Warum Frauen und Männer anders krank werden – Gendermedizin im Fokus
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Warum Krankheiten und Medikamente bei Frauen und Männern unterschiedlich wirken können, erläuterte Prof. Dr. Marie-Christine Dabauvalle von der Universität Würzburg bei einem Vortrag im Vitusraum des Escavinum. Eingeladen hatten der VdK-Ortsverband und das Frauenforum Veitshöchheim.
Mit einem Rückblick auf die Medizingeschichte verdeutlichte Dabauvalle, wie gesellschaftliche Vorstellungen die Gesundheitsversorgung über Jahrhunderte prägten.
Frauen hatten lange als Heilerinnen und Geburtshelferinnen eine wichtige Rolle gespielt. Mit der Entstehung universitärer medizinischer Fakultäten entwickelte sich jedoch ein zunehmend männlich dominierter Ärzteberuf. Heilkundige Frauen wurden zurückgedrängt, teilweise diffamiert und im Zuge der Hexenverfolgungen verfolgt.
Gleichzeitig verfestigte sich das Bild der Frau als schwaches und kränkliches Wesen. Ihre Beschwerden wurden häufig nicht ausreichend ernst genommen. Diese Sichtweise beeinflusste über lange Zeit auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Krankheiten.
Erst seit den 1970er Jahren rückten biologische Unterschiede stärker in den Fokus der medizinischen Forschung. Körpergröße, Gewicht, Organstruktur und Hormonhaushalt können sowohl Krankheitsverläufe als auch die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen.
Wie Dabauvalle erläuterte, basieren nach ihren Angaben rund 75 Prozent der Forschungsergebnisse auf Untersuchungen mit männlichen Probanden. Daraus abgeleitete Dosierungsempfehlungen lassen sich jedoch nicht immer ohne Weiteres auf Frauen übertragen.
Denn Medikamente werden unterschiedlich aufgenommen, abgebaut und ausgeschieden. Auch Geschlechtshormone beeinflussen ihre Wirkung. Fehldiagnosen und stärkere Nebenwirkungen können die Folge sein, wenn solche Besonderheiten unberücksichtigt bleiben.
Anhand konkreter Krankheitsbilder veranschaulichte die Wissenschaftlerin die Bedeutung dieser Erkenntnisse.
So kann sich ein Herzinfarkt bei Frauen durch weniger typische Beschwerden bemerkbar machen. Neben Brustschmerzen können beispielsweise Übelkeit, Atemnot oder ungewöhnliche Erschöpfung auftreten. Werden solche Warnzeichen übersehen, verzögert sich möglicherweise die notwendige Behandlung.
Auch Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift, treten bei Frauen deutlich häufiger auf. Dies erfordert besondere Aufmerksamkeit bei Diagnostik und Therapie.
Neben biologischen Faktoren beeinflussen gesellschaftliche Rollenbilder und persönliche Verhaltensweisen den Umgang mit gesundheitlichen Beschwerden.
Dabauvalle wies darauf hin, dass sich diese Unterschiede auch im Gespräch zwischen Arzt und Patient bemerkbar machen können. Wie Symptome geschildert, Empfehlungen verstanden und Therapien angenommen werden, hängt nicht allein von medizinischen Fakten ab.
Eine auf den einzelnen Menschen abgestimmte Kommunikation kann deshalb wesentlich zum Behandlungserfolg beitragen.
Der Vortrag bot den Zuhörern zahlreiche neue Erkenntnisse, die in der anschließenden Diskussion vertieft wurden. Besonders einige männliche Besucher zeigten sich überrascht, dass auch sie von einer geschlechterspezifisch ausgerichteten Forschung profitieren können.
Das Ziel der Gendermedizin ist eine bessere, gerechtere und individuellere Gesundheitsversorgung für Frauen und Männer.
Der Informationsabend im Escavinum vermittelte damit einen anschaulichen Überblick über ein Forschungsgebiet, dessen Bedeutung für die medizinische Praxis zunehmend erkannt wird.
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Die Veranstalterinnen mit der Professorin
Textquelle und Fotos: Antje Lenz