Ausführungsplanung für die „Urbane Lände“ am Höchheimer Steg vorgestellt und beschlossen
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Veitshöchheim: „Urbane Lände" am Höchheimer Steg mit mehr Grün und weniger Verkehr
Der Gemeinderat hat die Planungen für den zweiten Bauabschnitt der „Urbanen Lände" beschlossen. 60 Prozent der förderfähigen Kosten übernimmt die Städtebauförderung.
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In der Gemeinderatssitzung am Dienstag wurde die Ausführungsplanung des Planungsbüro relais Landschaftsarchitekten Heck Mommsen PartGmbB aus Berlin für den zweiten Bauabschnitt der Umgestaltung der "Urbanen Lände" zwischen Parkstraße und Oberer Maingassse vorgestellt.
Bevor die Bauarbeiten ausgeschrieben werden, informierte die relais-Landschaftsarchitektin Kirsten Polifka den Gemeinderat noch einmal detailliert über die geplanten Maßnahmen.
Mit dem zweiten Bauabschnitt soll der Bereich am neuen Mainsteg vor den Mainfrankensälen weiter aufgewertet und als lebendiger, attraktiver Aufenthaltsort am Wasser autofrei gestaltet werden.
Wettbewerb als Grundlage der Planung
Grundlage der Planung ist ein freiraumplanerischer Wettbewerb aus dem Jahr 2018, den das Berliner Büro relais Landschaftsarchitekten gewann. Das Konzept sieht zwei sich ergänzende Uferbereiche vor: eine urbane Platzsituation am neuen Mainsteg und eine landschaftlich geprägte Anlage am ehemaligen Steg.
Der Entwurf wurde anschließend weiterentwickelt und im November 2023 vom Gemeinderat für die Umsetzung freigegeben. Bereits damals wurde eine Änderung beschlossen: Statt eines technisch aufwendigen Wasserspiels wird eine Nebelanlage installiert, da die Lage im Überflutungsbereich des Mains besondere technische Anforderungen mit sich bringt.
Nach der Förderzusage aus der Städtebauförderung im Dezember 2024 erfolgte eine weitere Anpassung: Der ursprünglich geplante Natursteinbelag wird durch farblich ähnliches Betonpflaster ersetzt, um Kosten zu reduzieren.
Heutige Situation am neuen Mainsteg
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Der Bereich rund um den neuen Mainsteg ist derzeit überwiegend durch Verkehrsflächen geprägt. Asphaltierte und gepflasterte Parkplätze und die Straße dominieren das Bild.
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Die vorhandene Vegetation besteht hauptsächlich aus einer Baumreihe aus Platanen entlang der Straße sowie einigen Bäumen am nördlichen Platzrand. Diese leiden teilweise unter sehr beengten Wurzelräumen und wurden bereits bis auf zwei vor kurzem gefällt. Am Ufer befindet sich zudem ein schmaler Streifen mit Weidengebüsch.
Der gesamte Bereich liegt im Hochwassergebiet des Mains. Im Durchschnitt wird die Fläche etwa alle fünf bis sieben Jahre für mehrere Tage überflutet. Auch der Grundwasserstand liegt teilweise nur etwa 80 Zentimeter unter der Oberfläche. Diese Rahmenbedingungen mussten bei der Planung besonders berücksichtigt werden.
Ein neuer urbaner Platz am Wasser
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Die Urbane Lände soll künftig als großzügiger, steinerner Platz mit hoher Aufenthaltsqualität gestaltet werden. Charakteristisch sind geschwungene steinerne Bänder, Vegetationsinseln sowie locker verteilte Baumgruppen.
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Im Zentrum der Anlage steht eine große offene Platzfläche vor den Mainfrankensälen.
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Sie bietet Raum für gastronomische Angebote,
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den wöchentlichen Grünen Markt und Veranstaltungen. Im Ausführungsplan sind die Standorte der bisherigen Marktbetreiber eingezeichnet.
Sechs Versorgungspoller mit Strom- und Wasseranschlüssen werden installiert. Auch der Veitshöchheimer Maibaum erhält hier künftig einen neuen Standort.
Der Mainbalkon als besonderer Aufenthaltsort
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Ein gestalterischer Schwerpunkt ist der sogenannte Mainbalkon am nördlichen Rand des Platzes. Dieser leicht abgesenkte Aufenthaltsbereich ermöglicht einen direkten Blick auf den Fluss. Der Mainbalkon wird durch eine steinerne Stützwand gefasst, die zugleich Sitzgelegenheiten und Treppen integriert. Eine großzügige, geschwungene Sitzbank mit roter Holzauflage lädt zum Verweilen ein. Zum Schutz der Besucher wird die Uferkante mit einem Geländer ausgestattet, dessen Gestaltung an eine Schiffsreling erinnert.
