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"Mama, ich muss mal!“ – Gemeinde schafft Abhilfe am Vorzeige-Spielplatz Sandäcker

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

 Der Spielplatz Sandäcker ist ein echter Publikumsmagnet: Seit seiner Eröffnung im Juli 2022 lockt die individuell geplante Burg-Spielwelt aus langlebigem Robinienholz Familien aus der ganzen Region an. Ritterburg mit Hängebrücke und Röhrenrutsche, Kletter- und Balancierstrecken, Seilbahn, Bodentrampolin und separate Bereiche für Kleinkinder – kaum eine Anlage bietet so viel Abenteuer auf einmal.

Doch so groß die Begeisterung über die Attraktivität des Spielplatzes auch ist – ein Problem überschattete den Spaß bislang: Es gab dort keine Toilette. Eltern wussten sich oft nicht anders zu helfen, als ihre Kinder in die Büsche zu schicken. „Das war für die Kinder peinlich und für uns Eltern einfach unangenehm“, schildert eine Mutter. Zudem klagten Anwohner nicht nur über Lärm, sondern auch über zunehmende Geruchsbelästigungen durch Wildpinkeln und durch in den Hecken verrichtete Notdurft.

Alte Diskussion, neue Lösung

Schon 2023 hatte die SPD-Fraktion im Gemeinderat beantragt, eine WC-Anlage am Sandäcker-Spielplatz zu errichten. Die Hoch- und Tiefbauabteilungen prüften verschiedene Varianten, doch die Entscheidung wurde zunächst vertagt – und in den Haushaltsberatungen 2024 und 2025 schließlich gar nicht mehr aufgegriffen. Angesichts knapper Kassen zog die SPD ihren Antrag zurück.

Damit schien das Thema vom Tisch – bis sich im Frühjahr 2025 erneut Bürger beschwerten. Vor allem die hygienischen Zustände sowie Müll und Feuchttücher in den Hecken machten Handlungsbedarf deutlich. Zwar kontrolliert auch die Sicherheitswacht den Spielplatz regelmäßig, doch eine dauerhafte Lösung konnte nur eine Toilette bringen.

Die „Oilette“ kommt
Nun hat sich die Verwaltung für eine Alternative entschieden: Am Spielplatz wird in Kürze eine sogenannte Oilette installiert. Diese eigens für Kinder bis etwa sechs Jahre entwickelte Toilette funktioniert ohne Wasseranschluss und Chemikalien.

Vor der Benutzung wird ein Beutel aus einem Spender entnommen und über die Sitzfläche gezogen und nach dem Geschäft im Mülleimer entsorgt.

Das System ist einfach, hygienisch und umweltfreundlich.

Der Sitz der Oilette besteht aus Edelstahl, ist robust, antibakteriell und nahezu Vandalismus sicher.

Mit rund 3.000 Euro Kosten ist sie zudem deutlich günstiger als klassische WC-Anlagen, die schnell in den sechsstelligen Bereich gehen.

Debatte im Gemeinderat
Bei der Diskussion im Rat wies Bürgermeister Jürgen Götz darauf hin, dass die Oilette ausdrücklich nur für Kleinkinder gedacht sei. Erwachsene verwies er auf die Toilette im 700 Meter entfernten Waldfriedhof. Bezüglich der Entsorgung der Beutel im Abfalleimer zog er den Vergleich mit Hundekotbeuteln: Auch hier sei ein geordnetes Verfahren längst etabliert. Die ständige Entleerung obliege auch hier dem Bauhof.

Der vom Bauamtsleiter Klaus Kaiser entworfene Sichtschutz aus Holz wird durch den gemeindlichen Bauhof umgesetzt. SPD-Sprecherin Ute Schnapp schlug vor, zusätzlich ein Sonnenschutzdach anzubringen. CSU-Sprecher Marc Zenner zeigte sich zunächst skeptisch hinsichtlich der Funktionalität, meinte dann aber, es sei einen Versuch wert: „Wenn Kinder Unfug machen, ist es Sache der Eltern einzuschreiten.“ Auch Fraktionskollege Simon Kneitz appellierte an die Eigenverantwortung der Eltern.

