Große Ehre für die Gemeinde Veitshöchheim im Schloss Bellevue des Bundespräsidenten in Berlin: Auszeichnung mit dem deutsch-italienischen Städtepartnerschaftspreis
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Deutsch-italienische Freundschaft: Veitshöchheim erhält Auszeichnung im Schloss Bellevue
Veitshöchheim erhält im Schloss Bellevue eine besondere Auszeichnung für jahrzehntelange Partnerschaftsarbeit mit Greve in Chianti.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella haben am 15. November 2025 im Schloss Bellevue den Deutsch-Italienischen Städtepartnerschaftspreis verliehen. Unter den Geehrten: die Kommunen Veitshöchheim und Greve in Chianti (Veitshöchheims Bürgermeister Jürgen Götz = 5.v.r. Screenshot Video BPA).
Mit der Verleihung würdigten die beiden Staatsoberhäupter nach 2021 und 2023 zum dritten Mal städtepartnerschaftliche Projekte, die grenzüberschreitendes kommunales und bürgerschaftliches Engagement und Gemeinwohl fördern. In der Kategorie „Große Gemeinden“ wurde zwei Partnerschaften ausgezeichnet, in der Kategorie „Kleinere Gemeinden“ vier Städtebündnisse. Die Gewinnerkommunen wählte eine deutsch-italienische Jury unter 26 Bewerbungen aus.
Hier die Preisträger:
Große Gemeinden (mindestens eine Gemeinde mit über 40.000 Einwohnern):
- Bologna (Emilia-Romagna) – Münster (Nordrhein-Westfalen)
- Pistoia (Toskana) – Zittau (Sachsen)
Kleinere Gemeinden (bis zu 40.000 Einwohner):
- Gubbio (Umbria) – Wertheim (Baden-Württemberg)
- Greve in Chianti (Toskana) – Gemeinde Veitshöchheim (Bayern)
- Formigine (Emilia-Romagna) – Verden (Niedersachsen)
- Gualdo Tadino (Umbria) – Schwandorf (Bayern)
Die ausgezeichneten Projekte bauen Brücken zwischen unseren Ländern, und sie stärken unser gemeinsames Europa", würdigte der Bundespräsident die Gewinner.
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VeitshöchheimsBürgermeister Jürgen Götz freut sich mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über die Auszeichnung.
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Die Preise überreichten der italienische Botschafter in Deutschland Fabrizio Bucci (links) an Greves Sindaco Paolo Sottani, der Deutsche Botschafter in Rom Thomas Bagger (rechts) an Veitshöchheims Bürgermeister Jürgen Götz. Bagger ist der Sohn des Generalinspekteurs der Bundeswehr Hartmut Bagger (2/1996-3-1999), der war als Generalmajor von Dezember 1990 bis März 1992 Kommandeur der 12. Panzerdivision in Veitshöchheim war.
„Ein großartiger Moment für unsere Gemeinde“
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Das ausgezeichnete Vorhaben umfasst ein viertägiges Austauschprogramm für jeweils rund 30 Jugendliche. Deutsche Jugendliche besuchen im Frühjahr 2026 Greve in Chianti und begehen dort den neu gestalteten „Sentiero della Memoria“, der an ein Massaker deutscher Truppen erinnert. Im Sommer folgt der Gegenbesuch in Veitshöchheim – mit Workshops, Begegnungsformaten, kulturellen Einheiten und historischen Lernorten in Nürnberg.
Die Idee zur Bewerbung entstand kurzfristig im Sommer. „Wir hatten nur drei Tage Zeit, den Antrag zu schreiben“, berichtet Götz. Wesentliche inhaltliche Arbeit leisteten dabei die gemeindlichen Jugendpflegekräfte Rebecca Hofmann und Pascal Madervom Jugendzentrum. Das Budget umfasst 25.000 Euro für das Veitshöchheimer Programm – finanziert durch 22.500 Euro aus dem Förderpreis und 2.500 Euro Eigenanteil der Gemeinde.
Die Städtepartnerschaft wurde vor 31 Jahren besiegelt und seither auf vielen Ebenen lebendig gestaltet: Kontakte zwischen den Jägern beider Orte, musikalischer Austausch zwischen Musikverein, Banda von Panzano und Ensembles der Musikschule, Gastspiele des Kinder-, Jugend- und Projektchors, ebenso wie Konzerte des Chianti-Jugendorchesters in Veitshöchheim. Auch mehrere Künstler-Workshops stärkten die kulturelle Verbindung. Besonders tragend ist seit über zehn Jahren der regelmäßige Austausch der Mittelschulen.
