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Jugendbegegnung in der Toskana: Ein weiteres Kapitel für die Partnerschaft zwischen Veitshöchheim und Greve

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Fünf Tage voller Begegnungen, Geschichte, Gedenken und gelebter europäischer Freundschaft: Die Jugendbegegnung in der Toskana hat die Partnerschaft zwischen Veitshöchheim und Greve in Chianti mit Leben gefüllt – und ein starkes Zeichen für die Zukunft gesetzt.


Auftakt einer lebendigen Partnerschaft

Am Donnerstag, 23. April 2026, machte sich eine 29-köpfige Jugendgruppe im Alter zwischen 16 und 24 Jahren gemeinsam mit Gemeindevertretern aus Veitshöchheim auf den Weg in die Toskana. Mit dabei waren unter anderem Bürgermeister Jürgen Götz, Gemeinderat Marc Zenner, Kulturreferentin Helena Seck, Partnerschaftsbeauftragte Sieglinde Winter-Denk sowie die Jugendpfleger Rebecca Hofmann und Pascal Mader.

Nach rund 14 Stunden Busfahrt wurde die Delegation in Greve herzlich  von Bürgermeister Paolo Sottani empfangen. „Schon der erste Abend hat gezeigt, wie viel Offenheit und Herzlichkeit in dieser Partnerschaft steckt“, so Bürgermeister Götz. Bei Antipasti und Pasta entstanden erste Gespräche – und schnell auch erste Freundschaften.


Begegnung auf Augenhöhe

Der Freitag begann mit einem offiziellen Empfang im Rathaus von Greve, bevor es weiter nach Siena ging.

In Siena übernahmen italienische Jugendliche selbst die Stadtführung – auf Deutsch.

„Dass die italienischen Jugendlichen uns ihre Stadt in unserer Sprache nähergebracht haben, war ein starkes Zeichen der Wertschätzung“, betont Jugendpfleger Pascal Mader. „Genau solche Momente machen internationalen Austausch so besonders.“

In gemischten Gruppen erkundeten die Jugendlichen anschließend die Stadt. Gespräche über Alltag, Kultur und persönliche Perspektiven prägten den Tag ebenso wie gemeinsames Lachen und Entdecken.

Zurück in Greve endete der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen in einer typischen Pizzeria. Die Gespräche beim Essen drehten sich schnell um verrückte Pizzakreationen und die europäische Idee. Aus der offenen Atmosphäre entwickelte sich ein buntes Abendprogramm, das mit einem gemeinsamen Besuch im Casa del Popolo endete.


Gedenken und Verantwortung

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem gemeinsamen Erinnern: Am italienischen „Tag der Befreiung“ nahm die Gruppe am Samstag an einem Gedenkmarsch teil, begleitet von Zeitzeugen der Partisanenvereinigung ANPI.  Der Feiertag gedenkt der Aufstände und der Widerstandskämpfe, die 1944 die Befreiung von der Besatzung ermöglichten. Es werden die Anstrengungen der Widerstands-bewegung und der Sieg über den Faschismus und Nationalsozialismus gewürdigt.

„Gerade für junge Menschen ist es wichtig, Geschichte nicht nur zu lernen, sondern zu erleben“, sagte Bürgermeister Götz. „Erinnerungskultur ist die Grundlage für Frieden und Verständigung in Europa.“

Bei einer Kranzniederlegung am Gefangenendenkmal und anschließenden Reden wurde deutlich, wie sehr das gemeinsame Gedenken verbindet – über Generationen und Länder hinweg.


Geschichte zum Anfassen

Im Kontrast dazu stand der Ausflug am Nachmittag ins nahe gelegene Panzano, wo ein Mittelalterfest die Vergangenheit lebendig werden ließ. Historische Darstellungen, Marktstände und traditionelle Gewänder boten nicht nur Unterhaltung, sondern auch Anlass zur Reflexion über gesellschaftliche Entwicklungen in Europa.

