Tag der Offenen Tür der LWG Veitshöchheim - Teil 4: Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau - Pflanzenwelten auf 12,5 Hektar
Wer beim Tag der offenen Tür die Führung „Pflanzenwelten“ mit Martin Degenbeck, stellvertretender Leiter des Instituts für Stadtgrün und Landschaftsbau sowie Arbeitsbereichsleiter Natur und Landschaft, besuchte, erhielt faszinierende Einblicke in eine der artenreichsten Garten- und Parkanlagen Bayerns.
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Seit 1967 entstand auf dem Campus der LWG eine einzigartige Sammlung unterschiedlichster Landschafts- und Lebensräume. Heute wachsen auf dem Gelände rund 2.500 Pflanzenarten und -sorten, die sowohl Forschungszwecken dienen als auch Besuchern zahlreiche Anregungen für die eigene Gartengestaltung liefern.
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Eine Besonderheit sind die sogenannten Champion Trees. Insgesamt stehen auf dem Gelände 29 Bäume, die zu den größten Exemplaren ihrer Art in Deutschland oder Bayern zählen. Sie sind mit violetten Hinweisschildern gekennzeichnet und können über QR-Codes näher erkundet werden. So sorgten großgewachsene über 60 Jahre alte Mammutbäume im Zedern- und Wacholdergarten für Staunen.
Besucher konnten Ansaat- und Pflanzversuche kennenlernen, die teilweise bereits seit zwölf bis fünfzehn Jahren laufen. Viele der damals angelegten Stauden- und Wildpflanzenmischungen blühen bis heute und zeigen eindrucksvoll, wie dauerhaft und pflegeleicht naturnahe Begrünungen sein können.
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Degenbeck betonte, dass die Anlagen nicht nur für Forschung und Lehre genutzt werden. Das Gelände sei während des Jahres für Besucher frei zugänglich. Zahlreiche Pflanzen, Lebensräume und Versuchsanlagen sind beschildert und ermöglichen einen selbstständigen Rundgang durch die unterschiedlichsten Garten- und Landschaftsformen.
Bei der Führung wurde auch deutlich, wie stark die Folgen des Klimawandels selbst auf dem Versuchsgelände sichtbar werden. Anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen setzen manchen Gehölzen zunehmend zu. So zeigen einzelne Bäume im Zedernhain bereits deutliche Trockenschäden, während andere Arten mit den veränderten Bedingungen deutlich besser zurechtkommen.
Gerade solche Beobachtungen liefern wertvolle Erkenntnisse für die Auswahl klimaresistenter Baumarten in Städten und Gemeinden.
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Großes Interesse weckten die Demonstrationsflächen zur Dachbegrünung Bereits mit einer nur sechs Zentimeter starken sind dauerhaft funktionierende Dachbegrünungen möglich sind.
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Die seit mehr als zwei Jahrzehnten laufenden Versuche dokumentieren, wie sich unterschiedliche Systeme entwickeln und welchen Beitrag sie zur Klimaanpassung leisten können. Dachbegrünungen verbessern das Mikroklima, speichern Regenwasser, schützen Gebäude vor Überhitzung und schaffen zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Insekten.
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Ein weiterer Schwerpunkt des Instituts ist die Begrünung von Fassaden, Mauern, Zäunen und Pergolen. Vertikales Grün benötigt kaum zusätzliche Fläche und gewinnt insbesondere in dicht bebauten Städten zunehmend an Bedeutung.
Die Pflanzen wirken dort wie natürliche Klimaanlagen, verbessern die Wärmedämmung von Gebäuden, schützen vor Wind und Schlagregen und können gleichzeitig als Lebensraum für Tiere oder sogar als Nutzgarten dienen.
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Spielerisch konnten Besucher diese Thematik beim digitalen Geschicklichkeitsspiel „Green Urban Climbing“ erleben, bei dem Geschick und Ausdauer an virtuellen Fassaden gefragt waren.
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Mit einem interaktiven Hindernisparcours konnten die Besucher testen, wie vielfältig ihr eigener Garten gestaltet ist. Dabei wurde anschaulich vermittelt, welche Elemente zu einem artenreichen Garten gehören. Staudenbeete, Blumenrabatten, Hausbäume, Trockenmauern, Grün am Gebäude, Gemüsebeete, Obstgehölze, Teiche und Hecken bilden zusammen ein Mosaik unterschiedlichster Lebensräume und fördern die biologische Vielfalt direkt vor der eigenen Haustür.
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Ein hochaktuelles Forschungsprojekt präsentierte Institutsleiter Nikolai Kendzia anhand der sogenannten Lysimeter-Anlage. Dort untersucht die LWG gemeinsam mit Forschungspartnern, wie sich verschiedene Wasserqualitäten auf Boden und Grundwasser auswirken.
Hintergrund ist ein Pilotprojekt zur Nutzung aufbereiteten Wassers aus Kläranlagen für die Bewässerung von Grünflächen und Sportanlagen. Unter anderem wird dabei die Bewässerung des Sachs-Stadions in Schweinfurt wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, wertvolles Trinkwasser einzusparen und gleichzeitig mögliche Auswirkungen auf Boden und Umwelt genau zu erfassen.
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Die Besucher erhielten damit einen Einblick in ein Forschungsfeld, das angesichts zunehmender Trockenperioden und wachsender Wasserknappheit künftig immer wichtiger werden dürfte. Auch die Kinder wurden in die Thematik mit einer Station des Entdeckerpasses mit einbezogen.
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Die Pflanzenwelten dienen nicht nur der Forschung, sondern auch der Ausbildung. Jährlich lernen an der Meister- und Technikerschule der LWG zahlreiche angehende Fachkräfte des Garten- und Landschaftsbaus den Umgang mit Pflanzen und Freianlagen.
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Für sie bildet das Gelände eine lebendige Freiluftschule, in der Pflanzen nicht nur aus Büchern, sondern direkt vor Ort erlebt und studiert werden können.
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So wurde bei der Führung deutlich, dass die Pflanzenwelten der LWG (im Bild der Bambusgarten) weit mehr sind als ein Park. Sie sind Forschungszentrum, Ausbildungsstätte, Schaugarten und
Erholungsraum (im Bild der heuer neu angelegte Heidegarten) zugleich – und damit ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Wissenschaft, Praxis und Natur miteinander verbunden werden können.
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Der Wassergarten
Fotos Dieter Gürz