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Historisches Handwerkerhaus in der Unteren Maingasse verkauft: Meegärtle-Betreiber Wolfgang Plinske will das Baudenkmal kulturell nutzen

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Neue Perspektive für ein fast 400 Jahre altes Gebäude im Veitshöchheimer Altort: Das denkmalgeschützte Anwesen Untere Maingasse 53 an der Ecke zur Mühlgasse hat einen neuen Eigentümer. Wolfgang Plinske, Betreiber des Veitshöchheimer „Meegärtle“, hat die historische Liegenschaft von der Gemeinde erworben. Er möchte das seit rund zehn Jahren leerstehende Gebäude denkmalgerecht sanieren und künftig für kulturelle Zwecke nutzen.

Damit zeichnet sich für das geschichtsträchtige Haus, dessen Abriss im Zuge der früheren Altortsanierung einst vorgesehen war, eine neue Zukunft ab.


Vom geplanten Abriss zum kulturellen Treffpunkt

Noch im August 2026 hatte die Gemeinde mitgeteilt, dass sie das historische Anwesen wieder verkaufen wolle. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, in dem Gebäude ein historisches Gemeindearchiv einzurichten. Diese Überlegungen wurden jedoch aufgegeben, nachdem sich keine wirtschaftlich tragfähige Nutzung für die Gemeinde gefunden hatte.

Mit Wolfgang Plinske ist nun ein Käufer gefunden, der das historische Gebäude erhalten und mit neuem Leben erfüllen möchte. Statt eines weiteren Leerstands soll das Anwesen nach seinen Vorstellungen künftig kulturellen Zwecken dienen.

Welche konkreten Veranstaltungen oder kulturellen Angebote dort einmal stattfinden werden, ist bislang noch offen. Zunächst steht die Sanierung der historischen Bausubstanz im Mittelpunkt.


Ein Baudenkmal aus dem 16. oder 17. Jahrhundert

Das zweigeschossige Anwesen mit seinem steilen Satteldach stammt aus dem späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert und zählt damit zu den älteren Zeugnissen der Veitshöchheimer Baugeschichte.

Charakteristisch sind das massiv errichtete Erdgeschoss mit seiner abgeschrägten Gebäudeecke sowie das teilweise in Fachwerk ausgeführte Obergeschoss. Zum Anwesen gehört außerdem ein historisches Stallgebäude im Innenhof.

Das ehemalige Handwerker- und Ackerbürgerhaus dokumentiert die Bauweise und Lebensverhältnisse vergangener Jahrhunderte. Erst in jüngerer Zeit wurde es unter Denkmalschutz gestellt.

Seine Lage an der Ecke Untere Maingasse/Mühlgasse macht das Gebäude besonders markant. Auch zahlreiche Besucher, die mit den Fahrgastschiffen nach Veitshöchheim kommen und anschließend den Altort erkunden, passieren das historische Haus.


Acht Jahrzehnte Heimat für Kurt Adelmann

Eng verbunden ist die Geschichte des Anwesens mit seinem früheren Eigentümer Kurt Adelmann, der dort von seiner Geburt an rund acht Jahrzehnte seines Lebens verbrachte.

Der heute 90-Jährige lebt inzwischen im Seniorenheim St. Hedwig. In dem Haus wuchs er gemeinsam mit seinen Eltern Alfons und Elisabeth sowie seinen Großeltern Johann und Anna auf.

Sein Großvater arbeitete als Küfer bei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, sein Vater betrieb in diesem Raum im EG eine Schusterwerkstatt.

Im kleinen Stall im Hof hielt die Familie Hühner, Ziegen und Schweine.

Das Anwesen war damit nicht nur Wohnhaus, sondern zugleich ein Stück jener kleinbäuerlich-handwerklichen Lebenswelt, die den Veitshöchheimer Altort über Jahrhunderte prägte.


Dass das Haus noch steht, war keineswegs selbstverständlich

Im Zuge der früheren Altortsanierung sollte das Anwesen ursprünglich abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dieser sollte sich auch auf das angrenzende Grundstück erstrecken, auf dem zuvor ebenfalls historische Bausubstanz beseitigt worden war.

Ein entsprechender Bauplan lag bereits vor. Kurt Adelmann nahm jedoch von dem Neubauvorhaben Abstand. Das benachbarte Grundstück fiel später an die Gemeinde zurück und wurde fortan als Parkplatz genutzt.

So blieb das alte Handwerkerhaus erhalten – ein Gebäude, das nach den ursprünglichen Sanierungsplänen längst verschwunden wäre.

Vor rund zwei Jahren verkaufte Adelmann die Liegenschaft an die Gemeinde, die anschließend notwendige Sicherungsmaßnahmen durchführen ließ. Nachdem sich die geplante Nutzung als Gemeindearchiv nicht verwirklichen ließ, entschied sich die Kommune für einen Weiterverkauf.


