Reparieren statt wegwerfen: 20. Repair Café in Veitshöchheim mit starker Resonanz und klarer Botschaft
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Erinnerungsfoto Helferteam 20. Repaircafe
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Ein kleines Jubiläum, große Wirkung: Am Samstag, 28. März 2026, ging das Repair Café Veitshöchheim in der Aula der Eichendorffschule in seine 20. Runde – und knüpfte dabei nahtlos an die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre an. Zwischen 13 und 17 Uhr wurde geschraubt, genäht, gelötet und getüftelt – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit und des gemeinschaftlichen Engagements.
Nachhaltigkeit zum Anfassen – und Mitmachen
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Das bewährte Konzept blieb auch bei der Jubiläumsausgabe unverändert: Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unterstützten Besucherinnen und Besucher dabei, defekte Alltagsgegenstände wieder funktionstüchtig zu machen. Ob Kleidung, Möbel, Fahrräder oder Elektrogeräte – vieles, was andernorts im Müll gelandet wäre, erhielt hier eine zweite Chance.
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Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Reparatur selbst, sondern vor allem der Lerneffekt. Die Besucher konnten aktiv mitarbeiten und Schritt für Schritt nachvollziehen, wie die Reparaturen gelingen. Unterstützt wurde dies durch eine gut ausgestattete Infrastruktur – von der Nähmaschine über Fahrrad-Werkzeug bis hin zu technischem Equipment für Elektrogeräte.
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Bürgermeister Jürgen Götz hatte bereits im Vorfeld betont, wie wichtig dieses Format für die Gemeinde ist: Es schone Ressourcen, vermittle Wissen und stärke das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln im Alltag.
Starke Bilanz der 20. Ausgabe
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Auch die aktuelle Veranstaltung lieferte eindrucksvolle Zahlen. Mitinitiator Daniel Schiel (im Bild) zog ein durchweg positives Fazit:
„Zuerst wieder einen großen Dank an die zahlreichen Helfer. Es hat wieder Spaß gemacht mit Euch, die vielen Sachen zu reparieren.“
Insgesamt brachten 55 Besucher mindestens 57 Reparaturaufträge mit.
Herkunft der Gäste:
- 78 % aus Veitshöchheim
- 11 % aus Würzburg
- 11 % aus dem Umland
Art der Gegenstände:
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- 76 % Elektrogeräte
- 10 % Kleidung
- 9 % Sonstiges
- 4 % Fahrräder
- 1 % Möbel
Altersstruktur:
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- 75 % über 61 Jahre
- 13 % zwischen 41 und 60 Jahren
- 10 % zwischen 21 und 40 Jahren
- 2 % unter 20 Jahren
Reparatur-Ergebnisse:
- 48 % erfolgreich repariert
- 19 % warten auf Ersatzteile
- 28 % nicht reparabel
- 5 % noch offen
Die Rückmeldungen der Besucher seien durchweg positiv gewesen. Ein besonderer Dank geht von Daniel an seinen Sohn Felix für die Auswertung der Daten.
Zwischen Tüfteln und Kaffeetafel: gelebte Gemeinschaft
Neben dem praktischen Nutzen ist es vor allem die Atmosphäre, die das Repair Café auszeichnet. Trotz zeitweise hoher Nachfrage blieb die Stimmung stets entspannt und freundlich.
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Wartezeiten wurden bei Kaffee und Kuchen überbrückt.
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Viele Besucher kommen nicht nur wegen der Reparaturen, sondern auch wegen des Austauschs. Es entsteht eine „Werkstattgemeinschaft auf Zeit“, in der Wissen geteilt und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.
Langjährige Helfer berichten immer wieder von besonderen Momenten – etwa wenn ein scheinbar verlorenes Gerät durch einen winzigen Eingriff wieder zum Leben erweckt wird. Oft genügt ein kleines Bauteil, ein loses Kabel oder ein einfacher Handgriff, um ein Gerät zu retten.
Kampf gegen die Wegwerfmentalität
Dennoch setzt das Repair Café bewusst ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität und zeigt, dass nachhaltiges Handeln im Alltag möglich ist.
