Allerheiligen im Veitshöchheimer Waldfriedhof: Ruhegemeinschaft „Lebensfluss“ stark nachgefragt
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Zwölf Jahre nach der Einweihung hat sich das modellhafte Urnenbestattungsquartier "Lebensfluss" bewährt – Friedhofsgärtner Friedrich Reim und Hans Steger ziehen positive Bilanz – Professionelle Dauergrabpflege entlastet Angehörige
Wenn an Allerheiligen zahlreiche Menschen die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen besuchen, fällt im Veitshöchheimer Waldfriedhof ein Bestattungsquartier besonders ins Auge: die landschaftlich gestaltete Ruhegemeinschaft „Lebensfluss“. Zwölf Jahre nach ihrer ökumenischen Einsegnung am 1. November 2014 hat sich die Anlage zu einer gefragten Alternative zu herkömmlichen Grabstätten entwickelt. Die vorhandenen Grabstellen sind inzwischen fast alle belegt.
Bei einem Rundgang am 28. Oktober 2026 zogen die für die Dauergrabpflege dieses Quartiers zuständigen Friedhofsgärtner Friedrich Reim aus Veitshöchheim und Hans Steger aus Randersacker eine positive Bilanz. Zugleich regten sie an, das bereits baulich vorbereitete Grabfeld 18 neben dem Sternengrab am Waldrand mit seinen 21 Grabstellen zeitnah fertigzustellen.
Grabfeld 18: 21 vorbereitete Grabstellen warten auf ihre Fertigstellung
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Unmittelbar neben dem Sternengrab am Waldrand liegt das bereits im Zuge der Erweiterung von 2019 bis 2021 angelegte Grabfeld 18 rund um eine wassergebundene Fläche.
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Der Ausführungsplan des Landschaftsarchitekten Thomas Struchholz sieht hier 21 Grabstellen vor.
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Die einzelnen Grabflächen sind bereits mit Eisenbändern eingefasst. Auf die Aufstellung von Grabsteinen hatte man zunächst verzichtet, um auch die Nachfrage nach individuell gestalteten Urnengräbern ohne vorinstallierte Grabmale abzuwarten.
Wie Friedrich Reim beim Ortstermin am 28. Oktober erläuterte, müssten für die endgültige Nutzung lediglich die eingefassten Grabflächen müssten ausgekoffert, mit geeignetem Pflanzsubstrat aufgefüllt und anschließend bepflanzt werden. Der inzwischen stark gewachsene Baum- und Strauchbestand am Waldrand erschwere die Pflege. Reim hält deshalb die Entfernung zweier Bäume sowie einen Rückschnitt der angrenzenden Sträucher auf etwa 1,50 Meter für sinnvoll. „Da ist alles zugewachsen“, stellte er beim Rundgang fest.
Noch offen ist, ob die Grabstellen mit stehenden Grabsteinen oder liegenden Grabplatten ausgestattet werden. Bei einer Ausstattung mit bereits aufgestellten Grabmalen müssten die beteiligten Steinmetze wie bei früheren Bauabschnitten zunächst in Vorleistung gehen.
Die beiden Friedhofsgärtner sprechen sich angesichts der hohen Nachfrage dafür aus, das bereits vorbereitete Grabfeld 18 nun zeitnah für Bestattungen nutzbar zu machen. Eine neue Erweiterungsplanung ist dafür nicht erforderlich.
Ein Lebensfluss als Symbol für den Übergang ins Jenseits
Mit der Ruhegemeinschaft „Lebensfluss“ beschritt die Gemeinde Veitshöchheim 2014 neue Wege in der Bestattungskultur. Anstelle starrer Urnenwände und streng ausgerichteter Grabreihen entstand auf einer rund 1.000 Quadratmeter großen, lichtdurchfluteten Fläche des Waldfriedhofs eine harmonisch in die Waldlandschaft eingebettete Urnenbestattungsanlage.
