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Rossini am 10./11. Oktober in St. Vitus: Veitshöchheimer Projektchor feiert 30-jährige Erfolgsgeschichte

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

„Petite Messe solennelle“ am 10. und 11. Oktober – Dorothea Völker gründete den Chor 1996 für Veitshöchheims 900-Jahr-Feier – Akkordeon ersetzt bei Rossini das Harmonium

Was 1996 mit einem Aufruf im Mitteilungsblatt begann, ist heute aus dem Veitshöchheimer Kulturleben nicht mehr wegzudenken: Seit 30 Jahren bringt der von Dorothea Völker gegründete Projektchor der Sing- und Musikschule große Werke der Chorliteratur auf die Bühne.

Im Jubiläumsjahr wartet nun ein besonderes Werk: Am Samstag, 10. Oktober, und Sonntag, 11. Oktober 2026, jeweils um 18 Uhr, erklingt in der St.-Vitus-Kirche Gioachino Rossinis „Petite Messe solennelle“.

Die Konzerte sind Teil des Kulturherbstes des Landkreises Würzburg.


Rossinis „kleine“ Messe ist alles andere als klein

„Petite“ – klein – nannte Gioachino Rossini seine Messe. Wer dahinter ein bescheiden dimensioniertes Werk vermutet, liegt allerdings falsch.

Rossini verstand die Bezeichnung vielmehr augenzwinkernd als Ausdruck der Bescheidenheit vor Gott. Musikalisch bietet seine 1863 entstandene „Petite Messe solennelle“ große Chorsätze, virtuose Soloarien, Ensembles und eine Ausdruckspalette, die von beschwingter Leichtigkeit bis zu tiefer Religiosität reicht.

Rossini (1792–1868), der als einer der bedeutendsten Opernkomponisten seiner Zeit längst Weltruhm erlangt hatte, komponierte das Werk nach einer langen schöpferischen Pause. Humorvoll reihte er es unter seine „Alterssünden“ ein.

Am Ende der Partitur wandte er sich sogar unmittelbar an Gott. Sinngemäß fragte er, ob er nun heilige Musik oder doch eher weltliche Musik im geistlichen Gewand geschaffen habe. Er sei schließlich für die Opera buffa geboren worden. Seine Bitte am Ende: Gott möge ihm dennoch das Paradies gewähren.


Akkordeon sorgt für eine Veitshöchheimer Besonderheit

Nicht nur musikalisch, sondern auch hinsichtlich der Besetzung fällt Rossinis Messe aus dem Rahmen.

Statt eines großen Orchesters sah der Komponist in der Originalfassung zwei Klaviere und Harmonium vor.

Bei der Veitshöchheimer Aufführung übernimmt Kevin Bernard am Akkordeon die Partie des Harmoniums. Damit rückt zugleich das Instrument des Jahres 2026 ins Rampenlicht.

An den beiden Klavieren sitzen Francisco Daniel Delgado Garcia und Christina Stibi.

Gerade diese kammermusikalische Besetzung schafft einen ungewöhnlichen Klang. Die Instrumente begleiten nicht nur Chor und Solisten, sondern treten in Vor- und Zwischenspielen sowie Überleitungen selbstständig hervor.


Von inniger Bitte bis zu überschäumender Lebensfreude

Rossinis musikalische Handschrift ist schon im „Kyrie“ unverkennbar. Über bewegten Figuren des Klaviers entfaltet der Chor fließende Gesangslinien.

Im groß angelegten „Gloria“ folgen auf Soloarien und Ensembles mitreißende Chorpassagen. Einen Höhepunkt bildet die Fuge „Cum sancto spiritu“. Das abschließende „Amen“ scheint kaum enden zu wollen.

Beim folgenden „Credo“ setzte Rossini über die Noten die ungewöhnliche Bezeichnung „Allegro cristiano“ – fröhlich christlich. Leichte Sechzehntelbewegungen des Klaviers durchziehen den Satz, bevor die große Chorfuge „Et vitam venturi“ wiederum in ein ausgedehntes „Amen“ mündet.


„Dona nobis pacem“ – die Friedensbitte am Ende

Nach „Sanctus“, „Benedictus“ und „Hosanna“ führt Rossini seine Messe schließlich zu einem besonders eindringlichen Abschluss.

