40 Jahre UWG/FW Veitshöchheim: Jubiläumsfeier mit Rückblick auf vier Jahrzehnte unabhängige Kommunalpolitik
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Erinnerunsfoto 40 Jahre UWG Veitshöchheim: die aktuellen Gemeinderatsmitglieder mit Ehrengast - v.r.n.l. Landtagsabgeordneter Felix Freiherr von Zobel, Fraktionssprecher Bernd Schäfer, Julia Kinzkofer, Vorsitzender Martin Issing, Andreas Düll und Gemeinderatskandidat Dominik Reinhard
Vier Jahrzehnte kommunalpolitisches Engagement, zahlreiche Initiativen für die Gemeinde und eine bis heute lebendige Vereinskultur: Die Unabhängige Wählergemeinschaft – Freie Wähler Veitshöchheim e.V. (UWG/FW) feierte am Freitagabend, 30. Oktober 2026, im Weingut Heßler ihr 40-jähriges Bestehen.
Neben einem Rückblick auf die Vereinsgeschichte standen Grußworte, aktuelle kommunalpolitische Herausforderungen und die Ehrung langjähriger Mitglieder im Mittelpunkt. Zu den Gratulanten gehörten der Dritte Bürgermeister Steffen Mucha, der Bürgermeister Jürgen Götz vertrat, und der Landtagsabgeordnete Felix Freiherr von Zobel (FREIE WÄHLER).
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Nach dem Begrüßungsgetränk hieß der erste Vorsitzende Martin Issing die Gäste in der Weinstube des Weinguts Heßler willkommen. In seiner Ansprache blickte er auf die Geschichte, die Entwicklung und die vielfältigen Aktivitäten der UWG zurück.
Seit vier Jahrzehnten sei die Wählergemeinschaft eine feste Größe im politischen Leben Veitshöchheims. Ihr Selbstverständnis beruhe auf einer unabhängigen, sachorientierten und konstruktiven Kommunalpolitik, die sich an den Bedürfnissen der Bürger und der Zukunft der Gemeinde orientiere.
Besonders hob Issing das ehrenamtliche Engagement der Gemeinderäte hervor. Deren Arbeit beschränke sich keineswegs auf die monatlichen Gemeinderatssitzungen. Hinzu kämen zahlreiche Besprechungen, Ortstermine, Veranstaltungen und persönliche Gespräche mit der Bevölkerung.
Gleichzeitig warb er für ein stärkeres Interesse der Bürger an den kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen. Insbesondere die öffentlichen Gemeinderatssitzungen böten Gelegenheit, sich unmittelbar über wichtige Themen und Entwicklungen zu informieren.
Erfreut zeigte sich Issing über die jüngste Entwicklung des Ortsvereins. Die UWG zählt inzwischen mehr als 30 Mitglieder und konnte vier neue Mitglieder gewinnen.
Besonders positiv bewertete er das Abschneiden bei der Kommunalwahl 2026, bei der die Wählergemeinschaft einen zusätzlichen Sitz im Gemeinderat errang und nun mit vier Mandaten vertreten ist.
Damit sieht Issing die kommunalpolitische Arbeit der vergangenen Jahre bestätigt. Zugleich machte er deutlich, dass die künftigen Aufgaben nur durch eine konstruktive Zusammenarbeit mit Bürgermeister, Gemeindeverwaltung und allen politischen Gruppierungen bewältigt werden könnten.
Dass sich die UWG nicht allein auf die politische Arbeit im Gemeinderat beschränkt, verdeutlichte Issing anhand zahlreicher Aktivitäten.
Dazu zählten die Teilnahme am Weihnachtsmarkt, gemeinsame Winterwanderungen, Vortragsveranstaltungen, Betriebsbesichtigungen, das Repair-Café sowie Aktionen für Kinder und Jugendliche.
Auch in früheren Jahren engagierte sich der Verein mit Spendenaktionen zugunsten der Mittelschulband, der Jugendfeuerwehr und des Vereins Jugendbahnhof. Hinzu kamen Angebote im Ferienprogramm, Kabarettveranstaltungen am Aschermittwoch und Informationsabende zu kommunalpolitischen Themen wie bezahlbarem Wohnen und Klimaschutz.