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Integriert in den Platz wird das Waschchiff. Dahinter führt eine Ufertreppe zum Wasser und zu einem Anlegepunkt für Wasserwanderer („Gelbe Welle“).
Der bestehende Anleger für Sportboote aus einer Stahlkonstruktion mit Gitterrostabdeckung (im Hintergrund zu sehen) erhält rechts von der Ufertreppe an der benachbarten Uferpromenade im Bereich der derzeitigen Sitzbank einen neuen Standort.
Nebelanlage sorgt für Abkühlung im Sommer
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Ein weiteres besonderes Gestaltungselement ist eine Nebelanlage mit 24 bodenbündigen Düsen. Sie erzeugt feinen Wassernebel und sorgt an heißen Tagen für Abkühlung auf dem Platz.
Ergänzt wird der Platz durch Natursteinblöcke aus regionalem Kalkstein, die als informelle Sitzmöglichkeiten dienen.
Vegetationsinseln mit robusten Pflanzen
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Die Platzfläche wird durch mehrere bepflanzte Inseln aufgelockert. Dort entsteht eine abwechslungsreiche Mischung aus Stauden und Frühblühern.
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Zum Erhalt einer großen Platane und zur Kostenreduzierung wird die Uferwand gekürzt ausgeführt - an der Westseite des Platzes entsteht nun eine großzügige Pflanzinsel mit vegetativer, mit einer Steinschüttung befestigte Uferböschung.
Die Pflanzen sind speziell für die besonderen Bedingungen am Main ausgewählt: Sie müssen sowohl sommerliche Trockenheit als auch hohe Grundwasserstände und gelegentliche Überflutungen vertragen. Auch die geplanten Baumarten sind robust, kalkverträglich und zeichnen sich häufig durch eine auffällige Herbstfärbung aus.
Die Auswahl der Baumarten wurde mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim abgestimmt.
Beleuchtung, Sitzmöglichkeiten und Fahrräder
Die Beleuchtung der Urbanen Lände erfolgt punktuell an den Zugängen zum Mainsteg sowie entlang der Mainlände vor den Mainfrankensälen. Die Platzmitte bleibt bewusst unbeleuchtet.
Sitzgelegenheiten entstehen an mehreren Stellen entlang der geschwungenen bodengleichen Steinbänder. Insgesamt vier Bankbereiche sowie ein großes Sitzobjekt am Mainbalkon sind vorgesehen. Alle Bänke erhalten auffällige rote Holzauflagen und teilweise Armlehnen für seniorengerechten Komfort.
Darüber hinaus werden bis zu 80 Fahrradstellplätze geschaffen. Ergänzt wird die Ausstattung durch einen Trinkbrunnen, eine Informationstafel, mehrere Stromversorgungspoller sowie Anschlüsse für Wasser und Abwasser.
Verkehrsberuhigte Gestaltung der Mainlände
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Die angrenzende Straße der Mainlände wird gemeinsam mit der Platzfläche neu gestaltet und verkehrsberuhigt.
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Eine klare räumliche Trennung zwischen Straße und Platz entfällt, wodurch ein zusammenhängender Aufenthaltsraum entsteht. Zum Schutz vor unerlaubtem Befahren wird am Ende der Rampe gleich nach der Einmündung der Parkstraße eine elektrische Schrankenanlage mit Anforderungssäulen beidseitig installiert. Poller sichern zusätzlich die Fußgängerbereiche.
Der neue Belag besteht aus Betonpflaster mit unterschiedlichen Grautönen und rötlichen Akzenten.
Entwässerung und Hochwasserschutz
Auch das Entwässerungskonzept berücksichtigt die Lage im Überschwemmungsgebiet. Auf Grund der Hochwassergefährdung der Urbanen Lände wird eine Mindestdicke von 14 cm für den Pflasterbelag vorgesehen zum Schutz vor Auftrieb und Ausspülung des Fugenmaterials. Die Platzfläche erhält ein leichtes Gefälle, sodass Regenwasser teilweise direkt in Richtung Main abfließen kann.
Ein Teil des Wassers wird außerdem in Vegetationsflächen geleitet, während die landseitigen Bereiche über Straßenabläufe an die vorhandene Kanalisation angeschlossen werden.
Barrierefreie Nutzung für alle
Besonderer Wert wurde auf Barrierefreiheit gelegt. Die Planung erfolgte in Abstimmung mit dem Berufsförderungswerk Würzburg sowie der Behindertenbeauftragten des Gemeinderats.
Die gesamte Anlage wird stufenlos nutzbar sein. Leitstreifen aus anthrazitfarbenen Rippenplatten erleichtern sehbehinderten Menschen die Orientierung. Treppen erhalten kontrastreiche Markierungen und Handläufe. Auch die Beläge werden mit rutschhemmenden Oberflächen ausgeführt.
