Stab der 10. Panzerdivision verlegt nach Grafenwöhr - Vierwöchige Teilübung "Warfighter 26" mit 1300 Bundeswehrangehörigen
Wie Gefechtsstände digital vernetzt werden
Auf dem Übungsplatz setzen Oberfeldwebel Marc H. und Hauptfeldwebel Moritz D. von der 3. Kompanie des Fernmeldebataillons 10 die Satellitenkommunikationsanlage in Betrieb.
Der in Veitshöchheim beheimatete Stab der 10. Panzerdivision hat gestern auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr verlegt. Dort stehen die letzten beiden Teilübungen des Übungszyklus „Warfighter 26“ an. Nach drei Übungszyklen in drei Jahren mit jeweils drei Teilübungen schließt die Division damit ihre Teilnahme an der renommierten Übungsserie ab. Im Anschluss wird sie als „warfighting capable“ zertifiziert.
An der vierwöchigen Übung nehmen insgesamt rund 1300 Soldaten der Bundeswehr teil. Geführt wird das Szenario vom V. US-Korps aus Fort Knox. Unter dessen Leitung üben eine deutsche, eine polnische, eine litauische sowie zwei US-amerikanische Divisionen die Bündnisverteidigung an der NATO-Ostflanke.
Beteiligt sind die Gefechtsstände der Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“, der 13. Lichte Brigade, der Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ sowie der Panzerbrigade 45 „Litauen“.
Zum Auftakt der Berichterstattung hat die Pressestelle der Division einen Einblick in die Arbeit eines Systemadministrators des Fernmeldebataillons 10 gegeben.
Wie die Spinne im Netz
Hauptfeldwebel Florian M. ermöglicht mit seinen Kleinstnetzwerken den schnellen Stellungswechsel des vorgeschobenen Gefechtsstands der 10. Panzerdivision bei der Übung „Warfighter 26“.
Hauptfeldwebel Florian M. öffnet in der Technikhalle des Fernmeldebataillons 10 eine Kiste mit speziellen Smartphones, die über sein Kleinstnetzwerk miteinander verbunden werden können.
Wenn die 10. Panzerdivision die Verteidigung der NATO-Ostflanke übt, sorgen Fernmelder im Hintergrund für die digitale Vernetzung der Gefechtsstände. Einer von ihnen ist Hauptfeldwebel Florian M. vom Fernmeldebataillon 10 in Veitshöchheim.
Der 35-Jährige fand bei der Bundeswehr seinen Traumberuf. Nach der Ausbildung zum Systemadministrator betreut er heute moderne Kleinstnetzwerke (KNW). Diese werden üblicherweise zur Vernetzung von Bataillonsgefechtsständen eingesetzt. Bei der US-Übungsserie „Warfighter“, an der die Division im dritten Jahr teilnimmt, ermöglicht er damit das sogenannte „Springen“ des vorgeschobenen Gefechtsstands – also den schnellen Stellungswechsel bei drohender Gefahr.
„Wenn alle Teilnehmer angeschlossen sind, kann ich das System in fünf Minuten hochfahren, und die interne Kommunikation ist sichergestellt. Dann noch eine Satellitenanlage einstecken, und wir sind wieder am Netz“, erklärt er.
Grenzenlose Möglichkeiten eines Lego-Baukastens
Hauptfeldwebel Florian M. mit der Kraxe, auf der das 30 Kilogramm schwere Kleinstnetzwerk festgezurrt ist.
Zentrales Element ist ein rund 30 Kilogramm schwerer, schwarzer Kasten mit zahlreichen Anschlüssen, befestigt auf einer stabilen Kraxe. Hochmobil lässt sich das KNW zu Fuß durchs Gelände tragen oder auf einem Fahrzeug verstauen.
Fahrzeuge mit Führungstechnik oder einzelne Rechner werden per Kabel angeschlossen. Mit Satellitenkommunikationsanlage oder Digitalfunkgerät entsteht eine Verbindung zu anderen Gefechtsständen – auf jeder Ebene. Kurz gesagt: ein tragbares IT-Netzwerk, wie man es sonst nur aus Bürogebäuden kennt. Den gleichzeitigen Betrieb von 200 Rechnern hat Florian M. bereits getestet.
