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720.000 Euro Bundesförderung für neues Kinderparadies im Geisbergbad

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Das 1995 errichtete Kinderplanschbecken ist mittlerweile über 30 Jahre alt. Nun soll es durch eine zeitgemäße Anlage ersetzt werden.

Große Freude in Veitshöchheim: Der Bund fördert den geplanten Ersatzneubau des Kinderplanschbeckens im Geisbergbad mit 720.000 Euro. Damit hat die Gemeinde bei der stark überzeichneten Förderrunde „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“ den erhofften Zuschlag erhalten. Nun kann die weitere Planung für die grundlegende Erneuerung des inzwischen über 30 Jahre alten Kinderbereichs angegangen werden. Wie dieser letztlich aussehen wird, darüber hat der Gemeinderat allerdings noch zu entscheiden.


720.000 Euro aus Berlin

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat in dieser Woche die Förderung für Veitshöchheim bewilligt. Das Geld ist für den Ersatzneubau des Kinderplanschbeckens bestimmt.

Dass Veitshöchheim zum Zuge kommt, war alles andere als selbstverständlich: Bundesweit wurden 939 prüffähige Bewerbungen mit einem Gesamtvolumen von 3,16 Milliarden Euro eingereicht. Dem standen lediglich 250 Millionen Euro Fördermittel gegenüber.

Noch bei der Gemeinderatssitzung im Mai hatte Bürgermeister Jürgen Götz angesichts dieser Konkurrenz die Erwartungen gedämpft und erklärt: „Die Wahrscheinlichkeit ist sowieso gering.“

Nun ist klar: Der Antrag aus Veitshöchheim war erfolgreich.

Für die Jahre 2027 und 2028 hatte die Gemeinde bereits 1,2 Millionen Euro für das Vorhaben in ihre Finanzplanung eingestellt.


Richter und Rausenberger: Kinderbecken technisch in die Jahre gekommen

Mit der erforderlichen Vorplanung hatte Bürgermeister Götz bereits im Vorfeld des Förderantrags die Firma Richter und Rausenberger Bäderbau beauftragt. Das Büro kennt das Veitshöchheimer Geisbergbad bestens: Es plante bereits die große Generalsanierung des Freibades in den Jahren 2005 bis 2007.

Die Bestandsaufnahme der Planer macht deutlich, weshalb nach über drei Jahrzehnten Handlungsbedarf besteht:

Das Kinderplanschbecken verfügt über keine allseitig umlaufende Überlaufrinne.

Die Fliesenauskleidung ist am Ende ihrer Lebenszeit angelangt. Auch Ausstattung und Materialien sind in die Jahre gekommen. Regelmäßige Reparaturen, insbesondere an den Fliesen, verursachen bereits seit Jahren laufende Unterhaltskosten.

Eine grundlegende Erneuerung soll deshalb Technik und Gestaltung gleichermaßen umfassen.


So könnte das neue Kinderparadies aussehen

Die von Richter und Rausenberger erarbeitete, noch nicht zur Veröffentichung freigegebene Vorplanung zeigt eine mögliche Konzeption für den künftigen Kinderbereich.

Als mögliche Variante offerierte das Planungsbüro eine zweiteilige Beckenanlage vor. Die beiden Becken sind höhenversetzt angeordnet und durch ein Rutschenwehr miteinander verbunden werden.

Becken I: Wassergewöhnung für die Kleinsten

Das erste Becken hätte eine Wassertiefe von etwa fünf bis 25 Zentimetern.

Hier könnten die jüngsten Badegäste spielerisch erste Erfahrungen mit dem Wasser machen. 

Becken II: Erste Schwimm- und Tauchübungen

Das zweite Becken könnte mit etwa 25 bis 55 Zentimetern deutlich tiefer werden.

Dieser Bereich wäre damit für Kinder gedacht, die sich bereits sicherer im Wasser bewegen und dort ihre ersten Schwimm- und Tauchübungen machen können.

Die Abstufung der Wassertiefen würde es ermöglichen, den neuen Kinderbereich stärker als bisher an unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen auszurichten.

Wichtig: Es handelt sich dabei noch nicht um die endgültig beschlossene Ausführung. Über die konkrete Ausgestaltung und den Umfang der Maßnahme muss der Gemeinderat erst noch entscheiden.


Die Bäderplaner brachten daneben einen Wasserspielplatz mit interaktiven Spritzeinrichtungen und Wasserdüsen ins Spiel.
Damit würde neben dem klassischen Planschen auch das spielerische Erleben des Wassers stärker in den Mittelpunkt rücken.

