Heckenwirtschaft „beim Schmidt Schorsch“ in der Oberen Maingasse öffnete wieder ihre Türen
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Mit viel Herzblut und einer großen Portion Heimatgeschichte ist die alte Heckenwirtschaft in der Oberen Maingasse 31 – früher bekannt als „beim Schmidt Schorsch“ – am Freitag und Samstag wieder zum Leben erwacht. Auf Einladung der SPD Veitshöchheim öffnete die historische Stube für Gäste aus nah und fern ihre Türen.
Geboten wurden traditionelle fränkische Speisen, ausgesuchte Weine zu erschwinglichen Preisen und eine Atmosphäre, die zum Verweilen und Gespräch einlud.
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Der Zuspruch war groß, viele Besucher nutzten die Gelegenheit, nicht nur gut zu essen und zu trinken, sondern auch miteinander ins Gespräch zu kommen und alte Erinnerungen aufzufrischen.
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Politik im direkten Austausch
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Die Ortsvereinsvorsitzende Olga Kämmer betonte: „Uns ist wichtig, Politik nahbar zu machen – nicht im Sitzungssaal, sondern dort, wo Menschen gerne zusammenkommen. Ob bei Kultur oder in der Heckenwirtschaft: Der persönliche Austausch steht für uns im Mittelpunkt.“ Die Kandidaten auf der SPD-Liste standen für Fragen und Diskussionen bereit. So verband sich an diesem Wochenende fränkische Tradition mit politischem Dialog in ungezwungener Atmosphäre.
Ein Raum voller Geschichte
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Das Haus, in dem Gastgeberin Maria Edelmann wohnt, war einst das Zuhause ihrer Großeltern Anna und „Schorsch“ Schmidt (Archivfoto Edelmann). Sie betrieben Weinbau im kleinen Stil – wie es früher in Veitshöchheim vielerorts üblich war. Drei Morgen Weinberge am Maintalhang nördlich des Ortes gehörten dazu. Trockenmauern durchzogen den Hang im Abstand von rund sechs Metern, die Bewirtschaftung war mühsam und arbeitsintensiv.
Noch heute zeugen zahlreiche Relikte im Haus von dieser Zeit. Im Eingangsflur hängt die „Karste“, mit der das steinige Gelände bearbeitet wurde. „Man musste damals vor dem Krieg im Jahr noch 17-mal um den Stock gehen, bis man die Trauben ernten konnte“, berichtete Edelmann. Auch ein alter Weinbergpflug ist erhalten. Während die Großmutter auf dem Pflug saß, zog der Großvater ihn mit dem Traktor per Drahtseil den Hang hinauf – eine beschwerliche Arbeit, die viel Erfahrung erforderte.
Von der Lese bis ins Fass
Die Weinlese erfolgte in reiner Handarbeit. Die Trauben wurden geschnitten, in Butten den Hang hinaufgetragen, auf dem Anhänger vorgemahlen und anschließend zur Weinpresse im Garten transportiert. Von dort floss der Most durch Schläuche in die Fässer im Erdgeschoss – die noch heute an ihrem ursprünglichen Platz stehen.
Die Tradition der Heckenwirtschaften reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Winzern war es erlaubt, zu bestimmten Zeiten ihren eigenen Wein auszuschenken. Auch Anna und „Schorsch“ Schmidt bewirteten in ihrer guten Stube, die bis heute nahezu unverändert erhalten ist.
Kindheit zwischen Küche und Gaststube
Mit der Heckenwirtschaft verbindet Maria Edelmann viele persönliche Erinnerungen. „Von Kind an war es für mich völlig normal, dass einmal im Jahr Omas Wohnung ausgeräumt wurde, damit fremde Gäste bei uns im Haus Wein trinken und essen konnten“, erzählt sie schmunzelnd. „Wochenlang hing danach der Geruch von Wein, Bratwurst und Zigarettenrauch im Haus.“
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Die Aufgaben waren klar verteilt: „Oma hatte das Regiment in der Küche, Mutti in der Gaststube. Ich war irgendwo dazwischen.“ (Archivfoto Edelmann). Auch Nachbarn halfen mit, und die Gäste kamen von überall her. Vor jeder Heckenwirtschaft wurde geschlachtet – Hausmacher-Wurst, Bratwürste, Blaue Zipfel, angemachter Camembert, Kuhkäse und Schinkenbrot standen auf der Speisekarte. 1993 endete die Familientradition. Nun gab es ein vielbeachtetes Revival.
Treffpunkt für Heimatgeschichte
Seit zehn Monaten ist die ehemalige Kulturreferentin der Gemeinde im Ruhestand. Künftig möchte sie die Stube auch als Treffpunkt eines heimatgeschichtlichen Arbeitskreises nutzen. Eine solche Runde hatte es bereits im Vorfeld der 900-Jahr-Feier 1997 gegeben – nun soll sie neu belebt werden.
Die Stube war übrigens nicht nur Gastraum, sondern diente bei Hochwasser auch als „Krisenzimmer“ der Feuerwehr. Viele Geschichten könnten die Wände erzählen, geschmückt mit Zeichnungen der Großeltern.
Tradition mit Zukunft?
„Leider finden im Ort in diesem Stil keine Heckenwirtschaften mehr statt, da die Vorschriften immer strenger geworden sind“, bedauerte Edelmann. Umso größer war die Freude – vor allem unter früheren Besuchern – über die Wiederbelebung dieser besonderen Heckenwirtschaft.
Für viele war es eine Reise in die Vergangenheit, zurück in eine Zeit, als in fast jedem Haus Veitshöchheims Weinbau betrieben wurde. Am Ende blieb der Eindruck, dass hier mehr als nur eine Stube geöffnet wurde: ein Stück gelebter Ortsgeschichte – als Ort der Begegnung, der Erinnerung und des geselligen Miteinanders.
Fotos Dieter Gürz - Archivfotos Edelmann