Overblog Alle Blogs Top-Blogs Reisen & Veranstaltungen
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Nachruf: Generalmajor a.D. Manfred Eisele am 12. September 2025 auf dem Friedhof an der Martinskapelle in Veitshöchheim beigesetzt

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Als der Traditionsverband der 12. Panzerdivision im Mai 2012 unter dem Motto "Von der Abschreckungs- zur Einsatzarmee" sein 20jähriges Bestehen feierte, rief Eisele als Mitbegründer und letzte Kommandeur der 12. Panzerdivision deren Entstehungsgeschichte in Erinnerung.

 

Generalmajor a.D. Manfred Siegbert Eisele ist im Alter von 87 Jahren am 24. August in Ilmenau verstorben. Mit ihm verliert die Bundeswehr einen ihrer prägenden Generale – und die Gemeinde Veitshöchheim einen Mann, der untrennbar mit der Geschichte der 12. Panzerdivision verbunden bleibt.

Als letzter Kommandeur der „Zwölften“ übernahm Eisele am 1. April 1992 das Kommando in Veitshöchheim – wohl wissend, dass das Verteidigungsministerium bereits die Auflösung des Verbandes beschlossen hatte. Zwei Jahre später, im März 1994, war es soweit: Die in Veitshöchheim stationierte und als „Fränkische Zwölfte“ bekannte 12. Panzerdivision wurde nach 33 Jahren ihres Bestehens als Folge der Truppenreduzierung nach dem Ende des Ostblocks aufgelöst. Für Eisele war das ein tiefer Einschnitt. Mehr als 250.000 Soldaten – vor allem Wehrpflichtige aus Franken – hatten in den 32 Jahren ihres Bestehens in den Brigaden, Regimentern und Bataillonen der Division gedient. Viele von ihnen entwickelten eine enge emotionale Bindung an ihren Verband.

Um dieses besondere Kapitel deutscher Militärgeschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, regte Eisele bereits am 6. Mai 1992 die Gründung des Traditionsverbandes an, dessen Gründungskommandeur er wurde. Gemeinsam mit 71 Mitstreitern wählte er den „Fränkischen Rechen“ und die Würzburger Sturmfahne als Verbandsabzeichen. Bis zuletzt blieb er dem Verband eng verbunden, war Ehrenmitglied und treuer Besucher der Veranstaltungen. „Eisele war wichtig, den besonderen Geist der Zwölften aufrecht zu erhalten“, würdigt Präsident Oberstleutnant a.D. Wolfgang Hagedorn.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Traditionsverbandes im Jahr 2017 ließ Eisele in einer verlesenen Grußadresse noch einmal seine Stimme hören. Er würdigte die 12. Panzerdivision als jüngste Division der Bundeswehr, die lange an der Spitze aller Großverbände des deutschen Heeres gestanden habe, wenn es um multinationale Einsätze im Rahmen der NATO ging. Besonders hob er die einmalige Eingliederung der „Zwölften“ in das VII. (US) Korps hervor, verbunden mit der Unterstellung der Forward Brigade der 1st (US) Infantry Division. „Die täglich erfahrene, multinationale Partnerschaft wurde von allen Soldaten unserer Zwölften – von den wehrpflichtigen Gefreiten bis zu den Kommandeuren – mit Leben erfüllt“, so Eisele. „Wir haben erfahren, dass die Pflicht zur Kameradschaft nicht nur eine leere Formel in Paragraph 12 des Soldatengesetzes ist, sondern über alle Unterschiede von Nationalität, Sprache, Hautfarbe, Religion und Herkunft hinweg Soldaten im gemeinsamen Dienst für ihre Vaterländer verbindet.“ Dieser Geist, so Eisele, bleibe auch bei den Ehemaligen lebendig. Die Feier zum 25-jährigen Bestehen des Verbandes habe dies eindrucksvoll gezeigt.

1938 in Wilhelmshaven geboren, trat Eisele 1957 in die Bundeswehr ein und machte eine beispielhafte Offizierskarriere. Er führte unter anderem das Panzerartilleriebataillon 125 in Bayreuth, war Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 17 in Hamburg und diente im NATO-Hauptquartier SHAPE in Mons. 1991 wurde er Generalmajor und wenig später Kommandeur in Veitshöchheim.

