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Als die Springer-Zulage flöten ging 60 Jahre Balthasar-Neumann-Kaserne: Erinnerungen von Stabsfeldwebel a.D. Helmut Schantz

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

„Was glauben Sie, wie alt ich bin?“, fragt Helmut Schantz verschmitzt in der Kantine der Balthasar-Neumann-Kaserne. Neunundachtzig Jahre zählt der Veitshöchheimer Ruheständler – jugendlich wirkt er dennoch, als sei er gerade vom Sprungturm zurückgekehrt. Die grüne Fliegerjacke mit Fallschirmspringer-Abzeichen trägt er noch immer mit Stolz.

„Ich bereue nichts“, sagt der Stabsfeldwebel a.D. über sein Leben bei der Bundeswehr. In der Truppenküche der Balthasar-Neumann-Kaserne erzählt er den jüngeren Kameraden von seinen Abenteuern.

Schantz gehört zu den Männern der ersten Stunde: Am 11. November 1955 vereidigte Verteidigungsminister Theodor Blank die ersten Freiwilligen der jungen Bundeswehr. Nur ein halbes Jahr später meldete sich der damals 20-Jährige. „Wir hatten noch nicht einmal Uniformen“, erinnert er sich. „Es war nichts vorbereitet – und die Bevölkerung war uns gegenüber skeptisch.“ Auch in der eigenen Familie musste er sich rechtfertigen: „Wie kann man, wenn man gerade erst den Krieg verloren hat, so einen Blödsinn machen?“

Doch Schantz ließ sich nicht beirren. 1959 absolvierte er in Altenstadt den Fallschirmspringer-Lehrgang. „Das war so anstrengend, dass ich eigentlich aufhören wollte“, sagt er.

Auf alten Schwarz-Weiß-Fotos, die er bis heute sorgfältig aufbewahrt, ist die harte Ausbildung zu sehen: Märsche im Laufschritt, Übungen am Sprungturm, Einsätze mit amerikanischer Ausrüstung. „Und wenn der Wind nicht ging, stellten die Ausbilder Windmaschinen auf“, erzählt Schantz lachend.

Und Landung: Nach dem Sprung hängen die Springer buchstäblich in den Seilen.

Helmut Schantz im allerersten Dienstanzug der jungen Bundeswehr: Das sogenannte „Affenjäckchen“ mit US-amerikanischem Helm und Lochkoppel.

Ein Soldatenleben in Bildern: Die Fotos aus seiner Dienstzeit bei der Bundeswehr bewahrt Stabsfeldwebel a.D. Helmut Schantz in einer Zigarrenkiste auf.
Fotos: Bundeswehr / Oberstleutnant Karsten Dyba - Archiv Schantz

Die Leidenschaft fürs Fliegen blieb. Noch heute ist er Privatpilot in Hettstadt. In der Truppe aber war er meist auf vier Rädern unterwegs: In Sonthofen wurde er Fahrlehrer, später leitete er in Veitshöchheim die Fahrschule der Panzerdivision. Bitter war für ihn nur ein Einschnitt: Als seine Kompanie in den 1980er Jahren ihren Luftlande-Status verlor, entfiel auch die heißgeliebte Springerzulage. „150 Mark weniger – und ich war frisch verheiratet!“

70 Jahre seines Lebens sind mit der Bundeswehr verbunden. Den Krieg, Flucht und Vertreibung hat er miterlebt, doch bereut er seinen Weg nicht. „Ich habe vieles mitgenommen und nicht mehr vergessen“, sagt er und zieht ein klares Fazit: „Ich bereue nichts.“


Sammlungsaufruf:
Zum 60. Jubiläum der Balthasar-Neumann-Kaserne suchen die 10. Panzerdivision und der Traditionsverband ehemalige 12. Panzerdivision weitere Zeitzeugen. Wer Erinnerungen, Fotos oder Dokumente zur Bundeswehr in Mainfranken beitragen möchte, kann sich an die Pressestelle wenden:
Tel. 0931 / 9707-3160 · E-Mail: 10.PzDivPressestelle@bundeswehr.org

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