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Veitshöchheimer Klima- und Umweltschutzpreis 2026: Sechs Preisträger zeigen die ganze Bandbreite nachhaltigen Engagements

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Sechs Preisträger, 5.000 Euro Preisgeld und ganz unterschiedliche Wege zu mehr Nachhaltigkeit: Die Gemeinde Veitshöchheim hat am Samstag, 26. September, in der Aula der Eichendorffschule ihren Klima- und Umweltschutzpreis 2026 verliehen. Den mit 2.200 Euro dotierten ersten Platz erhielt das Repair Café Veitshöchheim. Zwei zweite und drei dritte Plätze machten deutlich, wie breit Klima- und Umweltschutz in Veitshöchheim inzwischen aufgestellt sind.

Erinnerungsfoto der Preisträger: Vorne sitzend das Team des erstplatzierten Repair Cafés, auf der dritten Stufe die bSeiden Zweitplatzierten und auf der vierten Stufe die Träger der dritten Preise. Stehend links im Bild Klimaschutzmanager Jan Speth und 3. Bürgermeister Steffen Mucha, Zweiter von rechts Bürgermeister Jürgen Götz.


Vom schwierigen Start zu sechs Preisträgern

Seit 2022 verleiht die Gemeinde Veitshöchheim im zweijährigen Rhythmus den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Klima- und Umweltschutzpreis. Ausgezeichnet werden Maßnahmen und Aktionen, die ganz konkret vor Ort zum Schutz von Klima, Umwelt und natürlichen Lebensgrundlagen beitragen.

Bürgermeister Jürgen Götz eröffnete die Verleihung des Klima- und Umweltschutzpreises 2026 und würdigte das vielfältige Engagement der Veitshöchheimer für Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit.

Er rief in Erinnerung, dass es bei der Premiere 2022 lediglich einen Preisträger gab. 2024 waren es vier, in diesem Jahr bereits sechs. Die Entwicklung zeige ein deutlich gestiegenes Interesse an der Auszeichnung.

Klimaschutzmanager Jan Speth stellte die ausgezeichneten Projekte vor und erläuterte, mit welchen Ideen und konkreten Maßnahmen die sechs Preisträger die Jury überzeugten.


Speth ergänzte, dass 2022 zeitweise sogar keine Bewerbungen eingegangen waren und nochmals für den Wettbewerb geworben werden musste. Inzwischen habe sich der Preis in eine erfreuliche Richtung entwickelt. Besonders positiv sei die große Bandbreite – von privaten Haushalten über einen Gewerbebetrieb bis zum ehrenamtlich getragenen Repair Café.

Ein wichtiges Kriterium ist dabei die Übertragbarkeit und Vorbildwirkung. Die ausgezeichneten Projekte sollen zeigen, was machbar ist, und andere dazu anregen, eigene Ideen umzusetzen.


1. Platz: Repair Café Veitshöchheim – 2.200 Euro

Reparieren statt wegwerfen

Das Repair Café Veitshöchheim wurde für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement für Ressourcenschonung, Abfallvermeidung und die Idee „Reparieren statt wegwerfen“ ausgezeichnet. Besonders hervorgehoben wurden  Erika Duwe-Weinhold und Daniel Schiel , die für die Gruppe den Preis entgegennahmen. Sie haben auch außerhalb der eigentlichen Veranstaltungen viel Zeit in Organisation und Vorbereitung investiert – von der Koordination der Helfer bis zum Aufbau und zur Versorgung vor Ort.

Der Rahmen für die Auszeichnung hätte kaum passender gewählt werden können: Die Preisverleihung fand unmittelbar vor dem mittlerweile 21. Repair Café statt. 

Die Jury würdigte insbesondere das langjährige ehrenamtliche Engagement für Ressourcenschonung und Abfallvermeidung. Defekte Geräte und Gegenstände werden dort nicht vorschnell entsorgt, sondern gemeinsam mit erfahrenen Helfern untersucht und nach Möglichkeit wieder instand gesetzt.

Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig und funktioniert auf Spendenbasis. Damit steht es unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten grundsätzlich jedem offen.

Bemerkenswert ist auch die Kontinuität. Während vergleichbare Initiativen andernorts teilweise nach wenigen Veranstaltungen wieder verschwinden, finden in Veitshöchheim – abgesehen von der Corona-Pause – jährlich zwei Repair Cafés statt. Aus dem Helferkreis seien inzwischen sogar Freundschaften entstanden, die bei Stammtischen, Sommerfesten und anderen Gelegenheiten gepflegt werden.


Neue Kooperation mit team orange

Eine besondere Weiterentwicklung ist die neue Zusammenarbeit mit team orange und dem Wertstoffhof. Dort werden immer wieder Gegenstände abgegeben, die noch funktionieren oder wertvolle Ersatzteile liefern können. Gleichzeitig benötigen die Reparaturhelfer regelmäßig genau solche Teile.

