Wasseranschluss, Kanalbau oder Erweiterung des Gästehauses – Försch packte stets selbst mit an. Allein 1965 verlegte er gemeinsam mit Mitstreitern einen rund 200 Meter langen Abwasserkanal mit Pickel und Schaufel.
Seinen Arbeitsaufwand bezifferte er später scherzhaft damit, dass er in dieser Zeit leicht ein eigenes Einfamilienhaus hätte bauen können.
Einen seiner letzten großen Auftritte bei den NaturFreunden hatte Försch am 16. Juli 2023 beim Festakt zum 110-jährigen Bestehen der Ortsgruppe Veitshöchheim-Würzburg.
Vor zahlreichen Gästen des Sommerfestes, das über 300 Besucher anzog, schilderte er mit bemerkenswerter geistiger Frische die wechselvolle Vereinsgeschichte – von der Gründungszeit über die Enteignung durch die Nationalsozialisten bis zum Wiederaufbau nach dem Krieg.
Als Zeitzeuge war er selbst ein Stück lebendige Vereinsgeschichte geworden.
Über die NaturFreunde hinaus engagierte sich Försch gegen Wiederbewaffnung, Atomkraft und Rechtsextremismus sowie für Frieden, Umwelt- und Naturschutz. Von 1999 bis 2002 gehörte er als parteiloses Mitglied dem Würzburger Stadtrat an.
Als Gründer des Fechenbach-Kreises, Mitinitiator der Würzburger Stolperstein-Aktion und engagiertes Mitglied der Geschichtswerkstatt setzte er sich besonders für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ein.
Für sein jahrzehntelanges Engagement erhielt er 2018 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
NaturFreunde-Vorsitzender Jürgen Schrader bezeichnet ihn treffend als „Urgestein der NaturFreunde“, das auch gegenüber jüngeren Mitgliedern deutliche Worte nicht scheute, wenn ihm deren politisches Engagement zu gering erschien.
Mit Helmut Försch verlieren die NaturFreunde Veitshöchheim-Würzburg einen ihrer bedeutendsten Zeitzeugen und Mitgestalter. Er kannte das NaturFreundehaus als Abenteuerspielplatz seiner Kindheit, als Zufluchtsort nach dem Krieg und als jahrzehntelange Baustelle, an deren Entwicklung er entscheidend beteiligt war.
Das NaturFreundehaus am Edelmannswald bleibt ein sichtbares Zeugnis seines Lebenswerks.
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