Bundesweit bedeutsame Kunst in Veitshöchheim: „Der Himmel als Dach“ im Jüdischen Kulturmuseum
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_ea2dc3_03-ausstellung-2-in-holz-der-himmel-al.jpg)
Ein weiteres Highlight im Veitshöchheimer Veranstaltungskalender: Mit „Der Himmel als Dach | The Sky as a Roof“ ist im Jüdischen Kulturmuseum eine außergewöhnliche Ausstellung eröffnet worden, die jüdische Gegenwartskunst mit der jahrhundertealten jüdischen Geschichte des Ortes verbindet.
Sieben Künstler setzen sich mit Schutz, Verletzlichkeit, Heimat und Gemeinschaft auseinander.
Die Bedeutung des bundesweit ausgerichteten Projekts reicht weit über Veitshöchheim hinaus – auch der Bayerische Rundfunk widmete der Ausstellung zum Auftakt einen ausführlichen BR24-Beitrag.
Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 30. Mai 2027.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_9bf144_02-pressefoto-2.jpg)
Die Protagonisten der Ausstellungseröffnung (von links): Klarinna Akselrud (Dagesh), Petra Dossler (Kulturreferentin des Gemeinderates), Yana Lemberska (Dagesh), Museumsleiterin Johanna Weiß, Dritter Bürgermeister Steffen Mucha, Alisa Gadas und Kurator Daniel Laufer (beide Dagesh).
BR24 richtet den Blick auf Veitshöchheim
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_4fb053_03-ausstellung-1-sukka-1.jpg)
Welche überregionale Aufmerksamkeit das Kulturprojekt findet, zeigte sich bereits zum Auftakt. BR24 berichtete ausführlich aus Veitshöchheim und stellte dabei die Sukka im Synagogenhof in den Mittelpunkt.
Der Bayerische Rundfunk beschreibt die Laubhütte mit ihren großen weißen Stoffbahnen und dem durchlässigen Bambusdach, durch das der Himmel sichtbar bleibt, als Inspiration der Ausstellung. Auch die besondere Verbindung zum historischen Ort hebt der Bericht hervor:
Bereits im 18. Jahrhundert wurde im ehemaligen Wohnhaus des heutigen Jüdischen Kulturmuseums Sukkot gefeiert.
Unter der Überschrift „Was eine Laubhütte von unserer krisenhaften Gegenwart erzählt“ greift BR24 die zentralen Fragen der Ausstellung nach Fragilität, Schutz und Gemeinschaft auf. Kuratorin und Veitshöchheimer Museumsleiterin Johanna Weiß erläutert dort, dass beim Zusammenkommen in der Sukka Gemeinschaft entstehe, zugleich aber die Fragilität von Sicherheit in unsicheren Zeiten sichtbar werde.
Zum ausführlichen BR24-Bericht aus Veitshöchheim
Bürgermeister Jürgen Götz: Wichtiges Zeichen für sichtbares jüdisches Leben
Auch Bürgermeister Jürgen Götz kommt im BR24-Bericht zu Wort. Er zeigte sich stolz darauf, dass die Ausstellung im Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim Station macht. Gerade angesichts offen zutage tretender antisemitischer Tendenzen sei es wichtig, die Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinde deutlich zu machen und dem Judentum einen sichtbaren Platz in der Öffentlichkeit zu geben, fasst BR24 seine Aussage zusammen.
Damit erhält die Ausstellung neben ihrer künstlerischen und historischen Dimension auch eine besondere Bedeutung für die Gemeinde. Veitshöchheim präsentiert sich mit seinem Jüdischen Kulturmuseum einmal mehr als Ort, an dem jüdische Geschichte nicht nur bewahrt, sondern mit jüdischer Gegenwartskultur verbunden wird.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_6a415d_04-reden-1-dritter-buergermeister-stef.jpg)
Bei der Eröffnung selbst wurde der verhinderte Bürgermeister von 3. Bürgermeister Steffen Mucha vertreten, der diesen Gedanken in seiner Begrüßungsrede aufgriff und mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde Veitshöchheims verband.
