Runder Tisch mit Vertretern aus Medizin, Schulen, Kitas und Seniorenarbeit
Sissi Baudach im Gespräch mit Marie Ratte (Schülerin Gymnasium) und Lisa Bitter (Elternbeirat Grundschule)
Die Folgen zunehmender Hitzeperioden standen im Mittelpunkt eines "Runden Tisches Hitzeschutz", zu dem der Ortsverband und die Gemeinderatsfraktion der Grünen Ende Juli eingeladen hatten. Rund 50 Teilnehmer aus Medizin, Schulen, Kindertagesstätten, Seniorenarbeit sowie interessierte Bürger tauschten sich über die Erfahrungen während der außergewöhnlichen Hitzewelle Ende Juni und Anfang Juli aus.
Nach Angaben des Grünen-Ortsverbandes bezeichneten die Ortsvorsitzenden Sissi Baudach und Martin Husch die lang anhaltende Hitze mit Temperaturen von teils über 40 Grad als Naturkatastrophe, die vergleichbar mit Hochwasserereignissen sei und entsprechendes Handeln erfordere. Ziel des Treffens sei gewesen, Erfahrungen aus Veitshöchheim zu sammeln und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Angesichts des Klimawandels müsse künftig mit weiteren Hitzewellen gerechnet werden.
Hausärztin warnt vor Gesundheitsrisiken
Über die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze informierte die Veitshöchheimer Hausärztin Dr. med. Mack-Burkhardt. Temperaturen deutlich über 30 Grad könnten zu Schwindel, Erbrechen, Kreislaufzusammenbrüchen und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Besonders gefährdet seien Kleinkinder, ältere Menschen sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck. Deshalb seien ausreichend kühle Räume ein wichtiger Baustein des Hitzeschutzes.
Einrichtungen stoßen an ihre Grenzen
In drei Gesprächsrunden berichteten Vertreter aus Seniorenarbeit, Schulen, Horten und Kindertagesstätten über ihre Erfahrungen während der jüngsten Hitzewelle. Moderiert wurden die Gespräche von Christina Feiler und Sissi Baudach.
Christina Feiler im Gespräch mit Fabian Steinmüller (Seniorenheim St. Hedwig)
Nach Angaben der Teilnehmer würden die bekannten Schutzmaßnahmen bereits umgesetzt: frühmorgendliches Lüften, konsequente Verschattung, ausreichendes Trinken, leichte Verpflegung sowie angepasste Tagesabläufe. Dennoch seien viele Räume in Schulen, Kitas und Senioreneinrichtungen während der Hitzetage kaum noch nutzbar gewesen.
Die Leiter der Einrichtungen hätten übereinstimmend erklärt, dass die Belastungsgrenze sowohl für die betreuten Menschen als auch für die Mitarbeiter erreicht worden sei. Deshalb seien Klimaanlagen zumindest für einzelne Räume wie Schlafräume in Kitas, Aufenthaltsbereiche in Senioreneinrichtungen oder Prüfungsräume an Schulen künftig unverzichtbar.
Auch eine Schülerin des Gymnasiums schilderte ihre Erfahrungen. Die seit der Corona-Pandemie vorhandenen Lüftungsgeräte seien teilweise ausgefallen oder hätten lediglich warme Luft in die Klassenzimmer geblasen.
Gebäude besser auf Hitze vorbereiten
Kritisch wurde laut Pressemitteilung auch angemerkt, dass selbst neu errichtete Gebäude den Anforderungen zunehmender Hitzeperioden nur unzureichend gerecht würden. Künftig müsse der Schutz vor extremen Temperaturen bei Neubauten und Sanierungen stärker berücksichtigt werden.
In der Abschlussdiskussion wurden weitere Maßnahmen angesprochen. Genannt wurden unter anderem mehr Begrünung von Straßen, Plätzen, Fassaden und Dächern, der Erhalt der Grünflächen an den Sandäckern als "grüne Lunge" Veitshöchheims, eine Begrenzung weiterer Flächenversiegelung sowie öffentlich zugängliche kühle Aufenthaltsräume.
Thema soll in den Gemeinderat eingebracht werden
Zum Abschluss kündigten Ortsverband und Gemeinderatsfraktion an, das Thema Hitzeschutz weiterzuverfolgen und in den Gemeinderat einzubringen. Zudem wolle man sich über Förderprogramme informieren, um notwendige Investitionen finanzieren zu können.
Die Grünen verwiesen außerdem darauf, dass sich nach ihrer Darstellung inzwischen auch die Bayerische Staatsregierung stärker mit den Themen Hitzeschutz und klimaangepasste Stadtentwicklung befasse.
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