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30 Jahre Grüne in Veitshöchheim: „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.“

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Rückblick auf 30 Jahre Grüne in Veitshöchheim

Mit viel Applaus, Rückblicken und einem augenzwinkernden Kabarettprogramm feierte der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen am Freitagabend sein 30-jähriges Bestehen in den Mainfrankensälen. Zahlreiche Wegbegleiter aus Gemeinde, Landkreis und Region würdigten drei Jahrzehnte grüner Kommunalpolitik – von den Anfängen als „Grüne Liste“ bis hin zur klimaresilienten Gemeindeentwicklung.

„Sie wundern sich vielleicht, warum wir hier stehen“, eröffnete Martin Husch den Abend. Gemeinsam mit Sissi Baudach führt er seit Oktober den Ortsverband. Günter Thein sei zwar nicht mehr Vorsitzender, aber weiterhin im Vorstand aktiv, stellte Baudach klar.

Als Leitmotiv zog sich ein Zitat von Erich Kästner durch den Abend: „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.“

Sie freuten sich sehr, 180 Gäste willkommen heißen zu können, darunter vieler Mitglieder aus dem Kreisverband Würzburg Stadt und Land.

Von der Unterschriftenaktion zum Ortsverband

Grüne Politik begann in Veitshöchheim lange vor der offiziellen Gründung 1996. Bereits 1990 zog mit Amadeus Braunewell ein Grüner in den Gemeinderat ein, später folgte Bernhard von der Goltz. Eine feste Parteistruktur gab es zunächst nicht – die „Grüne Liste“ war eine private Initiative.

Ein Auslöser für die Mobilisierung war 1995 der geplante Umbau des Geisbergbads in ein Erlebnisbad. Eine Unterschriftenaktion stoppte das Projekt.

Mit Blick auf die Kommunalwahl 1996 wurde schließlich klar, dass es eines eigenständigen Ortsverbands bedurfte – erst wurde die Liste aufgestellt, dann die Parteistruktur gegründet.

Thematisch prägten Umwelt- und Wasserschutz, die Ablehnung der Westumgehung und die Stärkung des ÖPNV die Anfangsjahre – Themen, die bis heute aktuell sind.

Klima, Fairtrade und Volksbegehren

Konkrete Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. 2012 wurde nach grünem Antrag ein Klimaschutzmanager eingestellt. Auch der Weg zur Fair-Trade-Gemeinde geht auf eine Initiative des Ortsverbands zurück.

Förderprogramme für Dachbegrünung, Zisternen und Versickerungsflächen seien „Bausteine für eine klimaresiliente Gemeinde“, betonten Baudach und Husch.

Engagiert waren die Veitshöchheimer Grünen auch bei landesweiten Volksbegehren – vom Artenschutz bis zur Abschaffung des Bayerischen Senats. Besonders „Rettet die Bienen“ habe gezeigt, dass Artenvielfalt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei.

 

Bürgermeister: „Kommunalpolitik lebt vom Mitmachen“

Bürgermeister Jürgen Götz würdigte in seinem Grußwort die Rolle der Grünen als festen Bestandteil der kommunalpolitischen Landschaft. „Drei Jahrzehnte politisches Engagement sind keine Selbstverständlichkeit“, sagte er.

Unterschiedliche Positionen seien kein Problem, sondern Bereicherung: „Wir haben nicht immer einer Meinung sein müssen – und das ist gut so.“ Entscheidend sei der respektvolle Umgang und die gemeinsame Suche nach tragfähigen Lösungen.

Zum Jubiläum überreichte er den traditionellen Scheck der Gemeinde – fünf Euro pro Jubiläumsjahr.

„Mutmenschen statt Gutmenschen“ - Kreisvorsitzende Jessica Hecht

Jessica Hecht lobte den Ortsverband für „30 Jahre Einsatz für Mensch und Natur“. Grüne Politik bedeute Verantwortung für die natürlichen Lebensgrundlagen. „Grün sein ist kein Selbstzweck. Es bedeutet Arbeit.“

Dem Vorwurf der „Besserwisserei“ hielt sie entgegen: „Wir sind keine Gutmenschen, sondern Mutmenschen.“

Demokratie verteidigen: MdL Patrick Friedl

Der Landtagsabgeordnete Patrick Friedl stellte die Verteidigung demokratischer Grundwerte in den Mittelpunkt. Demokratie bedeute eine offene, freiheitliche Gesellschaft auf Grundlage des Grundgesetzes. „Wir wollen, dass die Menschen hier gut zusammenleben.“

Er warnte vor dem Abbau von Umweltstandards unter dem Schlagwort Entbürokratisierung und sprach von „Klimaüberhitzung“ als konkreter Bedrohung der Lebensgrundlagen. Gerade deshalb brauche es weiterhin grünes Engagement.

Emotionaler Höhepunkt: Ehrung für Günter Thein

Den bewegendsten Moment bildete die Ehrung von Gründungsmitglied Günter Thein.

Landratskandidat Sven Winzenhörlein würdigte Thein als „Motor grüner Politik vor Ort“. Seit 31 Jahren Mitglied, ebenso lange im Vorstand – das stehe für Kontinuität und Verantwortung. „Wo der Ortsverband ist, da ist Günther – und wo Günther ist, da passiert etwas Grünes.“

Symbolisch überreichte der Ortsverband einen Baum: ein Zeichen dafür, dass Theins Engagement in Veitshöchheim Wurzeln geschlagen habe. Winzenhörlein verglich ihn mit einem Elektromotor: „verlässlich, leise, aber kraftvoll“.

