Starke Stürme, tiefe Gefühle – Zwei Klassiker mit starker Botschaft: Theatergruppe der 7./8. Klassen des Gymnasiums Veihöchheim überzeugt mit mutiger Doppelpremiere
/https%3A%2F%2Fimages.mgpd.de%2Fimg%2F110490134%2Fcrop%2Fc16_9-w1200%2F109183286%2F1760670757%2Fupimage-c1b9799a-0b45-40e7-9de9-aaecbdac01ce02-moby-dick-07ajpg.jpg)
Zwei Klassiker mit starker Botschaft
Theatergruppe der 7./8. Klassen Gymnasium Veitshöchheim überzeugt
Link auf Mainpost-Online
/image%2F1394268%2F20250721%2Fob_c5c7d0_04-finale-1.jpg)
Mit starker Präsenz und viel Symbolik brachte unter der Regie von Irmgard Ellinger die 23köpfige Theatergruppe der 7./8. Klassen des Gymnasiums Veitshöchheim „Moby Dick“ und „Der Sturm“ auf die Bühne – zwei Klassiker, modern gedacht und voller Gefühl, die offenbarten, wie spannend und aktuell Schul-Theater sein kann..
Gespielt wurden eine moderne Bearbeitung von Herman Melvilles Moby Dick sowie William Shakespeares Der Sturm – verbunden durch das Motiv des Meeres und einer klaren Botschaft: Vergebung ist stärker als Rache.
/image%2F1394268%2F20250721%2Fob_f4bc51_02-moby-dick-20b.jpg)
Schon die thematische Klammer ließ aufhorchen – ebenso wie das durchdachte Bühnenkonzept, das Licht, Schatten, Klang und Bewegung zu einem stimmigen Ganzen verband.
Im Mittelpunkt aber standen die jungen Darstellerinnen und Darsteller, die mit Spielfreude, Konzentration und beachtlicher Reife zeigten, dass Theater auch in der Schule große Geschichten erzählen kann.
/image%2F1394268%2F20250721%2Fob_3589a7_01-brunner-1.jpg)
Zu Beginn begrüßte Schulleiter Dr. Bernhard Brunner das zahlreich erschienene Publikum mit einem ebenso amüsanten wie poetischen Grußwort. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier im Schulhaus los war“, sagte er. „Möwengeschrei, Donnern, das Krächzen von Masten – ich hab schon geschaut, ob mir ein Holzbein wächst.“ Als bekennender Moby Dick-Liebhaber scherzte er: „Ich habe gehofft, heute Abend endlich herauszufinden, wer da eigentlich spricht, in diesem ersten Satz: ‚Nennt mich Ismael‘. Aber die Generalprobe hat mir gezeigt: Diese Frage werde ich wohl weiter mit mir herumtragen.“
Es war erst die zweite Produktion dieser noch jungen Theatergruppe. Nach dem eher kriminalkomödiantischen Debüt im Vorjahr („Oha, eine Leiche“) wagten sich die Schülerinnen und Schüler nun an zwei ernste, symbolstarke Stoffe – ein großer Schritt, den sie mit Bravour meisterten. Viele zeigten dabei schon beachtliches Bühnenpotenzial.
Der Schulleiter lobte denn auch den Mut der Theatergruppe, sich mit derart gewichtigen Stoffen auseinanderzusetzen – und bedankte sich ausdrücklich bei allen Beteiligten: den Jugendlichen, den betreuenden Lehrkräften, dem Technikteam, den Eltern, die Essen spendeten und Requisiten bastelten. „Dass wir mit solchen Projekten manchmal den üblichen schulischen Rahmen verlassen, ist Teil dessen, was Schule ausmacht. Wenn wir das nicht leisten könnten, dann wäre es nicht unsere Schule.“
Den Auftakt machte Moby Dick oder Die Qual des Wals – eine Fassung von Christian Holm, die Melvilles Roman auf seine symbolischen und psychologischen Grundmuster reduziert.
Hermann Melville hat die Geschichte über den weißen Pottwal Moby Dick, der Kapitän Ahab ein Bein abriss, 1851 geschrieben. Ahab widmete sich fortan der Jagd auf das mächtige Tier und wird am Ende von ihm an der Harpunierleine in die Tiefe gezogen. Einziger Überlebender ist der Erzähler Ismael (Rolle eaufgeteilt auf Marlene Selbach, Helene Sagmeister und Clemnt Daniel), der als Matrose auf dem Walfänger angeheuert hatte, um seiner Schwermut zu entfliehen.