Der Höhepunkt des Nachmittags war die historische Darstellung der Verurteilung und Hinrichtung von Carlo de´ Gherardini. Im Zuge einer Familienfehde zwischen den Gherardini von Montagliari und Firidolfi von Panzano ermordete dieser ein Mitglied der Firidolfi-Familie und wurde daraufhin gehängt. Ergänzt wurde das Spektakel durch Narren, Jongleure und Flaggenwerfer. Das Fest eröffnete damit nicht nur einen Einblick in die Historie des Ortes, sondern auch Diskussionsräume über die Härten und Gegensätze der mittelalterlichen Gesellschaft in Europa.

„Die Jugendlichen haben hier nicht nur zugeschaut, sondern diskutiert und hinterfragt“, so Pascal Mader. „Das zeigt, wie intensiv sie sich mit Geschichte auseinandersetzen.“


Der „Pfad der Erinnerung“

Ein emotionaler Höhepunkt war am Sonntagmorgen die zehn Kilometer lange Wanderung entlang des „Sentiero della Memoria“. Der „Pfad der Erinnerung“ führt den Wanderer entlang mehrerer Gedenkorte. An diesen Stellen verübte die Wehrmacht 1944 Verbrechen an der Zivilbevölkerung

Mit persönlichen Worten bat Bürgermeister Götz um Entschuldigung für die Taten der Wehrmacht. Eine Geste, die von seinem italienischen Amtskollegen mit einer Umarmung beantwortet wurde.

„Das war ein bewegender Moment für uns alle“, sagte Mader. „Er hat gezeigt, dass Versöhnung möglich ist – und dass wir gemeinsam Verantwortung für die Zukunft tragen.“

 


Austausch mit Blick nach vorn

Nach dem Blick in die Vergangenheit fassten die Teilnehmenden am frühen Abend die Zukunft in den Blick: Moderiert von der italienischen Planungsgruppe diskutierten die Jugendlichen beider Nationen in einem Workshop über ihr Verständnis und die Bedeutung von Erinnerungskultur und Umweltschutz. Der daraus resultierende Austausch rundete das Programm des Tages inhaltlich ab und lenkte den Blick geschickt darauf, wie jeder Einzelne selbst Einfluss nehmen und die Welt zum Guten verändern kann.

„Die jungen Menschen haben beeindruckend reflektiert, wie sie selbst Verantwortung übernehmen können“, so Mader. „Genau hier entsteht europäische Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“


Gemeinschaft, die bleibt

Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Abend mit Musik, regionalen Spezialitäten und vielen Gesprächen. Kontakte wurden geknüpft – und Pläne für ein Wiedersehen geschmiedet.

„Diese Reise hat gezeigt, dass Städtepartnerschaften mehr sind als offizielle Programme“, resümiert Bürgermeister Götz. „Sie leben von Begegnungen, von Emotionen und von echten Verbindungen zwischen Menschen.“


Ausblick: Wiedersehen im Oktober

Im Oktober 2026 wird die Jugendgruppe aus Greve nach Veitshöchheim kommen. Dort erwartet sie ein gemeinsames Projekt, das bereits jetzt mit großer Vorfreude geplant wird.

Dass die Partnerschaft trägt, zeigte sich spätestens beim Abschied: emotional, herzlich – und mit dem festen Versprechen, in Kontakt zu bleiben.


Auszeichnung und Förderung

Das Projekt wurde mit dem „Preis der Präsidenten für deutsch-italienische kommunale Zusammenarbeit“ ausgezeichnet, verliehen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella. Die damit verbundene Förderung durch das Auswärtige Amt ermöglicht die nachhaltige Fortführung des Jugendaustauschs.


Die Jugendbegegnung in der Toskana hat eindrucksvoll bewiesen: Europa wächst dort zusammen, wo Menschen sich begegnen.

Quelle: Fotos und Reisebericht von Pascal Mader

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