Für die Zukunft wünschte sich Issing eine positive Weiterentwicklung des Vereins, neue Impulse durch engagierte Mitglieder und eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung am kommunalen Geschehen.
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Die Glückwünsche und den Jubiläumsscheck der Gemeinde in Höhe von 200 Euro überbrachte Dritter Bürgermeister Steffen Mucha, der den verhinderten Ersten Bürgermeister Jürgen Götz vertrat.
In seinem Grußwort stellte Mucha die Bedeutung von Demokratie, Bürgerbeteiligung und gesellschaftlichem Zusammenhalt heraus. Kommunalpolitik sei unmittelbar mit dem Alltag der Menschen verbunden und umfasse eine Vielzahl von Aufgaben, von der Kinderbetreuung und Bildung über Infrastruktur und Kultur bis hin zur Förderung der örtlichen Vereine.
Dabei machte er deutlich, dass die finanziellen Handlungsspielräume einer Gemeinde begrenzt seien. Gerade freiwillige Leistungen könnten nur dann dauerhaft angeboten werden, wenn die erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung stünden.
Bezahlbarer Wohnraum, generationengerechtes Bauen, solide Gemeindefinanzen und die Herausforderungen des demografischen Wandels gehörten nach seinen Worten zu den wichtigen Zukunftsaufgaben. Auch die Digitalisierung müsse rechtzeitig und vorausschauend gestaltet werden.
Ein besonderes Anliegen war Mucha die stärkere Einbindung der Bevölkerung in kommunale Entscheidungen.
Im Zusammenhang mit der vorgesehenen Aktualisierung des Flächennutzungsplans verwies er auf neue Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung. Die Anliegen und Anregungen der Einwohner müssten gehört und bei der weiteren Entwicklung der Gemeinde berücksichtigt werden.
Demokratie lebe vom Austausch unterschiedlicher Meinungen, vom gegenseitigen Respekt und von der Bereitschaft, tragfähige Kompromisse zu finden.
Seine zentrale Botschaft lautete sinngemäß: Nicht nur über die Zukunft reden, sondern sie gemeinsam gestalten.
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Mit Felix Freiherr von Zobel war auch ein Vertreter der FREIEN WÄHLER aus dem Bayerischen Landtag zur Jubiläumsfeier gekommen.
Der 34-jährige Landwirt aus Ochsenfurt gehört seit Oktober 2023 dem Bayerischen Landtag an und ist dort unter anderem im Haushaltsausschuss tätig. Seine politischen Wurzeln liegen in der Kommunalpolitik. Seit 2013 engagiert er sich in der UWG-FW des Landkreises Würzburg, seit 2020 gehört er dem Kreistag und seit 2022 dem Ochsenfurter Stadtrat an.
Von Zobel stellte sich den Gästen mit einem persönlichen und humorvollen Einblick in seinen beruflichen und politischen Werdegang vor. Eigentlich habe er sich stärker mit Agrarpolitik beschäftigen wollen, sei im Landtag jedoch vor allem mit Haushaltsfragen befasst.
Seine Erfahrungen aus der Kommunalpolitik seien für die Arbeit auf Landesebene weiterhin von großer Bedeutung.
In seinem Grußwort würdigte von Zobel besonders das 40-jährige ehrenamtliche Engagement der UWG Veitshöchheim.
Anders als bei den großen Fragen der Bundes- und Weltpolitik gehe es bei unabhängigen Wählergemeinschaften vor allem um konkrete Anliegen der eigenen Gemeinde und des Landkreises.
Gerade darin liege ihre besondere Stärke: Probleme vor Ort aufzugreifen, Lösungen zu entwickeln und Verantwortung für die unmittelbare Lebensumgebung zu übernehmen.
Von Zobel dankte ausdrücklich den Gründungsmitgliedern sowie allen Frauen und Männern, die sich in den vergangenen vier Jahrzehnten in der Vorstandschaft, bei Kommunalwahlen und im Gemeinderat engagiert haben.
