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Generationenwechsel beim Theater am Hofgarten – Nach 14 Jahren endet die Ära Schäfer/Götz

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

die alte und neue Vorstandschaft des Theaters am Hofgarten

Sabine Werner und Carina Wohlfart einstimmig an die Vereinsspitze gewählt – Standing Ovations für Bernd Schäfer und Alex Götz – 21 Jahre Theatergeschichte von Schäfer und Götz – 1700 Zuschauer in einem Jahr  – 2027 wird das 40-jährige Bestehen gefeiert

Nach 14 Jahren an der Spitze des Theaters am Hofgarten ist am Freitagabend, 11. September 2026, eine Ära zu Ende gegangen. Bei der Mitgliederversammlung im Vereinsraum im Haus der Begegnung kandidierten der bisherige erste Vorsitzende Bernd Schäfer und sein Stellvertreter Alexander Götz nicht mehr für ihre Ämter.

Mit der einstimmigen Wahl von Sabine Werner (links) zur ersten Vorsitzenden und Carina Wohlfart (rechts) zur zweiten Vorsitzenden vollzog der Verein einen von langer Hand vorbereiteten Generationenwechsel. Beide gehören bereits seit 2019 dem Vorstand an: Werner bislang als Schatzmeisterin, Wohlfart als Schriftführerin.


42 Stimmberechtigte wählen neuen Vorstand einstimmig

Nach Rückblick, Kassenbericht und Entlastung stand die Neuwahl im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung. Die Wahlleitung übernahm Vereinsgründer und langjähriger früherer Vorsitzender Ingo Iversen.

Alle 42 Stimmberechtigten votierten einstimmig für die vorgeschlagene neue Führungsmannschaft:

1. Vorsitzende: Sabine Werner - 3.v.l.-
2. Vorsitzende: Carina Wohlfart - 3.v.r.-
Schatzmeisterin: Claudia Schädel - li.
Schriftführerin: Marina Bertignoll - 2.v.r.
Spielleiter: Peter Kern (wie bisher) - 2.v.l.

mit auf dem Foto: Regisseurin Petra Schwitkowski (re.)

Damit setzt der Verein beim Wechsel an der Spitze zugleich auf Kontinuität. Mit Peter Kern bleibt der bisherige Spielleiter im Amt, während Werner und Wohlfart aus ihren bisherigen Vorstandsämtern an die Spitze rücken und Claudia Schädel sowie Marina Bertignoll neue Aufgaben übernehmen.

Als Rechnungsprüfer fungieren weiterhin Manuel Seemann und Udo Mohr.


Standing Ovations zum Abschied nach 14 Jahren

Emotional wurde es bereits beim letzten Bericht von Bernd Schäfer als erster Vorsitzender. „Einer meiner Lieblingstagesordnungspunkte“, bemerkte er zu Beginn – diesmal allerdings mit dem Zusatz, dass er diesen Bericht zum letzten Mal halten dürfe.

Am Ende erhoben sich die Mitglieder zu Standing Ovations.

„Es war uns eine Ehre, für diesen Verein in der Vorstandschaft zu sein“, bilanzierte Schäfer. Er sei stolz auf den Verein, seine Mitglieder und das Vorstandsteam. Nach 14 Jahren sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen, nicht mehr zu kandidieren und Platz für neue Ideen zu machen.

Auch Alexander Götz blickte bewegt zurück. Der Verein habe ihm sehr viel gegeben. Er habe großartige Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen, die über das Theater hinausgingen.

„Es war eine wunderschöne Zeit, die ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte.“

Götz machte zugleich deutlich, dass sein Ausscheiden aus dem Vorstand keinen Abschied vom Verein bedeutet. Er werde selbstverständlich Mitglied bleiben und sich auch weiterhin sehen lassen.


Fast 40 Jahre – und bemerkenswerte Kontinuität an der Spitze

Schäfer erinnerte daran, dass das Theater am Hofgarten im kommenden Jahr bereits 40 Jahre besteht. Der Verein wurde am 5. Juni 1987 in das Vereinsregister eingetragen und von 13 Theaterbegeisterten gegründet.

