"Duo Amacord": Tango-Musik voller Sehnsucht und Leidenschaft beim 5. Sommerkonzert im Synagogenhof
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Ein lauer Sommerabend, der historische Synagogenhof in Veitshöchheim gefüllt mit über 120 erwartungsvollen Zuhörern – schöner hätte die Kulisse für das fünfte Sommerkonzert dieser Saison kaum sein können. Mit dem „Duo Amacord“ war am Sonntagabend ein Ensemble zu Gast, das seit mehr als 20 Jahren gemeinsam musiziert und mit seinem innigen Zusammenspiel wie seiner emotionalen Tiefe begeistert.
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Angela Oberthür (Akkordeon) und Marco Göhringer-Oberthür (Gitarre, Gesang), aus Wiesloch-Rauenberg angereist, spannten einen weiten musikalischen Bogen von Tango argentino bis französische Musette. Viele Stücke entnahmen sie ihren beiden CDs „diez años“ und „a nuestros amores“. Schon mit den ersten Tönen des traditionellen „Valse Celine“ aus Nordfrankreich hatten sie das Publikum in ihren Bann gezogen. Melancholie und Zärtlichkeit bestimmten auch Piazzollas „Preparense“ – eine Einladung, sich auf die Musik ihres Lieblingskomponisten einzulassen, die gleichermaßen unterhält, nachdenklich macht und Stimmungen kontrastreich verbindet.
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Das seit 33 Jahren verheiratete Musikerpaar begeisterte zudem mit Piazzollas „Tzigane Tango“ sowie dem berühmten Tango-Walzer „Chiquilín de Bachín“. Das Lied erzählt von einem armen Jungen, der in Buenos Aires im Café Bachin Blumen verkauft und Piazzolla wie seinen Texter Horacio Ferrer inspirierte. Armut, Trauer, Sehnsucht und Scham prägen den Text – und auch unsere eigene Scham, nicht mehr für solche Kinder zu tun. Als zweite Zugabe erklang schließlich Piazzollas „Oblivion“, das Paradebeispiel eines Tangos, der sich zum klassischen Konzertstück wandelte – von den beiden mit großer Innigkeit gespielt.
Einer der Höhepunkte des Abends war Dmitri Schostakowitschs populärer Walzer Nr. 2, dessen voller Charme sich im Wechselspiel von Akkordeon und Gitarre entfaltete. Argentinische Folklore brachte südamerikanisches Temperament in den Hof, etwa mit Sebastián Pianas „Caserón de Tejas“ oder der Milonga „Nocturna“ von Julián Plaza.
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Schwungvoll erklangen auch der Tamburica-Tango „Little Story“ von Janus Wojtarowicz und der leichte französische Walzer „Tivoli“ von Lydie Auvray, der Grande Dame des Akkordeons.
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Kontraste setzte Marco Göhringer-Oberthür gesanglich bei rund einem Drittel der 15 Programmnummern. So sang er auf Italienisch Fabrizio De Andrés „La ballata del Michè“, eine Ballade über einen Mörder, der nach 20 Jahren Haft Selbstmord begeht – zugleich Kritik an Justiz und Kirche, aber auch Ausdruck von Mitgefühl mit den einfachen Menschen. Für stille Momente sorgte das selten gehörte, anrührende „Lied van welk verdriet“ der flämischen Formation „Tango al sur“. Skurril dagegen mutete die schaurige Ballade „Rookgordijnen“ von Dirk van Esbroeck über brennende Gardinen in einer Disco an – eine rasant vorgetragene Milonga, die er ebenfalls auf Flämisch sang. Auf Portugiesisch erklang Mário Pachecos „Fado Adivinha II“, ehe das Publikum mit Klaus Hoffmanns „Gerda“ auf Deutsch zum Mitschwingen eingeladen wurde. Der tosende Applaus zeigte, wie sehr sich der Sänger dabei verausgabt hatte.
Stets verstanden es die beiden Musiker, die unterschiedlichen Klangfarben ihrer Instrumente kunstvoll zu verweben: Mal führte das Akkordeon mit weichen Harmonien, mal setzte die Gitarre prägnante Akzente. Die Übergänge wirkten so organisch, dass Melodie und Rhythmus fast unmerklich ineinander übergingen. Charmante, kurze Moderationen ließen zudem erkennen, wie eng persönliche Liebe zum Tango und zum Tanz mit der Musik verbunden ist. Die gemeinsame Leidenschaft begann beim Tanzen – und mündete in dem Wunsch, diese Musik selbst zu spielen.
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Das Publikum dankte den beiden mit langem, herzlichem Applaus.
Mit ihrem Auftritt machten Angela und Marco Göhringer-Oberthür das Sommerkonzert im Synagogenhof zu einem Fest der Emotionen – Musik, die nicht nur die Ohren, sondern vor allem die Herzen erreichte: sehnsuchtsvoll, leidenschaftlich, charmant, hingebungsvoll.
Fotos Dieter Gürz
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