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Nettomarkt in Veitshöchheim schließt am 8. August - Hauptausschuss stellt Weichen für Zukunft des Netto-Areals

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Am Eingang weist ein Aushang auf die Schließung der Netto-Filiale in der Raiffeisenstraße zum 8. August hin. Das rund 4745 Quadratmeter große Grundstück steht nun vor einer Neuausrichtung. Während das Unternehmen zu den Gründen des Rückzugs bislang keine Angaben macht, hat der Eigentümer bereits ein Konzept für die künftige Entwicklung des Areals vorgelegt.

Mit den dafür notwendigen planungsrechtlichen Voraussetzungen befasste sich am Dienstag der Hauptausschuss der Gemeinde Veitshöchheim und fasste dazu einstimmig zwei grundlegende Beschlüsse.

Nach Angaben einer Mitarbeiterin sind von der Schließung sieben Vollzeitkräfte, zwei Teilzeitbeschäftigte sowie ein Auszubildender betroffen. Sie sollen innerhalb des Unternehmens weiterbeschäftigt werden.

Der im Gebäude untergebrachte Friseursalon Friseurwerk Golub ist nach ihrer Aussage von der Schließung unberührt und wird seinen Betrieb unverändert fortführen.

Die Mitarbeiterin erklärte außerdem, dass nach ihrer Kenntnis künftig der Non-Food-Discounter Action in die Verkaufsflächen einziehen werde. Eine offizielle Bestätigung dafür liegt bislang jedoch weder vom Eigentümer noch von Action vor. Ganz aus der Luft gegriffen erscheint diese Aussage allerdings nicht. Action setzt seinen Expansionskurs in Deutschland seit Jahren konsequent fort und betreibt inzwischen mehr als 640 Filialen. In der Region Würzburg eröffnete das Unternehmen Ende 2022 die erste Filiale im Handelshof 2 in Lengfeld – ebenfalls in Räumen, die zuvor von einem Lebensmittel-Discounter (Norma) genutzt worden waren. Ein ähnliches Szenario zeichnet sich also nun auch in Veitshöchheim ab.


Eigentümer entwickelt neues Nutzungskonzept

 

Nach den bei der Gemeinde eingereichten Unterlagen soll auf einem Teil der bisherigen Parkplatzfläche an der Raiffeisenstraße (im Hintergrund) ein zweigeschossiges Bürogebäude entstehen. Dort soll ein mittelständisches Unternehmen seine bislang auf mehrere Standorte verteilte Hauptverwaltung und Filialverwaltung in Veitshöchheim bündeln. Vorgesehen ist außerdem ein eingeschossiger Anbau für ein Bekleidungsgeschäft. Ergänzend soll auf dem Gelände ein freistehendes Bankmodul mit Geldautomaten errichtet werden.

Für dieses Vorhaben reichten die bisherigen Festsetzungen des Bebauungsplans jedoch nicht aus. Deshalb musste sich der Hauptausschuss zunächst mit der Frage befassen, ob überhaupt ein Bebauungsplanänderungsverfahren eingeleitet werden soll.


Warum der Bebauungsplan geändert werden muss

Bürgermeister Jürgen Götz erläuterte, dass insbesondere das geplante Bekleidungsgeschäft den bisherigen Festsetzungen des Bebauungsplans „Am Spitalholz Teil I“ widerspricht. Hintergrund ist, dass Bekleidungsgeschäfte zu den sogenannten zentrenrelevanten Einzelhandelsbetrieben zählen. Solche Geschäfte sollen grundsätzlich in den Ortszentren angesiedelt werden und nicht in Gewerbegebieten, um die Innenorte als Einkaufsstandorte zu stärken.

Hinzu kommt, dass sich auf dem Grundstück bereits ein rund 800 Quadratmeter großer Netto-Markt befindet. Werden auf demselben Grundstück weitere Verkaufsflächen geschaffen, müssen diese planungsrechtlich gemeinsam betrachtet werden. Deshalb genügt hier keine einfache Baugenehmigung. Herangezogen werden können auch nicht die Verfahrenserleichterungen des "Bauturbos", da diese nur für Wohnbauten gelten. Stattdessen ist ein vollständiges zeitaufwändiges und kostenintensives Bauleitplanverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit, der Fachbehörden und dem Abschluss eines städtebaulichen Vertrags erforderlich.

