Umgestaltung der Neuen Lände: Warum der Gemeinderat mehrheitlich die von den Grünen beantragte Verlegung des Radweges und den Erhalt der sechs Platanen am Mainbalkon ablehnte
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In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats am 13.1.2026 stand der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Umgestaltung der Neuen Lände zur Beratung. Der Antrag vom 29. Dezember 2025 betraf zwei voneinander unabhängige Themen: zum einen die Führung des Geh- und Radwegs zwischen Stegrampe und Tiergartenstraße, zum anderen der Erhalt von sechs Platanen am Dreschplatz im Bereich des geplanten Mainbalkons (siehe nachstehender Link auf Bericht vom 1.1.2026).
Hierzu entschied der Gemeinderat in zwei getrennten Beschlüssen mit großer Mehrheit die bisherige Planung beizubehalten.
Bürgermeister Jürgen Götz stellte klar, dass der erste Bauabschnitt „Parkplätze Mainfrankensäle“ bereits zur Hälfte umgesetzt ist. Der Auftrag wurde rund 30 Prozent unter der ursprünglichen Kostenberechnung vergeben. Bestandteil der Vergabe war auch die zweite Bauphase von März bis August 2026 mit Einrichtung einer Haltestelle für zwei Reisebusse auf der Pont-l’Évêque-Allee gegenüber dem neuen Parkplatz.
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Hier ist weiter vorgesehen, den bislang an der Tiergartenstraße endenden Geh-/Radweg (im Bild) bis zum Auslauf der Rampe des Höchheimer Stegs zu verlängern, mit einer Führung zwischen der Platanenallee und dem Heckensaum des Mainufers.
Die Grünen-Fraktionssprecherin Christina Feiler sprach sich gegen diese Verlegung des Radwegs zum Main hin aus. Ziel des Antrags sei es, weitere Eingriffe in Ufergehölze zu vermeiden und den Radweg stattdessen auf den bestehenden Straßenraum zurückzuführen. Dadurch, so Feiler, könnten Wurzeln, Unterfüllungen und Vegetation geschont werden.
Der Bürgermeister widersprach dieser Einschätzung. Eine Führung auf der Straßenseite würde erneut in die Wurzelbereiche der Platanenallee eingreifen und zudem erhebliche Sicherheitsprobleme verursachen, da Radfahrer dann unmittelbar an wartenden Busfahrgästen vorbeigeführt würden. Eine Verlegung der Bushaltestellen sei aufgrund des Baufortschritts nicht mehr möglich.
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Der neue Weg verläuft daher auf der bislang nicht versiegelten Fläche zwischen Platanenallee und Mainufer und liegt – auf Grundlage eines baumfachlichen Gutachtens – außerhalb der Kronentraufen der Platanen. Zum Main hin sind dafür geringfügige Eingriffe in die bestehende Heckenstruktur erforderlich:
- 🌲 Rodung auf ca. 35 Metern Länge bei 3,5 Metern Breite
- 🌲sowie auf ca. 20 Metern Länge in einem weiteren Abschnitt
Diese Eingriffe (siehe Roteintrag) wurden laut Götz vor Ort mit einem Baumsachverständigen geprüft und sowohl von der Unteren Naturschutzbehörde als auch von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung genehmigt. Die Maßnahme wird durch eine ökologische Baubegleitung überwacht.
Bei der Abstimmung waren deshalb nur vier Grünen-Ratsmitglieder für eine Verlegung der Trasse auf die Straße.
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Der zweite Streitpunkt betrifft den Dreschplatz am Mainufer. Stein des Anstoßes für die Grünen-Fraktion des Gemeinderates ist die geplante Fällung von sechs Platanen am Mainufer, ohne die sich jedoch der Mainbalkon des Wettbewerbssiegers relais Landschaftsarchitekten aus Berlin nicht realisieren lässt.
Die Grünen fordern gleichwohl eine Umplanung mit dem Ziel, die hier stehenden sechs großen Platanen zu erhalten.
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Das Preisgericht, besetzt mit Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und Gemeinderäten unter dem Vorsitz von Prof. Gerd Aufmkolk (Nürnberg), hatte den Entwurf des Berliner Büros relais Landschaftsarchitekten zum Sieger mit einem Preisgeld von 24.000 Euro gekürt. Prof. Aufmkolk sprach von einem „Befreiungsschlag“, da der Entwurf die Blicke zum Fluss, mainabwärts und auf das neue Brückenbauwerk freigebe.
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Ein Kernelement des Siegerentwurfs ist der Mainbalkon am nördlichen Abschluss der Urbanen Lände. Er ist, wie auf der Visualisierung von relais zu sehen, als exponierter, atmosphärischer Aufenthaltsort am Wasser konzipiert und wird durch ein breites Steinband aus Beton-Werkstein eingefasst.
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Dieses übernimmt zugleich die Funktion einer Stützwand für das abgesenkte Platzniveau, integriert Treppenanlagen zum Höchheimer Steg, großzügige Sitzmöglichkeiten, eine Ufertreppe sowie einen Anleger für Wasserwanderer und mit einem attraktiven Wasserspiel dahinter. Der Mainbalkon ist barrierefrei zugänglich und bewusst ohne die Bestandsplatanen geplant, um die gewünschte Offenheit, Sichtachsen und Aufenthaltsqualität zu erreichen. Der Siegerentwurf schlug als einziger der drei bewerteten Arbeiten der Fachbüros diese Öffnung zum Wasser hin vor.