Ein Erfolgsmodell seit über zehn Jahren
Seit der ersten Veranstaltung im Frühjahr 2014 hat sich das Repair Café Veitshöchheim zu einer festen Institution entwickelt.
Doch die Arbeit der Ehrenamtlichen wird zunehmend schwieriger. Immer mehr Produkte sind so konstruiert, dass sie sich kaum noch reparieren lassen. Diese Entwicklung erschwert Reparaturen und senkt die Erfolgsquote.
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Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Reparaturquote aus. Dennoch setzt das Repair Café bewusst ein Zeichen gegen diese „Wegwerfmentalität“ und zeigt, dass nachhaltiges Handeln im Alltag möglich ist.
Neues Angebot und Blick in die Zukunft
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Bereits bei der letzten Veranstaltung wurde das Angebot erweitert: So gab es Unterstützung für Computerbesitzer, etwa bei Softwareproblemen oder beim Umstieg auf das freie Betriebssystem Linux. Dieses Zusatzangebot stieß auf großes Interesse und soll weiter ausgebaut werden.
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Auch organisatorisch ist das Repair Café gut aufgestellt. Federführend organisiert von Daniel Schiel und Klimaschutzmanager Jan Speth (im Bild rechts), kann sich das Projekt auf einen festen Stamm engagierter Helfer verlassen.
Rückblick: Gelungene Premiere 2014 als Grundstein
Ein Blick zurück zeigt, wie alles begann: Am 3. Mai 2014 wurde im Werkraum der Grundschule das erste Veitshöchheimer Repair Café veranstaltet – mit großem Erfolg. Initiiert vom damaligen Klimaschutzmanager Jochen Spieß (hinten links) und Daniel Schiel (vorne 2.v.r.) herrschte von Beginn an ein reges Treiben.
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Rund 60 Reparaturen wurden an diesem Nachmittag angenommen. Etwa drei Viertel entfielen auf Elektrogeräte, ergänzt durch Fahrräder, Kleidung und sonstige Gegenstände. Die Erfolgsquote war bemerkenswert: 36 Reparaturen gelangen vollständig, weitere teilweise – nur etwa ein Viertel der Geräte war nicht mehr zu retten.
Schon damals zeigte sich die ganze Bandbreite der Reparaturen: vom DVD-Player mit Kabelbruch über eine Gartenlaterne mit neuem Stromanschluss bis hin zur historischen Nähmaschine, die mit wenigen Handgriffen wieder funktionierte. Besonders eindrucksvoll war auch die Reparatur eines Autos, bei dem durch einen kleinen Eingriff eine teure Werkstattrechnung vermieden werden konnte.
Neben der Technik stand von Anfang an die Hilfe zur Selbsthilfe im Mittelpunkt. Besucher konnten nicht nur ihre Gegenstände reparieren lassen, sondern selbst mit anpacken und dazulernen. Auch der soziale Aspekt spielte bereits eine große Rolle – bei Kaffee und Kuchen entstand ein lebendiger Austausch zwischen Helfern und Gästen.
Das durchweg positive Feedback bestätigte die Initiatoren in ihrem Ansatz. Viele Besucher wünschten sich eine Fortsetzung – ein Wunsch, der erfüllt wurde: Aus der erfolgreichen Premiere entwickelte sich ein dauerhaftes Angebot, das heute aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken ist.
Mitmachen weiterhin erwünscht
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Auch bei der 20. Ausgabe galt: Die Teilnahme ist ohne Anmeldung möglich, die Hilfe erfolgt auf Spendenbasis. Für das leibliche Wohl ist gesorgt – und auch Kuchenspenden sind willkommen.
Gesucht werden weiterhin neue Helfer, insbesondere mit technischem Know-how im Bereich Elektrogeräte. Wer eigenes Werkzeug besitzt, kann dieses gerne mitbringen.
Fazit:
Das Repair Café Veitshöchheim ist längst mehr als nur eine Reparaturwerkstatt. Es ist ein Ort der Begegnung, des Lernens und der gelebten Nachhaltigkeit – und auch in seiner 20. Ausgabe ein starkes Zeichen gegen das Wegwerfen und für eine bewusstere Nutzung unserer Ressourcen.
Fotos Dieter Gürz