Veitshöchheim erneut Schauplatz eines besonderen Kulturprojekts
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_c17c49_01-logo-der-himmel-als-dach-1.jpg)
Mit der Ausstellung wird das Jüdische Kulturmuseum Veitshöchheim zum Schauplatz eines bundesweit ausgerichteten Kunstprojekts. „Der Himmel als Dach“ ist Teil der Reihe „Dagesh-Studio on the Road – #SukkotEdition“ und bringt zeitgenössische jüdische Kunst an unterschiedliche Orte.
Dass die Reihe nun in Veitshöchheim Station macht, passt in besonderer Weise zum Konzept. Hier trifft Gegenwartskunst auf einen historischen Ort, an dem jüdisches Leben über Jahrhunderte zum Ortsleben gehörte und an dem sich die Tradition des Laubhüttenfestes Sukkot bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lässt.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_817c7f_01-programm.jpg)
Ein Nachmittag der Kunst und Begegnung
Bereits ab 16 Uhr öffnete das Jüdische Kulturmuseum seine Türen zum „Open House“. Besucher konnten die Ausstellung erkunden und mit den anwesenden Künstlern in der Sukka und in den Ausstellungsräumen ins Gespräch kommen.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_6324dd_03-ausstellung-1-sukka-2.jpg)
Kurator Daniel Laufer von Dagesh führte durch die Ausstellung, beginnend im Innenhof. Dort befindet sich die eigens für die Ausstellung geschaffene Sukka. In ihr las Elianna Renner aus „Pitshipoy“
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_d83354_05-gaeste-1.jpg)
Zur offiziellen Eröffnung begrüßten Dritter Bürgermeister Steffen Mucha, Museumsleiterin Johanna Weiß und Yana Lemberska von Dagesh die Gäste.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_c06adc_06-artist-talk-2.jpg)
Beim anschließenden Artist Talk sprachen die Kunstschaffenden Jan Bodenstein, Michal Fuchs, Shira Orion und Elianna Renner, moderiert von Daniel Laufer, über ihre Arbeiten.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_2f0794_06-artist-talk-3.jpg)
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_7415e0_06-artist-talk-4.jpg)
Ein Empfang im Innenhof und ein Konzert von Folkadu rundeten den abwechslungsreichen Eröffnungstag ab.
Ein Dach, das keine absolute Sicherheit verspricht
Im Zentrum der Ausstellung steht die Sukka, die Laubhütte des jüdischen Sukkot-Festes. Sie ist Schutzraum und zugleich das Gegenteil eines abgeschlossenen, massiven Gebäudes: provisorisch, durchlässig und vergänglich.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_65ea2c_04-reden-2-johanna-weiss-jkmv-1.jpg)
Johanna Weiß, seit gut einem Jahr Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums der Gemeinde, die die Ausstellung gemeinsam mit Daniel Laufer kuratiert hat, brachte diesen scheinbaren Widerspruch bei ihrer Begrüßung auf den Punkt. Die provisorische Architektur erinnere daran, „dass Schutz nicht unbedingt mit Unverletzlichkeit gleichzusetzen ist“.
Die Sukka schaffe einen gemeinsamen Raum und mache gleichzeitig die Verletzlichkeit des Menschen sichtbar, statt sie zu verbergen. Schutz und Offenheit, Vergänglichkeit und Gemeinschaft bilden deshalb den zentralen Ausgangspunkt der Ausstellung.
Auch Yana Lemberska von Dagesh griff dieses Leitmotiv auf. Die Sukka solle Schutz geben und bleibe gleichzeitig offen. Wind könne eindringen, durch Wände und Dach bleibe die Verbindung zur Außenwelt bestehen. Absolute Sicherheit verspreche sie gerade nicht.
Sukkot ist ein jüdisches Freuden- und Erntedankfest und erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Für sieben Tage wird die Laubhütte zu einem provisorischen Zuhause und zu einem Ort der Gemeinschaft.
In Veitshöchheim wurde schon vor Jahrhunderten Sukkot gefeiert
Für die Ausstellung gibt es kaum einen passenderen Ort als das Jüdische Kulturmuseum. Denn Sukkot wurde hier nachweislich bereits im 18. Jahrhundert gefeiert.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_70b5f1_03-ausstellung-6-in-laubhuette-2.jpg)
Im ehemaligen Wohnhaus ist ein Wandfresko aus dieser Zeit erhalten. Seine hebräische Inschrift „Frucht des schönen Baumes, Zweige der Dattelpalme“ verweist auf Etrog und Lulav, die zu den Ritualgegenständen des Laubhüttenfestes gehören.