Zuletzt verbrachten im März 2025 siebzehn Achtklässler aus Veitshöchheim eine Woche in Greve, wo sie eine historische Gedenkstätte zum Massaker in Venagrossa besuchten und gemeinsam das Erasmus-Projekt „Arno und Main – zwei europäische Flüsse im Vergleich“ vorbereiteten.
Mit der Auszeichnung beginnt nun die Umsetzungsphase des Projekts. Beide Gemeinden sehen darin eine große Chance, ihre seit Jahrzehnten bestehende Freundschaft zu vertiefen – und junge Menschen für Europa, Demokratie und Erinnerung zu begeistern.
Ziele und Maßnahmen des Förderprogramms
Der Förderantrag der Gemeinde Veitshöchheim beschreibt ein umfassendes Jugend- und Begegnungsprogramm, das von Januar bis November 2026 umgesetzt wird. Betreut wird es durch die Jugendpfleger Pascal Mader und Rebecca Hofmann sowie das Partnerschaftskomitee unter Leitung von Sieglinde Winter-Denk.
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Stärkung der Erinnerungskultur durch Besuche bedeutender historischer Lernorte
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Förderung von Jugendbeteiligung und bürgerschaftlichem Engagement
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Verbesserung der Vernetzung italienischer und deutscher Jugendlicher
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Stärkung der Völkerverständigung und europäischen Partnerschaft
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Aufbau interkultureller Kompetenzen
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Förderung eines nachhaltigen, bewusst gestalteten Tourismus
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Abbau von Vorurteilen und nachhaltige Fortsetzung der Partnerschaftsarbeit
Ein digital-interaktiver Rundgang führt die Gruppe durch den Ort, erklärt bedeutende Stationen und endet am geografischen Mittelpunkt der EU in Gadheim.
Eine fachlich angeleitete Verkostung vermittelt Hintergründe zum regionalen Weinbau, erklärt lokale Sorten und thematisiert auch Klimaeinflüsse auf den Weinbau.
Besuch des Reichsparteitagsgeländes und der Dokumentationsstätte zum Nationalsozialismus. Der Tag endet mit einem gemeinsamen Essen und einem Konzert der Veitshöchheimer Sing- und Musikschule.
Vorstellung der App, gemeinsames Entwickeln von Ideen, wie sie genutzt werden kann, um transnationale Jugendkontakte zu pflegen, digitale Stadttouren zu gestalten und langfristige Kommunikation zu ermöglichen.
Einblicke in lokale Geschichte, demokratische Strukturen und jüdisches Leben in der Region.
Jugendliche und lokale Senioren begegnen sich im moderierten Format „Erzähl mir deine Geschichte“ – ein Beitrag zur Erinnerungskultur und zum intergenerationellen Lernen.
Veitshöchheimer Jugendliche kochen mit den Gästen ein traditionelles fränkisches Gericht und gestalten einen gemeinsamen Abend.
Pädagogische Begleitung und Nachhaltigkeit
Das Programm setzt auf Methoden der Sozial- und Erlebnispädagogik. Reflexionsrunden, Auswertungsphasen und Follow-up-Gespräche – teils per Video-Konferenz – sichern die Nachhaltigkeit.
Ein Ziel ist, die Jugend-App über das Projekt hinaus als dauerhaftes Werkzeug der Partnerschaft einzusetzen.
Die Maßnahmen sollen die deutsch-italienischen Beziehungen vertiefen, die Jugendarbeit vernetzen, historisch-kulturelle Bildung stärken und den Boden für weitere gemeinsame Projekte bereiten.
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„Für eine Gemeinde unserer Größe, die seit Jahrzehnten vier Partnerschaften aktiv pflegt, war die Einladung etwas ganz Besonderes“, sagt Götz.
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In Begleitung seiner italienischen Partnerschaftsbeauftragten Sieglinde Winter-Denk war er am Freitag nach Berlin gereist und traf dort auf Greves Bürgermeister Paolo Sottani und dessen Partnerschaftsbeauftragte Flavia Affodonati.
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Am Samstag folgte die feierliche Zeremonie im Festsaal von Schloss Bellevue. Im Bild beglückwünschen die beiden Staatspräsidenten Veitshöchheims Bürgermeister.
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In seiner Rede erinnerte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die über 400 Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Italien, die seit Jahrzehnten eine tragende Säule der bilateralen Freundschaft seien. Sie förderten Begegnung, Austausch und besonders den Dialog der jungen Generation.
Im kommenden Jahr blicken beide Länder auf 75 Jahre diplomatischer Beziehungen zurück – ein Jubiläum, das, so Steinmeier, zeige, „wie eng wir politisch, kulturell, wirtschaftlich und menschlich zusammengewachsen sind“.