Er machte zugleich deutlich, dass kommunalpolitisches Engagement keine Selbstverständlichkeit sei. Es sei leicht, Entscheidungen zu kritisieren, aber wesentlich anspruchsvoller, selbst Verantwortung zu übernehmen und an Lösungen mitzuarbeiten.
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Besonders erfreut zeigte sich von Zobel darüber, dass auch Vertreter anderer politischer Gruppierungen, darunter CSU und Grüne, der Einladung zum Jubiläum gefolgt waren (so auch zwei Fraktionsprecher, links Christina Feiler (Grüne) und rechts Marc Zenner (CSU).
Diese gegenseitige Wertschätzung sei keineswegs überall selbstverständlich. Gerade im Landkreis Würzburg gebe es eine Tradition, sich auch über politische Grenzen hinweg bei Veranstaltungen zu begegnen.
Von Zobel berichtete, dass er selbst in der Kommunalpolitik durchaus kritisch hinterfragt werde. Gerade diese Unabhängigkeit und die Bereitschaft zur offenen Auseinandersetzung seien wichtige Voraussetzungen für eine glaubwürdige politische Arbeit.
Sein Appell: Auch wenn in Gemeinderatssitzungen hart um Positionen gerungen werde, müsse es anschließend möglich sein, sich wieder in die Augen zu schauen und die Hand zu reichen.
Unterschiedliche Meinungen dürften das persönliche Miteinander nicht zerstören. Dieser demokratische Umgang sei eine besondere Stärke der kommunalpolitischen Kultur, die es zu bewahren gelte.
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Für den Ehrengast gab es am Ende den EU-Mittelpunkts-Bocksbeutel
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Der historische Rückblick führte weit über die eigentliche Vereinsgründung hinaus.
Bereits 1952 gab es in Veitshöchheim Freie Wählergruppen. Im Jahr 1983 schlossen sich zwei bestehende Gruppierungen um Josef Ries und Eduard Schmitt zur Wählergruppe „Unabhängige Bürger“ zusammen.
Die entscheidende organisatorische Weichenstellung erfolgte am 23. Januar 1986, als 38 Bürger im Gasthaus „Blaue Traube“ den Ortsverein der Unabhängigen Wählergemeinschaft gründeten, unter ihnen Hilmar Laug (2.v.r.) und Manfred Roßner (hinten in der Tischmitte).
Die Initiative ging von den damaligen Gemeinderäten Eduard Schmitt, Wolfgang Herrmann und Rudolf Simmelbauer aus. Ihr Ziel war es, die politische Arbeit der parteiunabhängigen Gruppierung auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen und die Mitglieder auch zwischen den Kommunalwahlen stärker einzubinden.
Zum ersten Vorsitzenden wurde Rudolf Gabler gewählt. Seine Stellvertreterin war Elisabeth Schilling-Küng, Schriftführer Rudolf Simmelbauer und Kassier Manfred Roßner. Als Fraktionssprecher fungierte Eduard Schmitt.
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In den vergangenen 40 Jahren standen sieben Vorsitzende an der Spitze der UWG Veitshöchheim.
Den Anfang machte Rudolf Gabler (1986 bis 1990). Ihm folgten Burkard Löffler (1990 bis 1994), Wolfgang Diedering (1994 bis 2004), Alfons Pfannes (2004 bis 2010), Arno Greiner (2010 bis 2016) und Alexander Götz (2016 bis 2018).
Seit Anfang 2019 führt Martin Issing den Ortsverein.
Die UWG ist seit ihrer Gründung kontinuierlich im Veitshöchheimer Gemeinderat vertreten. Ihren bis dahin größten Wahlerfolg erzielte sie 2026 mit 18 Prozent der Stimmen und vier Mandaten.
Mit Dieter Baier stellte sie zwölf Jahre lang einen stellvertretenden Bürgermeister, mit Winfried Knötgen von 2014 bis 2020 weitere sechs Jahre.
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Ein weiterer Rückblick auf vier Jahrzehnte Vereinsgeschichte stammte von Manfred Roßner, Gründungsmitglied und zweitem Vorsitzenden der UWG.
Roßner erinnerte insbesondere an das Engagement von Rudolf Simmelbauer, der sich für sichere Schulwege, die Gründung der Musikschule, die Einführung des Ferienpasses und die Förderung der Jugendarbeit eingesetzt hatte.
