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Mit 47 noch einmal auf die Schulbank – Thorsten Lother ist jetzt Forstwirt der Gemeinde Veitshöchheim

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Interkommunale Ausbildung mit Zellingen erfolgreich abgeschlossen – Bürgermeister Jürgen Götz würdigt außergewöhnlichen Einsatz – Phil Krösser neuer Revierförster – Verstärkung für das Waldarbeiterteam ab Oktober


Anlässlich des erfolgreichen Abschlusses seiner Ausbildung zum Forstwirt gab es für den Veitshöchheimer Gemeindearbeiter Thorsten Lother einen besonderen Termin im Edelmannswald: Vor dem Forst-Schutzwagen gratulierten Bürgermeister Jürgen Götz, Bauhofleiter Thomas Remling, Geschäftsleiter Sebastian Öhrlein, der neue Revierförster Phil Krösser sowie Vertreter der Gemeinde Zellingen dem frischgebackenen Forstwirt. Bei einer gemeinsamen Brotzeit dankte Götz zugleich dem Zellinger Revierleiter Peter Kretzinger sowie Forsttechniker Casper Burkard und Vorarbeiter Michael Wilke für die praktische Ausbildung. Als fränkisches Dankeschön überreichte der Bürgermeister Kretzinger einen Bocksbeutel (v.l.n.r. Oehrlein, Remling, Krösser, Lother, Wilke, Burkard, Kretzinger und Götz).


Nach 30 Jahren als Schreiner noch einmal einen neuen Beruf gelernt

Für den jetzt 47jährigen Lother war die Ausbildung ein beruflicher Neustart. „Ich war vorher Schreiner 30 Jahre. Und der Beruf hat sich halt geändert“, erzählt Lother. Er habe etwas Neues gesucht, dabei aber unbedingt dem Werkstoff Holz verbunden bleiben wollen.

Die Forstwirtschaft bot genau diese Möglichkeit: „Dann verarbeite ich das Holz ja als Forstwirt immer und tue schauen, dass es jetzt wieder wächst.

Mit Jugendlichen noch einmal die Schulbank zu drücken und sich umfangreichen theoretischen Lernstoff anzueignen, sei durchaus eine Herausforderung gewesen. „Nö, das war nicht ganz einfach, aber naja, neue Herausforderungen“, sagt Lother rückblickend. Vor allem der hohe Theorieanteil habe ihn gefordert.

Aufgrund seiner beruflichen Vorbildung konnte er die reguläre Ausbildungszeit auf zwei Jahre verkürzen.


Theorie im Blockunterricht, Praxis im Zellinger Wald

Der theoretische Teil erfolgte im Blockunterricht in Neunburg vorm Wald. Hinzu kamen praktische Lehrgänge in Kelheim. Seine betriebliche Ausbildung absolvierte Lother überwiegend bei der Forstverwaltung der Gemeinde Zellingen, teilweise war er auch bereits im Veitshöchheimer Gemeindewald tätig.

Zu den praktischen Ausbildungsinhalten gehörten insbesondere Holzernte, Kulturpflege, Naturverjüngung, Pflanzen, Zaun- und Wegebau sowie weitere Arbeiten der Waldbewirtschaftung.

Lother beschreibt die Holzernte als wichtigen, aber keineswegs einzigen Teil seines Berufs. Junge Bäume müssten gepflegt und unterschiedliche Baumarten in ihrer Entwicklung gesteuert werden. Auch Brombeeren, Brennnesseln und andere Konkurrenzpflanzen könnten erhebliche Arbeit verursachen.

Unsere Waldarbeiten gehen viel über Naturverjüngung“, erläutert Lother.


„Den hätten wir auch in Zellingen behalten“

Dass sich der Veitshöchheimer Quereinsteiger bei seinem Ausbildungsbetrieb einen guten Ruf erarbeitet hat, machte der Zellinger Revierleiter Peter Kretzinger bei der kleinen Abschlussfeier deutlich:

„Der Thorsten hat es uns natürlich auch leicht gemacht. Das muss man schon sagen. Den hätten wir auch in Zellingen behalten.“

Bürgermeister Jürgen Götz würdigte vor allem Lothers Bereitschaft, sich in seinem Alter noch einmal auf eine komplette Berufsausbildung einzulassen.

