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Veitshöchheim entdecken – wie es kaum jemand kennt: Verborgene Schätze, besondere Menschen und fränkischer Genuss

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Ein Höhepunkt war der Besuch der „Wiener Botschaft“, wo Sommelier Thomas Seitz und seine Frau Marina den Gästeführer (re. mit Hut) und seine Gruppe persönlich empfingen.

21 Teilnehmer erlebten am Samstag, 17. Oktober 2026, mit dem zertifizierten Gästeführer Georg F. Rausch eine weitere Auflage seiner besonderen Erlebnisführung „Veitshöchheim entdecken … wie es kaum jemand kennt“. Diesmal standen fantasievolle Kunstwerke, historische Wasserrechte, außergewöhnliche Gastlichkeit und die traditionelle Arbeit der Häcker im Mittelpunkt. Das Führungskonzept lebt von wechselnden Stationen und persönlichen Begegnungen abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten.


Heinrich Bauers fantasievolle Kunstwerke und humorvolle Weingeschichten

Eine der Stationen galt diesmal den künstlerischen Arbeiten von Heinrich Bauer, der die Besucher mit seiner Kreativität und humorvollen Geschichten rund um den fränkischen Wein und den Bocksbeutel begeisterte.

Besonders die zahlreichen Skulpturen aus Stein oder kunstvoll umfunktionierten Bocksbeuteln sorgten für Staunen. Individuell gestaltete Rankhilfen, Holzstelen, Raumteiler und wasserspeiende Bocksbeutelskulpturen verleihen dem Garten eine unverwechselbare Handschrift – humorvoll, fantasievoll und voller origineller Einfälle.

Für besondere Heiterkeit sorgte die Frage, die sich angesichts der außergewöhnlichen Sammlung nahezu aufdrängte: „Sind das wirklich 3000 Bocksbeutel?“ Und gleich hinterher kam der schmunzelnde Nachsatz: „Haben Sie die alle selbst getrunken?“

Bauers unterhaltsame Erzählungen machten den Besuch zu einer ebenso vergnüglichen wie eindrucksvollen Begegnung mit der fränkischen Weinkultur,  kleine kulinarische Geschmacksprobe inklusive.


Märzebrünnle: Seit Jahrhunderten Lebensader Veitshöchheims

Vorbei an der ehemaligen Kellerei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) führte der Weg zum historischen Martinsbrunnen, auch „Märzebrünnle“ genannt. Hier eröffnete Georg F. Rausch den Teilnehmern überraschende Einblicke in die Geschichte der örtlichen Wasserversorgung.

Bereits im 17. Jahrhundert bestand an dieser Stelle eine gefasste Quelle, wie eine Reparaturrechnung aus dem Jahr 1689 belegt. Die Gemeinde errichtete darüber eine Brunnenstube mit Dach. Erst Ende der 1970er Jahre wurde der Zugang mit einem Tor verschlossen, um spielende Kinder vor Gefahren zu schützen.

Über Jahrhunderte war der Martinsbrunnen der älteste und wichtigste Brunnen Veitshöchheims und zugleich ein zentraler Treffpunkt der Bevölkerung. Hier holten die Bewohner ihr tägliches Trinkwasser – bis zum Bau der öffentlichen Wasserversorgungsanlage im Jahr 1922.

Wie lebenswichtig die Quelle war, verdeutlicht ein Eintrag in den Gemeindeannalen von 1836: Damals trockneten die örtlichen Quellen nahezu vollständig aus. Über mehrere Monate bis Anfang März herrschte erheblicher Wassermangel, mit gravierenden Folgen für die Bevölkerung.

Wegen seiner hervorragenden Wasserqualität nutzte auch Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim die Quelle. Über eigens verlegte Bleirohre ließ er einen Teil des klaren Wassers in die damaligen fürstlichen Gebäude leiten. Auch der rund 300 Meter entfernte Wasserturm im Hofgarten wurde damit versorgt.

Das Quellwasser speiste einst über den Mühlbach die Eremitenmühle. Seit 2009 versorgt es zudem die neu angelegte Kneippanlage an der Mainlände.

Besonders die von Rausch erläuterten historischen Wasserrechte und ihre Bedeutung für die Bevölkerung stießen bei den Teilnehmern auf großes Interesse. Die Geschichte des unscheinbaren Brunnens machte deutlich, wie eng die Entwicklung Veitshöchheims mit seinen Wasserquellen verbunden ist.


Wiener Botschaft: Gastlichkeit mit Herzblut und neuen Perspektiven

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der „Wiener Botschaft“, die Sommelier Thomas Seitz mit großem Engagement als Eventlocation für private Feiern und berufliche Veranstaltungen anbietet. Das gastronomische Angebot und die vielfältigen Möglichkeiten für einen genussvollen Aufenthalt stießen auf reges Interesse.

Einige Teilnehmer kündigten bereits an, 2027 für ein Wochenende wiederkommen zu wollen, um unter anderem die Cocktailbar „Romy“ kennenzulernen.

„Mit wie viel Herzblut er sein Haus präsentierete, hat unsere Gruppe nachhaltig beeindruckt", freut sich Rausch.

