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65 Jahre nach der Einschulung: Wiedersehen an der Veitshöchheimer Vitusschule

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

33 ehemalige Schüler des Einschulungsjahrgangs 1961 trafen sich am Freitag, 16. Oktober 2026, an ihrer alten Schule wieder. 65 Jahre nach ihrem ersten Schultag gab es viel zu erzählen – über strenge Lehrerinnen, lange Schulwege und eine Kindheit in Veitshöchheim.

Am 13. September 1961 begann für rund 68 Kinder der Geburtsjahrgänge 1954 und 1955 in der Veitshöchheimer Vitusschule der Ernst des Lebens. Genau 65 Jahre später kehrten 33 von ihnen an den Ort ihrer Kindheit zurück. Manche hatten sich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen.

Nach einem Sektempfang im Schulhof versammelten sich die ehemaligen Klassenkameraden auf der Eingangstreppe der Vitusschule zu einem gemeinsamen Erinnerungsfoto. Anschließend führte ein Rundgang durch das historische Schulgebäude zurück in die eigene Schulzeit. Beim gemütlichen Abendessen im Ratskeller wurden schließlich alte Geschichten und Anekdoten lebendig.

Zwei erste Klassen mit rund 68 Kindern

Bei ihrer Einschulung wurden die rund 68 Abc-Schützen auf zwei Klassen mit jeweils etwa  34 Kindern verteilt. Eine eigenständige Grundschule gab es damals noch nicht. Die Kinder besuchten die Volksschule, in der mehrere Jahrgangsstufen unter einem Dach unterrichtet wurden.

Die Klasse 1a übernahm Anni Fella,

die Klasse 1b Gertrud Mager. Da beide Lehrerinnen unverheiratet waren, wurden sie seinerzeit mit „Fräulein Fella“ und „Fräulein Mager“ angesprochen.

Wie sich ehemalige Schüler erinnerten, fiel Gertrud Mager bereits im ersten Schuljahr wegen einer längeren Erkrankung für mehrere Monate aus. Wechselnde Vertretungen brachten Unruhe in den Unterricht. Zeitweise wurden offenbar sogar beide Klassen gemeinsam unterrichtet. Erst im zweiten Schuljahr kehrten wieder geordnete Verhältnisse ein, allerdings waren die Kinder inzwischen teilweise neu auf die beiden Klassen verteilt worden.

Die Vitusschule platzte aus allen Nähten

Die 1911 eingeweihte Vitusschule war den steigenden Schülerzahlen längst nicht mehr gewachsen. Bereits seit 1950 hatte es zeitweise Schichtunterricht gegeben. Um zusätzlichen Platz zu schaffen, wurden Klassenzimmer im Dachgeschoss und im Keller eingerichtet. Auch Räume im benachbarten ehemaligen Rathaus neben der Vituskirche mussten für den Unterricht herhalten.

Mit dem Bau der Eichendorffschule ab 1963 zeichnete sich schließlich eine Entlastung ab. Im Januar 1965 konnte der erste Bauabschnitt bezogen werden. Wegen des starken Bevölkerungswachstums blieb die Raumnot jedoch zunächst bestehen. Die ursprünglich vorgesehene Aufgabe der Vitusschule wurde deshalb verworfen. Das historische Schulgebäude ist bis heute ein fester Bestandteil des Veitshöchheimer Altorts.

Zu Fuß zur Schule und Pausenbrot für ein paar Pfennige

Beim Klassentreffen wurden auch Erinnerungen an einen Schulalltag wach, der sich von dem heutiger Kinder deutlich unterschied. „Einen Bring- und Holservice der Mütter gab es damals nicht“, erinnerten sich die ehemaligen Schüler. Ob aus der Siedlung, vom Geisberg, aus dem Schenkenfeld, aus Sendelbach oder aus dem Altort – zur Schule ging es zu Fuß.

Ganz ungefährlich war der Schulweg nicht. Eine Umgehungsstraße gab es damals noch nicht, sodass sich der gesamte Durchgangsverkehr durch den Veitshöchheimer Altort bewegte.

Auch die große Pause hatte ihre Besonderheiten. Ein Bäcker kam zur Schule und verkaufte seine Waren. Wer einige Pfennige dabeihatte, konnte sich etwas zum Essen kaufen.

Besonders lebhaft waren die Erinnerungen an den Handarbeitsunterricht im Keller der Vitusschule. Dort unterrichtete unter anderem Schwester Bonaventura, die bei manchen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. „Sie war nicht einfach“, hieß es beim Wiedersehen mit einem Schmunzeln.

Trotz strenger Lehrerinnen, beengter Klassenzimmer und mancher Unannehmlichkeiten überwogen die schönen Erinnerungen: „Aber unsere Schulzeit war schön. Wir waren alle zusammen.“

Nach vier Schuljahren trennten sich die Wege

Nach der vierten Klasse verliefen die schulischen Wege unterschiedlich. Einige wechselten auf weiterführende Schulen, andere blieben zunächst an der Volksschule und beendeten ihre Schulzeit einige Jahre später.

Auch beruflich und privat führte das Leben die ehemaligen Klassenkameraden in verschiedene Richtungen. Viele leben noch heute in Veitshöchheim oder in den umliegenden Gemeinden des Landkreises Würzburg. Andere hat es quer durch Deutschland verschlagen, zwei ehemalige Mitschüler sogar nach Amerika.

Zwölf der damaligen Schulkameraden sind inzwischen verstorben.

Ein Wiedersehen nach 65 Jahren

Umso größer war die Freude, als sich die heute 70- und 71-Jährigen an ihrer alten Schule wieder gegenüberstanden. Fast alle erkannten sich auf Anhieb, auch wenn die vergangenen Jahrzehnte natürlich ihre Spuren hinterlassen haben.

Das Klassentreffen zeigte, wie sehr gemeinsame Kindheitserlebnisse auch nach 65 Jahren verbinden können. Zwischen alten Klassenfotos, Erinnerungen an Lehrerinnen und Geschichten aus dem Schulalltag gab es reichlich Gesprächsstoff.

Organisiert hatten das Wiedersehen Helga Zimmermann, Rita Wunderlich und Peter Greb, unterstützt von weiteren ehemaligen Mitschülern. Sie sorgten dafür, dass aus der Erinnerung an den ersten Schultag von 1961 ein gemeinsamer Tag des Wiedersehens wurde.

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