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30 Jahre St. Hedwig: Jubiläumswochenende am Freitag mit geladenen Gästen eröffnet

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Domkapitular Bieber: „Der Mensch ist es uns wert“ – Festredner mahnt zu mehr Menschlichkeit in der Pflege


 Erinnerungsfoto 30 Jahre St. Hedwig v.l.n.r. Christian Nowak, Jürgen Götz, Josef Kraft, Steffen Mucha, Elmar Knorz, Johannes Bindner, Rainer Kinzkofer, Georg Sperrle, Dominique Michel und Clemens Bieber

Mit einem feierlichen Wort-Gottesdienst begann am Freitagnachmittag das Jubiläumswochenende zum 30-jährigen Bestehen des Caritas-Seniorenzentrums St. Hedwig in Veitshöchheim mit einem Rückblick auf drei Jahrzehnte gelebter Pflege, Fürsorge und Gemeinschaft. Den Gottesdienst zelebrierten Domkapitular Clemens Bieber, Pfarrer Christian Nowak, Pfarrer i.R. Josef Kraft und der evangelische Gemeindereferent Johannes Bindner.

Für den festlichen musikalischen Rahmen sorgte das Vocal Ensemble St. Vitus unter der Leitung von Dorothea Völker, das unter anderem mit dem Lied „Unser Leben sei ein Fest“ den Jubiläumsauftakt stimmungsvoll gestaltete.


Die Heilige Hedwig als Vorbild

In seiner Festansprache erinnerte Domkapitular Clemens Bieber an die Namensgeberin des Hauses. Dank der Recherchen des Veitshöchheimer Ortschronisten Dieter Gürz lasse sich heute nachvollziehen, warum das Seniorenzentrum 1996 den Namen St. Hedwig erhielt.

„Es war der ausdrückliche Wunsch von Bischof Paul-Werner Scheele“, erklärte Bieber. Im Jahr der Einweihung sei der 750. Todestag der heiligen Hedwig von Schlesien begangen worden. Sie habe sich nach dem Tod ihres Mannes der Pflege älterer Menschen gewidmet und bereits zuvor gemeinsam mit ihm Hospize, Krankenhäuser sowie Einrichtungen für Arme, Kranke, Witwen und Waisen gegründet.

„In der Familie offenbar ein weites Herz für die Menschen und ihre Nöte“, sagte Bieber.


Pflege braucht Menschen aus aller Welt

Den Bogen zur Gegenwart schlug der Domkapitular mit einem aktuellen Mainpost-Bericht (siehe nachstehender Link) über das Seniorenzentrum, der die Bedeutung internationaler Pflegekräfte verdeutlicht.

Besonders bewegten ihn Aussagen junger Mitarbeiter aus Mexiko und den Philippinen. „Ich möchte meinen Bewohnern mein Herz schenken“, habe eine Auszubildende gesagt. Eine andere Pflegekraft erklärte: „Ich behandle die Bewohner wie meine eigene Oma.“ 

Für Bieber sind diese Aussagen ein Hoffnungszeichen. „Vor den Menschen, die aus anderen Kontinenten zu uns kommen, dürfen wir keine Angst haben. Gott sei Dank kommen sie zu uns und helfen uns, unserer Verantwortung für ältere Mitmenschen gerecht zu werden.“


„Nicht zuerst auf die Kosten schauen“

Nachdenklich wurde der Domkapitular mit Blick auf die Finanzierung der Altenpflege. Auslöser war ein aktueller Zeitungsartikel der FAZ über Pflegekosten von bis zu 9000 Euro monatlich. „Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto trauriger wurde ich, weil die Sorge um alte Menschen nur noch über Finanzen und Kosten betrachtet wird.“ Die entscheidende Frage müsse vielmehr lauten: „Was braucht der alte Mensch? Wie können wir ihm ein Leben in Würde vermitteln?“ Erst danach dürften wirtschaftliche Fragen folgen.

Mit einem Verweis auf das Buch Levitikus erinnerte Bieber daran: „Du sollst vor grauem Haar aufstehen und das Ansehen eines alten Menschen ehren.“ Seine Mahnung war deutlich: „Der Götze Mammon darf nicht diktieren, was wir als richtig erkannt haben zum Wohl eines alten Menschen.“ Zum Abschluss brachte er die Botschaft des Jubiläums auf den Punkt: „Der Mensch ist es uns wert.“


„Zusammen geht was“

Vor dem Schlusssegen richteten Geschäftsführer Georg Sperrle, Bürgermeister Jürgen Götz, Einrichtungsleiter Dominique Michel sowie Bewohnerin Elfriede Ruttor ihre Grußworte an die Festgemeinde.

Georg Sperrle stellte das bundesweite Caritas-Motto „Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen.“ in den Mittelpunkt.

Mit Blick auf die aktuelle Pflegereform warnte er vor weiter steigenden Eigenanteilen der Bewohner. „Wir sind als Gesellschaft sehr stark gefordert, auch in Zukunft dafür Sorge zu tragen, dass es gute Pflege heute und morgen noch gibt.“

Unverzichtbar seien inzwischen internationale Fachkräfte. In den Einrichtungen der Caritas befänden sich derzeit 130 Auszubildende, darunter 40 aus Indien. Hinzu kämen Mitarbeiter aus Mexiko und den Philippinen.

„Ich bin sehr dankbar, dass diese Menschen zu uns kommen und unsere alten Menschen mit viel Herzlichkeit pflegen und begleiten.“

Ebenso dankte Sperrle den langjährigen Mitarbeitern, die die Integration der neuen Kollegen unterstützten, sowie der Gemeinde Veitshöchheim für die Bereitstellung von Wohnraum für internationale Auszubildende.