Anschließend genossen die Besucher in der gemütlichen Weinstube eine zünftige fränkische Brotzeit mit Gerupftem und Müller-Thurgau.


Mit 90 Jahren voller Leidenschaft: Edwin Wald lässt das alte Veitshöchheim lebendig werden

Den eindrucksvollen Abschluss der Erlebnisführung bildete der Besuch bei Edwin Wald in der Bahnhofstraße 2. Der inzwischen 90-jährige Urveitshöchheimer präsentierte mit bemerkenswerter Energie und Begeisterung seine Sammlung historischer Häcker- und Landwirtschaftsgeräte.

Wald ist im Veitshöchheimer Altort aufgewachsen und hat dessen Wandel über Jahrzehnte hautnah miterlebt. Bis 1964 wohnte er in seinem Elternhaus in der Bahnhofstraße 2, anschließend im unmittelbar daneben errichteten Familienhaus.

In seiner Kindheit gab es allein im Altort noch 45 Bauern und 16 Heckenwirtschaften. Auch seine Eltern betrieben Landwirtschaft, bewirtschafteten einen rund einen halben Hektar großen Weinberg mit Silvaner-Reben in der Weinlage „Sonnenschein“ und führten bis 1964 eine eigene Heckenwirtschaft.

Den elterlichen Weinberg bewirtschaftete Edwin Wald noch bis 1995 selbst, ehe er ihn verkaufte. Damit kennt er die traditionelle Arbeit der fränkischen Häcker nicht nur aus Erzählungen, sondern aus jahrzehntelanger eigener Erfahrung.

Um dieses Wissen für nachfolgende Generationen zu bewahren, hat er an den Seitenwänden seiner Garage eine kleine Ausstellung mit historischen Gerätschaften eingerichtet. Die Exponate stammen aus der Arbeitswelt der 1920er und 1930er Jahre und vermitteln einen anschaulichen Eindruck davon, wie mühsam Landwirtschaft und Weinbau einst waren.

Der Kontrast zur Gegenwart könnte kaum größer sein: Während früher zahlreiche Bauern und Häcker das Ortsbild prägten, sind die verbliebenen landwirtschaftlichen Betriebe und Winzer heute an wenigen Händen abzuzählen. Auch die traditionellen Heckenwirtschaften sind aus dem Ortsleben verschwunden.

„Es ist beeindruckend, mit welcher Leidenschaft Edwin Wald auch mit 90 Jahren seine historischen Geräte vorstellt. Er hat den Wandel Veitshöchheims selbst erlebt und bewahrt ein Stück Ortsgeschichte, das sonst verloren gehen könnte“, würdigt Gästeführer Georg F. Rausch dessen Engagement.

Mit seinem lebendigen Rückblick auf das bäuerlich geprägte Veitshöchheim setzte Edwin Wald einen besonders eindrucksvollen Schlusspunkt unter die Entdeckungstour.


Wechselnde Stationen: Ausgezeichnete Brennkunst bei Pabst

Dass die Erlebnisführung immer wieder neue Facetten Veitshöchheims erschließt, zeigt ein Blick auf frühere Rundgänge. So gewährte bereits die Brennerei Pabst Einblicke in das traditionelle fränkische Brennerhandwerk.

Der Familienbetrieb verarbeitet Kern- und Steinobst, seltene Wildfrüchte und Weintrauben zu hochwertigen Destillaten. Zum Sortiment gehören außerdem Liköre, Geiste und Gin. Bei der Fränkischen Prämierung 2023 gab es Gold für Zwetschgen-Brombeer- und Mispelbrand, fünfmal Silber und zweimal Bronze für weitere Obst- und Traubenbrände sowie Geiste.

2024 erhielt die Brennerei den Bayerischen Staatsehrenpreis für Edelbrenner – eine besondere Würdigung ihrer handwerklichen Qualität. Der Betrieb steht beispielhaft für die regionalen Traditionen und das Können, die Rausch bei seinen wechselnden Erlebnisführungen erlebbar macht.

Solche Betriebsbesuche zeigen, wie handwerkliche Tradition, regionale Produkte und unternehmerische Ideen das heutige Veitshöchheim prägen.


Menschen und ihre Geschichten machen den Unterschied

Georg F. Rausch ist seit 2023 zertifizierter Gästeführer „Weinerlebnis Franken“. Nach einer 30-jährigen Beratertätigkeit absolvierte er seine Ausbildung an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau.

Mit seinem Führungskonzept möchte er nicht nur historische Zusammenhänge vermitteln, sondern auch Menschen und Projekte vorstellen, die im touristischen Alltag häufig im Verborgenen bleiben.

Die wechselnde Auswahl der Stationen ermöglicht dabei immer wieder neue Perspektiven auf die Geschichte, Kultur, Gastronomie und das handwerkliche Können im Ort.

„Mir geht es darum, nicht nur Sehenswürdigkeiten zu zeigen, sondern vor allem Menschen vorzustellen, die Veitshöchheim mit ihren Ideen, ihrer Kreativität und ihrer Begeisterung bereichern. Gerade diese persönlichen Begegnungen machen eine Führung unvergesslich“, beschreibt Rausch den Grundgedanken seines Angebots.

Fotos Dieter Gürz

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