Nach der Auflösung der 12. Panzerdivision führte ihn sein Weg in die internationale Diplomatie: Von 1994 bis 1998 diente Eisele in New York als Beigeordneter Generalsekretär der Vereinten Nationen, zuständig für die Planung und Unterstützung von Friedensmissionen. In einer Zeit, die von den Völkermorden in Ruanda und Srebrenica geprägt war, half er, die UN-Friedenssicherung organisatorisch neu aufzustellen. Seine Kollegen nannten ihn respektvoll „The General“. Für seine Verdienste erhielt er 1998 die Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille.

Auch nach seiner Pensionierung blieb Eisele ein gefragter Experte in Fragen der internationalen Sicherheitspolitik. Er lehrte an Hochschulen, beriet die Vereinten Nationen und engagierte sich in Gremien wie der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen oder der Clausewitz-Gesellschaft. Immer wieder trat er auch in Veitshöchheim als Redner auf. So berichtete er 2007 vor der Kameradschaft ehemaliger Soldaten über die Politik hinter den UN-Einsätzen und warnte eindringlich davor, die Augen vor Konflikten zu verschließen.

Eisele verstand es, Autorität mit Bescheidenheit zu verbinden. Seine leise Art, verbunden mit Prinzipientreue und klarem Blick, verschaffte ihm Respekt weit über militärische Kreise hinaus.

Von 1992 bis 2013 lebte Manfred Eisele mit seiner Familie in Veitshöchheim. Seine Frau Elke engagierte sich nach dem Umzug bei den Tennisdamen der Turngemeinde, bis eine Krankheit sie ausbremste. Eisele selbst legte 2002 bei der TGV sein 25. Deutsches Sportabzeichen ab, gehörte zusammen mit seinem Freund, dem Veitshöchheimer CSU-Ortsvorsitzenden Dr. Rudolf Pfeiffer, dem Lions-Club Würzburg an – und traf sich mit dessen Familie regelmäßig zum Bridge-Spiel. Nach dem Tod seiner Frau zog er nach Bayreuth und vor drei Jahren schließlich in ein Seniorenheim nach Ilmenau, dem Wohnsitz seiner Tochter Birgit.

Sein Name bleibt mit der Geschichte Veitshöchheims ebenso verbunden wie mit den Vereinten Nationen in New York. 

Die feierliche Urnenbeisetzung von Manfred Eisele fand am 12. September 2025 auf dem Friedhof an der Martinskapelle in Veitshöchheim neben seiner im März 2013 verstorbenen Frau Elke statt.

Veitshöchheims Ehrenbürger Rainer Kinzkofer, Bürgermeister von 1986 bis 2014 erinnert sich: 

"Von den während meiner Dienstzeit erlebten Kommandeuren war Eisele einer der besten, zum Beispiel bezüglich seiner Offenheit, seiner Flexibilität, seiner Sachkenntnis. Uns zeichnete auch ein besonderes persönliches Verhältnis aus.
Bis vor zwei Jahren rief ich ihn jährlich zu seinem Geburtstag an und habe ihn auch noch persönlich getroffen.
Die 12. Panzerdivision löste er entsprechend persönlich und sachgerecht auf. Durch die damals geringere Anzahl an Standorten, waren unsere Zusammentreffen recht häufig und stets von gegenseitiger Wertschätzung gekennzeichnet."
Fotos Dieter Gürz
Kommentiere diesen Post
J
RIP verehrter Herr Herr Eisele.<br /> Dag Hammarskjöld starb unversehrt bei einem Flugzeugunglück - nachdem er sich dem Frieden gewidmet hatte- gänzlich unversehrt und somit mit minimalem Schrecken für die, die ihn fanden. Das Leben ist Übung und sie ist jetzt abgeschlossen, das Ziel, der Frieden, scheint nicht erreicht. Aber das müssen wir nicht verstehen; was zählt, ist die glänzende Übung die den ihm von Dritten, die ihn kannten, zugetragenen Titel Der Friedensgeneral mehr als rechtfertigte.<br /> Er sandte meinen lieben Vater in die LGAN an der FüAkBw 1976, die "alten" 17er.<br /> <br /> Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen.<br /> <br /> Beckmanns<br /> Starnberg/ MUC, Frankfurt (Main)<br /> vormals unibw.de
Antworten
B
Dankeschön