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Veitshöchheimer Gemeinderat bewilligte Nutzungskonzept und Investitionssumme von 583.000 Euro für Mittelbau und Rathaus

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Blick in den Rathausinnenhof von der Kirchstraße aus gesehen, links das Rathaus, im Hintergrund der Mittelbau und rechts der Ratskeller

Blick in den Rathausinnenhof von der Kirchstraße aus gesehen, links das Rathaus, im Hintergrund der Mittelbau und rechts der Ratskeller

Für das Jahr 2017 hat sich die Gemeinde Veitshöchheim die Sanierung des seit dem Auszug der Frühförderstelle im April 2014 leerstehenden Mittelbaus auf der Ostseite des Rathaushofes vorgenommen. Der Gemeinderat billigte in der Sitzung am Dienstagabend einstimmig das vom Bürgermeister vorgestellte Nutzungskonzept. Neben einer Kinderarztpraxis im Erdgeschoss sollen im Obergeschoss das Rathaus erweitert und im Dachgeschoss Büroflächen zur Miete angeboten werden.

Sanierungsmaßnahmen sind aber nicht nur für den Mittelbau, sondern auch für das Rathaus vorgesehen. So bewilligte das Gremium, für beide Gebäude eine Investitionssumme von 583.000 Euro im Haushalt für die Jahre 2017 und 2018 einzustellen.

In dieser Summe ist nach der Vorlage der Verwaltung auch enthalten

  • - die Dächer und die Fassaden von Mittelbau und Rathaus zu sanieren,
  • - ein Brandschutzkonzept für Rathaus und Mittelbau zu erstellen und umzusetzen,
  • - die Barrierefreiheit im Rathaus durch den Einbau eines Lifts herzustellen,
  • - und zur Herstellung eines ausreichenden Brandschutzes den Eingangsbereich zum Bürgerbüro umzubauen.

Mit den Architektenleistungen wurde der örtliche Architekt Holger Keß beauftragt. Er hatte bereits den Auftrag für die energetische Sanierung und den Umbau des 2011 wiedereröffneten Ratskellers, in den die Gemeinde 1,7 Millionen Euro investiert hatte.

Der Mittelbau
Der Mittelbau

Der Mittelbau

Nutzungskonzept MittelbauWie Bürgermeister Jürgen Götz in der Sitzung ausführte, ist nach einschlägigen Gesprächen mit Planern, Denkmalschutz und Schlösser- und Seenverwaltung angedacht, im Erdgeschoss eine Kinderarztpraxis einzurichten.

Dazu hatte er beim Neujahrsempfang gesagt, dass sich seine Frau nach der Schließung der Praxis von Dr. Werner Küstermann im August letzten Jahres an ihn als Bürgermeister gewandt und ihm ziemlich Dampf gemacht habe, dass es doch nicht sein könne, dass es in Veitshöchheim keinen Kinderarzt mehr gibt. Er solle sich mal etwas anstrengen. Er sei daher sehrfroh, dass seine Bemühungen und die der Verwaltung mit dazu beitragen konnten, dass ab 1. April 2017 mit Dr. Christa Kitz wieder eine Kinderärztin hier im Ort sein werde. Sie werde zunächst bis zur Fertigstellung der Praxis im Mittelbau in der ehemaligen Praxis von Dr. Jürgen Baudach in der Bahnhofstraße praktizieren, der sich bereit erklärt habe, seine Räume für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung zu stellen.

Die beiden Räume im EG, in der bis Ende 2014 noch die Touristik GmbH untergebracht war, sollen wie derzeit auch künftig einem örtlichen Verein zur Nutzung zur Verfügung.

Der erste Stock des Mittelbaus soll nach den Worten des Bürgermeisters der Verwaltung zugeordnet werden. Hierher sei die Verlegung das Trauzimmers vorgesehen. Weiter bestehe im Rathaus ein Defizit an Besprechungszimmern. Zudem werde für das Rathaus ein weiterer Serverraum benötigt, der in einem anderen Brandabschnitt stehe. Gebraucht werde außerdem ein Sozialraum für die Politessen und ein Raum für Auszubildende und für Praktikanten. Im OG sei auch ein Sozialraum für die Arztpraxis nebst Mitarbeitertoilette vorgesehen und ein Raum soll dem Ratskeller als Lager zugeordnet werden.

