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Heitere Renaissanceklänge in St. Vitus – Schütz Kammerchor begeistert in Veitshöchheim

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Rund 100 Zuhörer erlebten am Sonntagabend (26. April 2026) in der Pfarrkirche St. Vitus ein ebenso ungewöhnliches wie mitreißendes Konzert, für das die barocke Weite der Kirche einen stimmungsvollen Rahmen bildete.

Der Schütz Kammerchor Würzburg präsentierte unter der Leitung von Julian Habryka unter dem Titel „Schein uns, du liebe Sonne“ ein farbenreiches Programm mit weltlichen Liedern der Renaissance – humorvoll, klangmalerisch und überraschend aktuell.


Festliche Eröffnung mit österlichem Bezug

Zur Begrüßung stimmte Pfarrer Christian Nowak die Gäste auf den Abend ein und stellte den besonderen Charakter des Konzerts heraus. „Ostern ist das Fest des Lebens – nicht eines abstrakten, vergeistigten, sondern des lachenden, atmenden Lebens“, betonte er. Gerade deshalb dürften auch heitere, weltliche Lieder ihren Platz im Kirchenraum haben. „Wer das Leben bejaht, darf auch seine heiteren Seiten nicht verschweigen.“

Auch der 1. Vorsitzende und Chorgründer Gabriel Schmitt hieß das Publikum herzlich willkommen und freute sich über die große Resonanz. Er verwies auf die enge Verbindung des Ensembles zur Region und die Freude, erneut in Veitshöchheim auftreten zu können.

Sein besonderer Dank galt dem Ehrenvorsitzenden Reinhold Schöberl (li.) aus Veitshöchheim. Der Medienmanager, dessen Frau Martina im Chor mitsingt, hatte die Veranstaltung organisiert. „Ohne ihn würde es den von mir 2017 gegründeten Chor in dieser Form wohl nicht mehr geben“, so Schmitt. Schöberl habe sich in einzigartiger Weise für den Chor eingesetzt – sowohl finanziell als auch mit großem persönlichem Zeitaufwand. Zudem erstellte er eine außergewöhnliche 44-seitige Programmbroschüre.


Kurzfristige Umbesetzung beim Sopran

Eine kurzfristige Änderung ergab sich beim Sopran: Die ursprünglich angekündigte Victoria Sommerer musste verhindert absagen. Für sie sprang die Sopranistin Yoonsoo Shin aus Weimar ein, die den anspruchsvollen Part mit großer Souveränität übernahm. „Die aus Südkorea stammende Sopranistin war der absolute Hammer“, war am Ende des Konzerts mehrfach aus dem Publikum zu hören. Sie hat bereits ihr Abschlusskonzert im Masterstudiengang Gesang an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar bestritt und nun auf der Suche nach einer Bühne ist, auf der sie ihre künstlerischen Fähigkeiten und ihre bisher gesammelten Bühnenerfahrungen weiter entfalten und unter Beweis stellen kann.

Gemeinsam mit Tenor Stefan Schneider aus Würzburg und dem Ensemble prägte sie maßgeblich den homogenen und zugleich lebendigen Gesamtklang des Abends. Der deutschlandweit in Oratorien tätige Tenor ist in Veitshöchheim bestens bekannt, brillierte er doch bis Ende 2025 mehrere Jahre als musikalischer Leiter des Gemischten Chors und solistisch in Konzerten des örtlichen Männergesangvereins.

Instrumental begleitet wurde der Chor von der Musikstudentin Katharina Lampersperger am Cello sowie vom peruanischen Gitarristen, Komponisten, Musikforscher und Continuo-Spieler Daniel Galindo.


Liebesfreude, Klangwitz und Lebenslust

Im Zentrum des Konzerts standen Antonio Scandellos „Neue und lustige weltliche deutsche Liedlein“ aus dem Jahr 1570. Der Zyklus entfaltete sich in thematisch gegliederten Abschnitten – von heiteren Liebesliedern über lautmalerische Klangimitationen bis hin zu klagendem Liebesleid und ausgelassenen Trinkliedern.

Bereits im ersten Teil zeigte der Chor die ganze Bandbreite an Ausdruck: mal tänzerisch leicht, mal fein ironisch, stets mit präziser Textdeutung. Besonders die Wechsel zwischen schlichter Liedhaftigkeit und kunstvoller Mehrstimmigkeit ließen die Musik lebendig wirken.


Klangimitationen mit Augenzwinkern

Ein Höhepunkt des Abends waren die humorvollen Klangimitationen, etwa in Werken von Orlando di Lasso und Johann Stephani. Kuckucksrufe, gackernde Hühner und überraschende rhythmische Effekte sorgten für hörbares Schmunzeln im Publikum. Hier bewies der Chor nicht nur musikalische Präzision, sondern auch szenisches Gespür.


Zwischen Melancholie und feiner Ironie

Im dritten Programmteil wandelte sich die Stimmung: Die Lieder über Liebesleid zeichneten sich durch intensive Emotionalität aus, ohne in Schwermut zu verharren. Vielmehr schimmerte immer wieder eine subtile Ironie durch – ein typisches Stilmittel der Renaissance, das der Chor nuanciert herausarbeitete.


Beschwingter Ausklang mit Trinkliedern

Den Abschluss bildeten ausgelassene Trinklieder, die mit rhythmischer Energie und augenzwinkernder Direktheit überzeugten. Hier zeigte sich die ganze Spielfreude des Ensembles, die sich spürbar auf das Publikum übertrug. Pfarrer Nowak hatte es in seinen einleitenden Worten treffend formuliert: „Wer singt, der lebt.“ – Und an diesem Abend wurde deutlich, wie lebendig Musik aus der Renaissance auch heute noch sein kann.


Begeisterter Applaus in besonderer Atmosphäre

Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus und großer Spendenbereitschaft: 1100 Euro kamen zusammen, davon gingen 300 Euro an die Pfarrgemeinde.

Im Kammerchor wirken auch Sängerinnen aus Veitshöchheim mit: Gerhard, Heidinger (gemeinsam mit ihrem Ehemann Andreas) sowie Martina Schöberl.

Fotos Dieter Gürz

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