Bemerkenswert ist die Kontinuität an der Vereinsspitze. Über fast vier Jahrzehnte wurde der Verein im Wesentlichen von nur drei langjährigen ersten Vorsitzenden geprägt: Ingo Iversen, Winfried Knötgen und Bernd Schäfer (von rechts).

Im 25. Jubiläumsjahr 2012 übernahm Schäfer die Vereinsführung. Für Schäfer ist gerade diese Kontinuität eines der Erfolgsgeheimnisse. Alexander Götz stand ihm während seiner gesamten 14-jährigen Amtszeit als zweiter Vorsitzender zur Seite.

Die Verbindung der beiden mit dem Theater reicht allerdings noch wesentlich weiter zurück.


2005 begann für Schäfer und Götz das Abenteuer Theater

Bereits 2005 kamen die damaligen Gemeinderäte Bernd Schäfer und Alexander Götz als neue Darsteller zum Ensemble. Bei „Wer berühmt sein will, muss sterben“ standen sie erstmals mit auf der Bühne.

Schäfer erinnerte sich bei der Mitgliederversammlung schmunzelnd an die Vorgeschichte. Beim Altortfest seien beide von Winfried Knötgen zum Theaterspielen überredet worden. Zwei Tage später habe bereits das Textbuch im Briefkasten gelegen.

Schäfer bekam bei seinem Debüt die Rolle eines Schriftstellers, der sich bereits im ersten Akt das Leben nimmt. Eigentlich, so erzählte er, habe er angesichts von Hausbau und der Geburt seines Sohnes die Rolle wieder zurückgeben wollen.

Daraus wurde nichts. Das vermeintlich einmalige Abenteuer entwickelte sich für Schäfer und Götz zu 21 Jahren aktiver Theatergeschichte.


Von rund 100 Zuschauern zu immer volleren Mainfrankensälen

Wie stark sich das Theater während ihrer Amtszeit entwickelte, verdeutlichte Schäfer anhand zahlreicher Stationen.

Als Schäfer und Götz Verantwortung übernahmen, kamen zu manchen Vorstellungen in den großen Mainfrankensälen zunächst lediglich rund 80 bis 100 Zuschauer. Damit wollten sich die beiden nicht zufriedengeben.

Jeder Schauspieler sollte Karten verkaufen – und die Vorsitzenden gingen mit gutem Beispiel voran. Daraus sei beinahe ein vereinsinterner Wettbewerb entstanden. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Besucher, schließlich mussten in den Mainfrankensälen zusätzliche Tische aufgestellt werden.

Schäfer erinnerte sich gerne an diese Spielstätte zurück. Die festlich gedeckten Tische und das Spielen vor einem im Dunkeln sitzenden Publikum hätten eine ganz andere Theateratmosphäre geschaffen als später die Aufführungen unter freiem Himmel.


Corona wurde zur Zäsur – und zum Ausgangspunkt für Neues

Dann kam die Corona-Pandemie. Wie für viele Vereine bedeutete sie auch für das Theater am Hofgarten eine Zäsur. Aufführungen in den Mainfrankensälen waren nicht mehr möglich.

Ausgerechnet daraus entstand eine Idee, die die weitere Entwicklung des Vereins entscheidend prägen sollte: Freilichttheater.

Weil für Veranstaltungen im Freien lockerere Bedingungen galten, wagte das Theater den Schritt nach draußen. Den Auftakt gab es im Hof des Weingutes Hessler. Für die Wiederbelebung des Vereinslebens erhielt das Theater damals zudem eine Förderung von 2000 Euro vom Landkreis.

Die erste Freilichtinszenierung wurde mit fünf ausverkauften Vorstellungen ein großer Erfolg. Aufgrund der damaligen Corona-Beschränkungen waren jeweils maximal 100 Besucher zugelassen.


Der Kauppert-Hof in Gadheim wurde zum Glücksfall

Später ergab sich der Kontakt zur Familie Kauppert in Gadheim. Schäfer bezeichnete den Wechsel rückblickend als einen „absoluten Glücksfall“.

Im Kauppert-Hof fühle sich das Theater willkommen und wohl, dort werde dem Verein unkompliziert geholfen.