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Die beiden anderen Entwürfe (hier abgebildet) sahen hier eine Baumkulisse vor.
Dennoch entschied sich das Preisgericht – einstimmig – für den Entwurf von relais, gerade wegen der klaren Öffnung zum Wasser und der starken städtebaulichen Wirkung des freien Platzes.
Der Bürgermeister betonte, dass die Grünen mit der Planung von Anfang an vertraut waren. Mit Gemeinderat Günther Thein war ein Vertreter der Grünen Teil des Preisgerichts. Die Planung des Mainbalkons und der Wegfall der Bäume an dieser Stelle waren somit, so Götz, seit 2018 bekannt und transparent.
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Seither habe der Gemeinderat in mehreren Schritten – 2020, 2022, 2023 und 2025 – die Vorentwurfs-, Entwurfs- und Ausführungsplanung beraten und jeweils einstimmig verabschiedet. Dabei seien auch erhebliche Kosteneinsparungen in Höhe von insgesamt rund 3,4 Millionen Euro beschlossen worden.
Vor diesem Hintergrund wies der Bürgermeister den Vorwurf zurück, die Fraktion sei von den geplanten Baumfällungen überrascht worden. Eine grundsätzliche Infragestellung des Siegerentwurfs sei zu keinem früheren Zeitpunkt erfolgt.
Dreschplatz
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- 🌲Bestand: Befestigte Flächen 6.170 m² + Grünflächen inkl. Ufervegetation 900 m²
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🌲nach Umbau: Befestigte Flächen 4.990 m² + Grünflächen 2.020 m²
🌲Baumfällungen: 11
🌲Neupflanzungen: 30
🌲Erhalt bestehender Bäume: 11
Die Grünflächen werden sich damit mehr als verdoppeln, die Zahl der Bäume insgesamt deutlich erhöhen.
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Die Grünen machten in der Sitzung geltend, dass der seit dem 22. April 1986 geltende Bebauungsplan „Tiergärten“ den Erhalt der Bäume auf dem Dreschplatz festschreibe.
Dem hielt die Verwaltung entgegen, dass für die Umgestaltung der Neuen Lände ein wasserrechtlicher Genehmigungsbescheid des Landratsamts Würzburg vom 14. Januar 2025 vorliegt. Dieser umfasst ausdrücklich die Umgestaltung der Mainlände einschließlich Parkplätzen, Sitzmauern, Wasserspiel, Mainterrasse, Ufertreppen, Geländern, Anlegern, Verlängerung des Radwegs, Pflanzungen sowie der Abtragung des Mainufers im 60-Meter-Bereich und im Überschwemmungsgebiet des Mains.
Als Träger öffentlicher Belange waren dabei sowohl die Untere Naturschutzbehörde als auch das Bauamt des Landratsamts Würzburg beteiligt. Zusätzliche Auflagen oder Einschränkungen zum Bebauungsplan ergeben sich aus dem Genehmigungsbescheid nicht.
Darüber hinaus wies der Bürgermeister darauf hin, dass nach § 31 Abs. 2 Baugesetzbuch (BauGB) grundsätzlich Befreiungen von Festsetzungen eines Bebauungsplans möglich sind, wenn – wie hier – Gründe des Allgemeinwohls vorliegen. Dazu zählen insbesondere die städtebauliche Aufwertung des Mainufers, die Schaffung eines attraktiven öffentlichen Aufenthaltsraums, die Verbesserung der Barrierefreiheit sowie die langfristige ökologische Aufwertung durch mehr Grünflächen und Neupflanzungen an anderer Stelle.
Eine Umplanung mit dem Ziel, die sechs Platanen am Mainbalkon zu erhalten, würde nach Auffassung des Bürgermeisters den Kern des Siegerentwurfs infrage stellen und das gesamte Gestaltungskonzept verändern. Zudem wären erhebliche Mehrkosten, zeitliche Verzögerungen und Risiken für bewilligte Fördermittel zu erwarten. Da Planung und Genehmigungen vorliegen und der zweite Bauabschnitt kurz vor Abschluss der Ausführungsplanung steht, folgte der Gemeinderat mehrheitlich dieser Argumentation. Für den Antrag auf Baumerhalt stimmten nur die fünf Grünen-Ratsmitglieder.
Die Umgestaltung der Neuen Lände wird daher auf Grundlage der bestehenden, genehmigten Planung fortgeführt.
In den Kommentaren wir angeprangert, dass die letzten sechs Platanen am Main beseitigt werden, die dem Platz im Sommer den nötigen Schatten spenden. Wie die nachstehenden Fotos zeigen, war von einem Schattenspenden der Platanen am Nachmittag des Einweihungsfestes am 3. Mai nichts zu sehen.
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Früh am Morgen spenden dagegen die an der Straße stehenden Bäume noch Schatten, wie auf diesem Foto zu sehen. Der im übrigen kahle Platz wird durch sieben Vegetationsinseln aufgegrünt. So werden die beiden unschönen Betonkästen für die Abspannseile des Pylon in einer Vegetationsinsel mit sieben Bäumen (zwei Eschen, vier Ulmen und eine Traubenkirsche) abgeschirmt. Die Auswahl aller Bäume erfolgte in Absprache der Planer mit der LWG Veitshöchheim.
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