Besonderen Raum widmete der Bundespräsident der Anwerbung italienischer Arbeitskräfte, deren Abkommen sich 2025 zum 70. Mal jährt. Hunderttausende Menschen, vor allem aus dem Süden Italiens, seien damals nach Deutschland gekommen. „Deutschland schuldet seinen italienischen Einwanderern Dank und Respekt“, betonte Steinmeier. Die Aufbauleistung dieser Menschen sei lange unterschätzt worden: „Die Erfolgsgeschichte unseres Nachkriegsdeutschlands hat auch einen Migrationshintergrund.“
Gleichzeitig mahnte Steinmeier, die dunklen Kapitel der gemeinsamen Geschichte nicht zu verdrängen. Er erinnerte an die nationalsozialistischen Verbrechen in Italien, zuletzt an das Gedenken in Marzabotto. Gemeinsames Erinnern, so Steinmeier, eröffne Chancen für eine friedliche Zukunft – ein Gedanke, den auch die prämierten Städtepartnerschaftsprojekte verkörpern.
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Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella würdigte die Initiative Steinmeiers und hob die Rolle der Kommunen als „Herz des europäischen Zusammenlebens“ hervor. Städte seien Orte, an denen junge Menschen Werte erlernen und Weltoffenheit konkret erlebbar werde. Die Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Italien schafften Vertrauen, förderten Vielfalt und seien zugleich Motor für Innovation – von sozialem Zusammenhalt bis Umweltpolitik.
Ausgezeichnet wurden Partnerschaften und Projekte zwischen Kommunen in Deutschland und Italien vor allem in den Bereichen Jugend und Generationendialog, bürgerschaftliches Engagement, Europa und Erinnerungskultur, Nachhaltigkeit sowie sozialer Zusammenhalt.
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Steinmeier: „Die ausgezeichneten Projekte bauen Brücken zwischen unseren Ländern, und sie stärken unser gemeinsames Europa“. Die Initiative wird von den Außenministerien beider Länder zu gleichen Teilen finanziert.
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Moderator Markus Lanz, der durch die Veranstaltung führte, schlug einen persönlichen Bogen zur Migrationserfahrung seiner eigenen Familie. Seine Episoden aus Italien und Deutschland zeigten, wie sehr gelungene Integration von Empathie und gegenseitiger Zuwendung lebt. Hier stellt er die musikalische Begleitung des Festaktes durch Vinicio Capossela, Gesang und Flügel und Andrea Lamacchia, Kontrabass mit den Stücken ,,Sciusten Feste n. 1965"und ,,Il tempo dei regali" vor.
Caposella, 1965 als Sohn eines italienischen Gastarbeiters in Hannover geboren ist einer der meistgefeierten und innovativsten Musiker Italiens. Ein Poet, Autor und Künstler, der Volkstraditionen, literarische Fantasien und heatralische Experimente miteinander verbindet.
Im Anschluss an die Preisverleihung fand eine Gesprächsrunde zum Thema "Alte und neue Mobilität in Europa – 70 Jahre deutsch-italienisches Anwerbeabkommen und Wissenschaftsaustausch heute" statt. Die Diskussion, die von TV-Journalist Markus Lanz moderiert wurde, warf einen Blick darauf, wie die deutsch-italienischen Verbindungen über die Jahre gewachsen sind. Auf dem Podium diskutierten: Lorenzo Annese (erster italienischer Gastarbeiter bei Volkswagen Wolfsburg), Professorin Dr. Francesca Biagini (Vizepräsidentin für Mathematik und Informatik der Ludwig-Maximilian-Universität München), Massimiliano Cava (Geschäftsführer von Da Vinci Engineering) und Carolina Oliviero (Teilnehmerin am Deutsch-Italienischen Nachwuchsführungskräfte-Dialog – Spinelli Forum 2025).
Nach dem offiziellen Teil fand ein Empfang mit beiden Präsidenten sowie den deutschen und italienischen Botschaftern statt. Ein persönliches Gespräch ergab sich für Götz insbesondere mit Elke Büdenbender, der Ehefrau des Bundespräsidenten. „Sie war sehr interessiert an unserer langjährigen Partnerschaft und daran, wie viel bürgerschaftliche Arbeit dahintersteckt“, so Götz.
Dass die Veranstaltung in Italien breite Resonanz fand, überrascht den Bürgermeister nicht: „Auf Rai Uno lief ein ausführlicher Bericht. In Deutschland ist die Berichterstattung dagegen eher verhalten.“
Fotos aus dem Fundus von Jürgen Götz und Screenshots des BPA-Videos (nachstehender Link)
Link auf Video des BPA - Auszeichnung Veitshöchheims bei Minute 28