Inzwischen hat das Theater dort fünf Freilichtspielzeiten absolviert. Einen kompletten wetterbedingten Ausfall gab es nach Schäfers Angaben bislang nicht. Lediglich eine Vorstellung musste einmal nach der Hälfte abgebrochen werden.

Neben der besonderen Atmosphäre hat das Freilichttheater noch einen weiteren Vorteil: Es verschaffte dem Verein eine zusätzliche wirtschaftliche Grundlage. Nicht nur die Aufführungen, sondern auch die in Eigenregie organisierte Bewirtung tragen zum Ergebnis bei.


1700 Zuschauer innerhalb eines Jahres

Besonders zufrieden blickte Schäfer auf das vergangene Theaterjahr zurück.

Das Weihnachtsmärchen „Frau Holle“ wurde mit einem außergewöhnlichen Konzept inszeniert: 13 Kinder und lediglich zwei Erwachsene standen auf der Bühne. Für die Regie zeichnete ein neues Dreierteam aus Carina Wohlfart, Petra Schwitkowski und Peter Kern verantwortlich.

Knapp 1000 Besucher sahen das Märchen.

Zusammen mit dem erstmals veranstalteten Krimidinner im Pfarrhof und dem Freilichttheater im Kauppert-Hof begrüßte der Verein innerhalb eines Jahres rund 1700 Zuschauer.

Schäfer bezeichnete das Theater am Hofgarten deshalb als den aus seiner Sicht erfolgreichsten Kulturverein Veitshöchheims. Kein anderer Verein schaffe es, so viele junge und alte Zuschauer zu begeistern.


Erfolg ist nur mit vielen Helfern möglich

Entscheidend sei jedoch nicht allein das Geschehen auf der Bühne. Schäfer stellte ausdrücklich die zahlreichen Helfer heraus, die im Vordergrund und im Hintergrund mitarbeiten.

Schauspieler, Vorstand, Regie, Technik, Bühnenbau, Kostüme und Bewirtung müssten zusammenspielen. Gerade diese Bereitschaft, gemeinsam anzupacken, zeichne den Verein aus.

Auch 2026 setzte sich die Erfolgsgeschichte mit dem Dreiakter „Kaviar trifft Currywurst“ beim Freilichttheater fort. Einen wichtigen Beitrag zum Erscheinungsbild leistete Sylvia Schraut, die sich um die Kostüme kümmerte und dies bei den Märchenproduktionen bereits seit mehreren Jahren mit viel Herzblut tut.


Neuer Fundus nach schwieriger Suche

Eine erhebliche organisatorische Herausforderung stellte zuletzt die Auflösung des bisherigen Fundus dar. Der bisher genutzte Raum wurde für den Heizungskeller des Schulcampus benötigt.

Unmittelbar nach dem Freilichttheater musste der gesamte Bestand geräumt werden. Dank zahlreicher Helfer gelang dies zwar schnell, wesentlich schwieriger gestaltete sich jedoch die Suche nach geeigneten neuen Räumen.

Nach vielen Gesprächen wurde der Verein schließlich beim ehemaligen Fotostudio Hahn gegenüber dem Main-Center fündig. Dort stehen dem Theater deutlich mehr als 100 Quadratmeter zur Verfügung.

Die monatliche Miete beträgt 400 Euro. Möglich wurde die Lösung durch Spielleiter Peter Kern, der als Mieter auftritt und mit seiner Firma die Hälfte der Kosten trägt. Damit verbleiben für den Theaterverein monatlich 200 Euro.

Der neue Fundus eröffnet zusätzliche Möglichkeiten. Sollte der Vereinsraum im Haus der Begegnung wegen anstehender Baumaßnahmen zeitweise nicht genutzt werden können, könnte dort gegebenenfalls auch geprobt werden.


Vom Theaterkeller zum Vereinsdomizil im Haus der Begegnung

Schäfer erinnerte auch an den früheren Theaterkeller in der Herrnstraße. Diesen hatte der Verein mit erheblichem Aufwand hergerichtet. Wegen Schimmelbefalls musste das Domizil jedoch schließlich aufgegeben werden.