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Die Planung stammt vom Veitshöchheimer Landschaftsarchitekten Thomas Struchholz. Ein geschwungenes Schotterbett symbolisiert den Lebensfluss, eine kleine Brücke den Übergang vom Diesseits ins Jenseits. Sitzbänke laden zum Verweilen und stillen Gedenken ein.
Bereits im April 2014 erfolgte die erste Übergabe durch den damaligen Bürgermeister Kinzkofer. Am 1. November 2014 wurde das neue Bestattungsquartier ökumenisch eingesegnet und offiziell in Betrieb genommen.
Die Gemeinde investierte damals rund 120.000 Euro in die Anlage mit 135 Urnenerdgräbern und 86 Urnenkammern. Das innovative Konzept stieß von Anfang an auch über Veitshöchheim hinaus auf großes Interesse.
Große Nachfrage führte 2019 zum Erweiterungsbeschluss
Schon wenige Jahre nach der Einweihung zeichnete sich ab, dass die vorhandenen Grabstätten nicht dauerhaft ausreichen würden. Der Gemeinderat beauftragte deshalb im Juni 2018 erneut Landschaftsarchitekt Struchholz mit einer Ergänzungsplanung.
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Am 12. März 2019 billigte das Gremium einstimmig die Ausführungsplanung vom 5. Februar 2019. Vorgesehen war die Umnutzung bisheriger Rasenflächen für 87 zusätzliche Doppel-Urnengrabstellen. Die veranschlagten Kosten beliefen sich auf 121.000 Euro.
Die Bauarbeiten durch die Firma Müller Landschaftsbau aus Arnstein erstreckten sich von Juli 2019 bis April 2020. Da zunächst noch ausreichend Bestattungsplätze zur Verfügung standen, erfolgten die Erstbepflanzung durch die kooperierenden Friedhofsgärtnereien Reim und Steger sowie die Aufstellung der Grabsteine erst im Frühjahr 2021.
Am 27. April 2021 stellte Bürgermeister Jürgen Götz die fertiggestellte Erweiterung der Öffentlichkeit vor. Mit tatsächlichen Kosten von 110.000 Euro blieb das Projekt um 11.000 Euro unter dem ursprünglichen Ansatz.
Barrierefreies Urnengrab als Hochbeet setzte neue Maßstäbe
Eine Besonderheit der Erweiterung ist die damals als deutschlandweit einzigartig vorgestellte barrierefreie Urnengrabanlage in Form eines Hochbeets.
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Durch eine Unterkonstruktion aus Cortenstahl sind 13 Doppelgrabstellen mit dem Rollstuhl unterfahrbar. Auch Menschen mit Rollator können die Grabstätten bequem erreichen. Angehörige haben dadurch die Möglichkeit, sitzend oder stehend Blumen und Kerzen abzustellen, ohne sich tief bücken zu müssen.
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Auf der Rückseite des Hochbeets wurde eine Bruchsteinmauer mit eingearbeiteten Grabplatten errichtet. Davor befinden sich unter Kieselsteinen weitere 13 Doppel-Urnenkammern. In die neuen Grabstellen wurden Betonröhren mit Verschlussdeckeln für jeweils zwei Urnen eingebaut. Bei einer Beisetzung muss dadurch die vorhandene Bepflanzung nicht mehr aufgegraben werden.
Zur Ausstattung gehört außerdem eine automatisch gesteuerte Bewässerungsanlage, die mithilfe eines Niederschlagsmessers den Wasserbedarf der verschiedenen Grabfelder berücksichtigt.
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Dieses dahinter angelegte Urnen-Grabfeld mit elf Bodenplatten (Lageplan Ziff. 17) ziert eine Naturstein-Stele mit der Beschriftung "Wenn ihr mich sucht, sucht mich in euren Herzen".
