Heute am 1. Oktober 2025 feiert die Balthasar-Neumann-Kaserne in Veitshöchheim ihren 60. Geburtstag -.
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Ein Ereignis vor 60 Jahren prägt Veitshöchheim bis heute: Am 1. Oktober 1965 wurde die neu gebaute Balthasar-Neumann-Kaserne feierlich eingeweiht. Im Bild marschieren die ersten Soldaten des Fernmeldebataillons 12 und des Heeresmusikkorps 12 ein. Seitdem ist die Gemeinde Garnisonsort – und die Kaserne überstand als eine der wenigen in der Region die zahlreichen Standortschließungen der vergangenen Jahrzehnte.
Der Grundstein für den Standort war schon 1960 gelegt worden: Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß ordnete damals die Aufstellung der 12. Panzerdivision an. In Würzburg selbst war kein Platz mehr, alle Kasernen waren seit 1945 von den US-Streitkräften belegt. So fiel die Wahl auf den Schleehof am Schenkenberg, wo bereits seit den 1930er Jahren militärisch genutzt wurde.
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Richtfest für das Wirtschaftsgebäude mit Truppenküche und die Truppenunterkünfte des Fernmeldebataillons 12 in der Balthasar-Neumann-Kaserne.
Die Bauarbeiten gingen zügig voran, sodass die Kaserne schon fünf Jahre später bezogen werden konnte. Benannt wurde sie nach dem berühmten Baumeister Balthasar Neumann, dessen Sandsteinbüste Besucher bis heute am Eingang begrüßt.
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Vor dem Stabsgebäude der 12. Panzerdivision lässt der Würzburger Bildhauer Otto Sonnleitner seine Löwenmutter aus Bronze aufstellen, die noch heute das Bild der Kaserne prägt.
SW-Fotos: Bundeswehr Archiv 12. Panzerdivision
Die ersten Einheiten zogen 1965 unter den Klängen des Heeresmusikkorps ein: das Sanitätsbataillon 12, später folgten unter anderem Feldjäger, Nachschubkräfte und das Fernmeldebataillon 12. 1967 komplettierte der Stab der 12. Panzerdivision die Erstbelegung.
Doch nicht immer war die Zukunft gesichert. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden viele Großverbände aufgelöst. So waren die 1990er Jahre für den Bundeswehrstandort Veitshöchheim infolge der Auflösung der 12. Panzerdivision zum 31. März 1994 eine Zeit des Umbruchs – zwischen Tradition, Abschied und Neubeginn. Seitdem zogen eine Vielzahl von Verbänden, Einheiten und Dienststellen wieder in die Balthasar-Neumann-Kaserne ein.
Nach dem Einzug der Panzerbrigade 36 Mitte November 1993 war Oberst Rolf Bernd der ranghöchste Militärvertreter am Standort. 1996 waren sämtliche Gebäude wieder belegt – die 45 Hektar große Kaserne beherbergte nun 18 verschiedene zivile und militärische Dienststellen. Im zivilen Bereich zog 1995 die Bundeswehrfachschule nach Veitshöchheim, wo 300 Soldaten auf Zeit internatsmäßig den Einstieg ins zivile Berufsleben vorbereiteten.
Auf militärischer Seite war der Stab der 2.500 Mann starken Panzerbrigade 36 ansässig, dazu Nachschubeinheiten, ein Fahrschulausbildungszentrum und ein Standortsanitätszentrum. Während 1991 noch 1.720 Soldaten, überwiegend Wehrpflichtige, stationiert waren, sank die Zahl bis 1996 auf 1.200 Zeit- und Berufssoldaten.
Von Mai 1995 bis 1999 führte Brigadegeneral Klaus Holländer die Brigade. Zwischenzeitlich kommandierte er sogar das deutsche SFOR-Kontingent in Bosnien und Kroatien. Im Juli 2000 feierte die Panzerbrigade 36 in Veitshöchheim ihr 40-jähriges Bestehen mit Festakt, Gelöbnis und Tag der offenen Tür – ein Höhepunkt der Garnisonsgeschichte. Doch schon am 7. Juni 2002 verabschiedete sie sich mit einem letzten Zapfenstreich. Am 31. März 2003 war ihre Auflösung besiegelt.
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Die Sorge in Veitshöchheim war groß, doch Verteidigungsminister Rudolf Scharping sicherte den Erhalt. So wehte die Standortfahne weiterhin neben der Plastik von Lothar Stiller, die Balthasar Neumann und seine Bedeutung für die Soldaten symbolisiert.
Mitte 2002 zog neues Leben in die Kaserne ein: Brigadegeneral Dr. Gert W. Budde übernahm das Kommando über die neu aufgestellte Division Luftbewegliche Operationen (DLO). Sie führte mehr als 400 Hubschrauberverbände und gliederte Aufklärungs-, Transport- und Kampfregimenter. Mit ihr begann eine neue Ära – doch auch sie sollte nur ein Zwischenspiel sein.
Die Strukturreformen der Bundeswehr führten ab 2010 zu einer weiteren Umgliederung. Die Wehrpflicht endete, die Bundeswehr wurde auf 185.000 Mann verkleinert. Für Veitshöchheim bedeutete das: Die DLO wurde 2014 aufgelöst, ihre Kräfte gingen in der Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf auf.