Wolfgang Plinske möchte historische Bausubstanz mit Kultur verbinden

Mit dem Erwerb durch den Mee-Gärtle-Betreiber Wolfgang Plinske eröffnet sich nun eine neue Perspektive für das denkmalgeschützte Anwesen.

Sein Vorhaben, das Gebäude für kulturelle Zwecke zu sanieren, könnte nicht nur zum Erhalt eines bedeutenden Zeugnisses der Ortsgeschichte beitragen, sondern auch neue Impulse für das kulturelle Leben im Altort setzen.

Eine besondere Herausforderung wird dabei sein, die Anforderungen des Denkmalschutzes mit einer zeitgemäßen Nutzung in Einklang zu bringen. Gerade bei einem Gebäude dieses Alters sind ein behutsamer Umgang mit der historischen Substanz und sorgfältige Sanierungsmaßnahmen entscheidend.

Plinske will zunächst kostenlose Erstbauberatung des Landkreises nutzen

Bevor Wolfgang Plinske die Sanierung des historischen Handwerkerhauses in der Unteren Maingasse 53 konkret angeht, möchte er zunächst ein neues Beratungsangebot des Landkreises Würzburg in Anspruch nehmen. Dieses richtet sich gezielt an Eigentümer älterer Gebäude in den Ortskernen und soll ihnen den Einstieg in eine mögliche Sanierung erleichtern.

Wie das Landratsamt Würzburg in einer Pressemitteilung vom 5. Oktober 2026 informierte, unterstützt der Landkreis entsprechende Vorhaben mit einem Beratungsgutschein im Wert von bis zu 500 Euro. Damit können Eigentümer eine für sie kostenfreie Erstbauberatung durch einen Fachmann erhalten.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Sanierungsfähigkeit des Gebäudes, mögliche energetische Verbesserungen sowie die fachliche Orientierung für das weitere Vorgehen.

Für Plinske bietet dieses Angebot die Möglichkeit, sich zunächst einen Überblick über die baulichen Herausforderungen und die Perspektiven seines fast 400 Jahre alten Anwesens zu verschaffen. Gerade bei einem denkmalgeschützten Gebäude gilt es, den Erhalt der historischen Bausubstanz mit den Anforderungen einer künftigen kulturellen Nutzung in Einklang zu bringen.

Die Erstbauberatung könnte damit einen ersten wichtigen Schritt auf dem Weg bilden, das seit rund zehn Jahren leerstehende Handwerkerhaus wieder mit Leben zu erfüllen.


Neue Denkmalschutzregelungen könnten zusätzlich helfen

Zugute kommen könnten dem neuen Eigentümer außerdem die seit 1. Januar 2026 geltenden Erleichterungen im Bayerischen Denkmalschutzgesetz. Diese sehen unter anderem einen verbindlichen Katalog erlaubnisfreier Vorhaben vor.

Bei Einzelbaudenkmälern, deren Schutz sich ausschließlich auf das äußere Erscheinungsbild erstreckt, können bestimmte Maßnahmen im Inneren ohne denkmalrechtliche Erlaubnis durchgeführt werden, sofern sie den geschützten Bestand und das Erscheinungsbild nicht beeinträchtigen.

Ob diese Regelungen auch beim Handwerkerhaus in der Unteren Maingasse Anwendung finden, muss im Zuge der weiteren Planung geklärt werden.

Mit der kostenlosen Erstbauberatung und den neuen denkmalschutzrechtlichen Regelungen stehen Plinske somit zwei mögliche Hilfestellungen für sein Vorhaben zur Verfügung, das historische Anwesen zu erhalten und künftig kulturell zu nutzen.

 


Ein neues Kapitel für ein Stück Veitshöchheimer Geschichte

Für das fast 400 Jahre alte Haus an der Unteren Maingasse 53 beginnt damit ein neues Kapitel. Was einst dem Abriss weichen sollte, steht heute unter Denkmalschutz und soll künftig wieder eine sinnvolle Nutzung erhalten.

Mit Wolfgang Plinskes Plänen verbindet sich die Hoffnung, dass aus dem lange leerstehenden Handwerkerhaus ein lebendiger Ort der Kultur wird – und zugleich ein Stück unverwechselbarer Veitshöchheimer Ortsgeschichte für kommende Generationen erhalten bleibt.


Hintergrund: Veitshöchheim News berichtete am 21. August 2026 unter dem Titel „Statt Abriss nun denkmalgeschützt: Gemeinde verkauft Handwerkerhaus aus dem 16./17. Jahrhundert in der Unteren Maingasse“ ausführlich über die Geschichte des Anwesens und seines früheren Eigentümers Kurt Adelmann.

Siehe auch: Main-Post – Handwerkerhaus in Veitshöchheim: Vom drohenden Abriss zum geschützten Denkmal

Weitere Impressionen vom Inneren des Gebäudes:

 

Fotos Dieter Gürz
Fotos Dieter Gürz
Fotos Dieter Gürz
Fotos Dieter Gürz
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