Es sei „nicht selbstverständlich, dass man in dem Alter dann nochmal die Kraft und den Elan aufbringt, sich mit Jugendlichen ins Klassenzimmer zu setzen und die Ausbildung durchzuziehen“.

Sein Dank galt ebenso der Gemeinde Zellingen mit Bürgermeister Stefan Wohlfart, Revierleiter Kretzinger und dessen Mitarbeitern. Götz sprach von einem gelungenen Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit über die Landkreisgrenzen hinweg.

Auch Geschäftsleiter Sebastian Öhrlein, der die vertraglichen Grundlagen der Kooperation ausgearbeitet hatte, bezog Götz ausdrücklich in seinen Dank ein.


Aus ursprünglich zwei Quereinsteigern wurde ein erfolgreicher Absolvent

Begonnen hatte das Projekt im September 2024 mit zwei Veitshöchheimer Quereinsteigern. Neben Lother nahm auch Tobias Gram die verkürzte Ausbildung auf, führte sie jedoch aus persönlichen Gründen nicht zu Ende.

Die entstandene Lücke wird nun geschlossen: Zum 1. Oktober 2026 stellt die Gemeinde Patrick Höfling ein, der gemeinsam mit Lother die Ausbildung zum Forstwirt absolvierte.

Damit verfügt Veitshöchheim wieder über Fachpersonal für die Arbeit im eigenen Gemeindewald.


Gefährliche und anspruchsvolle Arbeit verlangt solide Ausbildung

Wie vielseitig der Beruf ist, unterstrich auch der neue Veitshöchheimer Revierförster Phil Krösser. Bei der Waldpflege müsse regelmäßig „regelnd und steuernd“ eingegriffen werden. Zahlreiche Faktoren seien gleichzeitig zu beachten, wofür Erfahrung und Routine notwendig seien.

Krösser machte zugleich deutlich: Waldarbeit ist körperlich anstrengend, fachlich anspruchsvoll und gefährlich. Gerade deshalb sei eine fundierte Ausbildung unerlässlich.

Zu den Aufgaben der Veitshöchheimer Waldarbeiter zählt Bürgermeister Götz zufolge in besonderem Maße auch die Verkehrssicherung entlang der Wanderwege.


Phil Krösser ist neuer Revierförster für Veitshöchheim

Mit dem 31-jährigen Phil Krösser hat auch die staatliche Betreuung des Gemeindewaldes ein neues Gesicht bekommen. Er ist seit Februar beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen-Würzburg beschäftigt und seit August Nachfolger von Wolfgang Fricker als Leiter des Forstreviers Würzburg.

Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehören Erlabrunn, Güntersleben, Höchberg, Leinach, Margetshöchheim, Thüngersheim, Veitshöchheim, Würzburg und Zell am Main.

Den Veitshöchheimer Gemeindewald hatte bislang Annette Fricker betreut, die ebenso wie ihr Mann nun aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gegangen ist.

Krösser absolvierte ein sieben Semester umfassendes Studium des Forstingenieurwesens und schloss dieses mit dem Bachelor ab.

Sein erster Eindruck vom Veitshöchheimer Gemeindewald fällt positiv aus: „Wenn man so durch den Wald geht, ist eigentlich der Zustand noch relativ gut. Wir haben einen guten Wald, wir haben auch einen schönen Laubwald. Wenig Nadelholz.


Nach der personellen Übergangszeit geht es im Wald wieder regulär weiter

Während der Ausbildung fehlten der Gemeinde eigene ausgebildete Forstwirte. Akute Aufgaben wurden vom Bauhof übernommen, liegengebliebene Arbeiten teilweise mit einem Harvester erledigt.

Bauhofleiter Thomas Remling sieht dadurch keine gravierenden Nachteile für den Wald. Insbesondere bei der Jungkulturpflege gebe es nun Arbeiten nachzuholen. „Es hat jetzt nicht den Wald unwahrscheinlich geschadet, dass es nicht gemacht worden ist. Sondern es geht halt jetzt ganz einfach wieder los.

Welche weiteren Arbeiten anstehen, muss Revierförster Krösser zunächst nach einer Bestandsaufnahme festlegen und auszeichnen.