Durch die neue Kooperation kann das Repair Café geeignete Gegenstände und Ersatzteile übernehmen. Speth nannte als Beispiel Kaffeemaschinen, die auf diese Weise wieder repariert werden und ein zweites Leben erhalten können. Die Zusammenarbeit sei von team orange erfreulich unbürokratisch ermöglicht worden.


2. Platz: Hotel am Main – 1.100 Euro

Nachhaltigkeit als Aufgabe des ganzen Betriebs

Einen der beiden mit jeweils 1.100 Euro dotierten zweiten Plätze erhielt das Hotel am Main, das die Jury mit einem umfassenden Nachhaltigkeitskonzept überzeugte, das dort nicht auf einzelne Maßnahmen beschränkt bleibt, sondern als fortlaufender Entwicklungsprozess verstanden wird.

Das Spektrum reicht von Solarthermie und Ökostrom über regionale und biologische Produkte bis zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Eine Ladestation steht für Elektrofahrzeuge zur Verfügung, zudem fördert das Hotel die klimafreundliche Anreise seiner Gäste.

Dabei geht es nach den Ausführungen bei der Preisverleihung nicht nur um technische Investitionen. Das Hotel sieht auch eine Verantwortung darin, Mitarbeiter und Gäste für nachhaltiges Handeln zu gewinnen.

Hotelinhaberin Dorothea von Droste: Mit 25 Mitarbeitern und rund 8.000 Gästen pro Jahr könne der Betrieb viele Menschen erreichen. Gäste, die mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, erhalten einen Rabatt und einen Getränkegutschein. Auch Lebensmittelverschwendung am Frühstücksbuffet und der Einsatz von Reinigungsmitteln werden im Team thematisiert.

Die zentrale Botschaft des Hotels: Nicht eine spektakuläre Einzelmaßnahme macht den Unterschied, sondern viele kleine Bausteine und ein Team, das den Weg gemeinsam mitgeht.


2. Platz: Melanie Groß-Klemenz und Hannes Klemenz – 1.100 Euro

Vom Nachkriegshaus zum Effizienzvorbild

Ebenfalls 1.100 Euro erhielten Melanie Groß-Klemenz und Hannes Klemenz. Die Familie hat ein Wohnhaus aus den 1950er Jahren mit einem ganzheitlichen Ansatz Schritt für Schritt energetisch modernisiert.

Nach Einschätzung der Jury geht ihr Konzept noch über die energetische Sanierung hinaus. Die Veränderungen beziehen die persönliche Mobilität mit ein: Ein Auto wurde durch ein Elektrofahrzeug ersetzt, zugleich werden viele Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Ein weiterer Baustein ist eine extensive Dachbegrünung. Gerade die Übertragbarkeit überzeugte die Jury: Häuser aus dieser Zeit sind in Veitshöchheim häufig vorhanden. Das Beispiel zeige, wie sich ein solches Gebäude schrittweise in die Zukunft führen lasse, ohne alle Investitionen auf einmal tätigen zu müssen.

Dabei kam dem Ehepaar sicherlich auch berufliche Fachkenntnis zugute: Hannes Klemenz ist Architekt. Entsprechend fundiert konnten die einzelnen Sanierungsschritte geplant und zu einem Gesamtkonzept verbunden werden. Bemerkenswert ist zugleich die Übertragbarkeit auf andere Wohnhäuser aus dieser Zeit: Das Beispiel zeigt, dass eine energetische Modernisierung nicht auf einen Schlag erfolgen muss, sondern Schritt für Schritt umgesetzt werden kann.

Wie weit die Umstellung der Mobilität inzwischen reicht, schilderte die Familie anhand einer Urlaubsreise: Mit Elektroauto und Wohnwagen ging es bis ans Mittelmeer. Unterwegs habe das Gespann immer wieder Interesse und Nachfragen anderer Reisender ausgelöst.


3. Platz: Thekla und Christoph Jung – 200 Euro

Schritt für Schritt zum weitgehend autarken Haus

Einen der drei mit jeweils 200 Euro dotierten dritten Plätze erhielten Thekla und Christoph Jung. Sie machten aus ihrem Altbau aus den 1960er Jahren Schritt für Schritt ein weitgehend klimafreundliches und energetisch optimiertes Zuhause – ergänzt durch Photovoltaik, Wärmepumpe, Regenwassernutzung und einen naturnahen Garten.

Klimaschutzmanager Speth hob gerade diesen Ansatz hervor: Eine umfassende energetische Verbesserung müsse nicht zwingend in einem einzigen großen Umbau erfolgen.

Zum Konzept gehören unter anderem Wärmepumpe, Photovoltaikanlage mit Stromspeicher, intelligente Hausautomation, Elektromobilität und Regenwassernutzung. Auch der Garten wurde weiterentwickelt. Ein naturnaher Heilpflanzengarten ist insbesondere auf Trockenheit und damit auf veränderte klimatische Bedingungen ausgerichtet.