Nach Abstimmung mit dem Landratsamt Würzburg muss dieses Verfahren durchgeführt werden. Sämtliche Kosten für Planung, Gutachten und den städtebaulichen Vertrag trägt der Grundstückseigentümer. Bürgermeister Götz betonte zugleich, dass das finanzielle Risiko vollständig beim Investor liege, sämtliche planungsrechtlichen Entscheidungen ausschließlich von der Gemeinde getroffen würden.


Zwei einstimmige Beschlüsse

Zunächst stimmte der Hauptausschuss dem Antrag des Grundstückseigentümers auf Änderung des Bebauungsplans grundsätzlich zu und beauftragte die Verwaltung, den städtebaulichen Vertrag vorzubereiten.

Anschließend fasste das Gremium den Aufstellungsbeschluss für die 4. Änderung des Bebauungsplans „Am Spitalholz“. Gleichzeitig wurde der vom Ingenieurbüro ARZ Ingenieure erarbeitete Vorentwurf gebilligt sowie die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange beschlossen.


Neue Verkehrsführung und mehr Stellplätze

Mit der Bebauungsplanänderung soll auch die Erschließung des Grundstücks neu geordnet werden. Künftig soll das Areal nur noch über eine Zufahrt (rechts im Bild - wie bisher gegenüber Norma) erschlossen werden, während die Ausfahrt ausschließlich in die Raiffeisenstraße (auf dem Foto links) erfolgt. Nach Auffassung der Verwaltung verbessert dies die Verkehrssituation am Kreisverkehr sowie im Bereich der Ein- und Ausfahrten von Netto und Norma.

Durch den Bau des Verwaltungsgebäudes entfallen bestehende Stellplätze. Als Ersatz sieht der Planentwurf auf der Nordseite des Grundstücks 37 neue Parkplätze auf einer bislang als Grünfläche genutzten Fläche vor (rechts auf dem Foto).

Bürgermeister Götz erläuterte, dass diese Fläche nach Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt inzwischen für Stellplätze genutzt werden könne. Durch den Bau des Kreisverkehrs hätten sich die verkehrlichen Rahmenbedingungen gegenüber der ursprünglichen Planung grundlegend verändert.

Grünen-Fraktionssprecherin Christina Feiler äußerte Bedenken wegen der zusätzlichen Flächenversiegelung. Bauamtsleiter Klaus Kaiser verwies darauf, dass hierfür Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen seien. Geplant sind unter anderem begrünte Flachdächer sowie eine ökologische Aufwertung der vorhandenen Pflanzflächen. Diese Maßnahmen sollen verbindlich im geänderten Bebauungsplan festgesetzt werden.


Wirtschaftliche Chancen überwiegen

CSU-Fraktionssprecher Marc Zenner sprach sich ausdrücklich für das Vorhaben aus. Die Ansiedlung einer Unternehmenszentrale stärke den Wirtschaftsstandort Veitshöchheim und verspreche zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen. Positiv bewertete er außerdem die geplante Verlegung der Ausfahrt in die Raiffeisenstraße, wodurch der Verkehr am Kreisverkehr gegenüber dem Norma-Markt entzerrt werden könne.

Unabhängig davon soll der Bebauungsplan auch die Errichtung eines freistehenden Bankmoduls mit Geldautomaten ermöglichen. Damit soll der veränderten Sicherheitslage nach den bundesweit zunehmenden Sprengungen von Geldautomaten Rechnung getragen werden. Ein möglicher Geldautomat könnte künftig außerhalb eines Gebäudes in einem separaten Modul untergebracht werden.


Weitere Entscheidungen stehen noch aus

Mit den einstimmigen Beschlüssen hat der Hauptausschuss zunächst die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen, damit die Entwicklung des Netto-Areals weiter vorbereitet werden kann. Im nächsten Schritt werden die Öffentlichkeit sowie die Träger öffentlicher Belange beteiligt. Erst nach Auswertung aller Stellungnahmen entscheidet der Gemeinderat über den endgültigen Bebauungsplan.

Erbaut wurde der Netto-Markt 2011 mit einer Verkaufsfläche von rund 800 Quadratmetern

Fotos Dieter Gürz  - Lageplan ARZ Ingenieure

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