Mehrere Jahre hatte das Theater danach keine eigene Bleibe. Inzwischen verfügt der Verein über einen Raum in der ehemaligen Kegelbahn im Haus der Begegnung.

Dort fühle man sich wohl und habe ausreichend Platz. Bislang bestehen allerdings nur jährliche Mietverträge mit der Gemeinde. Eine Aufgabe des neuen Vorstandes werde es sein, hier eine langfristige Lösung anzustreben.


Mitgliederzahl um rund 50 Prozent gestiegen

Die Bilanz der Ära Schäfer/Götz zeigt sich auch an der Entwicklung des Vereins selbst. Nach Angaben des scheidenden Vorsitzenden ist die Mitgliederzahl während der vergangenen 14 Jahre um rund 50 Prozent gestiegen.

Zugleich befindet sich der Verein finanziell in einer komfortablen Lage.

Schatzmeisterin Sabine Werner berichtete von einem Guthaben von rund 28.000 Euro. Allein die jüngsten Freilichtaufführungen in Gadheim brachten einen Überschuss von rund 5000 Euro.

Gleichzeitig wurde in die Qualität der Aufführungen investiert. Besonders die Anschaffung einer modernen Headset-Technik habe sich bewährt. Gemeinsam mit der technischen Betreuung durch Benjamin Leberfinger sei dadurch eine deutliche Verbesserung erreicht worden.

Die Kassenprüfer Manuel Seemann und Udo Mohr bescheinigten eine ordnungsgemäße Kassenführung. Die Vorstandschaft wurde ohne Gegenstimmen entlastet.


Weihnachtsmärchen seit 1993 eine Erfolgsgeschichte

Eine besondere Rolle in der Vereinsgeschichte spielt das Weihnachtsmärchen. Seit 1993, als „Der Froschkönig“ aufgeführt wurde, entwickelte es sich zu einer festen Tradition. Kinder und Jugendliche wirkten dabei regelmäßig mit.

Welches Zuschauerpotenzial darin steckt, zeigte sich besonders eindrucksvoll Weihnachten 2003. Zu zwei Aufführungen von „Hotzenplotz“ kamen insgesamt 1500 große und kleine Besucher. Die Säle mussten wegen Überfüllung geschlossen werden.

Bis heute versteht der Verein das Märchen nicht nur als Theaterproduktion, sondern ausdrücklich als Jugendarbeit.


17.500 Euro für soziale Zwecke

Mit den Märchenaufführungen ist seit vielen Jahren auch soziales Engagement verbunden. Traditionell wurde ein Teil der Erlöse für karitative Zwecke verwendet.

Bis 2021 hatte das Theater bereits mehr als 15.000 Euro an verschiedene Organisationen gespendet, darunter die Aktion Patenkind der Main-Post, den Verein Fortschritt, örtliche Kindergärten, die Greifvogelhilfe, die Würzburger Kindertafel und „Würzburg zeigt Herz“.

Die Tradition wurde fortgeführt. 2022 erhielt das Gymnasium Veitshöchheim 500 Euro für seine Willkommensgruppe für aus der Ukraine geflohene Kinder und Jugendliche. 2023 gingen 500 Euro an die Sozialbörse Veitshöchheim, 2024 erhielt das Jugendzentrum Veitshöchheim 500 Euro. 2025 wurden schließlich Musikverein und Ministranten der katholischen Pfarrei mit jeweils 500 Euro bedacht.

Damit summiert sich die Spendentätigkeit aus inzwischen 30 Märchenproduktionen auf insgesamt 17.500 Euro.


21 Jahre Theatergeschichte von Schäfer und Götz in Bildern

Einen ebenso humorvollen wie emotionalen Höhepunkt der Mitgliederversammlung setzte Manuel Seemann. In einer mit zahlreichen Bildern unterlegten Laudatio ließ er die gemeinsame Theatergeschichte von Bernd Schäfer und Alexander Götz Revue passieren.

