Update: Eon-Schnellladestation in Veitshöchheim: Warum E-Autos am Rewe-Parkplatz auch nach einem Jahr noch nicht laden können
Update: Wie die Grundstückseigentümerin der Gemeinde am 10. März 2026 mitteilte, kann die Trafostation für die drei Schnellladestationen beim Rewe erst am 6. Mai 2026 geliefert werden.
/image%2F1394268%2F20260304%2Fob_b6e31d_rewe-schnelladesaeule-2.jpg)
Seit zwölf Monaten stehen sie abgedeckt und ungenutzt vor dem Rewe-Markt in Veitshöchheim: die Schnellladesäulen von E.ON. Immer wieder erreichen die Gemeinde und auch Veitshöchheim News Hinweise von Bürgern, wonach die Anlage bislang nie in Betrieb gegangen sei. Was steckt dahinter – und wann können E-Autofahrer dort tatsächlich Strom zapfen?
Nach Auskunft von Klimaschutzmanager Jan Speth ist der Grund vergleichsweise klar: Für den Betrieb der Schnellladesäulen fehlt bislang die notwendige Trafostation.
Die Eigentümerin des Grundstücks habe der Gemeinde mitgeteilt, dass die Trafostation von Eon bis Ende März 2026 geliefert werden soll. Diese ist Voraussetzung für den Betrieb der Schnellladeinfrastruktur am Rewe-Standort. Die Gemeinde selbst ist an dem Projekt nicht beteiligt. Es handelt sich um eine private gewerbliche Anlage.
Dass die Säulen bislang nicht genutzt werden können, bedauert auch REWE-Pächter Vincent Panocha. Auch er werde ständig auf die ausbleibende Inbetriebnahme angesprochen. Viele Kunden gingen selbstverständlich davon aus, dass die sichtbare Infrastruktur auch einsatzbereit sei.
Er würde es sehr begrüßen, wenn die Ladesäulen baldmöglichst genutzt werden könnten – zumal sie bereits im Februar 2025 installiert worden seien. Seitdem warten Betreiber und Kundschaft gleichermaßen auf den Startschuss.
Bereits bei der Bürgerversammlung am 20. November 2025 war der Stillstand Thema. Eine Bürgerin aus der Würzburger Straße erkundigte sich nach dem Betriebsstart der Schnellladesäulen.
Bürgermeister Götz erklärte, dass für den Betrieb noch die Trafoeinrichtung fehle. Ein Termin für die Inbetriebnahme sei derzeit nicht bekannt. Grundsätzlich sehe er die Gemeinde bei der Ladeinfrastruktur jedoch gut aufgestellt.
Technisch wäre der Standort vorbereitet: Stefan Schinagl, früher Experte bei der Energieversorgung Lohr-Karlstadt und Umgebung, erläutert, dass im Grundstück bereits ein ausreichend starkes 20-Kilovolt-Kabel der Energieversorgung Lohr-Karlstadt liege. Daran könne Eon seine Trafostation anschließen.
Das Problem liegt also nicht am fehlenden Mittelspannungsanschluss – sondern an der bislang nicht installierten Trafostation selbst.
Der Fall in Veitshöchheim steht beispielhaft für ein bundesweites Problem. Die Verfügbarkeit von Trafostationen gilt derzeit als zentraler Engpass beim Ausbau der Schnellladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.
Die Gründe:
- 🔋 Hohe Nachfrage: Der rasante Ausbau der Elektromobilität erfordert zahlreiche neue Netzanschlüsse und Trafostationen.
- 🔋 Materialmangel: Insbesondere kupferbasierte Bauteile und spezielles Transformatorenblech sind nur eingeschränkt verfügbar.
- 🔋 Lange Produktionszeiten: Hersteller arbeiten am Limit, Lieferzeiten sind entsprechend lang.
- 🔋 Fachkräftemangel: Installation und Anschluss dürfen nur qualifizierte Fachbetriebe vornehmen.
Trafostationen wandeln Mittelspannung (meist 10 bis 36 Kilovolt) in die für Schnelllader benötigte Niederspannung (400/230 Volt) um. Ohne sie bleibt jede noch so moderne Schnellladesäule außer Betrieb.
Seit 1. Januar 2025 gelten zudem verschärfte gesetzliche Vorgaben: Nichtwohngebäude mit mehr als 20 Stellplätzen müssen mindestens einen Ladepunkt bereitstellen. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 10.000 Euro geahndet werden.
Für viele Bürger stellt sich auch die Frage: Was kostet eine solche Schnellladeanlage eigentlich?
Gesamtinvestition: 200.000 bis über 300.000 Euro (Quelle Flexbau.de)
In Summe bewegt sich ein Projekt dieser Größenordnung in einer realistischen Spanne von:
| Komponente | Geschätzter Preis |
|---|---|
| Trafostation (1.000 kVA) | 45.000 – 70.000 € |
| Netzanschluss & Montage | 35.000 – 60.000 € |
| 3 × 300-kW-Ladesäulen | 120.000 – 180.000 € |
| Gesamtinvestition | ca. 200.000 – 310.000 € |
Je nach Standortbedingungen, Netzsituation und Ausbaustandard kann die Summe auch darüber liegen, nach Schätzung von Stefan Schninagl bis zu einer halben Million Euro.
Für öffentlich zugängliche Schnellladepunkte stehen grundsätzlich Fördermöglichkeiten zur Verfügung – sowohl über Bundesprogramme als auch über Landesinitiativen in Bayern.
Wer in Veitshöchheim kurzfristig laden muss, hat jedoch Alternativen. Die Gemeinde verweist auf:
- 🔋 die beiden Ladestationen an den Mainfrankensälen,
- 🔋 die Schnellladestation am Autohaus Keller, rund 300 Meter entfernt.
Zudem haben die Arbeiten für eine weitere Ladestation am Schenkenfeld in der Schumacherstraße begonnen.
/image%2F1394268%2F20260304%2Fob_2b24c9_rewe-schnelladesaeule-1.jpg)
Für E-Autofahrer bleibt die Situation am Rewe-Parkplatz vorerst unbefriedigend. Die Infrastruktur steht – doch ohne Trafostation fließt kein Strom. Sollte die angekündigte Lieferung bis Ende März 2026 erfolgen und die Montage zeitnah stattfinden, könnte die Anlage noch im Frühjahr in Betrieb gehen.