Ein größerer Holzhieb ist in diesem Jahr nicht mehr vorgesehen. Brennholz für die Bürger soll jedoch bereitgestellt werden.

Beim Wegebau verfolgt die Gemeinde weiterhin ihr regelmäßiges Programm. Nach Angaben Remlings werden jährlich rund ein bis eineinhalb Kilometer Waldwege geschottert.


Eichblattweg soll nach jahrelanger Sperrung wieder geöffnet werden

Eine wichtige Nachricht hatte Bürgermeister Götz auch für Spaziergänger und Wanderer: Die seit mehr als sieben Jahren bestehende Sperrung des Eichblattweges im Edelmannswald soll in absehbarer Zeit aufgehoben werden.

Der 1,8 Kilometer lange Weg oberhalb der Weinberge ist zugleich Teil des bisherigen Mainwanderweges, der mit dem blauen „M“ markiert ist.

Künftig soll der Mainwanderweg in diesem Bereich auf einer anderen Strecke geführt und vom Spessartbund entsprechend neu beschildert werden (blaue Markierung). Auf dem bisherigen Weg sollen noch vorhandene Hindernisse beseitigt werden.

Anschließend kann die Sperrung aufgehoben werden. Der Eichblattweg ist dann nicht mehr Teil des Mainwanderweges. Für Spaziergänger gelten dort die üblichen waldtypischen Gefahren auf eigenes Risiko.


Veitshöchheimer Gemeindewald ist überwiegend Laubwald

Der Veitshöchheimer Gemeindewald umfasst rund 230 Hektar und besteht aus den drei Bereichen Gebranntes Hölzlein, Gadheimer Wald und Veitshöchheimer Wald.

Er ist stark von Laubholz geprägt. Rund 90 Prozent entfallen auf Eiche, Buche und Edellaubholz. Mehr als 30 Baumarten tragen zu einem vielfältigen und widerstandsfähigen Ökosystem bei. Der Wald bietet unter anderem Fledermäusen, Spechten und Hirschkäfern Lebensraum und ist Teil eines FFH-Gebietes.

Eine besondere Rolle spielt die Naturverjüngung. Auf Kulturflächen werden junge Bäume gepflegt, Samenbäume geschützt und bei Bedarf Mischbaumarten nachgepflanzt.

Auch die Holznutzung ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet: Der langfristige Forstwirtschaftsplan geht von einem jährlichen Zuwachs von rund 1.360 Festmetern bei einem vorgesehenen Gesamthiebsatz von 1.030 Festmetern aus. Damit wächst mehr Holz nach, als planmäßig genutzt wird.


Schlepper, Schutzwagen und Ford Ranger für die Waldarbeit

Für die Arbeit im Gemeindewald hat Veitshöchheim in den vergangenen Jahren auch technisch aufgerüstet. Bereits 2020 wurde für 66.000 Euro ein neuer Schlepper angeschafft. Ende 2021 folgte für 27.500 Euro ein Waldarbeiterschutzwagen.

Der Wagen bietet Platz für sechs Personen und verfügt über eine kleine Küche mit Waschbecken und Kochplatte, einen Holzofen sowie eine separate kleine Werkstatt.

Ein Solarpanel auf dem Dach liefert Strom. Dadurch können die Forstwirte vor Ort auch digital auf die Waldkartierung zugreifen und ihre Arbeitseinsätze dokumentieren.

Zur Ausstattung gehört inzwischen außerdem ein Ford Ranger mit Ladefläche, der den Forstwirten (im Bild Thorsten Lother) zur Verfügung steht.


Neustart für das Veitshöchheimer Waldarbeiterteam

Mit dem erfolgreichen Ausbildungsabschluss von Thorsten Lother endet eine längere personelle Übergangsphase im Veitshöchheimer Gemeindewald. Mit Patrick Höfling kommt zum 1. Oktober eine weitere ausgebildete Fachkraft hinzu, während Phil Krösser als neuer Revierförster die fachliche Betreuung übernommen hat.

Für Lother selbst bedeutet der Abschluss einen bemerkenswerten beruflichen Neustart: Nach 30 Jahren als Schreiner ist er dem Werkstoff Holz treu geblieben – nur arbeitet er jetzt nicht mehr mit dem fertigen Holz, sondern dort, wo es wächst.

Fotos Dieter Gürz

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