Im „Agnus Dei“ erklingt dreimal die Bitte:

„Dona nobis pacem“ – Gib uns Frieden.

Aus Moll heraus führt Rossini diese Friedensbitte schließlich in ein strahlendes E-Dur.

Gerade der Kontrast zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, opernhafter Virtuosität und tiefer Religiosität macht die „Petite Messe solennelle“ zu einem außergewöhnlichen Werk der geistlichen Chorliteratur.


Vier Solisten stehen mit dem Projektchor in St. Vitus

Neben dem Projektchor wirken vier Gesangssolisten mit:

Vera Ivanović übernimmt den Sopran, Lucie Ceralová den Alt, Michael Ivanović den Tenor und Joachim Herrmann den Bass.

An den Klavieren spielen Francisco Daniel Delgado Garcia und Christina Stibi, am Akkordeon Kevin Bernard.

Die Gesamtleitung liegt bei Dorothea Völker.


Vor 30 Jahren begann alles mit „Carmina Burana“

Dass der Projektchor 2026 auf eine 30-jährige Geschichte zurückblicken kann, war bei seiner Gründung keineswegs abzusehen.

1996 liefen in Veitshöchheim die Vorbereitungen für die 900-Jahr-Feier der Gemeinde im Jahr 1997. Institutionen und Vereine waren aufgerufen, sich mit besonderen Beiträgen am Jubiläum zu beteiligen.

Die damalige Leiterin der Sing- und Musikschule, Dorothea Völker, hatte eine ambitionierte Idee: Carl Orffs „Carmina Burana“ sollte in der Fassung für zwei Klaviere und Schlagwerk aufgeführt werden.

Für die Kinder- und Jugendchorpartien konnte sie auf ihre langjährige Arbeit mit dem Kinder- und Jugendchor der Musikschule zurückgreifen.

Nur eines fehlte: ein großer gemischter Erwachsenenchor.


Ein Aufruf im Mitteilungsblatt – und 50 kamen

Völker wagte deshalb einen Aufruf im gemeindlichen Mitteilungsblatt. Gesucht wurden Sänger aller Stimmgruppen, die bereit waren, regelmäßig für das große Jubiläumskonzert zu proben.

Für den 28. November 1996 um 19.30 Uhr lud die Musikschule zu einem ersten Informationstreffen in die Eichendorffschule ein.

Die Resonanz war bemerkenswert.

Schon zum ersten Treffen kamen rund 50 Sänger.

Und es wurden immer mehr. Schließlich wuchs der Projektchor auf rund 90 Sänger aller Stimmgruppen an.


Auch Christina Stibi war schon 1997 dabei

Auch bei den Instrumentalisten finden sich Namen, die bis heute eng mit der Musikschule verbunden sind.

An den beiden Klavieren spielten bei „Carmina Burana“ Christina Stibi, die heutige Leiterin der Sing- und Musikschule Veitshöchheim, und Ulrike Nüßlein, heute Leiterin der Musikschule Dinkelsbühl.

Für das Schlagwerk standen Achim von Bassen und Matthias Schmitt zur Verfügung.

Am 21. und 22. Juni 1997 wurde „Carmina Burana“ schließlich aufgeführt.

Die Konzerte wurden zum großen Erfolg.


Aus einem einmaligen Projekt wurde eine Institution

Eigentlich hätte die Geschichte des Projektchors damit bereits beendet sein können. Schließlich war er für einen konkreten Anlass gegründet worden.

Doch die Sänger wollten weitermachen.

Aus dem Jubiläumsprojekt entwickelte sich ein Ensemble, das in den folgenden Jahrzehnten regelmäßig große Werke der Chorliteratur erarbeitete und damit zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Veitshöchheim wurde.

Die Verbindung mit der Sing- und Musikschule eröffnete zudem immer wieder die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche in große Chorprojekte einzubeziehen.


Händel, Bach und Purcell folgten

Die Liste der Werke, an die sich Dorothea Völker mit ihrem Projektchor wagte, ist lang.

Dazu zählen unter anderem Händels „Samson“, Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ und Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas“.

