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Feuerwehr prüft neue Drehleiter für enge Gassen im Altort

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Vorführung eines Hightech-Fahrzeugs in der Unteren Maingasse

Während die Gemeinde Veitshöchheim derzeit die auf rund 5,1 Millionen Euro veranschlagte Sanierung und Erweiterung des Feuerwehrhauses vorantreibt, richtet sich der Blick der Verantwortlichen bereits auf weitere Investitionen in die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr.

Wie Bürgermeister Jürgen Götz bereits bei der Jahreshauptversammlung der Wehr Ende März erläuterte, werde neben dem laufenden Bauprojekt auch über die Ersatzbeschaffung der inzwischen 26 Jahre alten Drehleiter nachgedacht. Konkrete Entscheidungen seien jedoch noch nicht getroffen. „Die finanzielle Umsetzbarkeit muss genau geprüft werden“, betonte damals Götz.

Die Feuerwehrführung um Kommandant Florian Fischer hat deshalb damit begonnen, den Markt zu sondieren. In dieser Woche ließ sie sich hierzu den Prototypen einer modernen Gelenkdrehleiter des Herstellers Rosenbauer vorführen.


Test unter realen Bedingungen

Als Vorführort hatte die Feuerwehr bewusst die Engstelle in der Unteren Maingasse unmittelbar vor der Einmündung der Mühlgasse gewählt. Dort präsentierte die Rosenbauer Karlsruhe GmbH & Co. KG ihre neue Drehleiter vom Typ L32A-XS 3.2.

Der Hersteller, der bis 2015 unter dem Namen Metz Aerials firmierte, zählt zu den führenden Anbietern von Drehleitern und Hubrettungsbühnen in Europa.

Die Wahl des Vorführortes kam nicht von ungefähr. Gerade die engen Straßen und die dichte Bebauung im Altort stellen bei Rettungseinsätzen besondere Anforderungen an die Fahrzeugtechnik.


Entwickelt für schwierige Einsatzorte

Die Bezeichnung „XS“ steht für „Extra Small“ und verweist auf den besonders geringen Aktionsradius des Fahrzeugs. Herzstück der Konstruktion ist ein abwinkelbarer Korbarm, der es ermöglicht, auch schwer zugängliche Bereiche wie Dachgauben, Hinterhöfe oder verwinkelte Gebäudeteile zu erreichen.

Nach Angaben des Herstellers wurde die L32A-XS speziell für enge Innenstadtbereiche entwickelt. Im Einsatz kann der Rettungskorb deutlich näher am Fahrzeug bewegt werden als bei herkömmlichen Drehleitern. Gerade in schmalen Gassen oder zwischen parkenden Fahrzeugen kann dies entscheidende Vorteile bringen.

„In vielen Einsätzen ist nicht die maximale Ausladung entscheidend, sondern die Möglichkeit, den Leitersatz auf engem Raum präzise zu bewegen“, erläuterte der Rosenbauer-Vertreter bei der Vorführung.

Der Rettungskorb bietet Platz für bis zu fünf Personen beziehungsweise eine Nutzlast von 500 Kilogramm. Zudem verfügt das Fahrzeug über moderne Assistenzsysteme, neue Steuerungstechnik und zahlreiche Möglichkeiten für die technische Hilfeleistung und Patientenrettung.


Deutlich leistungsfähiger als die bestehende Leiter

Die derzeit in Veitshöchheim stationierte Drehleiter wurde im Jahr 2000 beschafft. Das Fahrzeug vom Typ Iveco EuroFire mit Magirus-Aufbau trägt den Funkrufnamen „Florian Veitshöchheim 30/1“.

Die DLK 23/12 erreicht eine Rettungshöhe von 23 Metern bei zwölf Metern Ausladung und verfügt über eine maximale Arbeitshöhe von rund 30 Metern. Sie dient der Menschenrettung aus Höhen und Tiefen, der Brandbekämpfung sowie technischen Hilfeleistungen.

Die neue Rosenbauer L32A-XS 3.2 gehört ebenfalls zur Klasse der DLA(K) 23/12, bietet jedoch durch ihren Gelenkarm deutlich mehr Flexibilität und erreicht Arbeitshöhen von bis zu 32 Metern.


Lebensdauer einer Drehleiter erreicht

Dass sich die Feuerwehr bereits mit einer möglichen Ersatzbeschaffung beschäftigt, hat auch mit dem Alter des Fahrzeugs zu tun. Die derzeitige Veitshöchheimer Drehleiter wurde im Jahr 2000 in Dienst gestellt und ist damit inzwischen 26 Jahre alt.

Fachleute gehen bei Drehleitern der Klasse DLA(K) 23/12 von einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 20 bis 25 Jahren aus. Während Fahrzeuge bei Berufsfeuerwehren aufgrund der deutlich höheren Einsatzfrequenz oft bereits nach 15 bis 20 Jahren ersetzt werden, bleiben sie bei Freiwilligen Feuerwehren häufig länger im Dienst.