21 Jahre waren beide für das Theater am Hofgarten aktiv, davon 14 Jahre als erster und zweiter Vorsitzender.

Begonnen hatte alles 2005. Dem damaligen Vorsitzenden Winfried Knötgen gelang es, die beiden Veitshöchheimer Gemeinderäte für die Bühne zu gewinnen. Was damals niemand ahnen konnte: Damit hatte Knötgen nicht nur zwei neue Laienschauspieler verpflichtet, sondern zugleich den Grundstein für eine 14-jährige gemeinsame Vorstandskarriere gelegt.

Ihr erstes gemeinsames Stück hieß passenderweise „Wer berühmt sein will, muss sterben“. Danach folgte eine lange Reihe höchst unterschiedlicher Rollen.

Schäfer spielte unter anderem Bürgermeister, englischen Adeligen, Anwalt, Johann Wolfgang von Goethe, Schriftsteller, Versicherungsbetrüger, Polizist, Hausarzt und Hades. Götz war unter anderem Gemeinderat, Kandidat für das englische Parlament, Bacchus, Bankräuber, Nikolaus, Schlagersänger, Elektriker und Schutzengel.


Vom Bankräuber bis zum Schutzengel

Seemann nutzte seine Bilderreise für zahlreiche augenzwinkernde Seitenhiebe auf die beiden langjährigen Vorsitzenden.

So spielte Götz 2011 in „Ein gemütliches Wochenende“ den Bankräuber Angelo, der sich zunächst als Taubstummer ausgab. Seemann erkannte darin rückblickend durchaus eine Vorbereitung auf die spätere Vorstandsarbeit: Bernd rede und Alex höre weg – und wenn es unangenehm werde, sei Alex plötzlich taubstumm.

2012 übernahmen Schäfer und Götz schließlich tatsächlich die Vereinsspitze. Ausgerechnet das damals gespielte Stück trug den Titel „Hier sind Sie richtig“.

Götz verkündete im Laufe seiner Theaterkarriere zwar mehrmals seinen Rückzug von der Bühne, doch endgültig wurde daraus nie etwas. 2019 kehrte er als Sanduhr in „Die Schöne und das Biest“ zurück, beim ersten Freilichttheater 2021 spielte er einen Elektriker und 2023 einen Schutzengel.

Selbst 2026 gab es noch einmal ein unverhofftes Comeback. Als bei „Kaviar trifft Currywurst“ kurz vor der Aufführung krankheitsbedingt eine Rolle neu besetzt werden musste, sprang Götz ein – mit weniger als einer Woche Vorbereitungszeit.


„Diese beiden haben nicht nur Theater gespielt, sie haben Theater gelebt“

Bei aller humorvollen Rückschau wurde Seemanns Laudatio schließlich sehr persönlich.

Schäfer und Götz hätten in ihren 14 Jahren an der Spitze eben nicht nur einen Verein verwaltet. Sie organisierten Wanderungen und Ausflüge, kümmerten sich um den neuen Internetauftritt, Vereinsjacken und T-Shirts, das Vereinsdomizil im Haus der Begegnung und den Fundus. Vor allem hätten sie immer wieder Helfer aktiviert und Menschen zusammengebracht.

Seemann brachte es auf einen Satz:

„Diese beiden haben nicht nur Theater gespielt, sie haben Theater gelebt.“


Wenn der 70-Jährige neben der 20-Jährigen auf der Bühne steht

Besonders hob Seemann hervor, dass es Schäfer und Götz gelungen sei, Generationen miteinander zu verbinden.

Alte Hasen spielen gemeinsam mit neuen Gesichtern, erfahrene Schauspieler stehen neben Menschen, die zum ersten Mal überhaupt eine Bühne betreten. Der 70-Jährige spielt neben der 20-Jährigen – Alter, Beruf und Alltag werden in diesem Moment nebensächlich. Alle verfolgen dasselbe Ziel: gemeinsam eine Geschichte zu erzählen und etwas Besonderes zu schaffen.

Schäfer und Götz hätten zugleich jüngeren Mitgliedern vorgelebt, dass es sich lohnt, Verantwortung zu übernehmen und selbst etwas zu gestalten. Sie hätten gezeigt, dass sich Familie, Beruf, Ehrenamt und Vereinsleben miteinander verbinden lassen.