Auch bei Thekla und Christoph Jung trifft persönliches Engagement auf einschlägiges Fachwissen: Beide haben Bauingenieurwesen studiert. Dieser fachliche Hintergrund dürfte bei der schrittweisen energetischen Weiterentwicklung des Hauses von Vorteil gewesen sein – von Wärmepumpe und Photovoltaik über Hausautomation und Regenwassernutzung bis zur Anpassung des Gartens an trockenere klimatische Bedingungen.

Besonders eindrucksvoll war für die Jury die vorgelegte CO₂-Bilanz: Nach den Angaben in der Bewerbung sank sie von 9,47 Tonnen in den Jahren 2014/2015 auf aktuell minus 3,28 Tonnen.


3. Platz: Winfried Knötgen – 200 Euro

Nachhaltigkeit auch im Reihenmittelhaus

Winfried Knötgen demonstriert mit seinem Reihenmittelhaus aus den 1980er Jahren, welche Möglichkeiten auch im vorhandenen Gebäudebestand bestehen.

Umgesetzt wurden unter anderem verschiedene Dämmmaßnahmen, neue Fenster sowie Photovoltaik und Stromspeicher. Nachhaltigkeit setzt sich im Garten fort: Dort gibt es unter anderem ein Insektenhotel; auf Kunstdünger und Unkrautvernichtungsmittel wird verzichtet.

Eine besondere Motivation nannte Knötgen bereits in seiner Bewerbung: Als Vater von drei Kindern und Großvater von acht Enkeln wolle er den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt hinterlassen.

Ganz abgeschlossen ist das Projekt noch nicht. Eine Wärmepumpe steht als weiterer Schritt auf seiner persönlichen Agenda.


3. Platz: Gabriele und Manfred Roßner – 200 Euro

Technischer Erfindergeist und konsequente Regenwassernutzung

Bei Gabriele und Manfred Roßner überzeugte die Jury besonders die Verbindung von energetischer Verbesserung und unkonventionellen technischen Eigenlösungen.

Viele einzelne Schritte wurden speziell für das eigene Haus entwickelt und im Laufe der Zeit immer wieder verbessert. Einen Schwerpunkt bildet die Regenwassernutzung. Manfred Roßner berichtete bei der Preisverleihung anschaulich, wie aus ersten Versuchen nach und nach ein immer ausgefeilteres System mit mehreren tausend Litern Speicherkapazität entstand. Weitere Dachflächen wurden sukzessive angeschlossen.

Hinzu kommen Wärmepumpe, Stromspeicher und weitere energetische Maßnahmen. Besonders positiv bewertete die Jury das Energiemonitoring: Roßner dokumentiert detailliert, welche Veränderungen welche Einsparungen gebracht haben und wie sich beispielsweise die Erträge der Photovoltaikanlage entwickeln.

So entsteht aus vielen kleinen, teilweise selbst entwickelten Lösungen ein auf das Gebäude zugeschnittenes Gesamtkonzept.

Dass hier besonders viel technisches Know-how eingeflossen ist, dürfte auch mit dem beruflichen Hintergrund von Manfred Roßner zusammenhängen: Er war als Elektroplaner bei der Bahn tätig. Diese Erfahrung zeigt sich in den zahlreichen selbst entwickelten und immer wieder optimierten Lösungen am eigenen Haus.


Jury würdigte Vielfalt und Vorbildcharakter

Über Platzierungen und Preisgelder entschied eine Jury, der neben Bürgermeister Jürgen Götz unter anderem ein Vertreter der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, der Vorsitzende der örtlichen BUND-Naturschutzgruppe, Umweltreferent des Gemeinderates Christoph Seidel und Klimaschutzmanager Jan Speth angehörten.

Götz dankte der Jury für die Prüfung und Bewertung der eingereichten Vorschläge. Eine Entscheidung sei angesichts der unterschiedlichen Projekte nicht immer einfach. Die Preisverleihung solle deshalb nicht nur Auszeichnung sein, sondern zugleich Anerkennung und Ermutigung für alle, die bereits aktiv sind oder künftig eigene Ideen verwirklichen wollen.


Besonderer Dank an Jan Speth

Ein besonderes Dankeschön für die Organisation der Preisverleihung: Bürgermeister Jürgen Götz überreichte Klimaschutzmanager Jan Speth ein Präsent und würdigte dessen engagierten Einsatz für den Klima- und Umweltschutz in Veitshöchheim.


Sechs Beispiele, eine gemeinsame Botschaft

Ob ehrenamtliches Repair Café, Hotelbetrieb oder privates Wohnhaus: Die sechs Preisträger zeigen auf ganz unterschiedliche Weise, dass Klima- und Umweltschutz nicht bei abstrakten Zielsetzungen stehen bleiben muss, sondern im Alltag ganz konkret umgesetzt werden kann.

Bürgermeister Jürgen Götz dankte den Ausgezeichneten für ihre Ideen, ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre Bereitschaft, auch andere zum Mitmachen zu motivieren.

„Vielen Dank für Ihr Engagement – und vielen Dank für Ihren Beitrag zu einem lebenswerten, nachhaltigen und zukunftsfähigen Veitshöchheim.“

Text und Fotos Dieter Gürz

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