Der Chor beschränkte sich dabei keineswegs auf die klassische Oratorienliteratur. Mit dem Programm „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“ wagte er sich auf anderes musikalisches Terrain.

Auch über die Gemeindegrenzen hinaus machte das Ensemble auf sich aufmerksam. Dazu gehörte die Beteiligung an der deutschen Erstaufführung der Sinfonie Nr. 3 „Planet Earth“ von Johan de Meij für symphonisches Blasorchester und Frauenchor in Unterpleichfeld.


Zum 15. Geburtstag Bachs h-Moll-Messe

Schon beim 15-jährigen Bestehen 2012 nahm sich der Projektchor eines der großen Monumente der Musikgeschichte vor: Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe.

Zehn Jahre später konnte das Ensemble 2022 bereits sein 25-jähriges Bestehen feiern.

Aus dem spontanen Aufruf zur 900-Jahr-Feier war endgültig eine Veitshöchheimer Kulturinstitution geworden.


Seit 2017 führt Völker den Projektchor ehrenamtlich

Bemerkenswert ist dabei auch das persönliche Engagement der Gründerin.

Über viele Jahre kamen die wöchentlichen Chorproben zusätzlich zu Dorothea Völkers regulärer Tätigkeit und ihrem Stundenkontingent an der Musikschule hinzu.

Seit 2017 leitet sie den Projektchor ehrenamtlich und ohne Vergütung.

Damit steht ihr Name seit nunmehr drei Jahrzehnten für die kontinuierliche Arbeit des Ensembles.


2023 Dowland und Schütz, 2025 gleich zwei Großprojekte

Dass der Chor auch nach einem Vierteljahrhundert musikalisch ambitioniert blieb, zeigte sich in den vergangenen Jahren.

2023 präsentierte er in der St.-Vitus-Kirche ein außergewöhnliches Programm mit Werken von John Dowland, Heinrich Schütz und Mario Castelnuovo-Tedesco.

Das Jahr 2025 brachte gleich zwei große Chorprojekte.

Am 5. und 6. Januar führten Projektchor und Projektorchester der Sing- und Musikschule Bachs Weihnachtsoratorium in der Vituskirche auf.

Schon am 5. und 6. April folgte dort Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem. Die Aufführungen waren zugleich Benefizkonzerte für die Renovierung der Orgel.


Zwei Klaviere schlagen eine Brücke zurück ins Jahr 1997

Mit Rossinis „Petite Messe solennelle“ schließt sich im 30. Jahr des Projektchors beinahe ein Kreis.

Denn zwei Klaviere, die bei Rossinis Messe eine zentrale Rolle spielen, standen schon ganz am Anfang der Veitshöchheimer Projektchor-Geschichte: Auch Orffs „Carmina Burana“ wurde 1997 in einer Fassung für zwei Klaviere und Schlagwerk aufgeführt.

Damals konnte niemand wissen, dass aus dem eigens für die 900-Jahr-Feier zusammengestellten Chor eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte werden würde.

30 Jahre später steht Dorothea Völker noch immer am Dirigentenpult – und mit Rossinis „Petite Messe solennelle“ wartet auf den Projektchor das nächste große Werk.


Konzert auf einen Blick

Gioachino Rossini: „Petite Messe solennelle“

Samstag, 10. Oktober 2026, 18 Uhr
Sonntag, 11. Oktober 2026, 18 Uhr

St.-Vitus-Kirche Veitshöchheim

Projektchor der Sing- und Musikschule Veitshöchheim

Vera Ivanović – Sopran
Lucie Ceralová – Alt
Michael Ivanović – Tenor
Joachim Herrmann – Bass

Francisco Daniel Delgado Garcia – Klavier
Christina Stibi – Klavier
Kevin Bernard – Akkordeon

Gesamtleitung: Dorothea Völker

Eintritt: 15 Euro, freie Platzwahl

Vorverkauf: Tourist-Information Veitshöchheim, Mainlände 1, Büro in den Mainfrankensälen, Telefon 0931/78090025.

Die Konzerte finden im Rahmen des Kulturherbstes 2026 des Landkreises Würzburg statt.

Fotos von der Probe: Dieter Gürz

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