Als besonders beanspruchtes Bauteil gilt der Leiterpark. Nach etwa zwei Jahrzehnten oder dem Erreichen einer hohen Zahl von Belastungszyklen werden oftmals umfangreiche Generalüberholungen erforderlich. Diese können je nach Zustand des Fahrzeugs mehrere hunderttausend Euro kosten. Viele Kommunen entscheiden sich deshalb nach 20 bis 25 Jahren für eine Ersatzbeschaffung statt einer umfassenden Modernisierung.

Vor diesem Hintergrund bewegt sich die Veitshöchheimer Drehleiter inzwischen am oberen Ende der üblichen Nutzungsdauer. Die aktuelle Marktsondierung der Feuerwehr dient daher auch dazu, rechtzeitig mögliche Nachfolgelösungen zu prüfen.


Investition von über einer Million Euro

Eine neue Drehleiter zählt zu den teuersten Standardfahrzeugen einer Feuerwehr. Während konventionelle Modelle derzeit zwischen 700.000 und 850.000 Euro kosten, liegt die Rosenbauer L32A-XS 3.2 nach Angaben des Herstellers je nach Ausstattung bei deutlich über einer Million Euro.

Für eine genormte Drehleiter der Klasse DLA(K) 23/12 gewährt der Freistaat Bayern derzeit einen Festbetragszuschuss von 292.500 Euro. Hinzu kommen in vielen Fällen Zuschüsse des Landkreises.

Trotz dieser Förderungen würde auf die Gemeinde ein erheblicher Eigenanteil entfallen.


Bereits vor 26 Jahren intensive Prüfung

Dass die Feuerwehr vor einer solchen Beschaffung umfangreiche Tests durchführt, hat in Veitshöchheim Tradition. Schon vor dem Kauf der derzeitign Drehleiter im Jahr 2000 ließ die Wehr das Fahrzeug an verschiedenen Einsatzobjekten vorführen.

Damals reisten Bürgermeister Rainer Kinzkofer und Vertreter der Feuerwehr persönlich nach Ulm, um die neue Magirus-Drehleiter abzuholen. Die Anschaffungskosten beliefen sich auf 965.000 Mark. Nach Abzug staatlicher Zuschüsse verblieb für die Gemeinde ein Eigenanteil von rund 627.000 Mark.

Hintergrund der damaligen Beschaffung waren insbesondere die Hochhäuser im Schenkenfeld, in der Setz und im Birkental. Da die Berufsfeuerwehr Würzburg aufgrund der Anfahrtszeit keine schriftliche Zusage zur Mitbetreuung geben wollte, sahen sich Gemeinde und Feuerwehr zum Handeln verpflichtet.


Entscheidung steht noch aus

Ob die Rosenbauer L32A-XS 3.2 tatsächlich die Nachfolgerin der aktuellen Veitshöchheimer Drehleiter wird, ist derzeit offen. Die Vorführung diente zunächst dazu, die technischen Möglichkeiten moderner Fahrzeuge kennenzulernen und deren Eignung für die örtlichen Gegebenheiten zu prüfen.

Fest steht jedoch: Mit dem zunehmenden Alter der bestehenden Drehleiter und den besonderen Herausforderungen im Altort wird die Frage einer Ersatzbeschaffung die Gemeinde in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.

Fotos und Text ausschließlich Dieter Gürz (alte Aufnahmen 2000 im Fotoarchiv)

Was steckt hinter der Bezeichnung DLK 23/12?

Die derzeit in Veitshöchheim stationierte Drehleiter wie auch die vorgeführte Rosenbauer L32A-XS 3.2 gehören zur Fahrzeugklasse DLA(K) 23/12, umgangssprachlich meist als DLK 23/12 bezeichnet.

Die Abkürzung steht für „Drehleiter Automatik mit Korb“. Die Zahl 23 bezeichnet die genormte Rettungshöhe von 23 Metern, die Zahl 12 die Nennausladung von zwölf Metern. Damit muss das Fahrzeug Personen in einer Höhe von 23 Metern auch dann sicher retten können, wenn es zwölf Meter vom Gebäude entfernt steht. Die tatsächliche Arbeitshöhe moderner Drehleitern liegt allerdings deutlich höher und erreicht je nach Modell bis zu 32 Meter.

Während die klassische DLK 23/12 über einen geraden Leiterpark verfügt, setzt die Rosenbauer L32A-XS 3.2 auf einen abwinkelbaren Gelenkarm. Das Kürzel „XS“ steht für „Extra Small“ und beschreibt den besonders kleinen Aktionsradius. Dadurch kann der Rettungskorb auch in engen Altortgassen, zwischen parkenden Fahrzeugen oder an schwer zugänglichen Dachgauben präzise positioniert werden.

Ein weiterer Unterschied liegt im Rettungskorb: Während herkömmliche Drehleitern meist für drei Personen und rund 270 Kilogramm Nutzlast ausgelegt sind, bietet die Rosenbauer-Drehleiter Platz für bis zu fünf Personen beziehungsweise 500 Kilogramm Nutzlast.

Die aufwendige Gelenkarm-Technik hat allerdings ihren Preis. Konventionelle Drehleitern der Klasse DLA(K) 23/12 kosten derzeit je nach Ausstattung etwa 700.000 bis 850.000 Euro. Für die Rosenbauer L32A-XS 3.2 müssen Kommunen dagegen mit Investitionen von über einer Million Euro rechnen.

 

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