Auch wichtige Infrastrukturprojekte der Gemeinde griff Roßner auf. Dazu gehörten die 1990 eröffnete Freisportanlage am Speckert, die später ergänzte Dreifachturnhalle mit Lehrschwimmbecken und die Entwicklung des benachbarten Gymnasiums.
Bereits 1985 hatten sich mehr als 200 Bürger in einem offenen Brief für die geplante Freisportanlage ausgesprochen.
Roßner erinnerte daran, dass solche Vorhaben durch langfristige Planung, bürgerschaftliches Engagement und das Zusammenwirken verschiedener Kräfte im Gemeinderat verwirklicht werden konnten.
Auch aktuelle Themen fanden Eingang in Roßners Betrachtungen.
Mit Blick auf die Neugestaltung der Mainlände an den Mainfrankensälen, deren Fertigstellung bis 2029 vorgesehen ist, warb er für Verständnis der technischen und planerischen Zusammenhänge sowie für einen sachlichen Umgang mit unterschiedlichen Auffassungen.
Ein weiteres Beispiel war der Nachbarschaftskonflikt um Lautsprecherdurchsagen im Biergarten „Meegärtle“. Hier schlug Roßner den Einsatz elektronischer Pager vor, um Gäste künftig ohne Lautsprecherdurchsagen über fertig zubereitete Speisen informieren zu können.
Von seinem Preisgeld beim Veitshöchheimer Innovationspreis 2026 für Klima- und Umweltschutz stellte er dafür 100 Euro in Aussicht.
Sein Anliegen: Mit gutem Willen und praktikablen Lösungen ließen sich unterschiedliche Interessen häufig miteinander vereinbaren.
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Abschließender Programmpunkt des Jubiläumsabends war die Ehrung von zehn langjährigen Mitgliedern, die der UWG Veitshöchheim seit einem Vierteljahrhundert oder sogar seit ihrer Gründung verbunden sind, v.l.n.r. Vorsitzender Martin Issing, Hilmar Lauf, Manfred Roßner (beide 40 Jahre), Prof. Dr. Tiemo Grimm (35), Stefan Einberger, Anton Müller, Stefan Oppmann (alle 25), Rosa Wittstadt (30), Prof. Dr. Dieter Kranzfelder, Alfons Pfannes (beide 25) und Winfried Knötgen (30).
Die Ehrungen verdeutlichten, so Issing, wie sehr die Entwicklung des Vereins von Menschen geprägt wurde, die sich über viele Jahre hinweg für unabhängige Kommunalpolitik und das Gemeinwohl eingesetzt haben.
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Zum Abschluss seines Rückblicks dankte Vorsitzender Martin Issing allen Mitgliedern, Unterstützern und Wählern für ihre langjährige Treue und das entgegengebrachte Vertrauen.
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Besonders freute er sich über die neuen Mitglieder des letzten Jahres, die er mit einem Miniaturbocksbeutel beschenkte (v.l.n.r. Martin Issing, Claudia Schädel, Robert Röhm, Sabine Werner, Julia Kinzkofer, Andreas Düll und Dominik Reinhard).
Die UWG/FW Veitshöchheim stehe auch künftig vor der Aufgabe, kommunalpolitische Entwicklungen konstruktiv zu begleiten, neue Mitglieder für die Mitarbeit zu gewinnen und die Bürger stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
Die Grußworte von Steffen Mucha und Felix von Zobel machten dabei deutlich, dass demokratische Zusammenarbeit, gegenseitiger Respekt und Kompromissbereitschaft über Parteigrenzen hinweg wesentliche Grundlagen einer funktionierenden Kommunalpolitik sind.
40 Jahre nach ihrer Gründung bleibt die UWG/FW Veitshöchheim ihrem ursprünglichen Anliegen verbunden: unabhängig denken, sachorientiert handeln und Verantwortung für die Entwicklung der Gemeinde übernehmen.
Mit einem geselligen Beisammensein, einer Brotzeit und vielen persönlichen Gesprächen klang der Jubiläumsabend im Weingut Heßler aus.
Fotos Dieter Gürz