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Allen Grund zur Freude hatten Bürgermeister Rainer Kinzkofer und der amtierende stellvertretende DLO-Kommandeur Brigadegeneral Ernst Otto Berk, als sie am 26. Oktober 2011 bei einer Pressekonferenz nach Bekanntgabe der Stationierungsentscheidungen die Medienvertreter über die damit verbundenen Auswirkungen auf den Standort Veitshöchheim informieren: Es wird in Veitshöchheim ein neues Divisionskommando aufgestellt, das dann 10. Panzerdivision heißt. Neben dem Wegfall der Wehrpflicht wurden damals die Bundeswehreinheiten auf insgesamt 185.000 Mann reduziert.
Parallel zur Auflösung der DLO wurde ein neuer Stab für die 10. Panzerdivision in der Balthasar-Neumann-Kaserne aufgestellt, zunächst als "Division Süd-Stab" bezeichnet.
Zum 1. Januar 2015 war der Stab offiziell stationiert und mit der Umbenennung der Division Süd in die 10. Panzerdivision wurde die Tradition des Staufischen Löwen als Wappen fortgeführt.
Die neugebildete Division erstreckte sich über 21 Standorte in vier Bundesländern. Die Kaserne in Veitshöchheim blieb ein bedeutender Standort, und die dort ansässigen Einheiten behielten ihre Funktion, wenn auch teilweise mit neuen Namen. Die Gesamtzahl der Soldaten reduzierte sich auf etwa 900.
Die 10. Panzerdivision wuchs schnell zu einem Großverband mit bis zu 22.000 Soldaten und Mitarbeitern. Sie übernahm die Rolle der Leitdivision für Auslandseinsätze – von Afghanistan bis Mali – und unterstützte in Deutschland bei der Flüchtlingshilfe 2015/16 sowie bei der Corona-Pandemie.
Öffentlich sichtbare Höhepunkte waren die Tage der Bundeswehr 2016 und 2023, die jeweils mehr als 20.000 Besucher anlockten.
Parallel dazu modernisierte das Staatliche Bauamt die Kaserne: 2021 wurde ein neues Unterkunftsgebäude mit 254 Zimmern eröffnet, 2022 eine moderne Sporthalle. 2024 folgte ein neues Musikgebäude für das Heeresmusikkorps Veitshöchheim.
Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 begann eine sicherheitspolitische Zeitenwende. Die Bundesregierung versprach der NATO eine einsatzbereite gepanzerte Division bis 2025. Veitshöchheim wurde Schaltzentrale dieser „Division 2025“.
Dafür wurde die Struktur erweitert: 2023 kam die niederländische 13 Light Armoured Brigade hinzu, 2024 unterstellte man zusätzlich Bataillone aus Füssen und Bogen. Damit ist die 10. Panzerdivision heute mit rund 20.000 Soldaten und 140 zivilen Mitarbeitern Rückgrat der deutschen Landes- und Bündnisverteidigung.
Die Geschichte zeigt: Jede Auflösung, jeder Reformschritt brachte nicht nur Abschied, sondern auch Neubeginn.
Heute ist die 10. Panzerdivision ein moderner Großverband mit internationaler Verantwortung – und die Balthasar-Neumann-Kaserne kann am 1. Oktober 2025 ihren 60. Geburtstag als lebendiger Traditions- und Zukunftsstandort feiern.
„Der Bau der Kaserne und die Ansiedlung der Soldaten mit ihren Familien hat die Entwicklung Veitshöchheims maßgeblich und vor allem positiv beeinflusst“, betont Bürgermeister Jürgen Götz, der 1990 selbst als Wehrpflichtiger in der Kaserne diente. Innerhalb weniger Jahre stieg die Einwohnerzahl um rund 1.500 – von 5.035 im Jahr 1964 auf 6.515 im Jahr 1969. Viele Soldatenfamilien fanden in Veitshöchheim eine zweite Heimat. „Sie sind seither ein fester Bestandteil unseres Gemeindelebens“, so Götz.
Einer von ihnen ist Wolfgang Hagedorn. Der pensionierte Stabsoffizier aus Niedersachsen lebt nach sieben Umzügen seit Ende seiner Dienstzeit dauerhaft in Veitshöchheim. Heute ist er Präsident des Traditionsverbandes der 12. Panzerdivision. „Das Gemeindeleben wäre ohne die vielen Generationen an Soldaten gar nicht mehr vorstellbar“, sagt Hagedorn. Viele seien im Vereinsleben aktiv – ob in Musik- oder Sportvereinen.
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Auch ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit wurde gesetzt: Seit 2020 begrüßt eine gelbe Schleife an den Ortseingängen die Soldaten – ein Symbol, das inzwischen auch die Nachbargemeinde Güntersleben übernommen hat.
Das 60-jährige Bestehen der Balthasar-Neumann-Kaserne feiern die Bundeswehr-Dienststellen am Mittwoch, 12. November 2025, mit Ausstellung und Festakt in den Mainfrankensälen sowie einem Platzkonzert des Heeresmusikkorps im Rokokogarten. Passend zum Datum jährt sich an diesem Tag auch die Gründung der Bundeswehr zum 70. Mal.