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Vom Fremdkörper zum Vorzeigeprojekt – Mobiles Grün verschönert Veitshöchheims Ortskern

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Als die Gemeinde Veitshöchheim im Frühjahr 2024 neun große Pflanzkästen in der Kirchstraße aufstellen ließ, war die Skepsis groß. Zu wuchtig, zu fremd im historischen Ortsbild, hieß es damals von vielen Bürgern (siehe nachstehender Link). Heute, knapp eineinhalb Jahre später, zeigt sich: Das Projekt hat sich gelohnt. Die mobilen Bäume und Staudenbeete sind nicht nur zu einem Blickfang geworden, sondern steigern auch spürbar die Aufenthaltsqualität im Herzen des Altortes.

Besonders eindrucksvoll ist der Wandel am Kirchplatz. Dort prägen drei freiwachsende Blasen-Eschen (Koelreuteria paniculata) das Bild, die mit ihren leuchtend gelben Blüten zum Blickfang geworden sind. Ihre Baumscheiben sind sorgfältig bepflanzt: Stauden wie Katzenminze, Gold-Wolfsmilch, Weißer Sonnenhut oder Bergminze sorgen für ein wechselndes Blütenbild, ergänzt von Gräsern und Kleingehölzen. So entsteht über die Jahreszeiten hinweg ein lebendiger, naturnaher Eindruck, der viele Passanten zum Verweilen einlädt.

Alle neun Kästen sind 94 Zentimeter hoch und verfügen auf einer Seite über eine integrierte Sitzbank. So sind nicht nur grüne Akzente entstanden, sondern auch neue Treffpunkte – Schattenplätze in heißen Sommern, Rastmöglichkeiten für Eis schleckende Kinder, wartende Busfahrgäste oder einen kurzen Plausch zwischendurch.

Was anfänglich als störend empfunden wurde, steigert heute spürbar die Aufenthaltsqualität im Ortskern.

 

 

 

Zum Vergleich

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der innovativen Bewässerung. Entwickelt wurde sie vom Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. Kapillarwirksame Mineralwolldochte transportieren Wasser aus einem in der Bank integrierten Reservoir direkt in die Pflanzgefäße. Das garantiert eine gleichmäßige Grundfeuchtigkeit – ganz ohne aufwändige Sensor- oder Pumpentechnik. Gerade in langen Trockenperioden erweist sich dieses System als ressourcenschonend: Die Gemeindegärtner müssen lediglich alle 14 Tage den Tank nachfüllen.

 

Während die drei Blasen-Eschen am Kirchplatz frei wachsen dürfen, ist bei den übrigen zehn gepflanzten Bäumen  im Ortskern mehr Pflege nötig. Vor dem Eingang zum Hofgarten rahmen zwei Maulbeerbäume (Morus alba fruitless) in streng geschnittener Dachform das Fasanentor, dem Formschnitt im Hofgarten nachempfunden.

 

Entlang der Kirchstraße und am Zugang zur Oberen Maingasse stehen acht Amber-Spalierbäume(Liquidambar styracifluar), deren Kronen ebenfalls regelmäßig heckenartig geformt werden müssen.

Die Massierung der Kästen an der Oberen Maingasse wird von manchen weiterhin kritisch gesehen.

Unstrittig ist jedoch, dass die Gemeinde gemeinsam mit der LWG einem zuvor kahl wirkenden Straßenraum neues Leben eingehaucht hat. Die grauen Pflasterflächen, erst 2022 fertiggestellt, erscheinen heute deutlich einladender. „Das mobile Grün trägt nicht nur zur Verschönerung des Ortsbildes bei, sondern fördert auch die biologische Vielfalt und verbessert das städtische Mikroklima“, heißt es aus dem Rathaus.

Tatsächlich leisten die Pflanzungen mehr als nur einen Beitrag zur Optik. Sie bieten Nahrung und Lebensraum für Insekten, mildern die sommerliche Hitzeentwicklung im dicht bebauten Ortskern und machen die Plätze für Bewohner und Gäste attraktiver. Dass das Projekt inzwischen auch andernorts als Beispiel für nachhaltige Stadtgestaltung Beachtung findet, bestätigt Veitshöchheims Rolle als Impulsgeber.

So hat sich gezeigt: Was zunächst als Fremdkörper erschien, ist längst ein Stück gelebte Aufenthaltsqualität geworden – und ein gutes Beispiel dafür, wie auch mobile Lösungen dauerhaft städtisches Grün bereichern können.

Amberspalierbäume in der Kirchstraße im  Kasten vor dem Eingang zum Escavinum

und zur Vitusschule

Fotos Dieter Gürz

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B
" Das mobile Grün trägt nicht nur zur Verschönerung des Ortsbildes bei, sondern fördert auch die biologische Vielfalt - heißt es aus dem Rathaus "<br /> <br /> Finde ich witzig! Im Baugebiet Sandäcker wird die widerrechtliche Bepflanzung mit Kirschlorbeer durch das Rathaus geduldet und hier wird mit " biologischer Vielfalt“ geworben!
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B
Lieber Willi,<br /> seit wann ist der Bebauungsplan " Sandäcker " übergriffig?<br /> Nur als Hinweis " 2m graue Sichtschutzwand ringsrum " geschlossene Einfriedungen sind im Baugebiet Sandäcker laut Bebauungsplan unzulässig!
W
Was ich auf meinem Grundstück pflanze, hat niemanden zu interessieren. Dieses Denunziantentum ist absolut übergriffig. Es reicht schon das man beim Hausbau zu Tode reguliert wird. Im Garten lass ich mir nichts mehr vorschreiben. <br /> Jede gesunde Pflanze ist besser als keine Pflanze. Muss der Lorbeer weg, gibt’s 2m graue Sichtschutzwand ringsrum.
R
Über Geschmack lässt sich streiten! Als passend empfinde ich die Sitzgelegenheit an der Kirche und am Rundbogen - Kirchplatz! Alle anderen sind fehlplaziert oder überdimensioniert!
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D
bei objektiver Abwägung ist die unansehnliche globige Kastenform als Preis für ein zukunftsfähiges Pilotprojekt der LWG hinsichtlich der Wasserversorgung von Bäumen und Pflanzen gerade in Zeiten des Klimawandels für mich noch akzeptabel auf befestigten öffentlichen Flächen im Innenortsbereich