Eine weitere Besonderheit steckt buchstäblich im Dach des Hauses: Dort konnten Schindeln entfernt und die Öffnung mit Zweigen und Ästen bedeckt werden. Auf diese Weise ließ sich innerhalb des Hauses eine rituell nutzbare Sukka einrichten.
Die neue Wechselausstellung holt diese historische religiöse Praxis in die Gegenwart und macht sie zum Ausgangspunkt zeitgenössischer künstlerischer Positionen.
Sieben Künstler – unterschiedliche Antworten
Die Ausstellung präsentiert Arbeiten von Michal Fuchs, Shira Orion, Regina Potomkina, Elianna Renner, Jan Bodenstein, Nave Knafo und Yoav Schutzer.
Sie nähern sich aus unterschiedlichen Perspektiven einer gemeinsamen Frage: Was bedeutet Schutz, wenn er nicht als Abschottung verstanden wird, sondern als fragile und offene Form des Zusammenkommens?
Dabei stehen die zeitgenössischen Arbeiten nicht losgelöst von den historischen Exponaten. Sie sind als Interventionen in die Dauerausstellung integriert. Öffnungen, Durchgänge und Blickachsen schaffen Verbindungen zwischen den einzelnen Positionen und der Geschichte des Hauses.
Michal Fuchs lässt Kakteen auf Wanderschaft gehen
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_b45499_03-ausstellung-5.jpg)
Michal Fuchs beschäftigt sich mit Heimat und Zugehörigkeit – und lässt dafür Kakteen auf Wanderschaft gehen. Die Pflanze wird zum Ausgangspunkt für Fragen nach Verwurzelung, Entwurzelung und einem neuen Zuhause.
Für die in Israel geborene Künstlerin ist Sukkot zugleich mit persönlichen Kindheitserinnerungen verbunden. Gegenüber BR24 erinnerte sie sich an die Sukka im Hinterhof, daran, als kleines Kind darin geschlafen zu haben, und an die gemeinsamen Mahlzeiten.
So verbindet sich die große Frage nach Heimat mit ganz persönlichen Erfahrungen.
Shira Orion verbindet Sukka und Chuppa
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_aed66c_03-ausstellung-3-a.jpg)
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_281a14_03-ausstellung-3-c.jpg)
Shira Orion hat eine weitere temporäre Hütte entworfen. Ihre Form orientiert sich an einer Chuppa, dem jüdischen Trau-Baldachin. Es ist dies ein überdachtes Areal, an dem sich das Brautpaar trifft, um seine Trauung zu vollenden.
Damit verbindet die Künstlerin unterschiedliche Vorstellungen von Schutz, Gemeinschaft und Übergang. Wie die Sukka schafft auch die Chuppa für einen bestimmten Moment einen besonderen Raum – einen Raum, dessen Bedeutung gerade nicht aus massiven Mauern entsteht.
Regina Potomkina mit humorvollem Blick auf religiöse Praxis
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_9687ba_03-ausstellung-6-in-laubhuette-1.jpg)
Einen anderen Zugang wählt Regina Potomkina. Sie nähert sich jüdischer religiöser Praxis auf humorvolle und zugleich persönliche Weise.
Ihre Arbeit verdeutlicht damit auch die Bandbreite der Ausstellung: Jüdische Tradition erscheint nicht als etwas Starres, sondern wird aus individuellen Blickwinkeln betrachtet, kommentiert und neu interpretiert.
Elianna Renner und die Sehnsucht nach „Pitshipoy“
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_f5cbad_03-ausstellung-7-pitshipoy-1.jpg)
Bei Elianna Renner steht die Sehnsucht nach einem schützenden imaginären Ort im Mittelpunkt. Ihre Arbeit verweist auf „Pitshipoy“ – die Vorstellung eines Ortes, die aus größter Unsicherheit und Bedrohung heraus entstand und dennoch einen Raum der Hoffnung eröffnet.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_8cecda_03-ausstellung-7-pitshipoy-2.jpg)
Bei der Ausstellungseröffnung wurde dieser Gedanke unmittelbar erfahrbar: Renner las aus „Pitshipoy“ in der Sukka selbst – also gerade in jenem fragilen Schutzraum, um den die Ausstellung kreist.
