Generationswechsel bei Mehlig & Heller: Monika und Erhard Mehlig übergeben traditionsreiches Fleischwerk in Veitshöchheim an Tochter Andrea
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Generationswechsel bei bekanntem Fleischhersteller in Veitshöchheim: Sie übernimmt „Mehlig & Heller"
Über 40 Jahre gibt es den Familienbetrieb „Mehlig & Heller" bereits. Bisher war das Unternehmen in der Hand von Monika und Erhard Mehlig. Jetzt gibt es eine Nachfolge.
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Für viele Veitshöchheimer gehört der Name Mehlig genauso zur Gemeinde wie Main, Rokokogarten und Mainfrankensäle. Am 18. Dezember 2025 wurde nun ein wichtiger Generationswechsel offiziell vollzogen: Monika und Erhard Mehlig übergaben im Beisein von Bürgermeister Jürgen Goetz die Schlüssel für das Fleischwerk der Mehlig & Heller GmbH im Gewerbegebiet an ihre Tochter Andrea Mehlig. Am 30. Dezember wird dann die Übergabe mit der Belegschaft und langjährigen Wegbegleitern gefeiert.
Damit bleibt eines der bekanntesten Lebensmittelunternehmen Unterfrankens in Familienhand – und ein Stück regionaler Identität bewahrt. Mehlig & Heller gilt seit Jahrzehnten als eines der Aushängeschilder des Wirtschaftsstandorts Veitshöchheim und als Synonym für fränkische Wursthandwerkskunst auf höchstem Niveau.
„Es war mir immer wichtig, dass das, was wir hier aufgebaut haben, in verantwortungsvollen Händen weitergeführt wird – und wo könnte das besser sein als in der eigenen Familie“, sagte Erhard Mehlig sichtlich bewegt.
Gegründet wurde von ihm das Unternehmen 1978, der entscheidende Wachstumsschritt erfolgte 1985 mit der Ansiedlung im Gewerbegebiet Veitshöchheim. Unter seiner Führung entwickelte sich Mehlig & Heller vom klassischen Fleischereibetrieb zu einem hochmodernen Hersteller von Wurstspezialitäten im Glas, der heute sowohl Endkunden als auch den Einzelhandel, die Gastronomie und internationale Märkte beliefert.
Rund 45 Mitarbeitende arbeiten heute im Betrieb in Produktion, Logistik, Verwaltung und Vertrieb. Produziert wird werktags ab den frühen Morgenstunden. In Spitzenzeiten verlassen bis zu 35.000 Gläser pro Tag das Werk. Pro Jahr werden so in Veitshöchheim rund fünf Millionen Gläser hergestellt, die im In- und Ausland ausgeliefert werden. Modernste Technik, strenge Zertifizierungen und lückenlose Kontrollen gehören ebenso zum Alltag wie handwerkliche Erfahrung. „Unsere Leute hier im Betrieb sind das Rückgrat des Unternehmens“, betonte Andrea Mehlig. „Viele arbeiten seit Jahrzehnten bei uns. Dieses Wissen und diese Verbundenheit sind unbezahlbar.“
Marken wie „Opa’s Weißer“ und „Oma’s Roter“ sind längst weit über Franken hinaus bekannt. An der Marke „Opa‘s Weißer“, hatte maßgeblich der damalige Mitinhaber Erich Heller mitgewirkt, der leider bereits 1998 in jungen Jahren verstarb. Produziert wird ausschließlich mit Frischfleisch nach traditionellen Rezepturen und unter strengsten Qualitäts- und Hygienestandards. Das Unternehmen ist IFS-zertifiziert und investiert kontinuierlich in moderne Produktions- und Kontrolltechnik. Dabei legt das Unternehmen großen Wert auf regionale Wertschöpfung, Nachhaltigkeit und lückenlose Dokumentation aller Produktionsschritte. „Wir wollten nie irgendetwas herstellen, sondern genau das, wofür Franken steht“, lautete stets Mehligs Credo.
Ein wichtiger Meilenstein in der Unternehmensentwicklung war die Eröffnung des Werksverkaufs mit Bistro im Jahr 2015. Hier schuf Erhard Mehlig bewusst einen Ort, der weit mehr ist als nur ein Verkaufsraum. Der Standort entwickelte sich rasch zu einem beliebten Treffpunkt für Berufstätige aus dem Gewerbegebiet, Einheimische und Besucher. Für viele Veitshöchheimer ist der Mittagstisch in der Raiffeisenstraße fester Bestandteil des Alltags. „Hier trifft man Nachbarn, Vereinskollegen und ehemalige Arbeitskollegen – das gehört inzwischen einfach dazu“, so eine Mitarbeiterin hinter der Theke.
Das Bistro ist sichtbares Zeichen dafür, dass industrielle Produktion und handwerkliche Bodenständigkeit kein Widerspruch sein müssen. „Der direkte Kontakt zu den Menschen war mir immer wichtig“, betont Ehrard Mehlig – ein Anspruch, der auch unter neuer Führung erhalten bleiben soll.