Bereits bei der Grundsatzentscheidung des Gemeinderats im Mai hatte Bürgermeister Götz allerdings ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die vorliegende Konzeption lediglich eine rudimentäre Vorplanung darstelle. Mit dem damaligen Beschluss sei weder eine endgültige Bauentscheidung getroffen noch eine Festlegung auf konkrete Kosten verbunden gewesen. Erst bei Aussicht auf Förderung sollte über Umfang und konkrete Umsetzung entschieden werden.


Rückblick: 1995 war das Kinderbecken die große Attraktion

Dass die Anlage heute technisch überholt ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen: Als das Kinderplanschbecken 1995 eröffnet wurde, war es eines der neuen Schmuckstücke des Geisbergbades.

Nach einer Bauzeit von acht Monaten konnte das rund 900.000 Mark teure Spaßbecken für Kleinkinder in Betrieb genommen werden.

Seit 1987 hatte ein entsprechender Mutter-und-Kind-Bereich im Freibad gefehlt. Der Neubau war damals sogar so konzipiert worden, dass er in das zeitweise diskutierte große Projekt eines Erlebnisbades hätte integriert werden können. Diese Pläne wurden vom Gemeinderat im Juni 1995 endgültig verworfen.


Wal, Elefant und Wasserpilz begeisterten die Kinder

Die neue Anlage hatte einiges zu bieten.

Zwei Rundbecken mit jeweils zehn Metern Durchmesser wurden durch eine kleine Felsenlandschaft voneinander getrennt. Von dort führte jeweils eine Rutsche in das maximal 35 Zentimeter tiefe Wasser.

Die Kinder konnten auf Steinen klettern, rutschen, einen Wal oder Elefanten besteigen oder sich unter einen Wasserpilz stellen.

Die gesamte Wasserfläche umfasste rund 130 Quadratmeter. Zehn Sitzbänke rund um das Becken ermöglichten den Eltern, ihren Kindern beim Planschen zuzuschauen.

Interessant mit Blick auf die aktuelle Planung: Der Wasserpilz, der heute wieder als mögliche Attraktion vorgeschlagen wird, gehörte bereits 1995 zur Ausstattung.


Die Hälfte der 900.000 Mark steckte in der Technik

Schon beim Bau 1995 zeigte sich, dass ein Planschbecken weit mehr ist als eine mit Wasser gefüllte Betonwanne.

Etwa die Hälfte der damaligen Baukosten floss in die Technik.

Wasserablauf, Wasserumwälzung, Chlorung, pH-Regelung und Erwärmung mussten berücksichtigt werden. Zwischen den beiden Planschbereichen entstand ein 87 Kubikmeter großer Schwallwasserbehälter. Im Umkleidebereich wurde ein Technikraum für Filteranlage, Pumpen und Kompressor eingerichtet.

Die Erwärmung des Wassers erfolgte über die bereits vorhandene Sonnenabsorberanlage des Freibades.

Auch damals gab es öffentliche Förderung: Der Freistaat Bayern gewährte der Gemeinde 140.000 Mark Zuschuss sowie ein zinsgünstiges Darlehen von 210.000 Mark aus dem Programm „Freizeit und Erholung“.


2005: Startschuss für die große Generalsanierung

Zehn Jahre später begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Veitshöchheimer Freibades.

Nach Abschluss der Saison 2004 wurde die in die Jahre gekommene Anlage grundlegend saniert und modernisiert.

Der Handlungsbedarf war erheblich. Das 1968 erbaute Freibad entsprach ohne zeitgemäßen Überlauf und Schwallwasserbehälter nicht mehr den damaligen hygienischen Anforderungen. Vor allem an heißen Tagen bereitete die Wasserqualität Probleme. Nach jahrelanger Beratung verschiedener Alternativen – zeitweise war sogar ein Naturbad im Gespräch – entschied sich der Gemeinderat für eine umfassende Bestandsanierung.

Die insgesamt rund 2.000 Quadratmeter großen Wasserbecken erhielten Edelstahlauskleidungen und integrierte Überlaufrinnen.


1,3 Millionen Liter Wasser pro Stunde

Enorme Investitionen waren für die neue Wassertechnik notwendig.

Die Umwälzmenge wurde auf 1,3 Millionen Liter Badewasser pro Stunde erhöht. Im unterirdischen Technikgebäude fanden fünf große Filterbehälter mit jeweils 3,4 Metern Durchmesser Platz.

Durch die neue vertikale Durchströmung der Becken konnte zugleich die für die Desinfektion erforderliche Chlormenge reduziert werden.

Für die Beckenauskleidungen verwendeten die Planer V4A-Edelstahl. Die massiven Betonkonstruktionen der alten Becken konnten dabei als Fundament erhalten bleiben.

