Volkstrauertag am Veitshöchheimer Ehrenmal: Eindringliche Rede von Brigadegeneral Abed
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Am Volkstrauertag, Sonntag, 16. November, fand um 11 Uhr am Ehrenmal an der St.-Vitus-Kirche die traditionelle Gedenkfeier für die Gefallenen und Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft statt. Organisiert wurde sie vom Kulturamt der Gemeinde Veitshöchheim, moderiert von Karen Heußner.
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Ein Blechbläser-Ensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim eröffnete unter Leitung von Oberstabsfeldwebel Bernhard Müßig die Feierstunde mit Bachs Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“.
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Die 1. Kompanie des Fernmeldebataillons 10 stellte den Ehrenzug. Hinter den Kränzen standen Feuerwehr-Hauptlöschmeister Michael Birk sowie VdK-Kassier Johannes Bauer im Spalier.
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Zahlreiche Vereine folgten der Einladung von Bürgermeister Jürgen Götz und trugen mit ihren Fahnenabordnungen zur würdigen Kulisse rund um den Ehrenmalplatz bei.
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In seiner ausführlichen und sehr eindringlichen Rede stellte Brigadegeneral André Abed die Bedeutung des Volkstrauertags in den Mittelpunkt. 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, so betonte er, sei das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft keineswegs aus der Zeit gefallen. Die Frage, ob dieser Tag überhaupt noch gebraucht werde, beantwortete er klar: „Ja, wir brauchen diesen Gedenktag – aus Respekt vor den Millionen Opfern von Krieg und Gewalt und aus Achtung vor den gefallenen Soldaten.“
Besonders bewegend schilderte er ein persönliches Erlebnis: die Einbettung von 67 Kriegstoten im Oktober 2023 auf dem Soldatenfriedhof im brandenburgischen Lietzen. Die sterblichen Überreste der Soldaten – junge Männer, die vor rund 80 Jahren im Oderbruch gefallen waren – seien damals aus provisorischen Grablagen geborgen worden und hätten bis dahin keinen würdigen Ort der Ruhe gefunden. „Menschen, die geliebt wurden und noch immer vermisst werden“, sagte Abed. Während der feierlichen Einbettung habe ihn ein tief bedrückendes Gefühl begleitet: „Ich hatte das Gefühl, dass wir da etwas taten, wofür sich heute nur noch wenige Menschen interessieren.“
Er warnte vor einem schwindenden gesellschaftlichen Bezug zu Kriegstoten und Kriegsgräbern. Auch die Sammlung für die Kriegsgräberfürsorge, bei der manche Passanten die Straßenseite wechselten, sei ein Zeichen dafür, wie stark die Erinnerungskultur ins Wanken geraten könne.
Mit Blick auf die aktuellen Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten erklärte Abed, dass deren Schrecken – zerstörte Städte, zivile Opfer, millionenfache Flucht – den Erlebnissen früherer Generationen auf erschreckende Weise ähnelten. Die Erinnerung an diese Gewalt dürfe nicht zu Hass und Verbitterung führen, sondern müsse den Weg in ein friedliches Zusammenleben weisen.
„Wer die Versöhnung über den Gräbern erfährt, versteht im Herzen, wie sinnlos und grausam der Krieg ist und wie kostbar der Frieden“, sagte der General. Gedenkstätten und Soldatenfriedhöfe seien daher unverzichtbare Orte der Mahnung. „Das Gedenken ist niemals aus der Zeit gefallen. Es darf keinen Schlussstrich geben.“
Es gelte, die Pflege der Friedhöfe und Gedenkstätten als „zivilisatorische Errungenschaft“ zu verteidigen und sich nicht von Gleichgültigkeit beirren zu lassen. Die mahnende Botschaft der Opfer – „Nie wieder Krieg“ – müsse hörbar bleiben.
Im anschließenden Totengedenken rief Abed die Opfer von Gewalt und Krieg in Erinnerung: Soldaten der Weltkriege, Zivilisten, Verfolgte, Widerstandskämpfer, Menschen, die wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Behinderung oder Weltanschauung ermordet wurden, sowie die Opfer von Terrorismus, Extremismus und Rassismus. Ebenso gedachte er der im Auslandseinsatz gefallenen Soldaten und anderer Einsatzkräfte. Hoffnung, Versöhnung und die Verantwortung für den Frieden stünden über allem.
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Zur symbolischen Kranzniederlegung traten Brigadegeneral André Abed für die Bundeswehr, Zweiter Bürgermeister Elmar Knorz für die Gemeinde sowie VdK-Ortsvorsitzende Sibylle Brandt gemeinsam mit Karen Heußner vor. Das Heeresmusikkorps begleitete diesen Moment mit dem Lied vom „Guten Kameraden“.
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Die Männersänger des MGV trugen unter der Leitung von Cornelia Hahn mit dem Chorsatz „Wohin soll ich mich wenden“ aus Schuberts „Deutscher Messe“ zur musikalischen Gestaltung bei.
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Den Abschluss der rund 20-minütigen Feier bildeten - von den Heeresmusikern intoniert - Bachs Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ und die Nationalhymne.
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Obwohl Bürgermeister Götz die Bevölkerung herzlich eingeladen hatte, folgten abseits der Fahnenabordnungen nur Wenige dem Aufruf.
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Anwesend war aber wieder der „Sudetendeutsche Verband Studentischer Corporationen“ (SVSC/Veitshöchheimer Convent) mit Peter Gunnar Theiss mit einer Abordnung der BI Germania – Solmontia 1884 zu Kronach unter Sprecher Marcel Hagen. Der SVSC hatte 2003 eine eigene Gedenktafel am Ehrenmal enthüllt.
Fotos Dieter Gürz
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