Landrat Thomas Ebert hatte denn auch bei seinem Firmenbesuch im November die Verbindung von Fertigung, Direktverkauf und Onlinevertrieb von Mehlig & Heller als „gutes Beispiel für regionale Wertschöpfung mit Weitblick" gewürdigt.
Mit Andrea Mehlig übernimmt nun eine Unternehmerin die Verantwortung, die im Familienbetrieb aufgewachsen ist und seit vielen Jahren erfolgreich unternehmerische Verantwortung trägt. Bereits 2009 übernahm sie von ihrem Vater das Maincenter Veitshöchheim, den größten Einkaufsmarkt der Gemeinde. Zuvor war sie sieben Jahre für EDEKA Rhein-Ruhr tätig, wo sie rund 60 Einzelhändler betreute und umfassende Erfahrung in Handelskonzeption, Marketing und Sortimentsgestaltung sammelte.
Unter ihrer Führung wurde das Maincenter modernisiert, neu strukturiert und konsequent an veränderte Kundenbedürfnisse angepasst – von erweiterten Bio- und Fairtrade-Angeboten bis hin zu neuen Service- und Erlebnisbereichen.
Darüber hinaus prägte Andrea Mehlig über viele Jahre den von ihrem Vater geschaffenen Hotel- und Gastronomiebereich im Veitshöchheimer Altort. Sie führte zeitweise das 140-Betten-Hotel „Weißes Lamm“ mit dem Restaurant Escavinum, einen der touristischen Leitbetriebe der Gemeinde, bis im September 2020 ihre Schwester Heike Prescher sie hier in der Betriebsführung ablöste.
Auch ehrenamtlich engagiert sie sich seit Jahren im Tourismus des nördlichen Landkreises Würzburg. Als Beiratsvorsitzende der Touristik GmbH im Würzburger Land und später als stellvertretende Vorsitzende des Tourismusvereins "ZweiUferLand" setzt sie sich für regionale Vermarktung, Zusammenarbeit der Gemeinden und nachhaltige Tourismuskonzepte ein.
Ein weiterer Schwerpunkt von Andrea Mehlig liegt in der Projekt- und Immobilienentwicklung. Im Veitshöchheimer Gewerbegebiet initiierte sie den Bau eines Gesundheitszentrums, dessen erster Bauabschnitt mit der Praxis für Strahlentherapie Mainfranken 2021 in Betrieb ging. Damit wurde eine wichtige Versorgungslücke im Landkreis Würzburg geschlossen.
Erhard Mehlig hat seit den 1980er-Jahren mit seinen Betrieben – Fleischwerk, Maincenter und Hotelrestaurant Weißes Lamm mit Escavinum Veitshöchheim wirtschaftlich und strukturell mitgeprägt. Dafür wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2023 als Erster mit der neugeschaffenen Bürgermedaille der Gemeinde. Bürgermeister Götz fasste es so zusammen: „Ohne den Unternehmer Erhard Mehlig wäre Veitshöchheim nicht das, was es heute ist.“
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Mit dem Meisterbrief im Fleischerhandwerk im Juli 1974 startete Erhard seine außergewöhnliche berufliche Karriere. Mit der Übergabe des Fleischwerks endete nun seine operative Verantwortung, nicht jedoch die Verbundenheit mit seinem Lebenswerk. „Ich schaue gerne noch vorbei – aber jetzt aus einer anderen Perspektive“, sagte der Unternehmer bei der Übergabe mit einem Lächeln. Auch im Alter von 81 Jahren sprudelt er noch wie kein anderer vor Ideen und verfolgt die Entwicklung „seines“ Betriebs mit wachem Interesse.
Für Andrea Mehlig beginnt damit ein neues Kapitel – eines, das Bewährtes erhält und zugleich Raum für Weiterentwicklung lässt. „Unsere Wurst ist fränkisch, ehrlich und bodenständig – genauso wie Veitshöchheim. Und genau so soll es bleiben“, brachte sie ihre Haltung auf den Punkt.
Gleichzeitig will die neue Inhaberin das Unternehmen behutsam in die Zukunft führen. Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Fachkräftesicherung und moderne Vertriebswege sollen künftig noch stärker in den Fokus rücken, ohne die handwerkliche Identität von Mehlig & Heller zu verlieren.
Festhalten möchte sie ausdrücklich am beliebten Mittagstisch, der sich zuletzt wachsender Resonanz erfreute. Zudem sind bereits neue Ideen in Planung: Unter Einschränkung des Werksverkaufs im Bistro soll im zeitigen Frühjahr im rückwärtigen Bereich ein Event-Lokal für Familien-, Vereins- und Betriebsfeiern entstehen – als weiterer Schritt, den Betrieb noch stärker als Treffpunkt und Begegnungsort in Veitshöchheim zu verankern.
So verbindet sich bei Mehlig & Heller auch in Zukunft, was das Unternehmen seit Jahrzehnten ausmacht: Tradition, Unternehmergeist und die enge Verwurzelung in der Region.
Text und Fotos Dieter Gürz