Knapp 40 umweltinteressierte Bürgerinnen und Bürger haben am Altweiberfasching den Weg in den Sebastian-Englerth-Saal der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) gefunden.
Der Vorsitzende der Bund Naturschutz Ortsgruppe Veitshöchheim, Wolfgang Klopsch (links), begrüßte die Gäste und kündigte mit Karl-Georg Schönmüller (re.) einen ausgewiesenen Fachmann an.
Sein Thema: „Waldstrategien in der Biodiversitäts- und Klimakrise“.
Forstwirtschaft mit jahrhundertelanger Tradition
Schönmüller leitet den Forstbetrieb der Stadt Würzburg. Zu Beginn spannte er den Bogen weit zurück: Die städtische Forstwirtschaft ist bereits seit dem 15. Jahrhundert urkundlich belegt – damals noch im selbstständigen Heidingsfeld als Stadtförsterei.
Bis heute zählen Pflege, Nutzung und Verjüngung des Stadtwaldes zu den Kernaufgaben. Hinzu kommen die Holzvermarktung und die Ausbildung von Nachwuchskräften, insbesondere von Forstwirten. Jährlich wird zudem rund ein Hektar bislang landwirtschaftlich genutzter Fläche neu aufgeforstet.
Eine Besonderheit ist die Betreuung von rund 100 Hektar Schutzwald für die Trinkwasserversorgung Würzburgs. Darüber hinaus übernimmt der Forstbetrieb die Betriebsleitung für weitere 1700 Hektar Wald in der Forstbetriebsgemeinschaft Würzburg – ein beachtliches Aufgabenspektrum.
Dramatische Erwärmung in nur 140 Jahren
Im Zentrum des Vortrags standen die Folgen des Klimawandels. Anhand der sogenannten „Warming Stripes“ des Klimaforschers Ed Hawkins verdeutlichte Schönmüller die drastisch steigenden Durchschnittstemperaturen. Immer häufiger treten Hitzeperioden mit bis zu 40 Grad auf.
Ein Blick auf einen 140 Jahre alten Waldbestand in der Region zeigt die Dimension: Die mittlere Jahrestemperatur ist in diesem Zeitraum von 8,5 auf fast 11 Grad gestiegen – Tendenz weiter steigend. Würzburg zählt schon heute zu den niederschlagsärmsten und zugleich wärmsten Regionen Deutschlands.
Die Folgen sind sichtbar. Besonders die Buchenwälder litten in den vergangenen zehn Jahren massiv. Mit den Schäden geht ein deutlicher Verlust an Artenvielfalt einher – etwa bei Waldameisen und Wildbienen.
Bundesweite Aufmerksamkeit für Würzburger Strategien
Wie auf diese Entwicklung reagieren? Die Strategien der Würzburger Forstleute stoßen bundesweit auf Interesse. Jährlich finden im Stadtwald bis zu ein Dutzend Exkursionen für Umweltverbände, politische Gruppierungen und Forstfachleute statt.
Zentraler Ansatz ist der Aufbau strukturreicher, vielfältiger und damit widerstandsfähiger Wälder.
Gepflanzt und gefördert werden unterschiedliche, vergleichsweise klimatolerante heimische Baumarten wie Eiche, Elsbeere und Feldahorn in verschiedenen Altersstufen.
Ergänzt werden sie durch geeignete mediterrane Arten wie Flaumeiche und Hopfenbuche.
Um dem Rückgang von Bestäubern entgegenzuwirken, setzt der Forstbetrieb verstärkt auf Baumarten mit langer Blühphase und reichhaltigem Nektarangebot. Sie bieten Wildbienen und anderen Insekten über weite Teile des Jahres Nahrung.
Flankiert wird der Waldumbau durch verbesserte Wasserrückhaltung, die Anlage von Feuchtbiotopen, die Anreicherung von Moderholz zur Humusbildung sowie den Erhalt alter, artenreicher Waldbereiche.
Ein professionelles Jagdmanagement soll sicherstellen, dass sich alle Baumarten natürlich verjüngen können.
Nikolausberg als Vorzeigeprojekt
Als besonders stabile Waldgebiete hob Schönmüller den Veitshöchheimer Gemeindewald mit seinen weitgehend robusten Eichenmischwäldern hervor.
Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist der weithin sichtbare Nikolausberg zwischen Käppele und Frankenwarte. Der rund 50 Hektar große Wald wurde vor fast 150 Jahren von einer engagierten Bürgerbewegung angelegt. Heute gilt er mit seiner ausgeprägten Kühlwirkung und seinen zahlreichen Biotopen als wichtiger Baustein für Klimaschutz und Artenvielfalt im Würzburger Raum.
Diskussion über Jagd und Mainufer
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine etwa 15-minütige Diskussion. Themen waren unter anderem das Jagdmanagement, die Auswahl sogenannter Klimawandelbaumarten sowie die jüngst gefällten Platanen am Mainufer.
Der Abend machte deutlich: Der Wald der Zukunft entsteht nicht von selbst. Er ist das Ergebnis langfristiger Strategien, fachlicher Expertise – und einer engagierten Öffentlichkeit, die bereit ist, neue Wege mitzugehen.
Folien Forstbetrieb Stadt Würzburg - Fotos Dieter Gürz
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