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Neuer Aufzug im Rathaus Veitshöchheim setzt Zeichen für Barrierefreiheit

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

 Modernisierung im denkmalgeschützten Gebäude

Mit der Inbetriebnahme eines neuen Aufzugs im Rathaus geht die Gemeinde Veitshöchheim einen bedeutenden Schritt in Richtung Barrierefreiheit und Inklusion. Die offizielle Übergabe der modernen Liftanlage erfolgte am 13. April durch Bürgermeister Jürgen Götz (Bildmitte). Neben Götz nahmen die Behindertenbeauftragte des Gemeinderates, Christina Feiler (li.), ihre Stellvertreterin Anja Lampatzer (2.v.r.), die gemeindliche Hochbauarchitektin Sabine Greiner (re.), Aufzugsfachplaner Thomas Schmidt aus Waldbüttelbrunn (2.v.l.) sowie Dieter Esser als Vertreter der ausführenden Aufzugsfirma an dem Termin teil.


Barrierefreiheit im Fokus

Mit Gesamtkosten von rund 220.000 Euro – verteilt auf zwei Haushaltsjahre – wurde im Rathaus ein zentraler Baustein für mehr Zugänglichkeit geschaffen. Ziel des Projekts war es, den Zugang zu den Büroräumen im ersten Obergeschoss deutlich zu erleichtern – insbesondere für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

Gerade vor dem Hintergrund des Denkmalschutzes sei dies keine Selbstverständlichkeit gewesen. Außenanbauten seien in solchen Fällen meist nicht genehmigungsfähig, weshalb eine maßgeschneiderte Lösung im Inneren entwickelt werden musste.

Die Planung erfolgte in enger Abstimmung mit der unteren und oberen Denkmalschutzbehörde sowie der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.


Prototyp mit besonderer Bauweise

Beim neuen Aufzug handelt es sich nicht um ein Standardmodell, sondern um eine in dieser Konstellation deutschlandweit einmalige Lösung. Eingebaut wurde ein maschinenraumloser Seilaufzug in spezieller „Rucksack“-Konfiguration, der exakt in das bestehende Treppenauge integriert werden konnte.

Das Besondere: Die komplette Technik wurde platzsparend hinter der Kabine angeordnet. Dadurch konnte die gesamte Schachtbreite optimal genutzt werden – ein entscheidender Faktor für die Barrierefreiheit.

Mit einer Tragkraft von 630 Kilogramm und einer Kabinengröße von etwa 1,15 Metern Breite und 1,40 Metern Tiefe erfüllt der Aufzug die Anforderungen der DIN-Normen (DIN EN 81-70 und DIN 18040-1). Damit ist ausreichend Platz für Rollstuhlfahrer inklusive Begleitperson oder elektrisch betriebene Rollstühle gegeben.

Der Aufzugsplaner spricht von einem echten Prototyp: „Die Technik an sich ist bewährt, aber diese Konstellation ist einmalig. So konnten wir trotz beengter Verhältnisse einen vollständig behindertengerechten Aufzug realisieren.“


Millimeterarbeit im Bestand

Der Einbau stellte alle Beteiligten vor erhebliche technische Herausforderungen. Rund 10.000 Einzelteile wurden vor Ort montiert – eine echte Präzisionsarbeit.

„Das war Millimeterarbeit“, betonten die Projektverantwortlichen. Grundlage war ein detailliertes 3D-Aufmaß des Treppenhauses. Mithilfe einer Punktmatrix wurde die exakte Geometrie erfasst, um das Stahlschachtgerüst passgenau fertigen zu können.

Parallel dazu mussten im Foyer umfangreiche Leitungsarbeiten durchgeführt werden, darunter die Neuverlegung von Strom-, Wasser- und Blitzschutzanlagen sowie weiterer technischer Infrastruktur.

Insgesamt waren 16 Firmen an dem Projekt beteiligt, überwiegend aus der Region.


Technik sichtbar und erlebbar gemacht

Auch gestalterisch setzt der neue Aufzug Akzente: Die verglaste Konstruktion des Stahlschachtgerüsts fügt sich harmonisch in das historische Treppenhaus ein und sorgt gleichzeitig für mehr Transparenz und Tageslichteinfall.

LED-Lichtbänder verleihen der Anlage ein modernes Erscheinungsbild.

Bewusst wurden Teile der Technik sichtbar belassen – ein gestalterisches Element, das die innovative Bauweise unterstreicht.

Zudem erfüllt der Aufzug höchste Sicherheitsstandards: Bei Stromausfall übernimmt ein Akku die Steuerung, fährt die Kabine automatisch zur nächsten Haltestelle und öffnet die Türen. Der Notruf bleibt bis zu zwei Stunden funktionsfähig.


Zukunft bereits mitgedacht

Aktuell erschließt der Aufzug das erste Obergeschoss. Eine spätere Erweiterung bis in das zweite Obergeschoss ist jedoch bereits vorgesehen. Der dafür notwendige Eingriff in die Dachstruktur wurde bei der aktuellen Bauphase planerisch berücksichtigt.

„Wir wollten nicht länger warten, bis die komplette Rathaussanierung ansteht“, erklärte Bürgermeister Götz. „Mit dieser Lösung verbessern wir schon heute die Zugänglichkeit und halten uns gleichzeitig alle Optionen für die Zukunft offen.“


Begleitende Modernisierungsmaßnahmen

Im Zuge der Baumaßnahme wurden auch weitere Bereiche des Rathauses modernisiert. In den Räumen der Kämmerei erfolgten umfangreiche Renovierungen, darunter neue Elektroinstallationen, Bodenbeläge sowie Maler- und Trockenbauarbeiten.

Das ehemalige Trauzimmer wurde in moderne Büroräume umgewandelt. Die Arbeiten konnten planmäßig zum Ende des ersten Quartals 2026 abgeschlossen werden.


Gewinn für die gesamte Gemeinde

Für die Behindertenbeauftragte Christina Feiler ist das Projekt ein wichtiger Meilenstein: „Das bringt uns wieder einen großen Schritt voran bei der Inklusion.“ Ihre Stellvertreterin Anja Lampatzer betonte, dass der Aufzug nicht nur Menschen mit Behinderung zugutekomme, sondern auch älteren Bürgern, Familien mit Kinderwagen und allen Besuchern des Rathauses.

Auch Bürgermeister Götz sieht in dem Projekt ein starkes Signal: „Mit diesem Aufzug setzen wir ein deutliches Zeichen für Inklusion und Serviceorientierung – unser Rathaus wird ein Stück offener für alle.“

Fotos Dieter Gürz

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