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Tag der Offenen Tür der LWG Veitshöchheim - Teil 2: Versuchsbetrieb "Stutel" in Thüngersheim

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Reger Betrieb herrschte am Sonntag 5.7.2026 beim Tag der Offenen Tür der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) auch im rund elf Hektar großen biologischen  Versuchsbetrieb "Stutel" der LWG in Thüngersheim.

Biodiversität beginnt im eigenen Garten

Ein besonderer Publikumsmagnet war die Führung „Biodiversität – Ideen für den Garten“ mit Claudia Taeger, stellvertretende Leiterin des Instituts für Erwerbs- und Freizeitgartenbau. Sie zeigte den Besuchern anschaulich, wie sich mit einfachen Maßnahmen im Hausgarten Lebensräume für Tiere schaffen lassen, ohne dabei auf eine ansprechende Gartengestaltung verzichten zu müssen.

Hier zeigt die LWG, wie sich mit einer gezielten Auswahl von Gehölzen und Blühpflanzen Lebensräume für Insekten schaffen lassen. Ziel ist eine möglichst durchgehende Versorgung von Wild- und Honigbienen mit Pollen und Nektar – vom zeitigen Frühjahr bis weit in den September hinein. 

Ein Thema war die richtige Bewässerung neu gepflanzter Bäume. Vorgestellt wurden spezielle Bewässerungssäcke, die zum Schutz vor Mäusen erhöht befestigt werden und ihr Wasser über kleine Öffnungen langsam an den Wurzelbereich abgeben. Rund sieben Liter Wasser sickern pro Tag kontrolliert in den Boden und sorgen so dafür, dass junge Bäume auch längere Trockenperioden besser überstehen. 

Ebenso wichtig sei Totholz, erklärte Taeger. Viele Insektenarten seien auf unterschiedliche Formen abgestorbenen Holzes angewiesen. Deshalb belässt die LWG nicht nur liegendes Totholz auf den Flächen, sondern integriert bewusst auch trockene Äste in stehende Bäume. "Wir haben kreative Mitarbeiter, die auch einmal einen völlig trockenen Ast in einen Baum hängen", erläuterte sie. So entstehen zusätzliche Lebensräume für Käferarten, die speziell trockenes Totholz benötigen.

Die Führung machte zugleich deutlich, dass Biodiversität und Gartenästhetik keineswegs Gegensätze sein müssen.

Nach dem naturnah gestalteten Bereich führte Taeger nämlich die Besucher gleich anschließend in einen klassisch gestalteten Gartenabschnitt. Dort wurde ein erst im vergangenen Jahr angelegtes Rosenbeet vorgestellt, das wegen der jungen Pflanzung noch mit einer Bewässerung ausgestattet ist. Statt der früher üblichen Monokultur aus einer Rosensorte in offener Erde setzt die LWG heute auf eine vielfältige Gestaltung. Zwerg-, Beet- und Kletterrosen werden mit Stauden kombiniert, die Flächen sind gemulcht und bieten dadurch sowohl einen attraktiven Anblick als auch ökologische Vorteile. Die Botschaft der Gartenexpertin: Auch ein traditionelles Rosenbeet kann heute naturnah gestaltet werden und sich harmonisch in einen biodiversitätsfördernden Garten einfügen. 

Forschung für den Obstbau im Klimawandel

Die Besucher erhielten bei weiteren Führungen im Obstschaugarten einen umfassenden Einblick in die aktuelle Forschung des Obstbaus, die sich zunehmend mit den Folgen des Klimawandels und der Anpassung heimischer Kulturen an veränderte Witterungsbedingungen beschäftigt.

Wie Obstbau-Versuchsingenieur Alexander Zimmermann erläuterte, orientieren sich nahezu alle Forschungsprojekte auf dem Gelände inzwischen an der Frage orientieren, wie sich der Obstbau auf steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und Wetterextreme einstellen kann.

Im Mittelpunkt standen deshalb auch die im Jahr 2023 runderneuerte digital steuerbare Bewässerungsanlage. Sie ermöglicht es, einzelne Versuchsreihen unabhängig voneinander und mit exakt definierten Wassermengen zu versorgen. Dadurch können die Wissenschaftler sehr präzise untersuchen, wie verschiedene Obstkulturen auf unterschiedliche Bewässerungsstrategien reagieren.

