Schokolade und mehr - produziert in Veitshöchheim und weltweit vernascht - Bericht über Firmenbesuch von Landrat Waldemar Zorn 11/2003
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Geschäftsführer Hermann Ottmüller erläutert Landrat Waldemar Zorn das Verfahren bei der Herstellung von Müsli-Riegeln erläutert, links LRA-Wirtschaftsförderer Armin Stumpf, rechts neben dem Landrat der Bürgermeister – auch die Besucher mussten sich an die Hygienevorschriften halten
Die Frankonia-Schokoladenwerke sind aufgrund ihrer hohen Produktqualität ein führender Hersteller im Bereich der Diät-Schokoladen. Landrat Waldemar Zorn konnte sich dieses Mal im Rahmen seiner Firmenbesuchsreihe nicht nur in allen Einzelheiten über die Herstellung von Schokolade informieren, sondern erfreut registrieren, dass der mittelständische Betrieb keine wirtschaftlichen Probleme hat, sich vielmehr auf Expansionskurs befindet.
Gleichwohl ist es ein harter, konzentrierter Markt, so verdeutlichte Frankonia-Geschäftsführer Hermann Ottmüller, auf dem man nur mit größter Sorgfalt eine Chance habe, sich zu etablieren und zu bestehen.
Im Gefolge des Landrats dabei waren neben eigenen Mitarbeitern auch Bürgermeister Rainer Kinzkofer, Wirtschaftsförderer Franz-Theo Reinhard von der Regierung von Unterfranken und Experten des Arbeitsamtes und aus der regionalen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung.
Sie erfuhren, dass das 1869 von dem Würzburger Konditor Wilhelm Wucherer gegründete Unternehmen seine erste Produktionsstätte 1892 im Würzburger Frauenland errichtete. Diese wurde 1945 bei einem Luftangriff zu 90 Prozent zerstört. Nach deren Wiederaufbau konnte 1947 die Süßwarenproduktion fortgesetzt werden.
Der Betrieb siedelte dann 1982 in das Veitshöchheimer Gewerbegebiet auf einer Fläche von 43.000 Quadratmeter um. 1869 als Einzelfirma gegründet, erfolgte 1911 eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und 1980 in eine GmbH.
Das Stammkapital von 2,8 Millionen Euro hält zu über 95 Prozent die CEMOI S.A. Perpignan in Frankreich. Geschäftsführer Ottmüller betonte, zwar konzernzugehörig, jedoch völlig eigenständig bei der Produktentwicklung und den Investitionen zu sein.
Frankonia gelang es mit seiner Produktpalette in den Märkten der zehn Firmen vertreten zu sein, die wie Metro, Rewe, Edeka, Aldi insgesamt 85 Prozent Marktanteil besitzen. Der mittelständische Betrieb konnte sich bisher unter so großen Süsswarenherstellern wie Nestle, Kraftfoods, Mentfoods, Ferraro und Haribo behaupten. Ottmüller: „Durch das ständige Auf und Ab des Rohkakao-Preises kein leichtes Unterfangen.“
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Schwerpunkt ist mit einem Produktionsanteil von 50 Prozent der Bereich der Diät-Schokolade. Der Die Herstellung knusprig gebackener Waffelschnitten mit leckerer Füllung macht 40 Prozent aus. Die restlichen zehn Prozent entfallen auf die Fertigung von Energie- und Fitnessriegel in vielen Rezepturvarianten, angereichert mit Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Die Frankonia- Produkte gehen in die ganze Welt, in 23 europäische und 27 außereuropäische Länder.
Die Firma verzeichnete 2002 einen Jahresumsatz von 39,5 Millionen Euro. Die 225 Mitarbeiter, davon 16 in der Verwaltung, 202 gewerbliche Arbeitnehmer und sieben Auszubildende, stellen täglich im Zweischichtbetrieb 35.000 Kilogramm Schokoladenprodukte unter den Markenbezeichnungen Frankonia, PEA, Quadro, Duetta, Noccio, Diabessa, Holex und Regina her. Der Vertrieb der Produkte erfolgt durch Speditionen. Beschäftigt sind Lebensmittelfachleute, Konditoren, Bäcker, Hilfskräfte für Verpackung, Lagerarbeiter und Stapelfahrer.
Bürgemeister Rainer Kinzkofer freute sich nicht nur über die ortsnahen Arbeitsplätze, 18 Prozent der Frankonia-Mitarbeiter wohnen in Veitshöchheim, sondern auch im Hinblick auf die Gewerbesteuereinnahmen über die deutliche Ausweitung der Produktion, die Ottmüller für nächstes Jahr ankündigte.
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Besonders beeindruckt zeigten sich de Besucher über die Hygiene im Betrieb, wie pingelig genau die Qualitätssicherung und strenge Kontrolle des Betriebes gehandhabt wird.