Im Vergleich dazu beginnt die Handlung dieses Stücks heiter und völlig undramatisch. Die Kinder, die am Hafen als Matrosen anheuern wollen, sind völlig unbedarfte Landratten – sie lockt das große Abenteuer und die Aussicht, nicht in die Schule zu müssen.
Dass das Leben auf See und die Waljagd lebensgefährlich sind, erfahren sie, als ihr Schiff dem Wal ganz nahe kommt.
Doch nachdem sie das majestätische Tier eine Weile begleitet haben, kommt für sie das Töten des wunderbaren, riesigen Wals nicht mehr in Frage.
Und so endet die Geschichte von Kapitän Ahab in diesem Stück mit dem berühmten Satz Bartlebys “Ich möchte lieber nicht“, und alle Beteiligten kommen mit dem Leben davon.
Die Inszenierung veränderte die Geschichte radikal – aber mit Substanz. Die Kapitänin Ahab, gespielt mit stiller Entschlossenheit und innerer Zerrissenheit von Stella Roger, führt mit ihren Maaten Luca (Yannik Zeidler) und Loki (Freya Balzer) die Mannschaft an den Rand der Selbstaufgabe.
Doch im Moment der Entscheidung verweigern sich die Figuren dem Tötungsakt.
Der Wal wird nicht getötet.
„Ahab ist besessen von der Rache“, sagte Theaterleiterin Irmgard Ellinger in ihrer Einführung. „Aber wir wollten wissen: Was passiert, wenn diese Spirale durchbrochen wird? Was geschieht, wenn jemand sagt: Nein. Ich mach da nicht mehr mit?“ – Eine Frage, die nicht nur im Theater relevant ist.
/image%2F1394268%2F20250721%2Fob_a0f7f0_02-moby-dick-20a.jpg)
Die Bühne war dabei sparsam, aber eindrucksvoll gestaltet. Die Jugendlichen agierten oft im Kollektiv, mit fließenden Rollenwechseln, in choreografierten Massenszenen – eine Leistung, die sowohl schauspielerisch als auch organisatorisch beachtlich war.
Nach einer kurzen Pause folgte Shakespeares Der Sturm – in der Fassung von Michael Assies (im Bild symbolisiert durch viele Luftgeister)
Der Zauberer Prospero, vormals Herrscher von Mailand, ist nach seiner Verbannung mit seiner kleinen Tochter Miranda auf einer einsamen Insel gestrandet, die von Caliban, dem monströsen Sohn einer Hexe, sowie Ariel, dem Luftgeist, und seinen Helfern bewohnt wird. Zwölf Jahre sind seitdem vergangen, doch Prospero hat nicht vergessen, dass sein Bruder ihn einst um die Macht betrogen hat. Als dessen Schiff unvermutet vor der Insel auftaucht, lässt er es durch Zauberkraft stranden. Mit Hilfe Ariels treibt Prospero sein rachsüchtiges Spiel, doch Miranda, seine Tochter, und Ferdinand, der Sohn des Königs von Neapel, verlieben sich unsterblich ineinander. Mit der Thematik Vergeltung und Vergebung wird das Stück auch für Jugendliche interessant. Denn statt Rache zu nehmen, erkennt am Ende Prospero die Kraft der Vergebung. Beim "Sturm" handelt es sich um einen hochaktuellen Stoff, der viele menschliche Emotionen zusammenführt: Hass, Rachsucht, Machtanspruch, Unsicherheit, Verzweiflung, aber auch Liebe, Harmoniebedürfnis, Friedfertigkeit.
Auch diese Inszenierung war konzentriert, modern und bewegend. Prospero (Taoufik Selaouti) wurde als zunächst als rachsüchtiger Zauberer gezeigt, seine Tochter Miranda (Emma Lehner) als wissbegierige, starke junge Frau. Ariel (Charlotte Bösing), schwebte über der Szene – leicht, musikalisch, körperlich. Caliban (Simon Terpitz) blieb ambivalent, verletzlich und roh.
Die Jugendlichen sprachen Shakespeare mit großer Ernsthaftigkeit, aber ohne Pathos (im Bild Prospero mit Tochter Miranda).
Alonsos Sohn Ferdinand (Jan Weikert) entedeckt die schlafende Miranda am Strand und verliebt sich sofort.
Er fühlt sich zunächst von seinem Onkel Prospero bedroht.
Am Ende bittet er um Prosperos Segen.
Zwischenspiel der Luftgeister mit der stark komprimierten, in Versform gehaltenen Geschichte von "Romeo und Julia".