2005 wurde der erste Bauabschnitt der großen Freibadsanierung eröffnet. Edelstahlbecken, Überlaufrinnen und eine völlig neue Wasseraufbereitung brachten das Geisbergbad technisch auf einen neuen Stand (im Bild rutschen als erste Bürgermeister und Planer die Breitrutsche runter)


Großrutsche, Breitwellenrutsche und Wasserspeier

Auch für die Badegäste veränderte sich 2005 einiges.

Die 78 Meter lange Großrutsche erhielt einen veränderten Standort und ein separates Landebecken.

Im Nichtschwimmerbecken sorgte nun eine 20 Meter lange Breitwellenrutsche für Badespaß. Hinzu kamen Massagedüsen, Wasserspeier und Bodenblubber. Auch der Sprungturm und ein zentraler Aufsichtsturm gehörten zur Neukonzeption.

Eine Schlammwasseraufbereitung, Wärmerückgewinnung, die verbesserte Solarabsorberanlage und Frequenzumformer für die Pumpen sollten gleichzeitig helfen, die Betriebskosten zu reduzieren.


2007: „Zustände wie im Paradies“

Mit dem zweiten Bauabschnitt wurde die Generalsanierung vollendet.

Am 25. Mai 2007 konnte das in zwei Bauabschnitten für insgesamt 6,9 Millionen Euro neu gestaltete Freibad offiziell eingeweiht werden.

„Dies sind hier ja Zustände wie im Paradies“, stellte damals der katholische Ortspfarrer Robert Borawski bei der gemeinsamen Segnung mit seinem evangelischen Kollegen Dietrich Braun fest.

Die Gemeinde hatte nicht nur die Beckenlandschaft, sondern auch das gesamte Umfeld aufgewertet.

Ein neues Entreegebäude mit Umkleiden entstand, ebenso Gastronomie- und Wasserwachtbereiche.

Besonders erfreulich war für den damaligen Bürgermeister Rainer Kinzkofer, dass die nahezu sieben Millionen Euro Baukosten aus angesparten Eigenmitteln finanziert werden konnten.

Reger Betrieb im Kinderplanschbecken bei der Einweihung des zweiten Bauabschnitts im Mai 2007. Während nahezu das gesamte Freibad zwischen 2005 und 2007 erneuert wurde, blieb die erst 1995 geschaffene Kinderanlage bestehen.


2.000 Quadratmeter zusätzliche Liegeflächen

Auch außerhalb des Wassers hatte sich das Geisbergbad völlig verändert.

Durch die Umgestaltung kamen rund 2.000 Quadratmeter zusätzliche Liegeflächen hinzu. Beachvolleyballfelder, Tischtennis und eine Bocciabahn erweiterten das Freizeitangebot.

Von der erhöht gelegenen Kioskterrasse bot sich nun der Blick über die Liegewiesen, den Kinderspielplatz mit seinem markanten Spielschiff, das Kinderplanschbecken, das Nichtschwimmerbecken, die Riesenrutsche und das 50-Meter-Sportbecken.


Kinderbecken blieb damals unangetastet

Bei all diesen Investitionen gab es eine Ausnahme.

Das Kinderplanschbecken wurde bei der Generalsanierung 2005 bis 2007 nicht erneuert.

Das war durchaus nachvollziehbar: Die Anlage war damals erst rund zehn Jahre alt. Noch bei der Einweihung 2007 wurde sie als attraktiver Bestandteil des neuen Gesamtbildes des Freibades beschrieben.


Vom Kinderparadies 1995 zum Kinderbereich der nächsten Generation

So schließt sich nach mehr als drei Jahrzehnten der Kreis.

1995 investierte Veitshöchheim rund 900.000 Mark in ein damals hochmodernes Kinderplanschbecken.

2005 bis 2007 folgte für insgesamt 6,9 Millionen Euro die große Generalsanierung des übrigen Freibades.

2026 hat der Bund nun 720.000 Euro für den Ersatzneubau des Kinderplanschbeckens zugesagt.

Für jenen Bereich, der bei der großen Sanierung vor rund 20 Jahren noch jung genug war, um bestehen zu bleiben, steht damit als nächstes Großprojekt im Geisbergbad an.

Die Vorschläge der Planer Richter und Rausenberger liegen auf dem Tisch: zwei höhenversetzte Becken für unterschiedliche Wassertiefen, verbunden durch ein Rutschenwehr, dazu möglicherweise ein Wasserspielplatz mit Wasserpilz, Spritzdüsen und Wasserigel.

Ob das neue Kinderparadies genau so verwirklicht wird, steht laut Bürgermeister Jürgen Götz aufgrund der prekären Finanzlage der Gemeinde noch nicht fest.

Nach der erfolgreichen Förderzusage ist es nun am Veitshöchheimer Gemeinderat, über die konkrete Ausgestaltung zu entscheiden.

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