Für das  Dachgeschoss war man laut Götz im Rathaus noch bis zum Neujahrsempfang vor gut einer Woche der einhelligen Meinung, hier zwei Wohnungen einzurichten, wie dies früher der Fall war. Zwischenzeitliche Gespräche hätten jedoch ergeben, dass es hier ein Problem mit dem Brandschutz gebe. Es müssten sehr aufwändig Brandschutzteile ertüchtigt und eine permanent aufgeschaltete Brandmeldeanlage installiert werden, was nicht unerhebliche Kosten verursachen würde. Zudem befürchtet der Bürgermeister, dass eine Wohnnutzung zu Immissionsschutzproblemen mit dem Ratskeller führen könnte, insbesondere was die Außenbewirtschaftung im Sommer anbelangt. Diese Überlegungen hätten dazu geführt, die Nutzung im DG nochmals zu überdenken und diese Flächen auf den Markt als Büroflächen anzubieten. Es seien dies schöne Räume mit Blick in den Hofgarten mit einer Nutzfläche von 130 Quadratmeter.

In der Diskussion sprach Ute Schnapp (SPD) das Fehlen einer öffentlichen Toilette in der Ortsmitte an. Ihr Vorschlag, dafür die ehemaligen Tourist-Info-Räume zu verwenden, fand jedoch wenig Gegenliebe im Gremium. Der Bürgermeister sprach von unangenehmen Wirkungen, die hier ausgehen können. Schließlich war man der Meinung, dass eine von allen als notwendig angesehene öffentliche Toilette im Garagenbereich zwischen Rathaus und Bilhildiskindergarten besser angelegt sei. Eine Entscheidung hierzu wurde jedoch noch zurückgestellt.

Zur Frage von Gertraud Azar (SPD) nach der Barrierefreiheit des Mittelbaus führte Götz aus, dass vorgesehen sei, im Bereich des Treppenaufgangs auf der linken Seite einen Plattformlift einzubauen mit Erhöhung des Treppenpodests um eine Stufe.

Historische Gebäude um RathaushofGeschichtsträchtige Bauten

Die Gebäude rund um den Erwin-Vornberger-Platz gehören zu den geschichtsträchtigsten Bauten der Stadtrandgemeinde. Zu Zeiten der Fürstbischöfe entstanden um 1750 als Ergänzung für das Hofgartenschloss  der Kavaliersbau (heute Rathaus) mit Räumen für Gäste, Kavaliere, Hofkaplan und Hofmedicus, mit einer Ritterstube, geheimer Kanzlei und Speisezimmern. Direkt gegenüber dem Kavaliersbau wurde nach einem Entwurf von Balthasar Neumann der Küchenbau (heute Ratskeller) errichtet. Hier waren die Küchenmeisterei und Mundküche untergebracht sowie Lakaienwohnungen, aber auch Wohnungen für Trompeter und Waldhornmeister. Kavaliersbau und Küchenbau waren durch einen eingeschossigen Mittelbau für die Hofgartenwachen verbunden. Nur wenige Jahrzehnte wurden dann all diese Gebäude genutzt, um fürstbischöfliche Gäste zu bewirten.

Im 19. Jahrhundert waren die ehemals fürstbischöflichen Gebäude relativ ungenutzt. Sie gehörten der königlichen Krongutsverwaltung. 1902 wurde dann die „Königliche Obst-, Wein- und Gartenbauschule“ mit Internat gegründet und hier in der Ortsmitte Veitshöchheim in den Hofgartengebäuden angesiedelt. Der ehemals eingeschossige Mittelbau wurde 1923 durch das heute noch erhaltene zweistöckige Gebäude ersetzt, mit den beiden historischen Gebäuden verbunden und hier Lehr- und Büroräume für die Landesanstalt eingerichtet.   

Nach dem Umzug der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in neue Gebäude am Ortsrand von Veitshöchheim im Jahr 1968 waren die Gebäude wieder frei. Durch  Erbbaurechtsvertrag mit dem Freistaat Bayern sicherte sich die Gemeinde ab 1. Oktober 1969 die Nutzung der historischen Gebäude mit einer Laufzeit auf 76 Jahre bis Ende 2045.

Der Kavaliersbau wurde 1974 zum Rathaus umgebaut und im Küchenbau die Gaststätte Ratskeller eingerichtet. Den Mittelbau mit seiner Nutzfläche von 600 Quadratmeter richtete die Gemeinde zunächst für Wohnungen und eine Arztpraxis her, ehe sie ihn dann im Jahr 1993  nach Sanierung an die Interdisziplinäre Frühförderstelle des Vereins für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung e.V. vermietete. Ausgenommen waren die zwei Räume am Durchgang zur Bilhildisstraße, in der bis Ende 2014 die Tourist-Info untergebracht war.  Da das Gebäude jedoch nicht behindertengerecht ausgebaut war, gab die Frühförderstelle für Würzburg Stadt und Land den Veitshöchheimer Standort im April 2014 auf und zog nach Würzburg an den Berliner Platz 11 um.

Nachdem das Mittelgebäude nun längere Zeit leer stand, befasste sich jetzt der Gemeinde in seiner Sitzung am Dienstag mit der künftigen Nutzung des Gebäudes.

 

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