Nave Knafo und Yoav Schutzer interpretieren die Sukka neu
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_1e0952_03-ausstellung-4.jpg)
Eine besondere Rolle spielt die zeitgenössische Sukka des Architekten Nave Knafo und des Künstlers Yoav Schutzer.
Ihre Gestaltung nimmt Bezug auf die Fenster und die Architektur der Veitshöchheimer Synagoge. Damit verbindet sie den historischen Bau unmittelbar mit einer zeitgenössischen Interpretation der Laubhütte.
Vergangenheit und Gegenwart stehen so nicht einfach nebeneinander, sondern treten räumlich miteinander in Beziehung.
Jan Bodenstein verbindet die einzelnen Arbeiten
Für die räumliche Verbindung der unterschiedlichen künstlerischen Positionen sorgt Jan Bodenstein. Er entwickelte die Ausstellungsarchitektur.
Dagesh bringt jüdische Gegenwartskunst auf die Reise
Die Ausstellung ist Teil von „Dagesh-Studio on the Road“. Nach einer Sukkot-Edition in Chemnitz und einer Purim-Edition in Dresden im Frühjahr 2026 macht die Reihe nun in Veitshöchheim Station.
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_e4358d_04-reden-3-jana-lemberska-dagesh.jpg)
Yana Lemberska erläuterte bei der Eröffnung den Ansatz von Dagesh – Jüdische Kunst im Kontext. Die Plattform und das Netzwerk wollen jüdische Künstler sichtbar machen, Räume für künstlerische Positionen schaffen und Begegnungen zwischen Kunst, Institutionen und Publikum ermöglichen.
Ein wesentlicher Gedanke dabei: Jüdische Künstler sollen nicht auf eine einzige Geschichte, Identität oder Perspektive reduziert werden. Jüdisches Leben sei vielfältig, gegenwärtig und auch widersprüchlich.
Jüdisches Leben ist mehr als die Erfahrung von Bedrohung
Lemberska stellte die Ausstellung zugleich in einen gesellschaftlichen Zusammenhang. Debatten über Krieg, Flucht, Polarisierung und Antisemitismus hätten Fragen nach Schutz, Sicherheit, Grenzen und Zugehörigkeit verstärkt in den Mittelpunkt gerückt.
Für Dagesh sei es wichtig, jüdisches Leben nicht ausschließlich dann wahrzunehmen, wenn über Antisemitismus gesprochen wird.
Jüdisches Leben bedeute ebenso Kunst, Musik, Literatur, Essen, Humor, Streit, Erinnerung, Gegenwart, Freundschaft, Familie und Gemeinschaft, führte Lemberska aus.
Gerade diese Vielstimmigkeit soll auch die Veitshöchheimer Ausstellung sichtbar machen.
Mehr als eine Ausstellung über Sukkot
Für Lemberska ist „Der Himmel als Dach“ deshalb mehr als eine Ausstellung über Sukkot. Die Schau lade auch dazu ein, über Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens nachzudenken.
Wie lässt sich Schutz geben, ohne sich abzuschotten? Wie kann Gemeinschaft entstehen, ohne Unterschiede unsichtbar zu machen? Und wie können Räume erhalten werden, in denen Menschen zusammenkommen, einander zuhören, widersprechen und dennoch miteinander verbunden bleiben?
„Ich glaube, genau dafür brauchen wir Kunst. Und genau dafür brauchen wir Orte wie diesen“, fasste Lemberska zusammen.
Die Sukka wird so zum Sinnbild für einen zentralen Gedanken der Ausstellung: ein Dach, das Schutz bietet und trotzdem offenbleibt.
Jüdisches Leben in Veitshöchheim seit 1644 belegt
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_9cb685_04-reden-1-dritter-buergermeister-stef.jpg)
Wie tief jüdisches Leben mit der Geschichte Veitshöchheims verbunden ist, zeigte Steffen Mucha in seiner Begrüßungsrede.
Bereits 1644 sind in den Gemeinderechnungen erste jüdische Familien verzeichnet. Zwischen 1727 und 1730 ließ Samuel Isak eine freistehende Synagoge mit eigener Mikwe errichten und übergab sie am 1. Februar 1730 der Gemeinde.
