Alles neu macht bekanntlich erst der Mai – doch anlässlich des Welttags des Buches am 23. April 2026 haben Schauspieler Ingo Klünder und Gitarrist Oliver Thedieck die „gute Stube“ alias das Lesecafé der Bücherei im Bahnhof bereits vorzeitig und mit spürbarer Frische durchgefegt.
Unter dem Titel „Frühlings-Erwachen“ präsentierten die beiden ein ebenso unterhaltsames wie vielschichtiges Programm rund um die wohl hoffnungsvollste aller Jahreszeiten.
Literatur zwischen Klassik und Augenzwinkern
Das Publikum erlebte ein buntes Potpourri aus Aphorismen, Gedichten, Balladen und Erzählungen – mal heiter, mal nachdenklich, stets inspirierend. Klassiker wie Johann Wolfgang von Goethe mit seinem berühmten „Osterspaziergang“ aus „Faust I“, Friedrich Schiller, Heinrich Heine oder Theodor Fontane standen neben kürzeren literarischen Betrachtungen und pointierten Gelegenheitsdichtungen.
Auch der Humor kam nicht zu kurz: Mit augenzwinkernden Kalauer wie „Frühling ist, wenn der Winterspeck zu Frühlingsrollen wird“ oder „Der zweite Frühling beginnt mit den dritten Zähnen“ sorgte Klünder immer wieder für herzhaftes Lachen im Publikum. Dieser Facettenreichtum verlieh dem Abend Tempo und Abwechslung.
Klangvolle Akzente auf der Gitarre
Für die musikalische Ebene sorgte Oliver Thedieck, der mit seinem einfühlsamen und zugleich virtuosen Gitarrenspiel die literarischen Beiträge wirkungsvoll ergänzte. Seine Einlagen reichten von kunstvoll paraphrasierten Liedern bis hin zu anspruchsvollen Solostücken.
Besonders charmant: Immer wieder streute er bekannte Melodien ein – etwa den Evergreen „Aura Lea“ –, die im Publikum ein leises Mitsummen auslösten und so eine zusätzliche Verbindung zwischen Bühne und Zuhörern schufen.
Worte der Büchereileitung
Zum Auftakt hatte Büchereileiterin Dr. Astrida Wallat die Gäste begrüßt und dabei die besondere Qualität des Abends hervorgehoben. „Ingo Klünder gehört zu den Personen, zu denen man eigentlich nichts sagen muss, da der Name schon alles sagt“, stellte sie anerkennend fest.
Zugleich betonte sie das harmonische Zusammenspiel der beiden Künstler: „Zusammen sind Klünder und Thedieck ein unschlagbares Paar mit ihrem Programm ‚Frühlingserwachen‘. Ich hoffe, dass Sie alle heute das ein oder andere Frühlingsgefühl erleben werden.“ Eine Hoffnung, die sich im Verlauf des Abends mehr als erfüllte.
Künstler mit Profil und Erfahrung
Ingo Klünder überzeugte einmal mehr mit seiner großen Bühnenpräsenz und seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Theater- und Filmschauspieler. Mit feinem Gespür für Sprache und Timing verlieh er den Texten Ausdruck und Tiefe.
Oliver Thedieck, als Solist und Kammermusiker weit über die Region hinaus geschätzt, ergänzte die Rezitationen mit musikalischer Sensibilität und stilistischer Vielfalt. Sein Schwerpunkt auf klassischer und zeitgenössischer Gitarrenmusik war deutlich hörbar und bereicherte den Abend nachhaltig.
Beschwingter Ausklang
Der Abend bewies eindrucksvoll, dass man der viel zitierten Frühjahrsmüdigkeit weder mit Tabletten noch mit sportlichen Höchstleistungen begegnen muss. Gegen diesen raffinierten Energiebooster aus Poesie und Musik hatte sie schlicht keine Chance.
Entsprechend beschwingt verließen die Besucher das Lesecafé. Oder, um es mit einem augenzwinkernden musikalischen Zitat zu sagen: „Veronika, der Lenz ist da!“ – und diesmal darf er gerne bleiben.
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