Moderatorin Christina Feiler: "Die Grünen Veitshöchheim stünden nicht da, wo sie jetzt stehen, wenn Günter Thein nicht ein ganz entscheidender Motor gewesen wäre."

 Kabarettistischer Glanzpunkt: Heike Mix

Für Heiterkeit sorgte Kabarettistin Heike Mix, in Veitshöchheim bekannt aus dem Ensemble von „Frei und Frank“. Mit Chanson ("Ich bin eine Frau, die weiß, was sie will", Wortwitz und einem eigens getexteten „Wahlsong“ (Ihr seid die Grünen, Halleluja" nahm sie Politik, Gleichstellung und Klimadebatte aufs Korn. Der Saal reagierte mit Szenenapplaus.

 

 

Feministische Partei – Parität als Anspruch

Christina Feiler, Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, betonte ein zentrales Merkmal der Partei: Parität. Frauen stellten über 50 Prozent der Bevölkerung, seien aber in Parlamenten deutlich unterrepräsentiert. „Parität ist bei uns gesetzt“, sagte sie. Repräsentative Gremien spiegelten die Lebensrealität besser wider – etwa bei Themen wie Mobilität, Pflege oder Frauengesundheit.

 Sofagespräch: „Demokratie ist ein Mitmachsport“

Um die Sichtbarkeit von Frauen in der Politik zu stärken, hatte Christina Feiler (re.) zu den Sofagesprächen auf Grünen Sofas auf der Bühne Frauen eingeladen, die für die Grünen in der Region politisch tätig sind: v.l.n.r. die 21-jährige Medizinstudentin Mia Morell aus Lindflur (Beisitzerin im Kreisvorstand der Grünen, leitet seit über fünf Jahren hat den Jugendkreistag des Landkreises Würzburg und tritt jetzt an , um in den richtigen Kreistag zu wechseln), Karen Heußner aus Thüngersheim (Kulturreferentin der Gemeinde Veitshöchheim, stellvertretende Landrätin, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, möchte jetzt  Bürgermeisterin von Thüngersheim werden), als kompetente Co-Moderatorin die Landtagsabgeordnete der Grünen Kerstin Celina aus Kürnach (im Haushaltsausschuss des Landtags vertreten, Schwerpunkt soziale Themen) und die Grünen-Kreisvorständin und Kreisrätin Jessica Hecht aus Zell. 

Im Mittelpunkt standen persönliche Beweggründe, politische Erfahrungen – und der Anspruch, Demokratie lebendig zu gestalten.

Mia Morell: „Demokratie ist kein Zuschau-, sondern ein Mitmachsport“

Die 21-jährige Medizinstudentin Mia Morell erklärte: „Demokratie ist kein Zuschau-, sondern ein Mitmachsport.“ Junge Menschen müssten mit am Tisch sitzen, nicht nur Thema politischer Debatten sein.

 Karen Heußner: Kultur, Gesellschaft und Zusammenhalt

Karen Heußner hob die Bedeutung von Kultur und gesellschaftlichem Zusammenhalt hervor. Politik beginne bei der Haltung und zeige sich im Alltag – „Kommunalpolitik ist nah am Leben der Menschen“.

Jessica Hecht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Jessica Hecht nannte Artikel 1 des Grundgesetzes als Leitlinie: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Demokratie müsse nicht nur gelehrt, sondern gelebt werden – durch echte Aushandlungsprozesse.

Ehrungen und Ausklang

Verabschiedet wurden die nicht mehr kandidierenden Gemeinderäte Günter Thein (18 Jahre), Bernhard von der Goltz (zehn Jahre) und Dr. Sabine Stepper. Für langjährige Parteimitgliedschaft wurden neben Thein auch Gundekar Wirth, Amely Bauch und Armin Genser geehrt.

Ehrungen für langjährige Parteimitgliedschaft: Günther Thein (31 Jahre), Gundekar Wirth, Amely Bauch und Armin Genser (alle 30 Jahre).

Die Botschaft des Abends blieb klar: Engagement vor Ort wirkt – wenn man es anpackt. Ganz im Sinne Kästners.

Black Velvet Band

Musikalisch klang der Abend mit der „Black Velvet Band“ aus, die selbst ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum feiert.

Zur Besetzung gehören Udo Hafner, Peter Wendel und dem Grünen-Gemeinderatskandidat Christian Hartung. Für die Bewirtung sorgte Der Esswagen von Heike Baumann mit Speisen und Getränke auf Selbstzahlerbasis.

Ausstellung

Vor dem offiziellen Festakt informierten die Fairtrade-Steuerungsgruppe, die NaturFreunde und das Zukunftshaus Würzburg an Ständen über ihre Arbeit. Ausstellungstafeln zeigten ein „buntes Kaleidoskop“ aus 30 Jahren Ortsgeschichte.

Stand der Fairtrade-Steuerungsgruppe Veitshöchheim

Stand der NaturFreunde Veitshöchheim-Würzburg

Stand Zukunftshaus Würzburg

Ausstellungstafeln zur Ortsgeschichte der Grünen

Fotos Dieter Gürz

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