„Im Grunde ist das KNW wie ein Lego-Baukasten“, sagt er. „Es gibt eine Anleitung, aber was wir daraus machen, da sind unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt.“
Der Weg zum Fachinformatiker
Modernste Technik im Fernmeldebataillon 10: Hauptfeldwebel Florian M. gibt einen Einblick in das Materiallager der neuesten Generation von Satellitenkommunikationsanlagen.
Seit Oktober 2009 ist Florian M. Soldat. Der gebürtige Lohrer diente zunächst als Materialbewirtschaftungssoldat. 2016 schloss er über die Zivile Aus- und Weiterbildung (ZAW) der Bundeswehr seine Ausbildung zum „Fachinformatiker für Systemintegration“ ab.
Es folgten zahlreiche Lehrgänge – zum IT-Administrator, für den Betrieb von Satellitenkommunikationsanlagen und für lokal verlegefähige Netzwerke. Vier multinationale Übungen mit der 10. Panzerdivision hat er bereits begleitet. Seine Rolle beschreibt er selbst treffend: wie eine Spinne im Netz, die im Hintergrund alles am Laufen hält – idealerweise unbemerkt.
Sechs Stunden lang autark
In seinem Büro konfiguriert Hauptfeldwebel Florian M. das Kleinstnetzwerk über seinem Laptop. Im Hintergrund stehen die Transportkisten mit den Systemen für die Übung „Warfighter“ schon bereit.
Das System gilt als Meilenstein der Heeresdigitalisierung. Und was passiert, wenn mitten im Gefecht der Stecker gezogen wird?
Die taktische Antwort: Dann wird mit Bleistift und Lagekarte geführt.
Die technische Antwort: „Mit den Akku-Blöcken in der Kraxe sind wir bis zu sechs Stunden autark.“
Telefonie, Satellitenkommunikation, Internet, Digitalfunk, Kartenmaterial fürs Smartphone und digitale Gefechtsführungssysteme – vieles ist möglich, sogar kabellos und während der Fahrt, solange die Nutzer in seiner „WLAN-Glocke“ bleiben.
So kann der Gefechtsstand schneller „springen“
Nachdem der SatCom-Zug der 3. Kompanie unter Gefechtsbedingungen die Satellitenkommunikationsanlage aufgebaut hat, schließt Hauptfeldwebel Florian M. sein Kleinstnetzwerk per LAN-Kabel an. Über die Parabolantenne im Hintergrund ist der Gefechtsstand mit der Außenwelt verbunden.
Zwar handelt es sich bei „Warfighter“ um eine computergestützte Simulationsübung für Gefechtsstände auf Divisions- und Korpsebene, erklärt Übungsplaner Oberstleutnant Oliver S. Doch der Divisionskommandeur will den vorgeschobenen Gefechtsstand real verlegen und wieder aufbauen lassen.
Der Gefechtsstand soll möglichst schnell ab- und andernorts wieder aufgebaut werden – inklusive aller Netzwerkverbindungen. So werden nicht nur Abläufe simuliert, sondern auch praktisch trainiert.
„Den Abschluss der dreijährigen Übungsserie nutzt das Kommando Heer nun, um die 10. Panzerdivision als warfighting capable zu zertifizieren“, so Oberstleutnant Oliver S.
Division beweist Kriegstüchtigkeit
Cyberkrieger: Hauptfeldwebel Florian M. auf dem Übungsplatz vor dem Lkw des SatCom-Zugs. Die Satellitenkommunikationsanlage wird als Anhänger mitgeführt und kann in wenigen Minuten aufgebaut werden.
Mehr als 1000 Soldatinnen und Soldaten sind an der Übung beteiligt, der Großteil aus dem Verantwortungsbereich der 10. Panzerdivision. Neben zwei US-Divisionen üben auch eine polnische und eine neu aufgestellte litauische Division unter Führung des V. US-Korps.
Das Szenario: Russland greift Polen und das Baltikum an. NATO-Kräfte verteidigen, das Korps führt den Gegenangriff zur Wiederherstellung der territorialen Integrität.
Für den Kommandeur der 10. Panzerdivision, Generalmajor Jörg See, steht das Ziel nach drei intensiven Übungsjahren fest: „Wir beweisen damit unsere Einsatzbereitschaft und Kriegstauglichkeit.“
Text und Fotos: Bundeswehr / Oberstleutnant Karsten Dyba