Besonders freute ihn, dass nach schwierigen Jahren wieder mehr Pflegeplätze angeboten werden können. Sein Dank galt der scheidenden Einrichtungsleiterin Barbara Bender ebenso wie ihrem Nachfolger Dominique Michel. „Zusammen geht was“, sagte Sperrle. „Mit diesem Leitspruch werden wir auch die nächsten 30 Jahre erfolgreich gestalten.“


„St. Hedwig gehört mitten ins Leben“

Bürgermeister Jürgen Götz bezeichnete das Jubiläum als einen besonderen Tag für Veitshöchheim. „Es gibt Jubiläen, die sind mehr als nur eine Zahl. 30 Jahre St. Hedwig gehören sicherlich dazu.“

Seit der Eröffnung 1996 habe das Haus älteren Menschen ermöglicht, auch bei Pflegebedürftigkeit in ihrer Heimatgemeinde bleiben zu können. „St. Hedwig ist mit seinen Bewohnern älter geworden und dabei keineswegs stehen geblieben.“

Persönlich verbinde ihn viel mit dem Haus. Er sei nur zwei Häuser entfernt aufgewachsen und habe die Entstehung des Seniorenzentrums von Anfang an miterlebt. Sein Dank galt allen Mitarbeitern. Gerade in der Corona-Pandemie hätten sie Außergewöhnliches geleistet.

„Es ist Ihnen immer wieder gelungen, den Menschen hier ein Zuhause zu geben – mit Professionalität, Menschlichkeit und oft auch mit einem Lächeln.“ Besonders würdigte Götz die enge Einbindung des Hauses in das Gemeindeleben. „Dieses Haus war nie eine Einrichtung am Ortsrand, sondern immer mitten im Leben.“

Kindergärten, Schulen, Vereine, Musikgruppen und Kirchengemeinden sorgten dafür, dass das Seniorenzentrum eng mit Veitshöchheim verbunden sei. Als Geschenk der Gemeinde überreichte der Bürgermeister einen Zuschuss für ein neues elektronisches Aktivierungsspiel sowie ein beleuchtetes Windspiel für den Garten.


„Unsere internationale Gemeinschaft trägt das Haus“

Der neue Einrichtungsleiter Dominique Michel stellte sein Grußwort unter einen Bibelvers aus dem Buch Jesaja: „Wer auf den Herrn vertraut, schöpft neue Kraft.“ Diese Kraft schöpfe das Haus heute aus seiner Gemeinschaft. „Ein moderner Pflegebetrieb wäre heute ohne unsere ausländischen Kollegen nicht mehr denkbar.“ Sie hätten ihre Heimat verlassen und brächten neben ihrer Fachkompetenz „ihr Herz, ihre Kultur und ein Lächeln“ mit. Ebenso dankte Michel den langjährigen Mitarbeitern, die die Integration der internationalen Kollegen unterstützten. „30 Jahre Caritaspflege, getragen von einem großartigen, bunten Team, sind ein echter Grund zur Freude.“

 


Bewohnerin fühlt sich hier sehr wohl

Für besonders bewegende Momente sorgte die 84-jährige Bewohnerin Elfriede Ruttor. Aus Oberdürrbach kommend lebt sie seit fast drei Jahren im Haus; bereits 2004 seien ihre Eltern hier bestens betreut worden. „Ich möchte mich ganz herzlich bei all denen bedanken, die sich tagtäglich mit Kompetenz und Herzblut darum bemühen, dass es uns gut geht.“ Ihr Dank galt der Hauswirtschaft, der Küche, der Pflege und der sozialen Betreuung ebenso wie allen Mitarbeitern der vergangenen drei Jahrzehnte. Sie hätten älteren Menschen ermöglicht, „ihren letzten Lebensabschnitt in Würde zu verbringen“.  Besonders schätze auch sie sie die enge Verbindung des Hauses mit Veitshöchheim. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagte die gebürtige Niederbayerin zum Abschluss und wünschte Bewohnern, Mitarbeitern und Unterstützern Gottes Segen für die Zukunft.


Empfang mit Musik des Trios „Bailando“

Nach dem offiziellen Teil waren die Gäste zu einem Empfang mit Sekt, alkoholfreien Getränken und Fingerfood eingeladen. 

Für die musikalische Umrahmung sorgte das Trio „Bailando“ mit Rainer Schwander (Saxophon, Gesang), Thomas Reuter (Akkordeon) und Bruno Waldherr (Kontrabass). Die drei bekannten Musiker der regionalen Kulturszene begeisterten mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Klezmer, Musette, Swing und internationaler Folklore. Der Veitshöchheimer Musiker Rainer Schwander überzeugte dabei nicht nur mit seinem Gesang – teilweise auch in fränkischer Mundart –, sondern ebenso durch den Wechsel verschiedener Instrumente, mit denen er den Liedern immer wieder besondere Klangfarben verlieh.


Mit dem Gottesdienst und dem anschließenden Empfang ist das Jubiläumswochenende zum 30-jährigen Bestehen des Caritas-Seniorenzentrums St. Hedwig würdig eröffnet worden. Seine Fortsetzung findet es am Samstag mit dem öffentlichen Sommerfest für die Bevölkerung u.a. mit Live-Musik der B 27 Bigband der Musikschule und am Sonntag mit einem Gottesdienst und anschließend mit einem gemeinsamen Weißwurstfrühstück.

Fotos Dieter Gürz

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