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Wie die Zeitenwende die Balthasar-Neumann-Kaserne verändert: 60 Jahre Bundeswehr-Standort Veitshöchheim – Zeitreise durch Vergangenheit und Gegenwart

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Einen Blick hinter den Kasernenzaun warfen rund 25 Teilnehmer bei einer Führung durch die Balthasar-Neumann-Kaserne anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens. Die 10. Panzerdivision bot ihnen eine eindrucksvolle Zeitreise durch die Geschichte der Bundeswehr – von den Anfängen im Kalten Krieg bis in die Gegenwart der sogenannten Zeitenwende.


 

Vom Barockbaumeister zum Festungsbauer

Gleich hinter dem Kasernentor, an der großen Sandsteinbüste Balthasar Neumanns, begann die Tour. „Er war nicht nur Baumeister, sondern auch Festungsbaumeister in der fürstbischöflichen Artillerie“, erläuterte Oberstleutnant a.D. Charlie Dörfel vom Traditionsverband der 12. Panzerdivision. Das Artilleriegeschütz, das in den Sandsteinblock eingelassen ist, erinnert daran.

Dörfel, Militärhistoriker, schlug den Bogen vom 18. Jahrhundert bis zur Bundeswehr der 1980er Jahre, als auf den Rasenflächen vor dem Stabsgebäude Panzer und Gefechtsfahrzeuge standen. Anhand der dort ausgestellten Modelle erklärte er anschaulich, wie damals das „Gefecht der verbundenen Waffen“ funktionierte – ein Begriff, der vielen Gästen im Gedächtnis blieb.


Traditionsräume erzählen Geschichte

Wie sich die Bundeswehr in sechs Jahrzehnten verändert hat, zeigte später ein Besuch der Traditionsräume. Dort erläuterte Oberstleutnant a.D. Dörfel den Auftrag der früheren 12. Panzerdivision im Rahmen des NATO-General-Defense-Plans.


Oberstleutnant Karsten Dyba, Presseoffizier der 10. Panzerdivision, führte in einer Originaluniform der 1960er Jahre durch die Ausstellung. „Damals hieß die wegen ihres kratzigen Wollstoffs bei den Soldaten ‚Filzlaus‘“, berichtete er schmunzelnd und zeigte die Entwicklung von Uniformen, Ausrüstung und Gerät über die Jahrzehnte.

Auf dem Foto links berichtet Dyba vom Einzug der ersten Soldaten in die neue Kaserne vor 60 Jahren.

 


Vom Kalten Krieg zur Zeitenwende

Die Balthasar-Neumann-Kaserne wurde 1965 für Verbände gebaut, die während des Kalten Kriegs in Veitshöchheim stationiert waren. Schon damals war klar, dass hier die 12. Panzerdivision mit einem Fernmelde- und einem Sanitätsbataillon einziehen sollte. Heute sind viele Gebäude anders genutzt. Hauptmann Torben Fedder, Infrastrukturoffizier der Kasernenkommandantur, zeigte den Gästen, wie sich der Standort seitdem gewandelt hat – und wie stark die „Zeitenwende“ nun auch die Kaserne verändert. „Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben“, sagte er mit Blick auf das alte Wirtschaftsgebäude aus den 60er Jahren, in dem einst die Truppenküche untergebracht war. Dort soll ein neues Stabsgebäude für die 10. Panzerdivision entstehen.


Neubauten als Zeichen des Wandels

Dass die Modernisierung bereits begonnen hat, zeigen Neubauten der vergangenen Jahre: das Unterkunftsgebäude der Bundeswehr-Fachschule, das neue Probengebäude für das Heeresmusikkorps, eine moderne Sporthalle und ein Sanitätszentrum. In den neuen Unterkünften verfügen die Lehrgangsteilnehmer über Einzelstuben mit Fernseher, WLAN und Nasszelle – „hotelähnliche Zustände“, wie ein Besucher staunte. „Wir machen einen großen Sprung in die Moderne“, betonte Hauptmann Fedder.


Der „Gepard“ als Symbol technischer Entwicklung

Gegenüber der neuen Unterkunft steht ein restaurierter Flugabwehrkanonenpanzer „Gepard“. Stabsfeldwebel Andreas Klug erklärte dessen Technik und Bedeutung – auch mit Blick auf den aktuellen Einsatz dieses Modells in der Ukraine. Klug selbst hatte im Heeresflugabwehrregiment 12 in Hardheim gedient und konnte aus erster Hand berichten.

Begeisterte Gäste und persönliche Erinnerungen

Die Besucher waren begeistert. „Ich habe mit großem Vergnügen an der sehr kompetent und kurzweilig geleiteten Kasernenführung teilgenommen“, sagte Dr. Edgar Labus aus Veitshöchheim. Und Kathrin Sonnenberger ergänzte: „Da hätte ich glatt noch länger zuhören können!“

Auch der Veitshöchheimer Wolfgang Kraus, der von 1972 bis 1982 in der Kaserne diente, war tief beeindruckt: „Das war ein sehr interessanter Rundgang. Statt zwei Stunden waren es drei“, sagte er. „Was sich da alles getan hat – an den Unterkünften, an den Gebäuden überhaupt! Und die Referenten haben das wirklich super gebracht.“ Besonders die Traditionsräume erinnerten ihn an viele Kameraden und Kommandeure. „Für mich war das ein Highlight, das alles wiederzusehen.“


Kameradschaft als bleibender Wert

Kraus, einst Oberfeldwebel im MilGeo-Fachdienst, blickt mit Wehmut und Stolz zurück: „Wir haben damals das gesamte Kartenmaterial für den Divisionsstab erstellt. Das war eine schöne Zeit.“ Sein Fazit nach dem Rundgang: „Viel hat sich verändert – aber der Geist der Kameradschaft bleibt. Beim Militär muss man sich aufeinander verlassen können. Das geht nur, wenn man zusammenhält.“


 

Zwischen Tradition und Zukunft

Nach drei Stunden endete die Zeitreise mit einem Erinnerungsfoto vor dem Leopard 2 – Symbol der Verbindung von Tradition und Zukunft. Die Balthasar-Neumann-Kaserne zeigt dabei beispielhaft, wie die Bundeswehr im Zeichen der Zeitenwende in eine neue Ära aufbricht.

Textquelle: PM  Pressestelle 10. PzDiv - Fotos: Bundeswehr / Tilman Englert und Andreas Klug

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