Beifall von Ferdinand, Miranda und Prospero
Gestrandet sind auch Prosperos Schwester Antonia (Anisha Kirchgäßner) und schlafend Alonso, der König von Neapel (Kilian Sommer) nebst Bruder Sebastian (Emil Held).
Antonia und Sebastian trachten Alonso nach dem Leben, um die Macht in Mailand an sich zu reißen. Doch Luftgeist Ariel kommt ihnen zuvor und warnt Alonso.
Als dieser erwacht, machen sie ihm weis, sie hätten die Säbel nur zu seiner Verteidigung gezückt.
Nun macht auch Alonso die Bekanntschaft der Luftgeister, die so das Attentat auf ihn verhindern.
Luftgeist Ariel macht schließlich dem bösen Spiel ein Ende.
Die beiden Brüder scheinen sich wieder zu vertragen.
Der bemitleidenswerte Caliban macht am Strand die Bekanntschaft mit dem Schiffskoch Stephano (Mia Decker) und dem Hofnarr Trinculo (Ilva Nickola).
Gemeinsam suchen sie Prospero auf.
Prospero heißt nun auf seiner Insel seine einstigen, sehr zerknirscht dreinschauenden Widersacher willkommen, v.l. seine Schwester Antonia, seinen Bruder Alonso und dessen Bruder Sebastian.
Sebastian und Antonia bitten um Vergebung.
Prospero greift zunächst seiner Schwester um den Hals, lässt es dann aber doch sein.
/image%2F1394268%2F20250721%2Fob_b3c815_03-sturm-20-a.jpg)
Alle sind nun friedlich verein, sehr zur Freude des Luftgeistes Ariel.
Das Stück wirkte zeitlos – und erstaunlich aktuell. Machtmissbrauch, Isolation, familiäre Konflikte, ein Neuanfang: All das wurde sichtbar gemacht. Am Ende lag keine Zerstörung über der Bühne, sondern Versöhnung.
/image%2F1394268%2F20250721%2Fob_362986_03-sturm-20-b.jpg)
Ein Ensemble mit Haltung
Die Theatergruppe – bunt gemischt aus den Jahrgangsstufen 7 und 8 – trat nicht nur als Gruppe auf, sondern als gewachsenes Ensemble. Die Souffleuse (Emy Wilms - links) übernahm zugleich den Erzählerinnen-Part. Es war sichtbar: Hier wurde nicht einfach ein Stück gelernt, sondern gemeinsam etwas erarbeitet.
Irmgard Ellinger, seit vielen Jahren engagiert in der schulischen Theaterarbeit, ließ in ihrer Einführung durchblicken, wie viel Zeit und Herzblut in der Produktion steckt. „Meine Familie hat sich schon gefragt, ob ich überhaupt noch bei ihnen wohne“, sagte sie lachend – und verwies auf die wachsende Kontinuität: Ehemalige Theaterkinder helfen inzwischen mit, geben ihr Wissen weiter. „Ein Stafettenlauf“, nannte sie es. „Wer einmal Theater gemacht hat, den lässt es nicht mehr los.“
Die Premiere am Mittwoch, 16. Juli, war ein voller Erfolg. Wer sie verpasst hatte konnte die Aufführung am Freitag, 18. Juli, noch einmal erleben. In der Aula des Gymnasiums wurde die Doppelinszenierung erneut gezeigt – für alle, die erleben wollen, wie groß Schul-Theater sein kann.
„Ich bin stolz, wie sehr sich die Jugendlichen auf diese schweren Stoffe eingelassen haben“, sagte Ellinger. „Sie haben gezeigt, dass man auch mit 13 oder 14 Jahren schon große Geschichten erzählen kann.“
Das Publikum – Eltern, Freunde, Lehrkräfte – spendete langen Applaus. Hier war etwas gelungen, das über den Moment hinausreicht. Theater im besten Sinne – bewegend, mutig, menschlich.
Dazu beitrugen auch die Ehemaligen ANASTASYIA SIDELNYK, RICHARD BAUDACH UND MONA HIETEL ALS KO-REGIE ASSISTENTEN, DANIEL JANDER UND ZIA-CAJUN BUKOWSKI, DIE SICH FABELHAFT UM DIE TECHNIK GEKÜMMERT HABEN.
Weitere Foto-Impressionen "Moby Dick"
Weitere Foto-Impressionen "Der Sturm"
/image%2F1394268%2F20250721%2Fob_2d5caa_02-moby-dick-20c.jpg)