Um 1840 lebten nach Muchas Angaben rund 150 jüdische Einwohner in Veitshöchheim. Bis 1933 war ihre Zahl, unter anderem durch Abwanderung in die Städte, auf 36 zurückgegangen.
Eine fast 300 Jahre bestehende Gemeinde wurde ausgelöscht
Mit der nationalsozialistischen Herrschaft kam das gewaltsame Ende der jüdischen Gemeinde. 1942 wurden jüdische Einwohner Veitshöchheims deportiert und ermordet.
Damit wurde eine Gemeinde ausgelöscht, die in Veitshöchheim fast 300 Jahre bestanden hatte.
Heute erinnert unter anderem der „DenkOrt“ mit einem Erinnerungskoffer am Gernecksplatz an die deportierten und ermordeten jüdischen Bürger.
Vom Gotteshaus zum Feuerwehrhaus und schließlich zum Museum
Auch die Synagoge selbst trägt die Spuren dieser Geschichte. 1940 wurde das Gotteshaus zum Feuerwehrhaus umgebaut. Die Inneneinrichtung ging verloren, ein großes Rundbogentor wurde in die Außenmauer gebrochen.
Nach umfangreichen Arbeiten konnte das Gebäude 1994 als Museum wiedereröffnet werden.
Eine außergewöhnliche Entdeckung machten die Verantwortlichen auf dem Dachboden: Dort fand sich eine Genisa, eine über Generationen angelegte Sammlung religiöser Schriften und Gegenstände.
Damit erhält der Ausstellungstitel „Der Himmel als Dach“ gerade an diesem historischen Ort eine zusätzliche Dimension: Das Dach hatte Zeugnisse jüdischen Lebens bewahrt, die lange verborgen geblieben waren.
Die Synagoge als Ort, der verbindet
Mucha bezeichnete die Veitshöchheimer Synagoge als einen „Ort, der verbindet“ – als Erinnerungsort, Museum und Ausstellungsraum und immer wieder auch als Konzertort.
Wie passend diese Beschreibung ist, zeigte der Eröffnungstag selbst. Geschichte und Gegenwart, Kunst und persönliche Erinnerung, Gespräch und Musik kamen hier zusammen.
Das abschließende Konzert von Folkadu setzte den Gedanken der Begegnung musikalisch fort.
„Ausstellungen sind immer Teamarbeit“
Museumsleiterin Johanna Weiß erinnerte schließlich daran, wie viele Beteiligte hinter einem solchen Projekt stehen. „Ausstellungen sind immer Teamarbeit“, betonte sie.
Sie dankte den Mitarbeitern von Bauamt, Kämmerei, Bauhof, Vorzimmer und Kasse sowie insbesondere dem Kulturamt. Ihr Dank galt ebenso dem Team von Dagesh, den beteiligten Künstlern und Architekten und allen weiteren Helfern.
Unterstützt wird das Projekt von der Gemeinde Veitshöchheim, dem Bezirk Unterfranken und aus Bundesmitteln.
Bis 30. Mai 2027 im Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim
/image%2F1394268%2F20260926%2Fob_2fa25d_01-dagesh-logo-1.jpg)
„Der Himmel als Dach | The Sky as a Roof“ ist vom 26. September 2026 bis 30. Mai 2027 im Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim zu sehen.
Damit bietet ein weiteres kulturelles Highlight im Veitshöchheimer Veranstaltungskalender über mehrere Monate Gelegenheit zu einer außergewöhnlichen Begegnung mit zeitgenössischer jüdischer Kunst.
Die besondere Stärke der Ausstellung liegt dabei in ihrem Ort: Eine religiöse Tradition, die hier bereits vor Jahrhunderten gelebt wurde, wird zum Ausgangspunkt für Gegenwartskunst und für Fragen, die weit über die Mauern des Museums hinausreichen.
Wie viel Sicherheit kann ein Dach geben? Wie lässt sich Schutz schaffen, ohne sich abzuschotten? Und wie kann Gemeinschaft entstehen, wenn Menschen ihre Verletzlichkeit nicht voreinander verbergen?
„Der Himmel als Dach“ gibt darauf keine einfache Antwort – sondern öffnet in Veitshöchheim einen Raum, in dem darüber nachgedacht und miteinander gesprochen werden kann.
Text und Fotos Dieter Gürz