Veröffentlicht am von Dieter Gürz
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Wie kann Frieden dort wachsen, wo seit Jahrzehnten Gewalt, Misstrauen und Leid den Alltag bestimmen? Dieser Frage widmete sich am Freitagabend, 16. Januar 2026, ein gut besuchter Vortrag in den Gemeinderäumen der Christuskirche Veitshöchheim. Rund 50 Interessierte folgten der Einladung der Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit Pax Christi Würzburg. Angesichts der anhaltenden Eskalation im Nahen Osten, der humanitären Krise und des massiven Leids der Zivilbevölkerung erhielt der Abend eine besondere Aktualität.
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Mit Dr. Ursula Phillips-Heck konnte eine ausgewiesene Expertin für israelisch-palästinensische Friedenspädagogik gewonnen werden. Die promovierte Sozialwissenschaftlerin aus Freiburg ist Vorsitzende des Vereins Freunde von Neve Shalom – Wahat al-Salam e.V.. Sie hat über die Pädagogik des Friedensdorfes promoviert, zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zu Dialogarbeit und Konflikttransformation veröffentlicht und hält seit vielen Jahren Vorträge im In- und Ausland. Erst im Dezember 2025 war sie erneut vor Ort in Israel und konnte aus aktueller Anschauung berichten.
Sie machte deutlich, dass der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern nicht erst seit dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 besteht, sondern tief in historischen, politischen und gesellschaftlichen Ungleichheiten verwurzelt ist.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand das israelische Dorf Neve Shalom / Wahat al-Salam („Oase des Friedens“), ein weltweit einzigartiges Projekt. Gegründet wurde das Dorf 1970 von dem französischen Dominikanermönch Bruno Hussar mit jüdischen Wurzeln. Möglich wurde die Dorfgemeinschaft durch eine großzügige Landschenkung eines Klosters – ein entscheidender Faktor, da Landbesitz für Palästinenser in Israel kaum realisierbar ist.
Heute leben dort rund 90 jüdische, muslimische und christliche Familien gleichberechtigt zusammen. Sie teilen ihren Alltag, die Dorfverwaltung sowie Bildungs- und Kultureinrichtungen und setzen damit ein sichtbares Zeichen für ein friedliches Miteinander.
Ein Herzstück des Dorfes ist der Kindergarten und die Grundschule mit etwa 220 Kindern aus 20 umliegenden Gemeinden. Der Unterricht ist verpflichtend zweisprachig – auf Hebräisch und Arabisch –, binational und tri-religiös. Dabei wird auf ein ausgewogenes Verhältnis jüdischer und muslimischer Kinder geachtet.
Zentrales Element der Friedensarbeit ist zudem das internationale Begegnungs- und Bildungszentrum „School for Peace“. Dort wurden bislang rund 80.000 Menschen ausgebildet – darunter Lehrkräfte, Ärztinnen, Juristen, Politikerinnen und Jugendliche. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung von sogenannten „Peacemakern“, die weltweit als Trainer für Dialog und interkulturelle Verständigung tätig sind.
Zu Beginn ihres Vortrags wies Dr. Phillips-Heck darauf hin, wie wichtig ein bewusster Umgang mit Begriffen ist: „Israeli“ sei keine religiöse Kategorie, ebenso wenig „Palästinenser“. Es gebe palästinensische Israelis ebenso wie christliche oder jüdische Palästinenser – ein Perspektivwechsel, der zum besseren Verständnis des Konflikts beiträgt.
Das Projekt Neve Shalom / Wahat al-Salam wurde international vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Buber-Rosenzweig-Medaille, dem Beyond-War-Award (USA) und dem Frauenfriedenspreis der Women’s Peace Foundation. Dennoch ist die Dorfgemeinschaft immer wieder Anfeindungen ausgesetzt gewesen, bis hin zu Brandanschlägen auf Begegnungshäuser, die anschließend neu aufgebaut werden mussten.
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In seinem Grußwort betonte Claus-Peter Ostermeier vom Kirchenvorstand, der den Kontakt zur Referentin hergestellt hatte, dass Frieden kein Zustand sei, den man einmal erreiche, sondern ein immerwährender, mühsamer Prozess. Er dankte der Referentin für den eindrucksvollen Vortrag, der Kirchengemeinde für die unentgeltliche Bereitstellung der Räume sowie den Besuchern für ihr großes Interesse.
Der Eintritt war frei, um Spenden für das Projekt „School for Peace“ wurde gebeten. Der Abend zeigte eindrucksvoll: Neve Shalom / Wahat al-Salam ist kein utopischer Traum, sondern ein gelebtes Beispiel dafür, dass Dialog, Gleichberechtigung und Respekt selbst unter schwierigsten Bedingungen möglich sind.
Fotos: B. v.d. Goltz
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