Damit hinterlassen sie mehr als erfolgreiche Aufführungen, volle Zuschauerränge oder eine gut gefüllte Vereinskasse: eine gewachsene Theatergemeinschaft und eine nächste Generation, die bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.


„Eure wichtigste Rolle habt ihr nicht auf der Bühne gespielt“

Zum Ende seiner Laudatio schlug Seemann den Bogen von den vielen Bühnenrollen zur Bedeutung der beiden für den Verein.

„Eure wichtigste Rolle habt ihr vielleicht gar nicht auf der Bühne gespielt“, sagte er. Es sei ihre Rolle als Vorbilder und Verantwortliche gewesen, als Menschen, die gezeigt hätten, was man gemeinsam bewegen könne.

Und eines sei sicher: Egal, welche Rollen Schäfer und Götz künftig noch übernehmen würden, für das Theater am Hofgarten würden sie „immer zwei Hauptdarsteller bleiben“.

Die emotionale Wirkung blieb nicht aus.


Ehrenurkunden für 14 Jahre Vorstandsarbeit

Als besondere Anerkennung hatte sich der Verein an den Verband Bayerischer Amateurtheater gewandt.

Schäfer und Götz erhielten jeweils eine Ehrenurkunde für 14 Jahre verdienstvolle Tätigkeit im Bayerischen Volks- und Amateurtheater.

Damit nicht genug: Am 4. Oktober geht es gemeinsam mit der Bahn nach Fürth. Dort stehen ein gemeinsames Essen und der Besuch eines Theaterstücks in der Kleinen Komödie auf dem Programm.

Seemann vergaß am Ende auch einen Mann hinter der Kamera nicht. Er dankte Dieter Leimkötter ausdrücklich für die Fotos, mit denen dieser die Generalproben und Aufführungen des Theaters seit Jahren dokumentiert. Die Bilder seien für den Verein „Gold wert“.

So wurde die Laudatio nicht nur zur Würdigung zweier langjähriger Vorsitzender, sondern zugleich zu einer bilderreichen Reise durch mehr als zwei Jahrzehnte Veitshöchheimer Theatergeschichte.


„Frauenpower ohne Ende“

Alexander Götz kommentierte die neue Zusammensetzung des Vorstandes mit dem ihm eigenen Humor. Nun gebe es „Frauenpower ohne Ende“.

Spielleiter Peter Kern nimmt dabei eine besondere Position ein. Als Mann in der ansonsten weiblich besetzten Vorstandsmannschaft ist er nun, wie es bei der Versammlung scherzhaft hieß, der „Hahn im Korb“.

Hinter dem humorvollen Seitenhieb steht jedoch ein sorgfältig vorbereiteter Wechsel. Sabine Werner und Carina Wohlfart kennen die Vorstandsarbeit seit Jahren und übernehmen nun neue Verantwortung, während mit Peter Kern zugleich Kontinuität gewahrt bleibt.


„Kleine Lady Viktoria“: Weihnachtsmärchen mit KI-Unterstützung

Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt dem neuen Vorstand nicht. Bereits am vierten Advent, 20. Dezember 2026, steht in den Mainfrankensälen das nächste Weihnachtsmärchen auf dem Programm: „Kleine Lady Viktoria“.

Bei der Entstehung des Stückes beschreitet das Theater diesmal einen neuen Weg. Matthias Brunzel hat mit Hilfe Künstlicher Intelligenz die bekannte Geschichte „Der kleine Lord“ für die neue Märchenproduktion umgearbeitet und daraus „Kleine Lady Viktoria“ entwickelt.

Für den Verein ist dies zugleich ein Praxistest, wie sich KI als Hilfsmittel bei der Entwicklung eines Bühnenstückes einsetzen lässt.

Die Regie übernimmt wieder ein Dreierteam aus Matthias Brunzel, Petra Schwitkowski und Peter Kern. Mitwirken sollen 14 Kinder und sieben Erwachsene, unterstützt von einer Souffleuse.

Gerade die große Zahl junger Darsteller ist für die neue Vorsitzende Sabine Werner von besonderer Bedeutung. Das Märchen sei immer auch die Jugendarbeit des Vereins. Dabei gehe es darum, den Nachwuchs mit auf die Bühne zu holen und junge Menschen dauerhaft für das Theater zu begeistern.