Lebensmittelchemikerin Heidrun Dorn stellte umfassende Vorkehrungen vor. Wenn sie zusammen mit einer Ernährungswissenschaftlerin und zwei Chemielaborantinnen im firmeninternen Labor bei ihren chemischen, physikalischen und mikrobiologischen Prüfungen einen Rohstoff nicht freigibt, kann durchaus auch einmal eine Produktion für einen Tag stehen bleiben. Dorn: „Wir haben schon Lastzüge wieder in die Türkei zurückgeschickt, die unsere Eingangskontrolle nicht bestanden.“ Eine Firma ist beauftragt, Ungeziefer zu jagen und für einen insektfreien Betrieb zu sorgen. Der Landrat äußerte sich denn auch überzeugt davon, dass dies Verbrauchern und Betrieb hohes Maß an Sicherheit gibt.
Obwohl 20 moderne Produktionsmaschinen im Einsatz mit Prozessleitsteuerung sind, die gesamte technische Infrastruktur hat einen Wert von sechs Millionen Euro, wird an vielen Stellen Handarbeit noch groß geschrieben. Dies ermöglicht laut Ottmüller eine größtmögliche Flexibilität bei der Produktion.
Diskussion
Nach den tief greifenden Einblicken in die Süsswarenproduktion war für Landrat Zorn und seine Delegation noch Zeit genug, um mit den Firmenvertretern Alltagsprobleme, die betriebliche Situation und logistische Standortfragen zu erörtern. Geschäftsführer Ottmüller zog am Schluss ein positives Resümee. Er habe das Gefühl vermittelt bekommen, durch direkten Kontakt künftig auch Kleinigkeiten schneller lösen und Probleme im Keim ersticken zu können.
In der Diskussion zuvor wies der Geschäftsführer auf gravierende verkehrliche Standortnachteile Würzburgs durch das ständig verstopfte „Nadelöhr“ rund um Würzburg hin. Der Geschäftsführer plädierte für die geplante Westumgebung, die nach seiner Meinung eine erhebliche Entlastung bringen würde. Landrat Zorn verspricht sich dagegen viel vom sechsspurigen Ausbau der A 3.
Da Frankonia europaweit von LKWs angefahren wird, ist es Ottmüller ein Dorn im Auge, dass auf den Vorwegweisern immer nur Karlstadt/Fulda, jedoch nicht ein Hinweis auf Veitshöchheim steht. Zorn versprach mit Unterstützung der Gemeinde bei den Straßenbaubehörden vorstellig zu werden.
In Aussicht stellen konnten Landrat und Bürgermeister die Ausschilderung zum Gewerbegebiet zu verbessern und die Kreisstraße WÜ 3 im Bereich des Geisbergs für den Schwerlastverkehr auszubauen
Betriebsratsvorsitzender Christian Trapp sprach das ÖPNV-Problem an, das viele Frauen der Spätschicht haben, um nach 23 Uhr nach Würzburg zu kommen. Gemeinsam mit KU-Vorstand Dr. Schraml soll nun eruiert werden, ob dieses Problem auch andere Betriebe mit Spätschicht haben.
Zur Sprache kamen auch Abstimmungsprobleme von Gewerbeaufsicht und Berufsgenossenschaft, die durch eine getrennte Arbeitsplatzbegutachtung bei einem Arbeitsunfall auftraten. Sie sollen laut Landrat ab Februar 2004 der Vergangenheit angehören.
„Was dabei für Zeit vergeudet wird, geht auf keine Kuhhaut.“ Mit diesen Worten prangerte Ottmüller die Vielzahl statistischer Umfragen an. Hier sei eine Entbürokratisierung notwendig.
Unverständnis geäußert wurde seitens der Frankonia auch für den enormen administrativen Aufwand im Vollzug der Immissionschutzverordnung. Hier will der Landrat seinen Umwelt-Experten Karl-Heinz Bartoschek in die Firma schicken.
Probleme hat Frankonia hin und wieder auch mit der Lebensmittelüberwachung, wenn ein Rezept für ein Produkt verändert wird und auch bei nur geringfügigen Abweichungen für die Nährwertangaben neue Verpackungen notwendig sind. Auch hier vereinbarte man, künftig kurze Wege für die Bewilligung von Aufbrauchsfristen zu beschreiten.
Bedauert wurde seitens der Frankonia, dass die Uni keinen Studiengang für Lebensmittel-Technologie bzw. Ernährungswissenschaften hat und es deshalb sehr schwierig sei, Praktikanten oder Diplomanden für bestimmte Projekte zu bekommen.
Dr. Thomas Schmid , Technologietransfer-Beauftragter der Uni, konnte hierzu jedoch das Angebot machen, im Bereich Marketing, Lebensmitteltechnik, Logistik und Informationstechnologie fördernd tätig zu werden. Wenn Frankonia Interesse habe, will er auch Kontakte zu Lehrstühlen herstellen und eine Kooperation für wissenschaftliche Forschungsprojekte, Diplomarbeiten, Beratungsleistungen und einen informellen Austausch zum gegenseitigen Nutzen vermitteln.
Da der Betrieb einen sehr hohen Energiebedarf hat, bot ein Mitarbeiter des Zentrums für angewandte Energieforschung der Uni eine thermische Beratung an, um die Betriebsprozesse bei Frankonia energetisch zu optimieren.
Text und Fotos Dieter Gürz