Professionelle Dauergrabpflege als wesentlicher Erfolgsfaktor
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Bodengleiche Gräber für bis zu zwei Urnen gibt es entlang des nördlichen Weges in einer Rasenfläche mit Bepflanzung und einer einheitlichen Beschriftungsplatte sowie der Möglichkeit, Blumen und Grablichter abzustellen
Ein entscheidender Vorteil der Ruhegemeinschaft „Lebensfluss“ ist die dauerhaft gesicherte gärtnerische Pflege während der gesamten vereinbarten Ruhezeit.
Die Angehörigen müssen sich weder um die saisonale Bepflanzung noch um regelmäßiges Gießen, Rückschnitt oder die Sauberhaltung der Grabflächen kümmern.
Die Pflege wird über entsprechende Verträge mit der Treuhandgesellschaft Bayerischer Friedhofsgärtner (TBF Bayern) geregelt. Für die praktische Ausführung sind vor Ort die Gärtnereien Friedrich Reim aus Veitshöchheim und Hans Steger aus Randersacker zuständig.
Nach Angaben Reims betreuen die beiden Betriebe derzeit rund 85 Grabstellen im Bereich der Ruhegemeinschaft.
Dreimal wöchentlich sind die Friedhofsgärtner vor Ort, um den Zustand der Anlage zu kontrollieren und die jeweils notwendigen Arbeiten auszuführen. Dazu gehören die Pflege und der Rückschnitt der Pflanzen, die Sauberhaltung der Flächen sowie die Kontrolle der Bewässerung.
Durch diese regelmäßige Betreuung bleibt nicht nur jede einzelne Grabstätte gepflegt, sondern auch das harmonische Gesamtbild der Anlage erhalten.
Hinterbliebener lobt die Grabpflege: „Ich kann es mir nicht besser vorstellen“
Wie positiv die professionelle Betreuung von den Angehörigen wahrgenommen wird, zeigte eine Begegnung beim Rundgang am 28. Oktober.
Ein älterer Hinterbliebener, dessen Ehefrau im März 2025 im „Lebensfluss“ beigesetzt wurde, äußerte sich auf Nachfrage ausgesprochen zufrieden mit der Grabpflege. „Ich kann es mir nicht besser vorstellen“, lautete sein Urteil.
Für die auf 15 Jahre vereinbarte Pflege habe er nach eigenen Angaben rund 4.000 Euro bezahlt.
Ohne die Betreuung durch die Friedhofsgärtner müsste er im Sommer nahezu täglich zum Friedhof kommen. Gerade mit zunehmendem Alter sei dies kaum noch zu leisten. Auch die regelmäßige Bepflanzung würde ihm Schwierigkeiten bereiten.
Seine Schilderung macht deutlich, welchen Stellenwert eine dauerhaft gepflegte Grabstätte für Hinterbliebene haben kann: Sie können sich auf das persönliche Gedenken konzentrieren, ohne sich um die laufenden Pflegearbeiten sorgen zu müssen.
Unterschiedliche Grabformen für verschiedene Wünsche und Kostenrahmen
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Neben individuell gestalteten Grabstelen aus Muschelkalk oder Sandstein
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gibt es Gemeinschaftsgräber mit zentralen Namenstafeln sowie Urnenkammern in unterirdischen Betonröhren.
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Bei einer besonders kostengünstigen Variante wird die Urne in einer solchen unterirdischen Kammer (Kaverne) beigesetzt. Der Name des Verstorbenen erscheint beispielsweise auf einer Steinsäule dahinter oder einem kleinen schiffchenförmigen Namenselement im Schotterbett.
Sternengrab: Ein besonderer Erinnerungsort für früh verstorbene Kinder
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Beim Rundgang rückte auch das unmittelbar benachbarte Sternengrab in den Blickpunkt. Es bietet Eltern einen würdevollen Erinnerungsort für Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben sind. Die gärtnerische Gestaltung trägt dem besonderen Charakter dieses Bereichs Rechnung. Im Frühjahr sorgt hier die gelb blühende Sternenblume für einen natürlichen Blütenteppich.
Fotos Dieter Gürz