Kosten deutlich reduziert
Die Kosten des Gesamtprojekts einschließlich der Umgestaltung am abgebrochenen alten Mainsteg konnten gegenüber der ursprünglichen Entwurfsplanung deutlich reduziert werden. Während zunächst rund 11,4 Millionen Euro veranschlagt waren, senkten Variantenbeschlüsse des Gemeinderats die Summe bereits 2023 auf 9,1 Millionen Euro.
Weitere Einsparungen wurden Anfang 2026 beschlossen, unter anderem durch den Wechsel von Naturstein zu Betonpflaster und eine verkürzte Bohrpfahlwand. Damit belaufen sich die Gesamtkosten nun auf rund 7,9 Millionen Euro.
Für den nun in der Sitzung vorgestellten Bauabschnitt „Urbane Lände“ ergeben sich Kosten von rund 4,6 Millionen Euro. Davon wird ein erheblicher Anteil durch die Städtebauförderung mit einem Fördersatz von 60 Prozent gedeckt.
Vom Gremium angesprochen:
- 🌳 Nebelanlage: kann durch Computer gesteuert werden.
- 🌳 Holzart der Sitzflächen: verwendet wird lackiertes Tropenholz FS10 zertifiziert
- 🌳 Winterdienst: Zuwegungen und Laufspuren können problemlos auf dem Platz geräumt werden
- 🌳 Pflanzungen: schon die Pflanzgruben werden von Gärtnern begleitet
- 🌳 Oberflächenentwässerung: in die Pflanzgruben und im Trennsystem über den Regenwasserkanal in den Main (nicht zur Kläranlage)
- 🌳 Fällung von fünf Platanen vor den Mainfrankensälen: laut Polifka sind diese zu dicht gepflanzt, zur Öffnung der Fläche des Marktes notwendig - es werden dreimal mehr Bäume in staatlicher Größe gepflanzt als vorhanden
Beschluss des Gemeinderats
Der Gemeinderat nahm die Ausführungsplanung für die "Urbane Lände" zur Kenntnis und stimmte ihr zu. Auf dieser Grundlage kann nun die Ausschreibung der Bauarbeiten vorbereitet und veröffentlicht werden. Laut Planerin Polyfka wird angestrebt noch im Juli 2026 mit dem Ausbau zu beginnen.
Gemeinderat entscheidet über Poller
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Neben der Ausführungsplanung für die Urbane Lände beschäftigte sich der Gemeinderat in der Sitzung auch mit einem Detail der Gestaltung: der Auswahl der Poller, die künftig die Fußgängerbereiche entlang der Neuen Lände sichern sollen.
Insgesamt sind im Zuge der Umgestaltung 32 Poller vorgesehen. Davon werden 12 Poller im ersten Bauabschnitt bei den Parkplätzen an den Mainfrankensälen installiert und 20 Poller im zweiten Bauabschnitt auf der Urbanen Lände am Höchheimer Steg.
Zur besseren Beurteilung wurden in der Sitzung Musterpoller präsentiert. Der Gemeinderat entschied nun, welches Modell künftig entlang der Neuen Lände eingesetzt wird und welcher Farbton die Gestaltung der neuen Aufenthaltsbereiche am Main prägen soll.
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Das Gremium entschied sich für das Modell Poller Prünte – Typ Strato 90
- ▪ Stahlrohr mit 89 Millimeter Durchmesser
- ▪ Höhe: 90 Zentimeter über Gelände
- ▪ flache Kappe
- ▪ feuerverzinkt und beschichtet
- ▪ reflektierender Folienstreifen (5 cm)
- ▪ integrierte Sollbruchstelle
Kosten: rund 280,94 Euro pro Stück
Gesamtkosten für 32 Poller: etwa 8.990 Euro brutto
Die genannten Preise beziehen sich auf das Material inklusive Mehrwertsteuer. Auch hier kann die Städtebauförderung mit einem Fördersatz von 60 Prozent in Anspruch genommen werden.
Eine Marktanalyse des Planungsbüros ergab, dass vergleichbare Poller anderer Hersteller in der Regel teurer sind.
Entscheidung auch über die Farbgestaltung
Neben dem Modell musste der Gemeinderat auch über die Farbgestaltung entscheiden. Gewählt wurde ein dunkleres Anthrazit, das sich an der Gestaltung des Altorts orientiert. Diese Entscheidung über den Farbton hat Auswirkungen auf die gesamte Gestaltung der Urbanen Lände. Denn auch weitere Ausstattungselemente sollen im gleichen Farbton ausgeführt werden:
- ▪ Beleuchtungsmasten
- ▪ freistehende Bänke
- ▪ Ufergeländer
- ▪ Treppenhandläufe
- ▪ Papierkörbe
- ▪ Versorgungspoller