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Zäsur im Veitshöchheimer Gerätturnen: Ende der Talentschule – Aufbruch mit Ehrenamt und einem Mann, der seit 25 Jahren die Flamme trägt

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

52 Kinder und Jugendliche zählte die Turntalentschule der TGV Anfang 2021 - mit auf dem Foto hinten Jungentrainer Martin Kornely (links) und neben ihm TTS-Leiterin Carolin Fischer

Talente entdecken, Talente fördern, Talente begleiten – darauf ruhte über viele Jahre das Selbstverständnis der Turnabteilung der Turngemeinde Veitshöchheim (TGV). Diese Haltung trug Früchte: 2009 erhielt der Verein erstmals das begehrte Prädikat „DTB-Turn-Talentschule“. Eine Auszeichnung, die nur Standorten vorbehalten ist, die junge Turnerinnen professionell und mit einheitlichen Qualitätsstandards auf ihrem Weg nach oben begleiten. Bis Ende 2024 durfte die TGV dieses Gütesiegel tragen.

DIE prägende Figur dieser Ära war Carolin Fischer. Sie führte die Veitshöchheimer Gerätturnerinnen 2014 sogar aktiv in die Zweite Bundesliga und leitete die Talentschule seit ihrer Gründung – 16 Jahre lang. Unterstützt wurde dieses Modell von der Gemeinde Veitshöchheim, die nicht nur die Dreifachturnhalle zur Verfügung stellte, sondern auch in moderne Geräte investierte und die Trainerstelle pro Jahr mit 5000 Euro finanziell bezuschusste. 


Ein Bruch, der sichtbar wird

Wie erfolgreich die Turnerinnen über viele Jahre waren, zeigte sich jährlich bei der Sportlerehrung der Gemeinde. Namen wie zuletzt Tamara Pfister oder Mila Becker im Jahr 2024 prägten das Bild – Mädchen, die regelmäßig auf bayerischer Ebene glänzten.

Doch am 17. Oktober 2025 erlebte Veitshöchheim einen Moment, der sich wie ein Einschnitt anfühlte: Kein einziges Mädchen aus der Turnabteilung stand auf der Bühne bei der Ehrung des Vereins für Erfolge bis zur nordbayerischen Ebene. Stattdessen waren es die Jungen, die die Farben des Vereins hochhielten –  so die Teams der Altersklassen 8/9, 10/11 und 14/17 sowie Luis Weisenberger und Balian Feuchter.

TGV-Vorsitzender Dietmar Wagenschein bestätigte: Ende 2024 wurde die Turntalentschule aufgelöst, ebenso der Vertrag mit der hauptamtlichen Trainerin.

Es ist das Ende eines Kapitels – aber nicht das Ende des Gerätturnens in Veitshöchheim.


Gerätturnen im Wandel: vom Hauptamt zurück ins Ehrenamt

Auch 2025 tritt die TGV wieder mit einer weiblichen Mannschaft in der Bezirksliga an. Doch hinter den Kulissen hat sich vieles verändert: Die Trainingsarbeit ruht jetzt vollständig auf den Schultern von Ehrenamtlichen. Es ist ein Neustart – leiser, kleiner, aber getragen von Menschen, für die Turnen mehr ist als ein Hobby.


Ein Mann im Mittelpunkt: Martin Korneli

Seit Oktober 2025 steht einer dieser Menschen nun offiziell an der Spitze der Abteilung: Martin Korneli. Wer ihn kennt, weiß: Dieser Mann steht seit 25 Jahren zuverlässig in der Halle, mehrfach pro Woche. Er hat Generationen von Jungen begleitet, die Turnen nicht als Pflicht, sondern als Abenteuer erlebt haben.

 


Am 29. November 2025 hat Main-Post-Redakteur Lukas Eisenhut in einem ausführlichen Interview (siehe nachstehender Link) ein Bild von Korneli gezeichnet, das deutlich macht, was sein Engagement bedeutet – und was es kostet.

Eisenhut beschreibt darin einen Ehrenamtler, der Woche für Woche viele Stunden in der Halle steht, zusätzlich unzählige Stunden Verwaltungsarbeit leistet und all dies neben einem anspruchsvollen Beruf als Behördenleiter stemmt. Korneli spricht dort offen über die Freude, die er aus der Arbeit mit den Kindern zieht, aber auch über die Belastung, die entsteht, wenn Trainingsbetrieb, Organisation, Wettkämpfe und Verwaltung an einer einzigen Person hängen.

Das Interview macht klar: Dieses Ehrenamt ist kein Nebenbei-Job – es ist eine Lebensentscheidung. Und Korneli trifft sie jeden Tag aufs Neue.


Warum er weitermacht

Wer ihn sieht, wie er in der Halle einem Grundschüler beim ersten Flick-Flack hilft oder wie er sich über die Fortschritte seiner Jungen freut, versteht schnell: Korneli trägt dieses Gerätturnen nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. Er selbst sagt, dass viele seiner eigenen Trainer ihm früher etwas gegeben hätten, was er heute weitergeben wolle.

Sein Antrieb ist spürbar – und im Interview der Main-Post eindrucksvoll beschrieben: Es sind die Kinder, die mit leuchtenden Augen in die Halle kommen. Die kleinen Momente, die großen Erfolgserlebnisse. Und die Gewissheit, dass ohne Menschen wie ihn der Vereinssport nicht bestehen könnte.


Ein Appell – und ein Auftrag

Aus Kornelis Worten im Main-Post-Interview spricht aber auch ein Wunsch: Die Last müsse auf mehrere Schultern verteilt werden. Der Turnbetrieb brauche mehr Hände, mehr Helfer, mehr Menschen, die einen Teil Verantwortung übernehmen – im Training, in der Organisation, im Hintergrund.

Veitshöchheim steht nach dem Ende der Turntalentschule an einem Wendepunkt. Die Strukturen von damals sind Vergangenheit. Die Leidenschaft der Ehrenamtlichen aber ist geblieben. Mit Martin Korneli als Abteilungsleiter, Trainer, Organisator und Motor hat die TGV im Gerätturnen einen Menschen, der die Flamme weiterträgt – solange andere mit darauf achten, dass sie nicht erlischt.

Fotos: TGV-Turnen + Dieter Gürz

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