2027 wieder Freilichttheater im Kauppert-Hof

Auch für das kommende Jahr sind die ersten Weichen bereits gestellt. Im Juli 2027 möchte das Theater am Hofgarten erneut bei der Familie Kauppert in Gadheim Freilichttheater spielen.

Zum Jahresabschluss soll am vierten Advent 2027 wiederum ein Weihnachtsmärchen folgen. Welche Stücke dann gespielt wird, steht derzeit noch nicht fest.

Neben den Aufführungen soll auch die Gemeinschaft weiter intensiv gepflegt werden. Werner kündigte unter anderem die Teilnahme am Tag der Vereine am 8. November, einen Besuch beim Partnerverein, einen weiteren Stammtisch und einen gemeinsamen Besuch auf einem Weihnachtsmarkt an.

Auch weitere gemeinschaftliche Unternehmungen wie der Besuch einer Prunk- oder Galasitzung und ein Bowlingabend sind angedacht.


40 Jahre voller Theater, Emotionen und Applaus

Über allem steht 2027 ein besonderes Ereignis: Das Theater am Hofgarten wird 40 Jahre alt.

„40 Jahre voller Theateraufführungen, voller Emotionen, voller Gemeinschaft, viel Applaus. 40 Jahre, die gefeiert werden wollen“, brachte Sabine Werner die Bedeutung des Jubiläums auf den Punkt.

Die ersten Vorbereitungen laufen bereits. Im Oktober 2027 soll das Jubiläum mit einer größeren Veranstaltung in den Mainfrankensälen gefeiert werden. Ein genauer Termin steht noch nicht fest, da sich der Verein hierzu noch in Abstimmung mit den Mainfrankensälen befindet.

Passend zum Jubiläumsjahr denkt der Vorstand auch über eine Ergänzung der Vereinskleidung nach. Zu den bereits vorhandenen T-Shirts sollen Sweatjacken im Theater-am-Hofgarten-Design kommen. Ein Mustersatz liegt bereits vor. Die Jacken werden voraussichtlich rund 60 Euro kosten. Wie hoch der Zuschuss des Vereins ausfallen wird, soll noch festgelegt werden.


Neue Ideen und Altbewährtes miteinander verbinden

Zum Abschluss formulierte Sabine Werner, wohin die Reise mit dem neuen Vorstand gehen soll.

„Ich freue mich auf das Team, dass wir unseren Verein weiter mit Herzblut und Gemeinschaft vorwärtsbringen, ein paar neue Ideen haben und aufs Altbewährte setzen.“

Ausdrücklich dankte sie auch den zahlreichen Helfern, die den Verein bei Aufführungen, Bewirtung und Veranstaltungen immer wieder unterstützen und ihm die Treue halten.

Damit vollzog sich der Führungswechsel ohne Bruch. Bernd Schäfer und Alexander Götz übergeben nach 14 gemeinsamen Vorstandsjahren einen finanziell gut aufgestellten, gewachsenen und beim Publikum erfolgreichen Verein an eine neue Generation.

Und die neue Führungsmannschaft übernimmt weit mehr als Ämter und eine Vereinskasse. Sie übernimmt eine Gemeinschaft, in der Kinder ihre ersten Schritte auf der Bühne machen, erfahrene Schauspieler ihr Wissen weitergeben, Helfer hinter den Kulissen anpacken und Generationen gemeinsam Theater machen.

Für Schäfer und Götz endet die Verantwortung an der Vereinsspitze, nicht aber ihre Verbindung zum Theater. Nach 21 Jahren auf, hinter und neben der Bühne bleiben sie Teil jener Geschichte, die sie selbst maßgeblich mitgeschrieben haben.

2027 schlägt das Theater am Hofgarten mit seinem 40-jährigen Bestehen ohnehin das nächste große Kapitel auf.

Nach 14 Jahren endet damit ein erfolgreicher Akt in der Geschichte des Theaters am Hofgarten. Der Vorhang für den nächsten ist bereits aufgegangen.

Text und Fotos Dieter Gürz

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