Daneben testet die LWG zunehmend Kulturen, die bislang eher aus südlichen Ländern bekannt sind. Feigen, Oliven und Mandeln gehören inzwischen ebenso zum Versuchssortiment wie weitere wärmeliebende Arten.

Ergänzt werden die Untersuchungen durch Versuche im geschützten Anbau (im Bild eine Süßkirschenüberdachung). Sämtliche Flächen des Versuchsbetriebs werden dabei nach ökologischen Grundsätzen bewirtschaftet.


Stadtbäume der Zukunft gesucht

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Suche nach klimaresistenten Baumarten für Städte und Gemeinden. Seit Jahren untersucht die LWG im "Stutel", welche Gehölze auch unter den Bedingungen heißer Sommer und längerer Trockenperioden dauerhaft gedeihen können.

Aktuell zeichnen sich nach den bisherigen Versuchsergebnissen verschiedene Ulmen- und Ahornarten als besonders vielversprechend ab. Die Untersuchungen erfolgen gemeinsam mit weiteren Versuchsstandorten in Deutschland und sind Teil eines europaweiten Austauschs wissenschaftlicher Einrichtungen. Die Versuchsflächen werden kontinuierlich weiterentwickelt. Weniger geeignete Arten scheiden aus den Untersuchungen aus, neue Kandidaten kommen hinzu.

Vertreten war auch ein Infostand der Gesellschaft der Rosenfreunde Unterfranken. Der LWG-Versuchsbetrieb Stutel ist einer der 12 Standorte in ganz Deutschland, an denen die Rosensorten nach  ADR (Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung) geprüft werden

Die früher umfangreichen Rosenversuche sind aber deutlich zurückgefahren worden.  Die Forschungsschwerpunkte haben sich in den vergangenen Jahren klar in Richtung Klimaanpassung und nachhaltiger Gehölzverwendung verschoben.


Ergänzt wurden die Führungen durch Vorführungen moderner Technik u.a. zur mechanischen Beikrautregulierung. Das Interesse galt dabei insbesondere einem autonomen Feldroboter, der bereits am Vormittag seine Fähigkeiten im praktischen Einsatz demonstrierte und zeigte, wie moderne Automatisierung den Pflanzenschutz künftig unterstützen kann.


Informationen für Hobbygärtner und Obstbauern

Wer konkrete Fragen zu Krankheiten, Schädlingen oder geeigneten Obstsorten hatte, konnte sich am Obstinformationsstand individuell beraten lassen. Ergänzt wurde das Angebot durch zahlreiche Aussteller.

Die Baumschule Weiglein präsentierte Rosen und Obstgehölze, weitere Anbieter wie der Erdbeerhof Zehelein-Schemm und der  Leinachtaler Obsthof (Familie Tokarek) boten Kiwibeeren, Erdbeeren und verschiedene Beerenobstarten an. Die Triesdorfer Baumwarte informierten über empfehlenswerte Streuobstsorten,

während die Main-Bienen-Streuobst eG aus Margetshöchheim ihre Produkte zur Verkostung anbot.


Neuer Bienenprüfhof nach Thüngersheim verlegt

Großes Interesse fand auch der neue Bienenprüfhof, der erst im vergangenen Jahr von Schwarzenau nach Thüngersheim verlegt wurde und organisatorisch zum Institut für Bienenkunde und Imkerei der LWG gehört. Hier ermöglichte Bienenprüfhofleiter Alexander Trian Einblicke ins Bienenvolk.

Im Versuchsbetrieb stehen derzeit mehr als 60 Bienenvölker. Imker aus ganz Bayern können ihre Königinnen zur Leistungsprüfung einsenden. Dabei werden unter anderem Honigertrag, Sanftmut und weitere züchterisch wichtige Eigenschaften der Bienenvölker bewertet. Die Ergebnisse dienen den Imkern als Grundlage für die weitere Zucht leistungsfähiger und zugleich friedlicher Bienenvölker.

Der Standort "Stutel" bietet dafür ideale Voraussetzungen. Anders als auf dem Campus in Veitshöchheim finden die Bienen hier ein wesentlich größeres und ruhigeres Umfeld mit vielfältigen Trachtpflanzen und ausreichend Platz für die Prüfstände. Damit hat sich der Versuchsbetrieb  auch zu einem wichtigen Zentrum der bayerischen Bienenzucht entwickelt.

Fotos Dieter Gürz

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