Ein Hauch von Antalya im Veitshöchheimer Altort - Nach 91 Jahren wird aus Schreibwaren Götz das Bekleidungsgeschäft „Heim & Herz“ von Emre Bulut
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Junger Händler bringt frischen Wind in den Veitshöchheimer Altort
Nach 91 Jahren wird aus Schreibwaren Götz ein Bekleidungsgeschäft mit mediterranem Flair.
Link auf Mainpost-Online
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Fast ein ganzes Jahrhundert lang war „Schreibwaren Götz“ eine feste Institution im Veitshöchheimer Altort – nun ist das Kapitel nach 91 Jahren Geschichte.
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In das traditionsreiche Ladengeschäft in der Kirchstraße ist frischer Wind eingezogen: Mit „Heim & Herz“ bringt der 32-jährige Emre Bulut aus der Türkei mediterranes Boutique-Flair nach Veitshöchheim.
Die Ära Götz begann 1934, als Georg Götz, der Großvater des heutigen Eigentümers Michael Götz, ein kleines Tabak- und Schreibwarengeschäft auf nur 20 Quadratmetern eröffnete. Im Laufe der Jahrzehnte wurde mehrfach umgebaut, erweitert und das Sortiment angepasst – von Zeitschriften und Spielwaren über eine Fotoagentur bis hin zu Lottoannahme und Buchabteilung.
Zuletzt betrieb Michael Götz das Geschäft in dritter Generation 31 Jahre lang, ehe er sich nun zur Aufgabe entschloss. Der 64-Jährige hat das Geschäft an Emre Bulut verpachtet, der sich mit „Heim & Herz“ erstmals selbständig macht.
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Bulut bringt internationale Erfahrung mit: Geboren und aufgewachsen in der malerischen Altstadt von Antalya – einem beliebten Ziel für Urlauber aus aller Welt – arbeitete er dort fünf Jahre lang in verschiedenen Positionen für das Modeunternehmen U.S. Polo. 2021 heiratete er in Bosnien, lernte anschließend ein Jahr lang Deutsch in Österreich im Rahmen eines Erasmus-Programms und zog Anfang 2024 für ein halbes Jahr nach Veitshöchheim. Die Gemeinde gefiel ihm auf Anhieb – als er später in Würzburg eine Wohnung fand, war für ihn klar: „Wenn ich die Chance bekomme, mache ich hier etwas Eigenes.“ Diese Gelegenheit bot sich mit dem Laden in der Kirchstraße.
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„Ich möchte das Gefühl und den Stil meiner Heimat nach Veitshöchheim bringen“, sagt Bulut. Sein Laden soll mehr als nur ein Geschäft sein – ein Ort, an dem sich Einheimische und Touristen gleichermaßen wohlfühlen. Das Sortiment ist entsprechend vielseitig: Aktuell bietet „Heim & Herz“ sommerliche Damenmode wie Kleider, Blusen und Tunikas sowie Herrenmode wie Hemden, Hosen und Shorts. Ergänzt wird das Angebot durch Heimtextilien – Tagesdecken, Handtücher, Bademäntel – sowie Teppiche, Sonnenbrillen, Schals und Handtaschen. „Gerade für Gäste, die ein Mitbringsel suchen, haben wir viele schöne Kleinigkeiten“, so der Ladeninhaber. Ab September soll das Sortiment durch eine neue Kollektion und später auch durch handgefertigten Schmuck aus Antalya erweitert werden.
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Rückblick Schreibwaren Götz
Mit dem Neustart endet ein Stück Veitshöchheimer Einzelhandelstradition. Ein Rückblick zeigt: Der Wandel war stets Teil der Firmengeschichte. Bereits 1949 wurde der Laden zum ersten Mal umgebaut – die Fläche wuchs um zehn Quadratmeter, es kam eine vermietete Textilabteilung hinzu. 1957 übernahm Josef Götz, Michaels Vater, das Geschäft in zweiter Generation. 1968 führte er durch den nächsten Umbau die beiden Geschäftsräume zusammen und baute das Sortiment systematisch aus – mit Spielwaren, Zeitschriften, Zigarettenautomaten und vielem mehr.
Als 1994 Michael Götz den Familienbetrieb übernahm, ließ er das Gebäude umfassend sanieren und modernisieren. Die Verkaufsfläche betrug nun über 100 Quadratmeter. Die Buchabteilung wurde eingeführt, die Logistik professionalisiert: Großhändler aus München und Hamburg belieferten das Geschäft täglich per Nachtexpress.
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2004 wurde das 70-jährige Bestehen des Betriebs gefeiert – auch Bürgermeister Rainer Kinzkofer überbrachte Glückwünsche. Ein historisches Foto zeigt Michael Götz mit seiner Frau Angelika, Sohn Georg und den Eltern Josef und Cilly, die den Laden über Jahrzehnte mitgeprägt hatten.
Mit „Heim & Herz“ beginnt nun ein neues Kapitel am traditionsreichen Standort. Der Wandel spiegelt die Zeit – während der stationäre Einzelhandel vielerorts kämpft, setzt Emre Bulut bewusst auf persönliche Beratung, freundliche Atmosphäre und ein individuelles Angebot mit internationalem Flair. Dass dabei ein Hauch von Antalya im Veitshöchheimer Altort Einzug hält, ist ganz im Sinne der kulturellen Vielfalt, die die Gemeinde heute prägt.
Alle Fotos Dieter Gürz