Grünen-Sprecherin Christina Feiler äußerte sich zwiespältig. Zwar befürchte sie hygienische Probleme und Vandalismus, die Oilette sei für sie keine „eierlegende Wollmilchsau“. Angesichts der geringen Kosten und der Nachhaltigkeit sei es aber richtig, den Versuch zu wagen. Das Problem des "Wildpinkeln" ist damit aber nicht gelöst.

Die Anschaffung der Oilette wurde schließlich mit großer Mehrheit bei einer Gegenstimme beschlossen.

Fotos und Screenshots Dieter Gürz

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T
Was würde denn eigentlich gegen ein kleines Bistro sprechen, ähnlich dem Café Vue in Würzburg? Dann müsste sich der Betreiber darum kümmern, hätte aber Profit von Kunden, die dort einen Kaffee zu sich nehmen. Schön angelegt wäre das ein Mehrwert für alle Bürger. In Containerbauweise auch rückbaubar. Für die Abendstunden könnte man ja rechtzeitig schließen lassen um ggf. niemanden der Anwohner zu stören. Der Laden würde gehen, so viel ist sicher!
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A
Als Bürger dieser Gemeinde und Familienvater stellt sich mir wirklich die Frage der Prioritäten der Gemeinde. Auf der einen Seite eine wetterfeste Toilette für Kinder und Eltern und auf der anderen Seite beispielsweise die Neugestaltung der Mainpromenade. Wäre es hier nicht wesentlich sinnvoller angelegt als eine bestehende Infrastruktur zu erneuern?
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O
Sehe ich komplett anders. Es gibt auch kein Toilettenproblem. Eine dauerhafte Kontrolle und Sanktion von Wildpinklern bzw. dann deren Eltern würde sinnvoll Abhilfe schaffen. Die Oilette ist Luxus dens eigentlich nicht braucht.
H
"Erwachsene verwies er auf die Toilette im 700 Meter entfernten Waldfriedhof". Eilig darf es da aber nicht haben und was macht man mit den Kids derzeit, mitnehmen? Auch die 3.000 teure Oilette darf als verspäteten Aprilscherz angesehen werden. <br /> Vielleicht sollte man im Rathaus mal die Toilettenanlange durch so etwas ersetzen, kommt doch bestimmt günstiger in der Unterhaltung wenn jeder seinen Beutel wieder mitnimmt. Einfach nur beschämend was da beschlossen wurde, für die kleinsten ist nichts mehr übrig, ein Wunder das es überhaupt für ein Spielplatz gereicht hat.
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B
Danke für diesen Aprilscherz, der wohl keiner ist!<br /> <br /> Mein Respekt gilt allen Mitarbeitern des Bauhofs, die diese festen und flüssigen Rückstände in Tüten entsorgen müssen.<br /> <br /> " Bei der Diskussion im Rat wies Bürgermeister Jürgen Götz darauf hin, dass die Oilette ausdrücklich nur für Kleinkinder gedacht sei. Erwachsene verwies er auf die Toilette im 700 Meter entfernten Waldfriedhof. " <br /> <br /> Der Fußmarsch zum Waldfriedhof beträgt insgesamt 22 Minuten (Hin- und Rückweg)!<br /> Bleiben die Kinder in dieser Zeit unbeaufsichtigt?<br /> <br /> Auch die Universal-Ausrede der zu hohen Kosten für eine ordentlichen Toilettenanlage empfinde ich als lächerlich für eine Gemeinde wie Veitshöchheim!<br /> <br /> Ein Vorzeigeobjekt hätte man in Zusammenarbeit mit der LWG in Veitshöchheim schaffen können!<br /> Über das, was daraus geworden ist, kann sich jeder seine persönliche Meinung bilden!
Antworten
M
Ich habe mir das alles gedacht, was man da oben geschrieben hat; aber wollte net wieder unbedingt in ein "Näpfchen" treten. LOL<br /> <br /> Besonders 700 m und das vielleicht wenn es mal pressiert .... und es hätte ja net unbedingt so eine Luxus-Toilette wie unten am Main sein müssen.....